Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 19 (18.5.1935)
- Date
- 1935-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 10. Mai 1935 Ebenso wie die Senkung des Lebensstandards des Einzelnen zu einer gebieterischen Notwendigkeit wird, muß auch mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß es jüdische Organisationen und Gemeinden gibt, die den Emst der Zeit nicht ganz erkennen. Auch hier muß eine tiefgreifende Veränderung und Umgestaltung erfolgen. Es muß Klarheit darüber geschaffen werden, welche Organisationen und Vereine keine Lebensberechtigung mehr haben, seitdem die Gemeinden einen groben Teil der Aufgaben, die bisher von diesen Organisationen erfüllt wurden, übernommen haben. Der Übertrieben grobe Verwattungsapparal judischer Organisationen muH schärfster Nachprüfung unterzogen werden. Nichts wäre schlimmer in dieser Zeit als eine Vermehrung des bürokratischen Apparates, der allmählich zu einer enormen Belastung der jüdischen Gesamtheit führt. 1 He Aufgaben, denen die Gemeinden heute gegenüberstehen, wie: Wirtschaftshilfe, Rechtsschutz, Berufsberatung und -ausbildung, Arbeitsbeschaffung erfordern eine völlige Umgestaltung der Etats der Gemeinden und eine Verlagerung auf jene Gebiete, die lebenswichtig sind. Noch ist es Zeit, sehr vorsichtig zu beginnen, weil die finanzielle Bewegungsfreiheit der Gemeinden, namentlich in den Großstädten einen allmählichen Umbau der Ltats ermöglicht. Wenn aber erst die finanziellen Verhältnisse derart sein werden, daß sie Unsere Gemeinde. Enthüllung eines Felix-Goldmann-Bildes! Um das Andenken unseres allverehrten verewigten Rabbiners Dr. Felix Gold m a n n in der Gemeinde wachzuhalten, hatte sich ein Ausschuß zum Ankauf eines I clix-Uoldmaiin-Bildcs gebildet, der das von dem Kunstmaler Eduard Einschlag in vollendeter l-'orm ausgeführte Felix-Goldmann-Bild ankaufte und der Gemeinde gestiftet hat. Anläßlich der Enthüllung des Bildes und feierlichen Obergabe fand in dem festlich geschmückten Saal des I'elix-Goldmann-Heimcs eine vom Ausschuß veranstaltete Feier statt. Diese wurde eingeleitet durch Gesang des Liedes .,Herrgott, Abrahams, Isaaks und Israels", das Oberkantor L a m p e 1 (von seinem Sohn auf dem Klavier begleitet) mit graßer Wärme und künstlerischer Hingabe vortrug. Die Festansprache hielt Syndikus S a b a t z k y. Er entwarf ein kurzes Bild des Verewigten und wies darauf hin, daß sieh dieser nicht nur in seiner Gemeinde und nicht nur im Kreise des C.V. und der sonstigen Gremien, in denen er gewirkt hat, ein bleibendes Andenken erwirkt hat, sondern in der gesamten deutschen Judenheit. Neben dem geistigen Denkmal soll jedoch das von Künstlerhand ^geschaffene Bild, das eine große Beseeltheit in der Wiedergabe auszeichnet, das Andenken Ooldmanns für die kommende Generation wachhalten. Damit das Bild allen Gcincindckrciscn zugänglich sei, sei es in dem größten Saal der Gemeinde aufgehängt worden, der der Gemeinde zur Vertilgung stehe. Hesonderer Dank gelte auch dem Künstler für sein hingebendes Schaffen. Direktor Siegfried Jakob übergab namens des Ausschusses das Bild an die Gemeinde. Für diese übernahm es Vorsteher Carl (i o I d s e h in i d t, der erklärte, die Gemeinde werde es jederzeit in Ehren halten. Der Vorsteher dankte sodann den Spendern, die der Gemeinde durch die Stiftung eine große Freude bereitet hahen. Einschränkungen erzwingen, wird es für eine planmäßige und vorsichtige Umstellung der Etats zu spät sein. Dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und den jüdischen Landesverbänden in den übrigen deutschen Ländern erwachst hier die vielleicht wichtigste und verantwortungsvollste Aufgabe, denn die Umgestaltung der Etats kann nicht nur eine äußere Veränderung der Zahlen sein, sie muß von dem inneren Willen der gesamten Judenheit getragen werden, und das kann nur auf dem Wege einer erzieherischen Beeinflussung erreicht werden. * Diese Bemerkungen erschöpfen die Probleme unserer Wirtschaftssituation keineswegs; sie sollten nur beispielhaft einige Wege zeigen, die gegangen werden müssen, wenn die jüdischen Gemeinden in Deutschland trotz der offensichtlichen Verarmung erhalten werden sollen. Nicht pessimistische Schwarzseherei, noch weniger aber noch so gut gemeinter Optimismus können uns in dieser Zeit helfen. Nutzen kann nur die klare Erkenntnis der Situation, in der wir uns befinden, und die ernsthafte Umstellung auf die viel schwierigeren Verhältnisse, unter denen wir in der Zukunft werden leben müssen. Bevorstehende Veranstaltungen 12. Mai: Jüdischer Kulturbund: Alexander Kipnis. IS. Mai: Staatszionistische Organisation:: Vortrag Kareski. 26.U.27. Mai: „Der bunte Karren" im Künstlerhaus. 28. Mai: Jüdischer Kulturbund: Kammermusikabend des Mendelssohn-Trios. 30. Mai: Revue-Ensemble Willy Rosen u.a. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, d. 10. Mai, Abendgebet 19 Uhr. Sonnabend, 11. Mai, Morgengebet 9 Uhr, Jugendgottesdienst 15,13 Uhr mit Predigt; Nachmittagsgebet 20,05 Uhr; Abendgebet 20,39 Uhr. Gottesdienst an den Werktagen in der Ez-Chaim-Synagogc. Gemeindesynagoge. Sahbatgottesdienst: Freitag, 17. Mai, Abendgebet 19 Uhr mit Predigt. Sonnabend, 18. Mai, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 20,20 Uhr, anschließend Lehrvortrag; Abendgebet 20,52 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Talmud-Thora-Synagoge, Keilstr. 4. Freitag abend 19 Uhr. Sonnabend früh 8,30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 20,39 Uhr. Sonntag früh 7,15 Uhr. — Wochentags früh 7 Uhr, abends 20 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge, Otto-Schill-Straße. Freitag, den 10. Mai, abends 19 Uhr. Sonnabend, den 11. Mai, morgens 8,30 Uhr; nachmittags 17 Uhr; Ausgang 20,39 Uhr. Wochentag: Morgens 7 Uhr, abends 19 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge, Otto-Schill-Str. 4. Freitag, 17. Mai, abends Ein Jahr ist vergangen, seit der Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau und die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden gemeinsam mit den jüdischen Gemeinden Deutschlands die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau eingeführt haben. Tausende von freiwilligen Helfern haben in aufopfernder Weise mitgearbeitet, und es so ermöglicht, daß jeder Pfennig ungeschmälert seiner Bestimmung zugeführt werden konnte. Allen denen, die durch Spenden oder Mitarbeit ihre Verbundenheit mit unserem Werk bekundet haben, gilt der Dank des deutschen Judentums. — Ungeheuer groß sind die Aufgaben, die dem deutschem Judentum gestellt werden. Menschen aller Altersklassen, aller Berufsgruppen und aller sozialen Schichten muß geholfen werden. Menschen, die in tiefer Armut leben, muß notwendigste Der jüdische Kaufmann, der mit Anstrengung aller Kräfte Hilfe der Gemeinschaft zuteil werden. um seine Existenz ringt, muß Hilfe durch Rat und Kredit er- Die Gesundheit unserer Kinder, die Hoffnung halten. unserer Zukunft, muß geschützt und gepflegt werden. Die Wanderung nach Palästina und den anderen Ländern Alte Menschen müssen ihren Lebensabend in Ruhe und niuß allen denen ermöglichst werden, die sich draußen ein Frieden beschließen können. neues Leben aufbauen wollen. Jüdische Schulen müssen für unsere Kinder bereit stehen, Die Berufsumschichtung muß erhalten bleiben und weiter um ihr großes Erzieliungswerk im Dienste des Judentums zu geführt werden. Die Zukunft unserer Jugend hängt von ihrer leisten. gediegenen Ausbildung ab. Nur durch Anstrengung aller Kräfte des deutschen Judentums können diese Aufgaben gelöst werden. Die blaue Beitragskarte gibt mit ihren monatlichen Beiträgen von 0,25 bis 5,— RM. jedem die Möglichkeit der Beteiligung. Wir erwarten keinen leicht entbehrlichen Beitrag, sondern wir verlangen im Namen des deutschen Judentums spürbare Opfer, die allein wirkliche Verbundenheit mit einer Idee bezeugen. Kein Jude in Deutschland darf in Zukunft ohne die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau sein!