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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-05-03 · 18 (3.5.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
18 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 3. Mai 1935 Konzerte 3. Kulturabend. Mit dem Qastspiel des Kulturbundtheaters Berlin wurden uns auf dem Gebiet der humorvollen Buffo-Oper „Die Magd als Herrin" von Pergolesi und „Der Schauspieldirektor4' von Mozart, iwei reizende \\ erke geboten. Nur möchte ich die Frage aufwerfen, warum hat man nicht die Originalwerke bevorzugt? Wenn schon Hugo Strelitzer die Abert'sche Bearbeitung zur Magd der Herrin benutzt, warum bringt er dann die Arie der Scrpina und andere kleine Verschiebungen, sowie Nameninderungen u.dgl. mehr hinein, ich dachte doch, daß gerade die Bearbeitung von Prof. Abert derart vollkommen ist, dall sieh wahrhaftig solche Willkürlichkeiten vermeiden hellen. Und warum hat Hugo Strelitzer nicht den „Schauspieldirektor" im Original der Peters Ausgabe verwendet? Die Bearbeitung von Schneider, die er brachte, muß man ganz ablehnen. Schon der grolle Mozarthiograph Otto Jahn empfand die Bearbeitung Schneiders als eine Mißhandlung und fand es unerhört, das darin Mo/art als verliebter laut auf der Buhne lächerlich gemacht wird! Die Aufführung der Werke unter Kapellmeister Strelitzer war ausgezeichnet und fein durchgearbeitet. Das Ensemble besitzt tüchtige Kräfte, die ein verwohntes Publikum, wie das Leipziger, zu fesseln vermögen. Glänzend schauspielerisch wie gesanglieh waren Rita Atlasz. Gerhard Pechner und Paul I eher. Ria Atlasz' Sopran gab mit (irazie und Schneid die „Serpina und Mamsell Uhlig", Gerhard Pechner (Bariton) führte die Partien des „Uberto und Sclükaneder" charakteristisch durch. Paul Feher mit seinem strahlenden Tenor hatte leider das Unglück, die Mozartpartie darzustellen. Die anderen Partien lagen bei Gerti Kuthan, Julius Kuthan, Ernst Lenart und Emil Berisch in guten Händen. Kurt Baumann hatte mit den knappen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, wirkungsvolle Regie geleistet. Hugo Strelitzer dirigierte mit Temperament vom Flügel aus die Opern und sein gutgeschultes Kammer Orchester ging auf alle Intentionen des Kapellmeisters ein. Das Leipziger Publikum dankte mit größtem Beifall! tt. Sport vom Sonntag. (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) (Wegen Raummangels erfolgt dieser Berieht der Vorwoche erst in dieser Nummer.) Durch das D. F. B.-Meisterschaftsspiel am vorletzten Sonntag und die dadurch verllangte Spielsperre ab 13 Uhr und durch Pessacn war an den letzten beiden Sonntagen auf den hiesigen Spielfeldern ein recht magerer Spielbetrieb. „Bar Koch ha" hatte lediglich ein einziges Spiel auf seinem Platze. Die „A.-H."-Mannschaft schlug die I. I uliballelf des „Makkabi"-Ilalle nach einem recht interessanten offenen Kampfe 4:2. Die Stärke und die Spielerfahrung dieser Mannschaft bewährte sich auch in dem Osterturnier, das der „Spielausschult der judischen Sportverbinde Berlin" veranstaltete. In einem Blitzturnier von fünf Mannschaften in dem jede gegen jede zu spielen hatte, ging diese Elf als glucklicher Sieger hervor, und bewies damit wiederum, dall zu sportlichen Lrfolgen nicht immer die Jugend, sondern der Wille und die Hingebung ausschlaggebend sind. Die „Alte Herren" des hiesigen „Schild" belegten bei diesem Turnier den 3. Platz und rangieren damit vor den Berliner Chlbs „Hagibor" und „Bar Kochba-Hakoah". Diese Elf braucht noch etwas mehr Spielerfahrung und Härte, dann wird sie auch stärkere Gegner nicht mehr zu fürchten brauchen. Das bedeutendste Ereignis für den „Schild'' war das Handball-Rückspiel gegen den Bruderverein in Dresden. 5:1) war das Vorspiel ausgefallen, und darum mußte die Leipziger Elf mit aller Aufopferung an diesen Kampf herangehen, um noch als Lande-.mei-.ter in Trage zu kommen. Höher als gedacht mußte Dresden dieses Mal die Überlegenheit des Gegners erfahren. Mit 6:1 Toren hat der hiesige „Schild" damit auch die Landesmeisterschaft im Handball errungen. Wichtiger als die große Tordifferenz ist die Art und Weise, mit der Leipzig gewann. Mit einer seltenen Hingabe und Begeisterung spielte die Mannschaft, sich dessen stets bewußt, dall nur in einem solchen Geiste dieses Spiel gewonnen werden kann. Diese Spielauffassung muß weiter bestehen, dann wird sieb noch mancher schöne Erfolg einstellen. Im Gegensatz hierzu mußte die „A.-H."-Mannschaft eine Ü:7-Niedcrlagt einstecken, weil es einige Spieler nicht für nötig erachteten, trotz direr Aufstellung zu erscheinen. Auch die Knabenelf mußte abermals mit gleichem Resultat wie oben die Überlegenheit der Judischen Volksschule anerkennen. Die Ehre des Tages auf dem hiesigen Platze rettete die I. I uliballelf mit einem 3:1 gegen eine sehr starke komb. Mannschaft, der besten, die seit langem dem „Schild" entgegentrat. Am letzten Sonntag hat sich die I. I uliballelf des „Schild" ihre weitere Teilnahme an der Reichsmeisterschaft des R. j. E.-Sportbundes durch einen 5:0-Sieg über die R. j. I .-Sportgruppc Meiningen erspielt. Es muß gleich gesagt werden, daß der nächste Kampf am kommenden Sonntag gegen Breslau mit mehr Aufopferung und Konzentration durchgeführt werden muß, es soll aber auch zugegeben werden, daß Meiningen in keinem Spiclmoment für den Sieg in Präge kam, so dall die leichtere Gangart der hiesigen Mannschaft dadurch in etwa zu verstehen ist. Bei der Pause stand d is Treffen bereits 3:0. die beiden letzten Tore erzielte sogar der stark geschwächte Sturm, denn Goldschmidt war durch eine Sehnenzerrung sehr stark behindert und Kalfus mußte '/» Stunde vor Schluß durch eine alte Verletzung ausscheiden. Hutterer war die treibende Krall im Angriff und hatte besonders in seinen beiden Nebenleuten Goldschmidt und Kalfus, bis zu ihrer Behinderung, starke Stützen. Die beiden Außen ließen in diesem Spiel manche Wünsche offen, die Läuferreihe war wiederum der beste Mannschaftsteil, die Verteidigung hatte bei dein harmlosen Sturm des Gegners keine allzu schwere Arbeit. Auch die I. Handballelf konnte ihr Rückspiel und damit die Revanche für ihre letzte Niederlage gegen „Bnth Habonim" siegreich durchführen. Es ist kaum zu verstehen, daß dieser Gegner die „Schild"-Elf noch vor einigen Wochen schlagen konnte, denn mit 12:1 mußte er dieses Mal kapitulieren. Das ganze Spiel der Siegermannschaft zeigte eine I rische und Lust, dall man die gesamte Elf nur loben kann, mit der kleinen Einschränkung jedoch, daß auch bei solcher Überlegenheil nicht vergessen werden soll, die Außen zu bedienen. Das Schönste an diesem Treffen war die I airneß, mit der es durchgeführt wurde, die Aufopferung tles Gegners bis zur letzten Spielsekunde, der auch körperlich der „Schild"-Elf stark unterlegen war. Die A.-H."-Mannschaft spielte gegen die II. Mannschaft der Meininger 3:3, und die II. „Schild"- En holte sich die einzige Niederlage des Tages gegen eine komb. Elf mit 5:4, kein Wunder auch, wenn man nicht vollzählig zur Stelle ist. „Bar Kochba" weilte mit zwei Mannschaften in Halle beim dortigen „Makkabi" und kam auch mit zwei hohen Siegen wieder nach Hause. Die I. I uliballelf gewann, sogar ersatzgeschwächt, 9:1, und die Knaben siegten gar 12:0. Herausgegeben vom Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Schriftleitung: Oemeinderabbiner Oustav Cohn, Leipzig Cl, Walter Blümel-Str. 10, III. Anzeigen : Verlag Elsa Ooldlreun'l, Leipzig OS, UcborlusstraBe Sa. Anzeigenleiter: Ernst Ooldfreund, Cichoriusstraßc 2a. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Nummern und an bestimmten Plilzen wird keine Gewähr übernommen. Druck: Druckereider Wcrkgemeinacbatt, Leipzig Cl,Bruderstr.lv. D. A. I. SS, 4250. Für den Inhalt der Inserate fibernehmen Gemeinde vorstand und Schriftleitung keine Verantwortung. Vereinsnachrichten. Kulturbund. Am 12. Mai, abends S, 15 Uhr, findet ein Konzert eines der bedeutendsten lebenden jüdischen Sänger Alexander Kipn i s statt. Es ist gelungen, Herrn Kipnis, der eine Konzertreise nach Amerika unternimmt, zu veranlassen, unmittelbar vor ihrem Antritt in Leipzig noch aufzutreten. Der Kulturbund hat augenblicklich zwei dringende Sorgen: Einmal der pünktliche fieginn der Veranstaltungen; wir weiden künftighin unsere Veranstaltungen nicht mehr um 8 Uhr, sondern 8,15 Uhr beginnen lassen und um 8 Uhr den Zugang zu den Garderoberäumen solange geschlossen halten, bis die rechtzeitig dort Anwesenden ihre Garderobe abgegeben haben. Von nun an wird der Zugang zum Konzertsaal pünktlich zur festgesetzten Zeit geschlossen werden, gleichgültig, ob in den (iarderoberäumeii sich noch Besucher, die nicht abgefertigt sind, aufhalten. Wir sind davon uberzeugt, daß unsere Mitglieder für diese unsere Maßnahme Verständnis haben werden. Machen Sie uns die Arbeit nicht so schwer, und erleichtern Sie es sieh auch selbst, indem Sie Ihre Mitgliedsbeiträge und sonstige Formalitäten nicht erst am Veranstaltungsabeud erledigen. Wie schon des öfteren bekanntgegeben, sind die Mitgliedsbeiträge jeweils bis zum 12. des laufenden Monats zu zahlen, entweder in unserem Büro, Goethestr. 1 III, Geschäftszeit zw ischen 1(1 und 12, auller Sonnabend, Sonntag und Feiertagen, oder aber in unseren Zahlstellen: den Buchhandlungen M. W. Kaufmann, Brühl 8, Rose Neumann, Passage Königshaus, den Zigarrengeschäften Wietepski, Brühl 52, I). Kosen, l'eterssteinweg II) und der Handelsbank Iwria, Kitterstr. 2'J 2«. Wir möchten jedoch bemerken, daß Zahlungen in den Zahlstellen nur bis zwei Tage vor der jeweiligen Veranstaltung geleistet werden können. Ealls eine Veranstaltung vor dem Ii. eines Monats stattfindet, müssen die Mitgliedsbeiträge jeweils zwei Tage vor der Veranstaltung gezahlt sein. Alle Zahlungen nach den obigen Eristen bedingen einen Verzugszuschlag von KM. 0.25 pro Mitglied. Der Kulturbund ist jetzt erfreulicherweise so angewachsen, daß der uns geeignet erscheinende Konzertsaal bald vollbesetzt «ein wird. Wächst die Zahl der Mitglieder weiter, dann tritt der Zustand ein, dall wir gezwungen sind, entweder einen sehr viel grölleren oder ungeeigneten Saal zu nehmen oder aber die Veranstaltungen am folgenden Tage zu wiederholen. Dann käme unser Etat vollkommen ins Wanken. Wir werden deshalb nur noch eine kleine Anzahl neuer Mitglieder aufnehmen und dann Anmeldungen nur mit der Maßnahme entgegennehmen, daß diese spät angemeldeten Mitglieder erst dann aufgenommen werden, wenn die Zahl von mindestens 300 solcher Anmeldungen erreicht ist. Wir teilen das deshalb sehen jetzt mit, damit später die Verweigerung der sofortigen Aufnahme nicht Mißstimmung erregt. Die Vorbereitungen der neuen jüdischen Kleinkunstbühne „Der bunte Karren" für das zweitägige Gastspiel am 18. und IQ. Mai sind im volle l Gange. Um den Darbietungen die beabsichtigte intime Note zu sichern, ist für diese Veranstaltung der Theatersaal des Kunstlerhauses vorgesehen. Hier werden nun fast täglich unter der fachmännischen und zielbewußten Leitung des Hegisseurs Fred Wald und mit Unterstützung des früheren Dirigenten der Hallischen Oper, SchAnbach. die original jüdischen Weisen, Tänze und Stücke wie die aktuellen Nummern immer aufs neue szenisch und

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