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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-04-26 · 17 (26.4.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
17 (26.4.1935)
Date
1935-04-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4500 Stück (Bemetoö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGE-MErlN DE- ZU I Jt|D7|rL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT bLll^l\7 DER GEMEINDEVERWALTUNG! Schrlftleltungi Oemeinderabbiner OnsUvCobn Leipzig Walter Blüm d-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellen- Mgibe und mit Genehmigung d« Verfassers gestattet Nummer 17 - Jahrgang 11 26. April 1935 Anzeigenannahme) E. Qoldfreund, Leipzig 0 5, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druck rei der Werkgemeinschaft, Leipzig C I. Deutsches Judentum in Briefen. Kür geschichtliche Darstellung hat die neuere Methode Quellenstoff nut/har gemacht, dessen Wert für das Verständnis einer Zeit früher nicht erkannt worden war. Zu diesen „Denkmälern", die als geschichtliche „Urkunden" verwendet werden, zählen die Briefe. Ihre unvergleichliche Bedeutung als Qeschlchtsqueile beruht vor allem auf der Tatsache, daß sie nicht von vornherein als „Urkunden" gedacht waren und gerade deshalb desto unbefangener Zeugnis für ihre Zeit ablegen. Sie gewähren häufig wichtige Einblicke in die auch anderwärts geschilderten Vorgänge; mehr aber noch geben sie vielfach ausgezeichnete Aufklärung über den Zustand einer Zeit, beleuchten die Bewegungen, die Stimmungen, die treibenden Kräfte, die Ansichten und Absichten der Menschen, ihre Kämpfe, ihr Ringen, ihre Stellung /.u den Fragen der Tage. Die jüdische Geschichtschrcihung weist für weiter zurückliegende Epochen manche Unzulänglichkeit auf, weil der Strom der Quellen zu dürftig fließt, nicht zuletzt, weil diese Art des unerläßlichen Ergänzungsmatcrials nur in sehr beschränktem Umfange vorliegt. Die jüdische ßriefliteratur früherer Zeiten ist wohl recht umfangreich. Aber sie hat vorzugsweise religiöse oder rechtliche Streitfragen zum Inhalt. Auch in diesem Zusammenhange begegnen viele wichtige Beiträge zur Kenntnis der kulturellen Situation der Zeit, in der sie geschrieben wurden. Doch nur. so nebenher, beiläufig; die Ausbeute rechtfertigt nicht immer die Mühen, die aufgewandt werden müssen, wenn scheeloth utheschuwoth nach dieser Richtung durchforscht werden. Nur selten sind aus älterer Zeit Privatbriefe von so hervorragendem Werte erhalten gebliehen, wie etwa die durch einen Zufall gerettete Sammlung von Briefen, die lbl<) von Prager Juden an verwandte oder befreundete Wiener Juden gerichtet waren (herausgeg. von Landau-Waehstein). Erst in neuerer Zeit hat die jüdische — wohl auch die allgemeine - Briefliteratur einen solchen Umfang angenommen, da Ii der Geschichtsforscher aus dem Vollen schöpfen kann. Neben der noch immer sehr reichhaltigen Responsenliteratur steht eine nach Tausenden zählende Menge von gedruckten und handschriftlichen Briefen zur Verfügung, in denen alle Kragen der Tage behandelt werden. Gleichwohl fehlte es bisher au jedem Versuche, sie für ein Bild der jüdischen Lage und Entwicklung nutzbar zu machen. In seinem Werke «Juden und Judentum in deutschen Briefen aus drei Jahrhunderte n" (Wien l')35 im Saturn-Verlag) unterbreitet Kranz. K o b 1 e r zum ersten Male einen durch viele Hunderte von Briefen und Briefteilen geschaffenen „Querschnitt durch die Geschichte und Briefliteratur**, und löst damit eine doppelte Aufgabe. Noch fehlt es an einer systematischen Behandlung des jüdischen Briefstils, insoweit es sich um den deiitschgeschriebenen Brief des Juden handelt. Für die älteren, auch für die neueren hebräisch geschriebenen Briefe liegen immerhin in den mehrfach veröffentlichten „Briefstellern" Vorarbeiten für eine solche Forschung vor. Für Jüdische Schulen. Das Schulgeld für den Monat Mai ist bis zum 6. Mai zu entrichten. Infolge der Ferien und der Feiertage sind Eltern mit der Zahlung des Schulgeldes für den Monat April im Rückstand geblieben. Dieser Rückstand ist bis zum 6. Mai zu bezahlen. Diejenigen Kinder, für die diese Schulgeldbeträge nicht pünktlich bezahlt werden, können zum Unterricht nicht zugelassen werden. Leipzig, den 23. April 1935. Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig e. V. den deutschgeschriebenen Brief noch nicht. Die hier von Kobler mit großem Geschick getroffene Auswahl fesselt gerade in dem Nebeneinander von Briefen aus mehreren Jahrhunderten, von Briefschreibern der verschiedensten Art, Männern und Frauen, alttraditionstreucn und reformfreudigen, Gelehrten, Künstlern, Politikern und Praktikern, vielfach auch neben Briefen von Juden an Nichtjuden solche von Nichtjuden an oder über Juden. Dem aufmerksamen Leser drängen sich beim Lesen schon manche Besonderheiten als charakteristische Kennzeichen des jüdischen Briefes auf, mancher Wandel in der äultercn Form, vor allem aber in der inneren 1 laltung. Fester als an diesem mehr literarischen Gesicht dieser Briefe haftet der Blick des verdienstvollen Herausgebers an ihrer geschichtlichen Auswertung. Durch Erläuterungen und Einführungen in die einzelnen Gruppen und Persönlichkeiten stellt er die Briefe in den historischen Zusammenhang, besonders interessant im gegenwärtigen geschichtlichen Moment, da die Auseinandersetzung mit dem Zeitalter der Emanzipation die deutschen Juden stark beschäftigt. In fünf Abschnitten rollt sich in dieser lebendigsten aller Darstellungsformen das Bild der etwa drei Jahrhunderte ab, beginnend mit dem „Ende des jüdischen Mittelalters (IblS 173(1)", auf das die „Aufklärung", (1750 - 17*X>) im Mittelpunkt die Gestalt Moses Mendelssohns, folgt. Das Fortschreiten der Emanzipation wird im dritten Teil „Geschlossene Tore offene Salontüren" (17<X) - 1S14) sichtbar. Waren die Bestrebungen der jüdischen Aufklärung von dem Gedanken der wechselseitigen Anziehung jüdischen und abendländischen Geistes getragen, so begegnen in der Emanzipationsbewegung ieni" (ii'«ta|ti>ii die ihr Fintritt in die nhendlrindUrlir VjfrVIt vom t t ™ " rwmm Judentum losreillt und dem Christentum rudringt; das Geschlecht Mendelssohns, Henriette Herz, und ihre Freundschaft mit Schleiermacher, die Ehe der Dorothea Mendelssohn mit Friedrich Schlegel. II Für die nietete Ausgabe des Gemeindeblattes ist infolge des I I | nationalen Feiertages bereits am Dienstag abend Anzeigenschluß. | |

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