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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-04-12 · 15/16 (12.4.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
15/16 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1. 3& Aufflage 4500 Stück (BcmcinöeWatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I frl D7lfm AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT LL I lial>7 DER GEMEINDEVERWALTUNG! Schrlftleltungi Ocmeinderibblner OusUvCobn Leipzig Walter Blflmcl-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellen- ■ngibe und mit Genehmigung des Verfallen gestattet Nummer 15/16 ■ Jahrgang 11 12. April »35 Anzeigenannahme! E. Ooldireund, Leipzig 05, C choriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Dru kirei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Gemeintleabend (IJIaimoiiides-Feler). Aus Anlaß der 800. Wiederkehr des Geburtstages des großen jüdischen Denkers Maimonides veranstalten wir am Sonntag, den 21. April 1935, 7.SO Uhr abends in der Synagoge Otto-Schill-Straße einen Oemeindeabend, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Alexander Altmann, Berlin über das Thema „Die geistige Gestalt des maimonides66 sprechen wird. Musikalische Darbietungen unter Mitwirkung des Herrn Oberkantor Wilkomirski und des Synagogenchors umrahmen den Vortrag. Reservierte Plätze sind in beschränkter Anzahl zum Preise von RM. —.50 vom 15. April an der Kasse des Gemeindeamtes erhältlich. Zu allen übrigen Plätzen ist der Eintritt frei. Wir erwarten, daß sich unsere Oemeindemitglieder recht zahlreich einfinden. Um pünktl. Erscheinen wird gebeten. Leipzig, den 5. April 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Zur 800. Wiederkehr von Maimonides' Geburtstag. (14. Nissan 1135.) Die besondere Einstellung unserer Tage zu Maimonides wird durch die Tatsache bekundet, da Ii sein 8011. Geburtstag zu einer einmütigen Feier der gesamten Judciihcit der Welt Anlaß gibt. Es erscheint bemerkenswert, daß man vor hundert Jahren zu einer solchen Feier keinen Anlaß sah. Dann führte die Wiederkehr des 700. Todestages (1904) wohl zu der Anregung, die Beschäftigung mit Leben und Werken dieses „zweiten Mose" wieder aufzunehmen, immerhin verblieb es damals bei einigen Händen, in denen Werke und Gedanken Mose b. Maimons systematisch durchforscht und dargestellt wurden. Zu einer wahren Feier ist es erst in diesem Jahre gekommen. Diese Feier ist eine vollkommene geworden. Wohl nicht hauptsächlich, aber doch immerhin nicht wenig beeinflußt durch die Tatsache, daß sie in einer Rehabilitation jüdischer Geistesarbeit durch die spanische Regierung ihren Gipfelpunkt hatte: die in Cordova, der Geburtsstadt Maimonides', veranstalteten Staatsfeiern waren wohl die glanzvollsten unter den Maimonidesfeiern der Welt. Stärker iher als dies wirkt doch die innere Wandlung, durch die im 19. Jahrhundert das geschichtliche Denken der Juden gewachsen ist. Persönlichkeiten so großen Formats bewähren den oft ausgesprochenen Gedanken, daß der Große in seinen Werken weiterlebt. Maimonides hat, trotzdem seit seinem Tode mehr als 730 Jahre vergangen sind, in Wahrheit nie aufgehört. Und er hat — und das ist der tiefere Sinn aller der l eiern, die heute von Juden zu seinem Ruhme bedangen werden — auch unserer Zeit noch vieles zu sagen. Schon die Voraussetzungen, unter denen er sein Leben gestalten mußte, waren ungewöhnlich; nur eine so starke Liebe zum Judentum und zur jüdischen Gemeinschaft, ein so tiefverwurzeltes Verantwortungsbewußtsein, eine so starke Überzeugung von der Verpflichtung, übertragene Sendung Ol vollziehen, konnte Maimonides all diese äußeren Schwierigkeiten überwinden lassen. Am Vortage des l'assahfestes (14. Nissan 30. März) 1135 in Cordova geboren, wurde Maimonides als Dreizehnjähriger aus der Ruh-.' einer stetigen Entwicklung herausgerissen, um erst nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten unsteten Wanderlebens wiedet heimatlichen Hoden zu gewinnen. Man vergegenwärtige sich: der dreizehnjährige Knabe, von dem vielunterrichteten, geistig regsamen Vater in die Hallen Jüdischen Wissens eingeführt, muß mit den Seinen vor dem Fanatismus, der ihn wegen seines Judentums verfolgt, den Wanderstab ergreifen. Zehn lange Jahre hindurch - es sind Jahre, die den Grund zum Lebensbau fügen sollen , zehn lange Jahre hindurch wandert die Familie von Ort zu Ort, immer mehr durch die Unduldsamkeit eingeengt; so oft sie glauben, an einem Orte Sicherheit gefunden zu haben, folgt auch dahin ihnen die Hand der Bedränger und treibt sie weiter. Unter solchen Verhältnissen arbeitet der Jüngling an seiner geistigen Entwicklung. Er sieht die Größe einer Aufgabe vor sich: es gilt, der Entmutigung der Juden entgegenzutreten, die als Folge der Leiden durch den musehnanischen Fanatismus sichtbar wird. Er erkennt, daß nur aus der starken Verwurzelung in der jüdischen Lehre und dem aus ihr fließenden Glauben die Seelen Festigung und Stärkung gewinnen können. Unter seinen ersten Schriften ist eine diesen von Mutlosigkeit Bedrohten gewidmet. Er legt ihnen mit dem starken Gewicht einer

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