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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-03-22 · 12 (22.3.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
12 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 22. März der Schutzgeist seines Volkes geworden, so wird der Geist des scheidenden Direktors in seinem Werke fortleben, wie er selbst — davon sind wir Überzeugt auch in der Ferne seine schützende Hand über die von ihm gegründete Schule halten wird. Und so möge er denn, zusammen mit seiner Familie, im heiligen Lande der Väter, wo er seinen Ruhestand genießen will, all die Segnungen erfahren, die Ihm aus dem Dank seiner Schüler und Verehrer erwachsen. K. Jüdische Zeitschau Juden in öffentlichen Lokalen. Die „Nationalsozialistische Schlcsische Tageszeitung'' in Breslau beanstandet in einem Artikel, der „Schiuli mit der Rassenschande t" überschrieben ist, das Verhalten von Juden in öffentlichen Lokalen. „Immer wieder tanzen sogar in Breslauer öffentlichen Lokalen schmierige Juden mit arischen Frauen. Es darf in der Erkenntnis unserer rassischen Notwendigkeiten kein Schwanken geben und kein Zurückweichen. Wenn heute noch Juden in Öffentlichen Lokalen arische Frauen zum Tanz auffordern, ist das eine offene Kampfansage gegen das völkische Deutschland. Auf eine offene Kampfansage gibt es nur ciiv Antwort: Wenn sich Frauenspersonen da/u hergehen, mit Juden in enge Beziehungen zu treten, verdienen sie, öffentlich angeprangert zu werden ..." (JTA.) Unsere Gemeinde. Gedenkfeier für die Gefallenen. Am 17. März fand, wie alljahrlich, die von der Israelitischen Keligionsgemeinde und dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Leipzig veranstaltete Gedenkfeier für die jüdischen Gefallenen im Weltkriege statt. Nach einem Orgelvorspiel des Herrn Kapellmeisters Simon wies ücmeinderabbiner Cohn in seiner Ansprache darauf hin, dali diese (Iedenkfeier einen weiteren Rahmen zieht als die auch sonst im Laufe des Jahres in der Synagoge abgehaltenen Lrinnerungsstunden, in denen immer auch der Gefallenen des Weltkrieges gedacht wird: diese (iedenkfeier ufilt der Gesamtheit aller jüdischen Gefallenen, die Blutzeugen für das Judentum geworden sind. Sie haben den vom Sinai her im Judentum verwurzelten Pflichtbegriff bewährt, liaiien d<-n Beweis für die Treue geliefert, die die Juden allezeit ihren Heimatländern hielten. Als tieferen Sinn solcher Gedenkfeiern bezeichnete der Redner das Gelöbnis unentwegter treuer Pflichterfüllung im Sinne des Judentums für die Förderung von Gerechtigkeit und Frieden. Nach der Rezitation des „Haschein moh odom" durch Herrn Kantor Jaffe, sprach der Vorsitzende des Rcichsbunde* jüdischer Frontsoldaten, Rechtsanwalt Dr. Alfred Jacoby, von der Verbundenheit der jüdischen Frontkämpfer mit allen denen, die ihre Vaterlandsliebe in treuer Pflichterfüllung bewährt haben, und bezeichnete es als Aufgabe solcher Gedenkstunden, daran zu erinnern, daß wir unseren Dank an die Gefallenen abstatten müssen, indem wir uns tatkräftig aller derer annehmen, die durch den Krieg unersetzliche Opfer haben bringen müssen. — Nach einer Variation auf der Orgel über den guten Kameraden, sang Oberkantor Lamp e 1 ein Rezitativ aus Händeis „Samson" mit einem für die Gedenkfeier unterlegten Text. Ein Orgelnachspiel beschloß die würdige Gedenkfeier, der viele Hunderte Gemeindemitglieder ergriffen beiwohnten. Vorstandswechscl im Israelitischen Frauenvercin. Lin bedeutsamer Tag für den Israelitischen Frauenverein war seine 83, Hauptversammlung, die am I i. März d. J. in den Räumen der Leipzig-Loge, ArndtstraBe 1, stattfand. Durch die Amtsniederlegung der allverehrten Vorsitzenden, Frau Amalie Zander, machte sich ein Wechsel in der Leitung des Vereins notwendig. Nachdem die Vorsitzende die Anwesenden begrüßt hatte, sprach sie den Damen des Vorstandes für ihre Mitarbeit und den Mitgliedern für die Treue, die sie dem Verein gehalten haben, in bewegten Worten ihren Dank aus. Mit diesem Dank und mit der Versicherung, auch ihrerseits nach wie vor in I reue /u dem Verein ZU stehen, legte sie ihr Amt als Vortitzende nieder. Es folgte nun der Geschäftsbericht, aus dem zu erlehen war, in wie schwerer Lage der Verein sich durchgerungen. Trotz bedeutend verminderter Beiträge und Spenden war es möglich, 35 bedürftig« Familien dauernd, NW vorübergehend zu unterstützen, Zuschüsse zu Kuren und Badereisen zu geben, schulentlassenen Mädchen dU Mittel zur Berufsausbildung zu gewähren. Iis wurde dann der Rechnungsbcrichf verlesen und die Vorstands wähl vorgenommen. SatzungsgemiB sind drei Mitglieder ausgeschieden und statt der Ausscheidenden sind Frau Else (John, Frau Lotte Levy und Frau Bella Breslauer in den Vorstand gewählt. Zu erwähnen ist noch, dali die Pfundsammlung, gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund, neu eingeführt wurde. Zum Schluß sprach Frau Else Cohn dem Vorstand ihren Dank aus und gedachte in ehrenden Worten der ungemein verdienstvollen Tätigkeit der bisherigen Vorsitzenden, Frau Amalie Zander, durch deren vorbildliche PlliclUtreue und verantwortungsbewußte Arbeit der Verein seiner grollen Tradition getreu wirken konnte. Der Dank des Vereins und der Wunsch, Frau Zander-- wertvollen Rat auch ferner nicht entbehren zu müssen, kam in ihrer Ernennung zur Ehrenvorsitzenden zum Ausdruck. Dem geschäftlichen Teil folgte ein gemütliches Beisammensein, welches durch herrliche (iesangsvorträge von Frau Märker verschönt wurde. Das neue Palästina. Zahlreiche Zusehauer folgten mit sichtlichem Interesse der Vorführung eines von Dr. Jodeil gedrehten Films, der Pfundsammlung. Gemäß unserer früheren Bekanntmachungen wird unsere Pfundsammlung am Sonntag, den 24. März 1935, in der Zeit von '/29—1 Uhr durchgeführt. Wir bitten unsere Gemeindemitglieder, zu der Sammlung reichlich beizutragen, da diese die letzte Pfundsammlung in diesem Winter ist und wir dringend Pessachwaren für unsere hilfsbedürftigen Glaubensgenossen brauchen. Für jede Spende wird eine Quittung ausgehändigt. Jeder Sammler befindet sich im Besitze eines von uns ausgefertigten Ausweises, der auf Verlangen vorzulegen ist. Wir bitten dringend, auf jeder Tüte gut lesbar den Inhalt anzugeben. Spenden, die in den Bezirksstellen abgegeben werden, sollen außerdem noch Namen und Wohnung des Spenders enthalten. Familien, die während der oben angegebenen Sammelzeit nicht besucht oder infolge der Entlassungsfeier in der Höheren israelitischen Schule nicht angetroffen werden, bitten wir, ihre Spenden in einer der unten angegebenen Bezirksstellen abzugeben. Leipzig, den 19. März 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Zentrale Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straße 10,1. Telefone: 21382 und 23602 Gesamtlcitung: Herr Julius Folmann. Bezirksstellen: Bezirk I Frau Lachmann, Norderneyer Weg 8 . . . . Tel. 505 86 II Frau Dr. Spitz, Stallbaumstraße 13 ...... 503 86 III Frau Tannhauser, Hallische Straße 31 ... .,51247 IV Frl. Boritz.er, Aurelienstralle 14..... „ 410 79 V Frau Dr. Blumberg, Eisenhahnstraße 76 . . „61038 VI Frau Dr Alexander, Marienstraße 29 ...... 279 89 VII Frau Dr. Weiß, Täubchenweg 77 b...... 608 05 VIII Frau Dr. Zander, Straße des 18. Oktober 17 . 118 40 ■ IX Frl. Frieda Bernstein, Hohestraße 7 .... X Frau Sachs, Fichtestraße 36 ........ 332 92. XI Frau Westheim, Kaiser-Wilhelm-Straße 41 . . „ 338 60. XII Frau Broder, Helfferichstraße 44a . . •. „ 462 59. » XIII Herr Benno Finster, in Geschäftsstelle des Bar-Kochba, Brühl 45 „ XIV Frau Engländer, Pfaffendorfer Straße 30 . . . 135 30. XV Frau Einhorn, im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straße 10 „ 21382. „ XVI Frau Dr. Michaelis, Haydnstraße 11 ..... 328 88. XVII Frau Dubiner, Fritischestraße 7...... „ 52214. „ XVIII Frau Neuiiiann, Springerstraße 5...... ■ 508 33. XIX Frau Heynemann im Kinderheim der Leipzig- Loge, Gottschedstraße 40........ „ 249 54. XX Frau Limpel, König-Johann-Straßc 23 . . . 270 77. XXI Frau Rosenthal, Gräfestraße 36 . . . . 53907. „ XXII Frau Proskauer, Markkleeberg, Waldstraße 7 . XXIII Frau Eva Schmulewitz, Delitzscher Landstraße „ 53880. „ XXIV Frau Radzik, Oststraße 9........ „ 60594. in das neue Palästina einführen soll. F.s wurde das ungemein vielgestaltige Leben in der täglich wachsenden jüdischen Stadt Tel Awiw, wie auch das Bild der ländlichen Siedlungen und der Städte des älteren und alten Palästinas vorgeführt. Niemand konnte sich dem machtvollen Eindruck der prächtigen Entwicklung entziehen, die Tel Awiw in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung in so ungewöhnlich kurzer Zeit genommen hat, niemand verkennen, daß auch die Entwicklung des gesamten Palästina beglückende und erfolgverheißende Verhältnisse aufweist. Trotzdem darf nicht verschwiegen werden, daß der Film künstlerisch und technisch schwerste Mängel aufweist. Es fehlt ihm ein leitender Gedanke; die einzelnen Streifen sind zusammenhanglos nebeneinandergestellt und wirken deshalb verwirrend und abspannend und vermögen nicht ein geschlossenes Bild vom Lande zu geben. Hinzu kommt, daß die einzelnen Streifen abbrechen, che man die Möglichkeit hatte, einen wahren Einblick in das jeweils vorgeführte Einzelbild zu nehmen: vielfach ließen auch die Bilder an Helligkeit und Schärfe viel zu wünschen übrig. Damit erweist sich der in unserer Nummer 4 vom 25. Januar schon veröffentlichte Hinweis auf die Unzulänglichkeit dieses Films als durchaus begründet. Es wäre zu wünschen, daß das Publikum von derartigen Filmen verschont wird, die alles andere eher als geeignet sind, dem heute allgemeinen und leidenschaftlichen Interesse für den Aufbau des neuen Palästina Genüge zu tun.

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