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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-03-15 · 11 (15.3.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
11 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 a| II Ii i Ml* Ii O 1* IC II 1 t II ■• In ■■ II nl Zu diesen und sämtlichen künftigen Veranstaltungen dcsKultur- * ■ "m WHUW bundes haben gemäß behördlicher Anordnung nur Mitglieder Mitglied ei'Veranstaltung für Marx*?Utri& , NV,,r hj»cn dringend, die Mitgliedskarten im Büro Am 27 Mär/ 103" des Kulturbundes, Qoethestraße l, Konigsbau, abzuholen. ■k>n>ia'fi ith. ,„-„Lr u •«■; ■» c i j i i . „ Da die April-Veranstaltung schon am 9. April stattfindet, abends 8 Uhr pünktlich, im Weißen Saal des Zoologischen Gartens: mflssen diJ Mitgliedsbdtrlge für April nicht erst bis zum 12! Ddft IjipillsliH ja sondern schon vorher bezahlt sein. An sich müßten für die noch nicht gezahlten MSrzbeltrlge Zuschläge von je RM. 0.25 \ oraussichtliche bereits entrichtet « erden. Da aber unsere Mitglieder viel- ÜI itjjliiMlei'VCI'llllstalt IUI"" für April: leic,1t nocn llic,,t Ken»" unterrichtet sind, weiden wir bei Am 9 April l')35 Zahlungen bis zum 20 März im Büro des Kulturbundes von Gastspiel des Theaters vom Kulturbund der Deutschen Juden, Berlin: £rncbu"R ^cxr Inkassogebül.ren absehen Von da ab und _ ' für die /.iiKiinlt ist das nicht mehr möglich. Pünktliche ,,liJl srrva paUrOlia*4 VOll Pergolese Zahlung der Mitgliedsbeiträge ist die Voraussetzung für und „Der ScIiniiKiiicMii-i'U tiki--' vnn 1fnvni>t Leistungen seitens des Kulturbund«. Die Zahl der Mit- »^"»USpieiUireKIOl \Oll «O/ail glieder genügt nicht auf die Hauer. \\Vibt neue Mitglieder! Der hintritt zu den Veranstaltungen des Kulturbundes ist nur bei Vorlegung Meldet euch zum Eintritt auf dem Kulturbund-Büro! des Uchtbildausweises möglich. Lichtbilder nicht vergessen! Am Dienstag, den 12. März c. entschlief sanft nach kurzem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser treuer Vater, Schwieger¬ und Oroßvater Herr Felix Flless im 83. Lebensjahr. ,„ tjefer Trauer ItOMHli«' FÜOHM Dr. Hugo TmiMig n. Frau F.niniy gel». FIIcbr Hedwig verw, FlieHM Kol». <*oldMchmi<lt und Ii Fnkolkindor. Die Beisetzung fand in aller Stille statt. Mein geliebter Mann, unser gütiger Vater Maloiiioii Kaber wurde heute mittag durch einen sanften Tod von seinem schweren Leiden erlöst. Leipzig, den 13. März 1935 Mariannenstr. 3 Toni Falter geb. Kersten Herbert, Irma, F. rieb und <*eorg Faber Beisetzung Sonntag mittag '<1 Uhr Neuer israelitischer Friedhof Von Beileidsbesuchen bitten wir Abstand zu nehmen Xaiim Kottier Küthe Kottier geb. Seidenberg Vermahlte Riga Tel Aviv Leipzig 8. März 1935 Rothschild-Boulevard 116 iCx Ihre Blumen von Lange & Tauchaer Sil. 16 — Tel. 2 87 89 — Lieferung In» Haus heißen in der Stadt gleichstanden, später auch Judenmeister hießen. Sic hatten die Leitung der Judenschaft, vor allem den Gerichtsbann!in jüdischen Qericht Minen standen in der Führung der Oemeinde Vorsteher, für die Gerichtsbarkeit Rabbiner zur Seite. Die Juden konnten aber neben dem jüdischen auch das städtische oder bischöfliche oder ein aus jüdischen und christlichen Richtern gemischtes Gericht benutzen. Die (iemeinden hatten Synagogen die in Köln wird zuerst 1012 erwähnt. Die in Worms ist 1034 erbaut, sie ist, wenn auch in Umbauten, bis heute erhalten; der ältere Bau war frühromantisch, der ein Jahrhundert jüngere Anbau frühgotisch. Einzelheiten verraten deutlich Abhängigkeit von Wormser kirchlichen Bauten, wie offenbar fast alle synagogalen Bauten des Mittelalters von ihrer Umgebung im Stil beeinflultt waren. Neben den Synagogen stand das Bad der Oemeinde, das in Worms noch zu sehen ist; die erhaltenen Reste in Andernach, Speyer und Friedberg sind bemerkenswerte Anlagen nach römischem Muster. Zu den durch die Religion geweihten Stätten gehören auch die Friedhöfe; in Worms und Prag befinden sieh die ältesten erhaltenen. Daneben hatten die (iemeinden ein eigenes Back- und Tanzhaus, größere legten auch Krankenhäuser an. Von der Gemeinde in Augsburg ist ein Siegel (leider nicht ganz vollständig) erhalten, das mit einer teils lateinischen (Judeorum August ...), teils hebräischen Inschrift (Kehal Jehudim) verschen war und einen Doppeladler mit einem spitzen Judenhut darüber zeigt. Die (iemeinden haben im allgemeinen die überlieferte jüdische Verfassung beibehalten, auch die traditionellen jüdischen Institutionen geschaffen. Um die Mitte des zehnten Jahrhunderts entstanden in Mainz und Worms Lehrhäuser, die sehr bald hohes Ansehen erlangten. In ihnen wurden Bibel und Talmud ausgelegt, rabbinisches Recht studiert. Das setzt eine gewaltige geistige Anstrengung und eine gute Überlieferung voraus. Es war nichts Geringes, in jenen Zeilen, in denen Schreibstoff und Schreibkunst rar waren, korrekte Abschriften eines so umfangreichen Werkes, wie der Talmud ist, zu beschaffen. Und es war noch unendlich viel schwerer, ein Werk, das in einer so ganz, anderen Zeit und Umgebung entstanden, in einem vielfach rätselhaft kurzen Stil gehalten war, richtig zu versieben und auszulegen. Diese Kunst konnte nur an Ort und Stelle erlernt werden, und es ist schon zu verstehen, wenn die Juden erzählten, da» Karl der Grolle persönlich einen angesehenen und gelehrten Mann, namens Machir, aus der Heimat des babylonischen Talmuds nach Narbonne verpflanzt hatte, damit er die Juden seines Reiches belehrte. Narbonne muH direkte Verbindung mit dem Orient gehabt und die dortige Lehre nach dem Norden weitergegeben haben. Auch die Familie Kalonymus hat aus Italien das alte jüdische Schrifttum und die Kunst seiner Auslegung mitgebracht. So gewannen die Lehrhäuser am Rhein grolle Bedeutung, Gerschom b. Jehuda aus Metz (ca. 950- 1028), lehrte in Mainz, und mindestens ein Jahrhundert lang blieben die Lehrhäuser in Mainz und Worms für das alte Gebiet von Lotharingen mallgebend. In Mainz sind die Qrabsteine der Berühmtheiten jenes Jahrhunderts, soweit sie neuerdings aufgefunden worden sind, auf einem Ehrenfriedhof vereinigt; sie erinnern an ein verehrungswürdiges Heldentum des Geistes. Von den führenden Männern jener Zeit wurde auch ilie Dichtung der Synagoge bereichert, die Gebetbücher der asehkenasischen Juden sind voll von Oesingen der Kalonymidcn, des Simon b. Isaak aus Mainz, des Vorbeters Meir b. Isaak aus Worms. Diese Lehrhäuser lockten Jünger von weither an. Der berühmteste von ihnen wurde Salomo b. Isaak (Raschi) aus Troves (UH0 1103), der hier die Anregung zu seinen unsterblichen Kommentaren empfangen hat; allerlei Wormser Legenden und die (fälschlich) nach ihm benannte Raschi-Kapelle erinnern an seinen dortigen Aufenthalt. Berühmt und befolgt wurden die Anordnungen (Takkanot) Gerschoms. Er erlieli zunächst ein Verbot, mehr als eine Frau zu haben, was zwar nicht häufig vorgekommen, aber nach dem Recht des Talmuds erlaubt war. Alle Juden im Abendlande haben diese Verordnung angenommen und, obwohl sie ursprünglich befristet war, dauernd beibehalten. Eine weitere Maßnahme verbot, ohne Zustimmung der Ehefrau eine Ehescheidung zu vollziehen. Ein Artikel suchte das Briefgeheimnis, ein anderer die Ordnungsmäßigkeit der Rechtsprechung zu sichern. Das Straf mittel gegen Zuwiderhandelnde war der Bann, der den Betroffenen gesellschaftlich und wirtschaftlich ächtete. Wer (ierschom die Vollmacht erteilt, welche Autorität die Anerkennung seiner Maßnahmen durchgesetzt hat, wissen wir nicht; er genoß persönlich das höchste Ansehen, wurde Rabbenu, d. Ii. „unser Lehrer" genannt und mit dem Beinamen Meor ha Gola, „Leuchte der Diaspora"', geehrt. Die (iemeinden bauten ihre Selbstverwaltung aus, dreimal im Jahre trafen ihre Vertreter hei den großen Messen in Köln zusammen und besprachen gemeinsame Angelegenheiten vornehmlich Fragen des Ehe- und Erbrechts, der Besteuerung, der Oerichtsverfassung, des Kinderunterrichts, der Armenpflege, des Verhaltens zu den Behörden. Zucht und Sitte, religiöse Belehrung und Vcrinnerlichung ging von diesen Versammlungen aus. , Jacob Obermeyer zu seinem 90. Geburtstage. „Bei Oreisen ist Weisheit, und langes Leben gewährt Einsicht." Dieses Bibelwort Int sich an Jacob Obermeyer bewahrheitet, der nach einer langen fruchtbaren Lehrtätigkeit und wissenschaftlichen Forschungsarbeit nunmehr in Würz bürg, wo er seinen wohlverdienten nihigcn Lebensabend verbringt, in geistiger Frische am 21. März seinen 90. Geburtstag feiert. In Professor Jacob Obermeyer tritt uns ein ganz, selten gewordener Typus von Talmid Chacham wieder entgegen, der in sich mit tiefgründiger talmudischer Gelehrsamkeit weit verzweigte Kenntnisse der religiösen, historischen und geographischen Literatur der Araber und Perser und einen Erfahrungsreichem vereinigt, den er sich auf weiten Reisen durch seine scharfe Beobachtung erworben hat. Jacob Obermeyer ist im Jahre 1845 in Steinhardt (Bayern) geboren, wo er neben einer guten Allgemeinbildung eine gründliche

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