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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-03-15 · 11 (15.3.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
11 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4250 Stück (Semcinö cbktt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I JP|D7lfL AMTLICHES NACHRICHTENBLATT LLIl 1«IV7 DER GEMEIND&VERWALTUNöB Schriftleltungi Oemeindcrabbincr Oustav Cohn Leipzig Wiltcr Blflmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung det Verfassers gestattet Nummer 11 - Jahrgang 11 15. März 1935 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipzig Ob, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Pfundsammlung. Unsere nächste Pfundsammlung findet im Einvernehmen mit der N. S. Volkswohlfahrt am Sonntag, den 24. März statt Wir erwarten wieder eine rege Anteilnahme unserer Gemeindemitglieder, umsomehr, als dies die letzte Pfundsammlung in diesem Winter ist und das Pessachfest vor der Tür steht. Sie mögen also an den besonderen Bedarf für dieses Fest denken und insbesondere auch Lebensmittel schenken, die nach dem Religionsgesetz zum Fest verwendet werden dürfen. Dies kann dadurch geschehen, daß die Gemeindemitglieder in den unter Aufsicht unseres Rabbinats stehenden Lebensmittelgeschäften dort bereit gehaltene Gutscheine kaufen, die sie den Sammlern aushändigen. Den Spendern erwachsen dadurch keine höheren Kosten als sonst, auch haben sie völlige Freiheit in der Auswahl der Lebensmittel. Wer zum Fest verwendbare Lebensmittel (besonders erwünscht sind Fett, Kakao, Zucker) spenden will, kann dies nur durch Gutscheine tun, damit die Waren nicht Chomez werden. Ein Verzeichnis der unter Aufsicht unseres Rabbinats stehenden Lebensmittelgeschäfte befindet sich in dieser Nummer unter der Rubrik: Aus dem Gemeindeamt Leipzig, den 14. März 1935. Der Vorstand der isr. Religionsgemeinde zu Leipzig. „Wolltest du schweigen in solcher Zeit...!" Zum Purimfeste. Um die Geschichtlichkeit und um den religiös-sittlichen Gehalt des Estherbuches ist dauernd gestritten worden. Die gelehrte Forschung der christlichen Theologen hat in neuerer Zeit ziemlich einmütig das Buch als ein Werk dichtender Phantasie gekennzeichnet, hm darüber hinaus die Kraft religiöser Erkenntnis und Erbauung abgesprochen. Diese Beurteilung reicht weit zurück: mehrere christliche ilibelverzeichnisse vom 2.-4. Jahrh. haben das Buch übergangen. Daß das Buch auch bei den Juden keineswegs eine uneingeschränkte Zustimmung besaß, wird durch Hinweise des talmudischea Schrifttums bezeugt, wonach seine Einordnung in den biblischen Kanon durchaus nicht unbestritten gewesen zu sein scheint. Es liegen dafür nur ganz wenige Andeutungen vor, die kaum die Möglichkeit begründeter Einblicke in die Argumente gewähren. Sie beziehen sich im wesentlichen auf die Krage, ob das Buch als ein Ausfluß göttlichen Geistes oder als Werk menschlicher Gedankenarbeit anzusehen sei. Bemerkenswert ist jedenfalls eine Ansicht, die auf die Gefahr eines Mißverstehen! des Buches „bei den Völkern" aufmerksam macht. Die Entscheidung, nach der die jüdischen Lehrer dem Buche dann doch seinen Plaz in der Reihe der heiligen Schriften zugewiesen haben, die gleiche, die auch in der christlichen Kirche in alter Zeit getroffen wurde, und die auch trotz Luthers energischem Widerspruch maßgeblich blieb, beweist, daß die Auffassung von seiner religiössittlichen Bedeutungslosigkeit keine einheitliche war und ist. In der Tat kann der religiöse Grundgedanke des Judentums, die Lehre vom göttlichen Walten in der Geschichte kaum eindringlicher dargestellt werden als im Estherbuche. Ohne daß auch nur ein einziges Mal der Gottesname genannt wird, teilt sich dem Leser die tiefe Durchdrungenheit vom Olaubcn an Gott mit, die hier wie in den prophetischen, ja in allen Büchern der Schrift lebt: Gott der Schöpfer ist auch der Lenker der Geschicke. Und nicht minder groß ist der sittliche Gedanke, der im Mittelpunkte .der Darstellung stellt: die Forderung, der Gesamtheit zu dienen und ihr Gedeihen in Zeiten der (iefährdung höhcrzustellen als eigenes Wohlergehen. Das Bewußtsein dieser Pflicht wirkt machtvoll Heldengedenkfeier. Am Sonntag. 17. Mär«, vorm. 11 Uhr, veranstalten wir in Gemeinschaft mit dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten in unserer Gemeindesynagoge, Gottschedstr., eine Heldengedenkfeier mit folgender Ordnung: 1. Orgelvorspiel. 2. Gedenkworte des Herrn Rabbiner Cohn. 3. Adaunoj moh odom, Gesang des Herrn Kantor Jaffe\ 4. Ansprache des Vorsitzenden der Ortsgruppe Leipzig des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. 5. Rezitativ und Arie aus Händeis Samson, Herr Oberkantor Lampel. 6. Orgelnachspiel. Hierzu werden alle Gemeindemitglieder sowie die jüdischen Organisationen eingeladen. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Leipzig, den 4. März 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig,

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