Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 10 (8.3.1935)
- Date
- 1935-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 8. März 193? der Rechtswahrer. Die Tischler bilden eine Berufsgruppe, gehören aber ZU verschiedenen Ständen, je nach dem, ob sie die Lcbcnsfunktion des Volkes erfüllen, die sich im Bedarf nach Handarbeit äußert (Reichsstand des deutschen Handwerks), oder die Funktion, die durch den Bedarf an Massenwaren gekennzeichnet wird (Industrie). Aus diesem Begriff des Standes folgt für unsere Betrachtung zunächst einmal, daß er keine grundsätzlich ablehnende Haltung den Juden gegenüber einnehmen kann; Stand als Begriff in diesem Sinne und jüdischer Arbeitnehmer oder Gewerbetreibender bildeten also an sich keine Gegensätze. Mit der blolicn Gliederung ist aber noch keine ständische Ordnung gegeben. Ein solcher organischer Teil des Volkes hat an sieh noch keine (Organisation und keine Handlungsfähigkeit. ()rdnung kann nur aus bewußter Tat folgen, und so ergibt sich aus dem Grundsatz, daß der Nationalsozialismus die Führung der Wirtschaft beansprucht, daß die Organisation des Standes durch den Staat erfolgen muß. Er macht aus dem organisch gewachsenen Teil des Volkes einen Selbstverwaltungskörper des öffentlichen Rechts mit eigener Zwangsgewalt. So werden aus den Ständen die Reichsstände, die in zwei große Gruppen zerfallen, nämlich die Reichswirtsehaftsstände als die künftigen Träger der Volkswirtschaft und die Reichskulturstände als die künftigen Träger der Volkskultur. Bei der durch den Staat erfolgenden Bildung dieser Organisationen spielt iIir Verhältnis zum Judentum eine für uns ausschlaggebende Rolle. Drei Wege sind dabei möglich. Der eine Weg kennzeichnet sich dadurch, dar] alle, die die bereits erwähnte Lebensfunktion erfüllen, von der Organisation erfallt werden, also Arier und Nichtarier in gleicher Weise. Diesen Weg hat die ständische Ordnung insbesondere bei den Reichswirtschaftsständen eingeschlagen. Der zweite Weg, der daneben gegangen werden kann, ist der, daß Nichtarier in die Standesorganisation nicht einbezogen werden, daß aber die Ausübung der rätigkeif unabhängig ist von der Zugehörigkeit zu ihr. Ihn finden wir bei der größten Standesorganisation der Wirtschaft, der Arbeitsfront. Beide Wege lassen den erforderlichen Lebensräum offen. Der dritte Weg ist der, daß die neugeschaffenen Organisationen nur Arier aufnehmen und andererseits auch nur ihren Mit- Moaus-Chitim. In diesem Jahre gelangen durch den Moaus-Chitim-Ausschuß nur Mazzes znr Verteilung.' Gesuche von Bedürftigen sind schriftlich spätestens bis zum 25. Mirz 1935 an die Herren M. Tager, Leipzig Cl, Eutritzscher Strafte 19, oder J. B. Sachs, Leipzig Cl, LeibnizstraBe 13, einzureichen. Nachträgliche Meldungen werden keinesfalls berücksichtigt. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß durch die Einreichung des Oesuchcs keinerlei Anspruch auf Berücksichtigung entsteht. Spenden für den Moaus-Chitim-Ausschuß werden entgegengenommen durch die Herren M. Tager, Leipzig Cl, Eutritzscher Straße 19, Postscheckkonto Leipzig Nr. 62747 nnd J. B. Sachs, Leipzig Cl, LeibnizstraBe 13, Postscheckkonto Leipzig Nr. 55127. Leipzig, den 22. Februar 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. gliedern die weitere Tätigkeit gestatten. Ihn finden wir überwiegend hei den Reichskulturständen. Diese Entwicklung eines der wichtigsten Teile im staatlichen Aufbau wird über unsere l.ebensmöglichkcitcn und unseren Lebensra'im ausschlaggebend entscheiden. Sie vollzieht sich weniger durch (iesetze, als durch planmäßige Fuhrung, Der bisherige Mittelpunkt des Staates, (iesetz und Verwaltung, tritt bei dieser Entwicklung völlig zurück. Ihr Sinn ist dar/utun, daß im neuen Staat auch der Beruf und die Arbeit keine Privatangelegenheit mehr ist, daß er auch hei ihm kein Zurückziehen mehr kennt auf die Privatsphäre, daß nicht der Gelderwerbszweck, sondern die Erfüllung einer Verpflichtung der Allgemeinheit gegenüber die Hauptursachc ist. Die weitere Entwicklung, die für uns von allergrößter Bedeutung ist, wird zeigen, inwieweit uns Gelegenheit gegeben wird, dar/utun, daß wir dieser Zweckbestimmung durchaus gerecht werden können. Unsere Gemeinde Rückkehr des Rabbiner Friedmann. Wie wir erfahren, wird Herr Rabbiner I riedmann Mitte dieser Woche von seiner Reise nach Palästina liier zunickerwartet. Dem in weitesten Kreisen gesehätzten Rabbiner wurden in Palästina schon bei seiner Ankunft große Ovationen dargebracht, die sich für die ganze Dauer seines Aufenthaltes wiederholten. Europäische und jüdische Musik. Ein Kunstabend vom Jüdischen Frauenbund Ortsgruppe Leipzig und der Wizo gemeinsam am 14. März Im Künstlerhaus veranstaltet, nimmt eine Sonderstellung unter den künstlerischen Veranstaltungen innerhalb unserer Gemeinde ein. Er bietet nicht nur einen hohen Kunstgenuß durch das Spiel von Künstlern im Range von Boris Schwarz und Margarete Moses, sondern er wird durch den erläuternden Vortrag, in dem an Beispielen die Verschiedeiiartigkeit und das Gemeinsame der Kunst verschiedener Völker aufgezeigt wird, besonders interessant. Es wird aus Werken von Vitali, Beethoven, Dcbussy, Tor Aulin, Brahm>, Ernest Bloch, Dushkin gespielt werden. Die Reifeprüfung 1135 der Höheren Israelitischen Schule zu Leipzig. In der Höheren Israelitischen Schule fanden am Montag, den 24., und Dienstag, den 25. Februar, die Reifeprüfungen statt. Den Vorsitz führte Herr Oberstudienrai i. R. Prof. Dr. Seyfert. Die Sehuler und Schülerinnen haben nach dem Urteil der Prüflingskommission Ausgezeichnetes geleistet. Alle 21 Prüflinge haben das I xamco bestanden und zwar: 2 mit lb. 5 mit 2a, 2 mit 2, 6 mit 2b, I mit ia, 2 mit 3. Tag und Stunde der feierlichen Entlassung werden noch bekanntgegeben. Staatszionistische Organisation: „Makkabäer von heute". Nicht mit der Assimilation setzt sich der Revisionismus in diesem Singspiel auseinander. „Denn das", so führte einleitend Direktor Kareski au-, „lohnt sieh nicht mehr. Sic existiert zwar noch in ihren Trägern, al- Weltanschauung ist ihr aber moralisch das Rückgrat gebrochen ... Es ist ein Verbrechen, die Jugend heute noch in diesem sinn,- zu erziehen..." Die „Makkabäer von heute" greifen vielmehr scharf die herrschende zionistische Richtung und die Palästinapolitik der Englander an. Dabei wird mit den drastischsten Worten vorgegangen. Den Engländern wird der Bruch ihres Ehrenwortes vorgeworfen, den Zionisten die l aschheit ihrer Einwanderungspolitik vor Augen gehalten. Demgegenüber wird die illegale Einwanderung (es gibt für die „Makkabäer" hier nichts Illegales!) auf jede Weise propagiert. „Kein Weg ist zu weit", so heißt es da, „kein Weg ist zu schwer ... übers Wasser, durch die Luft, durch Wüsten über Berge werden wir kommen . . . alle Lore sind verschlossen, an den Grenzen wird geschossen was macht das uns aus? Wir gehen trotzdem!" - Die Aufführung wurde vom Berliner Bethar mit einfachsten Mitteln und nicht immer dilettantisch durchgeführt. Vorausgegangen waren Chöre und sportliche Darbietungen der Herzlia- Jugcnd. Bevorstehende Veranstaltungen lü. März: Konzert Genia Wilkomirska. 10. März: Bethar: Eltern- und Werbenachmittag. 13. März: Generalversammlung der Ziouist. Vereinigung Leipzig. 13. März: Isr. 1 rauenverein: Hauptversammlung. 14. März: Jüdischer Frauenbund und Wizo: Frau Dr. Moses: Europäische und jüdische Musik. 14. März: Dr. Ernst Kaufmann, Aufklärungsabeend: Gesunde Zähne — gesunder Körper. 1(>. März: Staalszionistische Organisation:: Kundgebung. 19. März: Zionistische Vereinigung- Pnrimfeici im Küusticrhaus. 19. März: Puriinball (Lastmann). 21. März: Handelsbank „Iwria" GmbH.: Generalversammlung. 21. März: Bar Kochha: Elternabend der Jugendabteilung. 21. März: Jugendabend des I. P.D. Makkabi Hazair Bar Kochba. 24. Marz: Verband polnischer Kaufleute und Gewerbetreibender: Pilsudskifeier. 24. März: Konzert: collcgiuiu inusicum jüdischer Miisikllchhahci und Psaltcrion-Chor in der Synagoge. 26. März: C.V.-I rauengruppe IL Jüd. Frauenbund: Frau Eva Stein, Dresden, „Die Mitarbeit der Frau im Gemeindeleben". 2$. März: Brith Chalu/iin Datum u. Zcirc Misrachi: Bundesfest. 7. April: Kabaiettabend (Meyerstein). Israelitische Religionsgemeinde_ Aufklärungsabend Vortrag des Herrn Dr. Ernst Kaufmann „Gesunde Zähne - gesunder Körper" Donnerstag, 14.März, 20.15, im Felix Goldmann-Heim