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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-03-01 · 9 (1.3.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
9 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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*f%%%r*\i r»i-i i^iA\K»nrncixir\c 711 i cir>7ir; AHt« a Aufflage 4250 Stück o CA DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGE-MErlN DE- ZU AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« er p: C* n er o LEIPZIG Scbrlftleltungt Oenwinderabbiner Oustav Cohn Leipzig Willer BlOmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangäbe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 9 - Jahrgang 11 1. März 1935 Anzeigenannahme: C, Qoldfreund, Leipzig 0 5, Cichoriusstralie 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. er a> *r Sabbatfeier. Die zweite allgemeine Sabbatfeier für die gesamte jüdische Jugend Leipzigs findet am Sonnabend, den 9. März 1935, nachm. von 5 »/2 bis 7 Uhr in der Turnhalle der Höheren Israelitischen Schule, Gustav-Adolf- Straße 7, statt Es ist selbstverständlich, daß wiederum sämtliche über 10 Jahre alten Jugendlichen unserer Gemeinde sich an der Feier beteiligen. Kopfbedeckung ist mitzubringen. Im Interesse der Einheitlichkeit der Feier werden mit Ausnahme der Lehrer Erwachsene nicht zugelassen. Leipzig, 26. Februar 1935. Der Vorstand der Israel. Religionsgemeinde zu Leipzig Deutsche Juden in Palästina Aus der großen Zahl der Vorträge über Palästina, die in den letzten Monaten überall in Deutschland gehalten wurden, hob sich der Bericht, den der Vorsitz ende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, am 24. Februar vor einem attBcrordeutUcil zahlreichen Publikum, das die große Synagoge in der Prinzregentenstraße dicht füllte, über seine letzte Palästinareise erstattete, sowohl durch die Persönlichkeit des Vortragenden, als auch durch die besondere Betrachtungsweise, die die Eingliederung deutscher Juden in den Palästina-Aufbau, die Möglichkeit praktischer Lebensgcstaltung deutscher Juden in Palästina und das künftige Verhältnis der in Deutschland verbleibenden jüdischen Bevölkerung zu dem Lande in den Vordergrund stellte, markant heraus. Die Du Voreingenommenheit, mit der Direktor Stahl an die Betrachtung palästinensischer Verhältnisse heranging, kennzeichnete er selbst durch die einleitende Bemerkung, daß sein Besuch in Palästina anläßlich einer aus beruflichen Gründen unternommenen Orientreise erfolgte, somit mehr auf einen äußeren Anlaß als auf bestimmte spezielle Wünsche, die sich meist unwillkürlich mit gewissen Vorstellungen und vorgefaßten Urteilen verbinden, zurückzuführen war. Um so stärker wirkte das Bekenntnis des Vortragenden, dali ihm diese Reise und das in Palastina Qesehene /n einem grollen Erlebnis wurde und dali die Entwicklung in Palästina sich in vieler Hinsicht in überraschender Weise anders gestaltet hat, als er dies nach seiner ersten Palästinareise i. J. l'ltll und selbst noch vor wenigen Jahren erwartet hatte. Bei rückhaltloser Aneikennung für das von Juden in Palästina Qeleistete, warnte Direktor Stahl davor, die Schwierigkeiten der Niederlassung in einem reinen Koloniallaud des Orients, in dem alle Verhältnisse von denjenigen Mitteleuropas völlig unterschieden sind, zu unterschätzen. Während Palästina jungen, arbeitskräftigen Menschen, wenn auch unter schweren Bedingungen, Arbeits- und Zukiinftsmöglichkeiten biete, werde es die Aufgabe der in Deutschland verbleibenden Mehrheit der deutschen Juden sein müssen, von hier aus das Aufbauwerk tatkräftig zu unterstützen. Direktor Stahl wies darauf hin, dal! ihm l'XM, als er zum erstenmal in Palästina war, der Gedanke, dieses damals verödete und vernachlässigte Land für europäische Menschen bewohnbar zu machen, als „gutgemeinte Absicht von Phantasten, die niemals Wirklichkeit werden konnte", erschienen sei. Um so größer sei sein Erlebnis mit dem gegenwärtigen Lande gewesen. Direktor Stahl sprach dann von dem Idealismus der ostjüdischen Einwanderer, die unter schweren Opfern an Menschenleben Sümpfe getrocknet und verkarstete Berge aufgeforstet haben. Dieses Element sei es, das dem Lande seinen eigenen Stempel aufdruckte; „als eine der Ursachen eines gewissen Mißbehagens" der Einwanderer aus Deutschland sei das starke Zusammenleben, besonders in Tel Awiw, mit dem Ott Jüdischen Element festzustellen. Durch den Zuzug von Einwanderern aus Deutschland würde allerdings manches verbessert werden; es sei zu erwarten, daß die aus Rußland, Polen und Rumänien stammenden älteren Bewohner manches nach deutschem Beispiel anders gestalten würden. Direktor Stahl wandte sich sodann einer Schilderung der Entwicklung von Jerusalem, Tei Awiw und Haifa zu. Er erwähnte die auf dem nlhcrg und dem Skopusberg neu errichteten Monumentalbauten, die Wirkung der hebräischen Erziehung, die einen freundschaftlichen Verkehr zwischen jüngeren Arbeitern aus orientalisch-jüdischen Kreisen und aschkenasisehen Arbeitern ermöglicht habe. Bewunderung verdiene der großartige Aufschwung von Tel Awiw, ohne dali die Schattenseiten dieser Entwicklung, Gründungsfieber und Spekulationswut, Einbeziehung landwirtschaftlicher Anlagen in das Stadtgebiet, wo sie neuen Wohnhäusern und Fabriken Platz machen müssen, und die Gefahr eines zahlenmäßigen Übergewichts der städtischen Bevölkerung über die ländliche, verkannt werden dürfte. Besonders fiel Direktor Stahl der Mangel einer geordneten sozialen Fürsorge auf: „Wenn man aus einem

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