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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-02-15 · 7 (15.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
7 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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2 5. 2. 35. Auflage 4250 Stück emeitiö cblatt |DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMErl N DE- ZU eiPziG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVEFtWALTUNGB Schrirtleltungi Oemclnderabbiner OasUvCohn Leipzig Walter Blflmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenmgibe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Gemäß unserer Bekanntmadiunq in Nr. 6 des Gemeindeblattes wird im Einvernehmen mit der NS-Volks Wohlfahrt die Pfundsammlung innerhalb des Kreises unserer Gemeindemitglieder durdi uns durthgefUhrt und der Ertrag durth uns verteilt. Die Sammlung geht am Senntag, den 24. d. ML vor sich. Wir bitten unsere Gemeindemitglieder, reidilith beizutragen und ihre Spenden nur an die von uns mit Ausweis versehenen Summier auszuhändigen. Nummer 7 - Jahrgang 11 15. Febrnar 1935 Pfundsammlung. Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig 0 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 50771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C I. Die Sammler sind nltht berechtigt, Geldspenden in Empfang zu nehmen; diese sind nadi wie vor an das allgemeine Wlnterhilfswerh abzuführen. Sadispenden, wie Kleidungsstücke und ähnliches, werden auf Anruf (Nr. 21382) abgeholt und unserer Kleiderstelle zugeführt. Leipzig, den 11. Februar 1935. Der Vorstand der Israel. Religionsgemeinde zu Leipzig. Zum Tode Max Liebermanns. Im Alter von fast 88 Jahren starb in seiner Wohnung in Berlin l ii 8. FebrtUUT 1935 nach kurier Krankheit Max Li eher mann. Er » ir einer der wenigen, die schon zu ihren Lebzeiten den Klassikern tingereiht worden sind, und dessen Verdienst um eine neue lebendige Kunst auch heute voll anerkannt wird. Als Sohn eines reichen und angesehenen Kattunfahrikbcsit/crs w itrde er am 20. Juli 1847 in Herlin geboren. Schon sehr früh erlernte er seine Bestimmung tum Maler und betrieb heimlich, fast in den Willen seiner Litern, Kunststudien. Es ist erstaunlich, mit «elcher Sicherheit und mit welchem Bedacht er seine Lehrer wühlte Und seinen Weg fand. In Berlin, Weimar, Paris, Italien und besonn in Holland studierte und schuf er und wurde, stetig wachsend, d r bedeutendste Maler seiner Zeit, einer, der ganz hinter seinem v erk zurücktritt Oraphiker, Illustrator, /.eichner und Portritist, 1 r deutsche Maler, der Deutschland den Impressionismus schenkte, 1 r das naturhaft Wirkliche zeigte, um im kleinsten Punkt ein Qan- ' s zu sammeln. Alle weltlichen Ehrungen, die ihm /uteil wurden, können sein \ i rdienst nur spiegeln. im Jahre 1890 wurde Liebermann Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, 1912 Mitglied des Senates, und vom Jahre 1920 an stand er der Akademie als Präsident bis zum Jahre 1933 vor. Fast allen bedeutenden Akademien des In- und Auslandes gehörte er als Ehrenmitglied an, wurde von 1 rankreich zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und erhielt vom Reichspräsidenten den Adlerschild des Deutschen Reiches, die höchste Auszeichnung, die in Deutschland vergeben wird. I ür uns Juden hat Max Liebermann eine besondere Bedeutung. Es ist nicht die Tatsache allein, dall er als Jude geboren und gestorben ist, sondern mehr, da» er als bewußter Jude gelebt, gefühlt und auch geschaffen bat. Sein Künstlcrtum ist aus dem Wesen seiner Familie erwachsen und bildete eine glückliche Vereinigung der ruhigen, schöpferischen Vornehmheit seiner Mutter (die der bekannten Hamburger Familie Haller entstammte) mit der zielbewußten, klaren Ueistigkeit seines Vaters. Einige seiner Porträts /eigen uns seine Großmutter und seine Eltern, stark betont in den jüdischen Wesenszügen, so wie er immer Menschen er hat es selbst geäußert „wirklicher malte als sie selbst waren". Solche lebensnahe Portrats malte er von Staatsmännern (zuletzt auch von Hindenburg) und Künstlern, Gelehrten und anderen Persönlichkeiten, und auch in sich selbst läßt er durch seine Selbstporträts schauen. Auller den Porträts jüdischer Menschen, die er auch „jüdisch" schaut, gibt es nur sehr wenig Jüdisches in seiner Kunst. In den ersten Jahren seines Schaffens finden sich einige Studien und Skizzen Jüdischer Motive, die er in den Amsterdamer Judeugassen und in kleinen Synagogen fand. Als jedoch sein erstes Bild, das er nach biblischen Motiven malte (Jesus im Tempel), nicht nur nicht anerkannt, sondern beschimpft und Christus im Tempel als der „häßlichste, naseweiseste jude.ijuuge" bezeichnet, „und die Rabbiner, die doch als echte Orientalen sicherlich ihre Haltung zu wahren wußten, als ein Pack der schmierigsten Schacherjuden", und Liebermann selbst ein „unverbesserlicher Verherrlicher der Häßlichkeit" und ein „Beelzebub der Kunst" genannt wurde, wählte er nur noch sehr seilen jüdische oder biblische Motive; sie wurden ineist nicht zu Bildern, sondern leben als Studien und Entwürfe im Ski/zenbuch. Wenn auch die Modelle zu „Jesus im Tempel", wie Liebermann versichert, Christen waren, so verletzten ihn doch die Angriffe tief. Hätten sieh die Beschimpfungen nur auf seine Kunst bezogen, so wäre es ihm gewill bedeutungslos gewesen. Sie hätten ihn nur radikaler und sicherer gemacht; aber die Angriffe richteten sich weniger gegen den Künstler, als gegen den Menschen und Juden, und als solcher war Liehermann empfindlich und bis ins Innerste ver-

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