Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 5 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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»£35 Auflage 4250 Stück tombeblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGE-M&INDE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Schrlftleltung. Oemeindcrabblner OusUvCohn Leipzig Walter BlOmel-Str. 10. - Nachdruck nur mit Quelleningtbe und mit Genehmigung des Verfassen gestattet Nummer 5 - Jahrgang 11 1. Februar 1935 Anzeigenannahme! E. Qoldfreund, Leipzig O 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C I. Gemeindeabend. Am Sonntag, den 3. Februar, findet in der Gemeindesynagoge, Gottschedstraße, um 5 Uhr nachmittags, ein Gemeindeabend statt, bei dem über das Thema spricht Herr Dr. Georg Landauer, Leiter der deutschen Abteilung der Jewish Agency in Jerusalem, Selbsthilfe und Solidarität (Bericht über die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina). Orgelspiel und Gesangsvorträge umrahmen den Vortrag. Da die Ausführungen des Redners dem stärksten Interesse begegnen dürften, wird erwartet, daß unsere Gemeindemitglieder, insbesondere die Jugend, sich recht zahlreich an diesem Abend beteiligen. Ein kleiner Teil der Plätze ist reserviert, für die Karten zum Preise von RM. 1.— vor Beginn des Vortrags in der Synagoge "Millich sind. Zu allen anderen Plätzen ist der Eintritt unentgeltlich. Leipzig, den 29. Januar 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Gibt es jüdische Märchen? Von S. Meiseis. Vor kur/eni wurde das Jubiläum zweier großer Märchenbrüder begangen. Am 4. Januar Wib waren es hundertfünf/ig Jahre, daß Jakob Grimm geboren wurde. Und am 16. Dezember 1934 waren es fünf uudsich/ig Jahre, daß sein Bruder Wilhelm starb. Die Brüder Grimm waren keine Märchenerfinder, keine Märchendichter, sie waren die glänzendsten deutschen 'Märchenerzähler alici " iten. Darin, im Märchencrzählen, lag ihre Größe und ihre Einzig- « ligkeit. Das Märchen ist Erzeugnis der Volksphantasic, des V iksgerstes. Märchen wachsen wie wiide Rosen; niemand kennt den Gärtner, der sie gepflanzt hat. Die Märchen gingen von Mund Hl Mund, wanderten von Volksstamm zu Volksstanim und wechselten häufig ihr inneres Wesen und ihre äußere Erscheinung, indem sie den Erzähler wechselten. Die Brüder Grimm als große Märchenerzähler waren einsige Märchensammler, die verstreutes altes Volksgut unter Dach und Fach gebracht haben. Sie haben die deutschen Märchen gewissermaßen aus dem Munde des Volkes genommen und sie dann in unvergleichlich schöner volkstümlicher Form dem deutschen Volke wieder geschenkt. Die unvergängliche Leistung der Bruder Grimm besteht darin, daß sie dem Volksmärchen e^ie dauernde Lebendigkeit verliehen haben. Die Grimmschen Märchen sind zuerst in deu Jahren 1812 — 14 erschienen, sie sind also heute Weit über hundert Jahre alt, aber sie sind heute noch so frisch lebendig und so herrlich schön wie am ersten Tag. Jüdische Schule. Das Schulgeld für den Monat Februar 1935 ist bis zum 5. Februar 1935 zu entrichten. Ebenso ist bis zum gleichen Tage der Heizungsbeitrag, auch von den Freischülern, zu bezahlen. Leipzig, den 25. Januar 1935. Der Vorstand des israelitischen Schulvereins Leipzig E.V. Daii die urimmschen Märchen in Schönheit und Frische die Zeiten überdauerten, hat seinen Grund vornehmlich darin, daß Jukob und Wilhelm Grimm unvergleichliche Märchenerzähler waren. Es ist keine kleine Kunst, ein Märchen gut zu erzählen, es so zu erzählen, daß es als ein Märchen wirken soll. Die Brüder Grimm verstanden sich auf diese Kunst ausgezeichnet. Sie erzählen die Märchen in holder Unbekümmertheit und mit bestrickender Artigkeit; sie reihen Bild an Bild, Geschehnis an Geschehnis, Wunder an Wunder, streuen im muntern Fluß der Rede hin und wieder eine weise Sentenz, einen klugen Vers oder ein sinnreiches Sprüchlein ein, sie tippen sogar mitunter an die Stelle, wo die Geschichte eine Moral hat, aber all das ist nebensächlich, die Hauptsache bleibt die Erzählung, die Freude am Erzählen. Fast jedes Grimmsche Märchen hat eine Moral, wie bekanntermaßen jede Geschichte ihre Moral hat, aber unsere Märchenerzähler sprechen