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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-01-18 · 3 (18.1.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
3 (18.1.1935)
Date
1935-01-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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» t >, Auflage 4250 Stück DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEM&IN Dt ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schrirtleltungi Qcmctnderabbintr Oustav Cohn Leipzig Walter BlOmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Oenehmigung des Verfassera gestattet Nummer 3 - Jahrgang 11 18. Januar 1935 Anzelgenannahmei E. Ooldfreund, Leipzig 05, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Sabbathfeiern Jüdische Jugend, Ihr müsst Euch alle wieder den Sabbath erwerben, damit er durch Euch Besitz unserer gesamten Gemeinschaft werde. Die deutsche Judenheit ist in der Umkehr begriffen. Alle besinnen sich auf ihr Judentum. Unsere Jugend, unsere Zukunft, soll wieder in jüdischem Geiste aufwachsen. Auf Anregung der israel. Religionsgemeinde Leipzig finden von nun ab Sabbathfciern statt, von der Jugend selbst ausgestaltet. Nach Einführung des Staatsjugendtages können nach den gesetzlichen Bestimmungen alle jüdischen Schüler und Schülerinnen vom 10. Lebensjahr an aufwärts am Sonnabend vom Schulunterricht befreit werden. Sie können also sämtlich an den Fiiern teilnehmen und so zur Heiligung des Sabbath beitragen. Jüdische Eltern, an allen liegt es, daß Ihr hier die Forderung erkennt, wie Ihr Eure Kinder wieder in den lebendigen Aufbau jüdischen Lebens einreihen könnt! Die erste grolle allgemeine Sabbathfeier findet am Sonnabend, 26. Januar 1935, nachmittags 4 Uhr, in der Turnhalle der Höh. Israel. Schule, Gustav-Adolf-Str. 7, statt. Zutritt allen Schülern, Schülerinnen und Jugendlichen vom 10. Lebensjahr an aufwärts. Leipzig, 14. Januar 1935. Dir Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Gedanken zum Oneg Schabbath der Jugend von Dr. Josef Burg. Zersplitterung ist ein wesentliches Merkmal unseres jüdischen Li bens heute. Lehre und Leben sind auseinandergefallen, die Baude, di* den einzelnen mit seiner Gemeinschaft verbinden, gelockert. Besonders der Schabbath, der Tag der schöpferischen Ruhe, Z ichen jüdischen Glaubens und Volkstums, Tag erfüllter Gemeinschaft, hat unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse, durch - Schwinden jüdischen Wissens, viel von seiner ursprünglichen Q< statt, von seinem wahren Gehalt verloren. Es gilt zu retten, Neues zu schaffen, um Altes zu erhalten, Wertvolles wieder >uf- und auszubauen. Der Oneg Schabbath (wörtlich: Freude des Schabbath), eine Schöpfung des verstorbenen Dichters Chajim Nach mann Bialik, ist von Erez-lsrael zu uns gekommen. Aus Alt-Neuland kommt Alt- Neues. Chassidisches Gedankengut, die Gefühlswelt der „Seuda Schelischtth, schwingt in ihm mit: der Wunsch nämlich, den einzelnen durch das Gemeinschaftserlebnis wie durch die Erlebnis- Rmeinschaft aus der Alltäglichkeit, über sich hinaus, in die Welt des Schabbath, des Judentums zu führen. Felix -Goldmann -Gedächtnisfeier Zu Ehren des verewigten Führers seines Landesverbandes veranstalten der Landesverband Mitteldeutschland und die Ortsgruppe Leipzig des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Sonnabend, 26. Januar, 20 Uhr in der Gemeindesynagoge Gottschedstraße eine Felix-ttoldmann-ttedSchtnisfeier, zu der sämtl. Gemeindeangehörige hierdurch eingeladen sind. Die Gedächtnisansprachen halten der Vorsitzende des Centraivereins justizrat Dr. Julius Brodnitz-Berlin und der Syndikus des Centraivereins Dr. Alfred Hirschberg- Berlin. Die Feier wird künstlerisch umrahmt durch Gesangsvorträge des Opernsängers Emil Fischer-Weimar und Orgelspiel des Kapellmeisters Alfred Simon-Leipzig. Leipzig, den 15. Januar 1935. Der Vorstand der israelit. Religionsgemeinde zu Leipzig. Nicht zuletzt war es die Jugend, der durch den Schulbesuch am Sonnabend sehr oft die Hingabe an den Schabbath verwehrt wurde. Und so soll der Oneg Schabbath, der von nun ab zu den ständigen jüdischen Kultureinrichtungen Leipzigs gehören wird, in besonderem Malle den schulfreien Schabbath gestalten helfen und auf diese Weise den Schabbath jedem jüdischen Jungen und Mädchen wiedergeben. Es ist richtig und gut, dal! die Jüdische Gemeinde das Protektorat über den Oneg Schabbath übernommen hat, denn, wie alle Kulturarbeit, muH auch dieses Werk zentral und planvoll bestimmt sein. Andererseits bleibt es ein guter Gedanke, jeden Oneg Schabbath von einem anderen Jugendbund gestalten zu lassen. Jugend selbst soll zu Jugend sprechen; Jugend selbst soll zeigen, wie sie lebendiges jüdisches Leben gestalten will. Weil der Oneg Schabbath jeden ansprechen soll, mufJ er den ganzen Umkreis unserer Kultur und unseres Seins umfassen, muli er Menschen und Wissen des Judentums einander nahebringen. Besonders soll die Thora, das Buch des Judentums und die Gesch i eilte unserer Gemeinschaft im Mittelpunkt des Oneg Schabbath stehen. Wird dieser kurz skizzierten Zielsetzung entsprochen, dann haben wir nicht ein Surrogat für den Schabbath geschaffen, sondern einen wahren Weg zu ihm freigemacht. Denn nicht am Ende, sondern am Beginn einer jüdischen Entwicklung steht der Oneg Schabbath. Ziel bleiben der Schabbath selbst und der jüdisch erfüllte Alltag.

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