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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-01-11 · 2 (11.1.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
2 (11.1.1935)
Date
1935-01-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3ft Auflage 4250 Stück DER ISRAELITISCHEN REUGIONSGtMErlNDE- ZU I J— I 071 Cm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT HH I M Mm \ \7 DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schrlftleltungi Oemeinderabbiner Gustav Cohn Leipzig Walter Blflmel-Str. 10. - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verlassers gestattet Nummer 2 - lahrgang 11 11. Januar 1935 Anzeigenannahme i E. OoMfieund, Leipzig 0 5, CichoriusstralJe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgeineinschafl, Leipzig C 1. Ein Vorkämpfer des modernen Judentums. Von Justizrat Dr. Berthold Löwenstein, Leipzig. Vor fünfzig Jahren, am 25. Dezember 1884, endete das Leben des Landesrabbiuers Dr. Salomon Herxheim er in Bernburg im vormaligen Herzogtum Anhalt, eines Mannes, welcher „inmitten dei deutschen Judentums still und schlicht mit der rührenden Ein- Fachhelt des echten Menschenwohltäters den Baum pflanzte, welcher zwei Oenerationen Labung und Erfrischung gehen sollte, eines Mannes, der ein halbes Jahrhundert als der unermüdliche und erfolgreiche Kämpfer für Israel und dessen Anerkennung in Staat und 1 iesellschaft sich grolle Verdienste erworben hat*'. Mit diesen Wösten ehrte der Deutsch-Israelitische (iemeindehund sein Ehrenmitglied Herxheimer an seinem Lebensabend, einen Mann, der im vorigen Jahrhundert durch sein Lebenswerk befreiend, Richtung gebend und neugestaltend in die Qeschicke und (iesehiehte des deutschen Judentums eingegriffen hat. Herxheimer wurde /u Anfang des vorigen Jahrhunderts in Dotzheim bei Wiesbaden geboren, kam -' hon in jungen Jahren nach Main/, eignete sieh dort unter der i itung des tiefgelehrten Tslmudisten Scheyer bis zu seinem 17. Lensjahre gründliches jüdisches und insbesondere talmudisches V. i>scn an und studierte nach mehrjähriger 1 lauslehrertätigkcit in Marburg und (Döttingen Philosophie, Pädagogik, (iesehiehte und orientalische Sprachen, promovierte in Marburg und wurde zunächst von der kurfürstlichen Regierung als Kreisrabbiner und Rcligionsi hrei in Eschwege bestätigt, von wo aus er 1811 von dein hochherzigen, menschenfreundlichen Herzog Alexius Friedrich Christian ai- Landes rabbin er nach Anhalt-Bern bürg berufen wurde. Bezeichnend für die Mentalität dieses freisinnigen Fürsten, die sich auch auf seine Landes bewohn er übertragen hatte, ist die umfängliche Anstellungsurkunde, durch welche die Pflichten des Seelsorgers, Lehrers und QemeindefQhrers in einer über den Konfessionen stehen- ' ii, ethisch allgemeingültigen, vorbildlichen Weise formuliert wern und die mit den Worten eingeleitet wird: „Der Landesrabbiner " Herxheimer soll sein ihm anvertrautes Amt unter herzlicher Anrufung der göttlichen Kraft und Cm ade und mit dem heiligen Entschlüsse der gewissenhaftesten und unermüdlichsten Pflichttreue und in allen seinen Teilen so redlich und so pünktlich verwalten, dalt er nicht allein Uns, seinem Landesherrn, und den ihm von Uns verordneten Vorgesetzten, sondern auch am Tage der Offenbarung alles Verborgenen vor dem Angesichte des allwissenden, heiligen und gerechten Richters der Welt mit getroster Zuversicht erscheinen kann." Verständlich ist es, daß Herxheimer unter der A<gide eines solchen Fürsten mit besonderer Berufsfrcudigkeit wirkte und verschiedene Angebote zur 0bernahme von Rabbinaten in Großstädten, wie z. B. Breslau, ablehnte. Mehr als fünfzig Jahre entfaltete er in Bernburg eine nicht nur für seinen Amtsbezirk über- Gemeindebeitrag Durch Steuerbescheid haben wir Anfang Dezember v. J. von denjenigen Qemeindemitgliedern, die zur Oemeindeanlage 1 *J33 nicht zu veranlagen waren, als Beitrag zu den Gemeindelasten RM. 3.- gefordert. Diejenigen Gcmeindemitglicder, die mit diesem Beitrag noch im Rückstand sind, werden gebeten, denselben unverzüglich zu entrichten. Von jedem Juden wird verlangt, da Ii er seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft durch die Tat bekundet. Wer den geringfügigen Betrag von RM. 3.— nicht bezahlen kann, soll wenigstens durch einen kleineren Betrag seine Verpflichtungen gegen die Gemeinde anerkennen. Einzahlungen sind entweder an die Gemeindekasse von 0 bis 13 Uhr oder auf Postscheckkonto Nr. 50533 zu leisten. Leipzig, den S. Januar 1935. Der Vorstand der israel. Religionsgemeinde zu Leipzig. aus segensreiche, sondern das ganze deutsche Judentum der damaligen Zeit befruchtende persönliche und literarische Wirksamkeit Schon während seiner Tätigkeit in Eschwege erschien sein Religionsbuch „Jesode ba-Thora", Glaubens- und Pflichtenlehre für israelitische Schulen, das in zahlreichen israelitischen Schulen des In- und Auslandes eingeführt war und im Jahre 1904 bereits die 35. Auflage (Roliberg'sehe Verlagsbuchhandlung Leipzig) erreicht hat. Es war die erste systematische Darstellung der jüdischen Glaubens- und Pflichtenlehre, welche die Jugend mit dem Wesen der väterlichen Religion, mit Licht und Wärme, fafilich und kurz, jedoch so vollständig ais möglich bekannt macht und nach den Worten des Verfassers „überall eine erleuchtete und herzliehe Frömmigkeit zu fördern sucht". Bei aller Kürze ist es eine lehensvolle Arbeit, welche die Quellen des Heils der Jugend geöffnet und Tausenden von Lehrern mit dem Zuruf „Hier habt ihr Samen!" die erziehliche Tätigkeit erleichtert. Als Herxheim er seine Tätigkeit als Kanzelredner begann, war es noch eine Besonderheit, das Gotteswort in der deutschen Muttersprache zu verkünden. Es gelang ihm trefflich, seine Texte im echtjüdischen Sinne zu bearbeiten, den Herzton der Oberzeugung zu treffen und ein unmittelbares Verständnis zu erzielen. Darum haben auch seine „Predigten und Gelegenheitsrcden", von denen eine größere Auswahl im Verlage von Ambrosius Abel in Leipzig erschienen ist und die allgemein moralische, religiöse und zeitgemäße Themata behandeln, den Weg in die Herzen gefunden und zwar nicht nur an der Wirkungsstätte des Redners, sondern

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