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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-01-04 · 1 (4.1.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
1 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO 4. Januar 19 i, auch auf die Erfüllung dieser Wünsche immer ein Hauptaugenmerk gelichtet. Aber: der Raum für den Text jeder Nummer ist begrenzt. Er wird von dem Umfang des An/eigenteils bedingt (je mehr der Anzeigenteil von den Oemeindemitgliedern beschickt wird, desto mehr kann der Textteil erweitert werden). Darum müssen Belanglosigkeiten ausgeschlossen werden; es ist für die Tausende von Lesern im allgemeinen unwichtig, dal! ein Veranstaltungsleiter die Anwesenden begrüßt hat; wann die Versammlung begonnen und wann sie geendet hat; dali „wichtige Beschlüsse gefalit worden" sind; daß „äußerst interessante Beratungen stattgefunden" haben. Nur solche Berichte können einen Platz im Gemeindeblatt finden, die in gedrängter Fassung besagen, was gesprochen und beschlossen worden ist und auch das nur insoweit, als ein größerer Teil der Gemeinde daran Interesse nehmen kann. Dazu gehört beispielsweise nicht, was in jeder einzelnen der vielen Chanukkah-Veranstaltungcn gesprochen, gespielt, getanzt und verzehrt worden ist. Sportberichte: Die Schriftleitung verkennt keineswegs die große Rolle, die der Sport für die Jugend und ihre körperliche Ertüchtigung gewonnen hat, und begrüßt die Entwicklung, die das jüdische Sportleben gerade in jüngster Zeit in Leipzig nimmt. Sie wird gerne, wie bisher, auch künftighin in einer besonderen Sparte „Jüdischer Sport" über die Sportveranstaltungen berichten. Aber: lassen sich nicht die Berichte, wiederum im Hinblick auf den so knappen zur Vertilgung stehenden Kaum, knapper fassen? Sollte nicht auch auf jene Hunderte Rücksicht zu nehmen sein, denen dieser Teil des Blattes gar nichts oder wenig bedeutet? Berichte über Konzerte und Unterhalt ungsa ben de: Die Vielgestaltigkeit unseres (iemeindelebens widerzuspiegeln ist eine der wichtigsten Aufgaben unseres Blattes. Dazu gehören auch die Abende, die der ernsten und der leichteren Kunst gewidmet sind und gleicherweise dem Kultur- und Unterhaltung!« bedfirfnis der Oemeindemitglieder, wie der Entfaltung*- und Betätigungsmöglichkeit jüdischer Künstler zu dienen bestimmt sind. Diese Berichte aber werden irreführend und wertlos, wenn sie, wie dies vielfach aufgefaßt und gehandhabt wurde, nichts als überschwängliehe Lobeshymnen auf die darstellenden Künstler geben. Ls liegt Aus Briefen von Adolf Jellinek Adolf Jellinek, einer der geschätztesten Rabbiner des vorigen Jahrhundertl, gleich groß als Redner und als Gelehrter, beschäftigt auch heute noch die Forscher, die sein Lehen und sein Werden immer erneut behandeln und Einzelheiten zur Charakteristik beitragen. Bekanntlich war Adolf Jellinek der erste Prediger der Leipziger Gemeinde. Seiner Beharrlichkeit und Tatkraft ist die Entstellung unserer (ieincindcsynagoge in der Gottschedstraße zu verdanken: Die mannigfachen Schwierigkeiten, die sich hinsichtlich der Beschaffung eines geeigneten Bauplatzes, der Feststellung eines Bauplanes auf dem wenig günstigen Baugelände, der Aufbringung der erforderlichen Geldbeträge, der Durchführung des Baues entgegenstellten, haben nur überwunden werden können, weil immer wieder Adolf Jellinek ermutigte und drängte. In der „Zeitschrift für die I ieschichte der Juden in der Tschechoslowakei (1933, Heft 3—4) finden wir drei Briefe Adolf Jelliueks an Benjamin Feilbogen aus den Jahren 1853, 1855 und 1857, alle drei aus Leipzig, in denen einiges besonders für Leipzig Interessante geschrieben ist. In dem ersten der Briefe (22.6.1853) weist er darauf hin, dali der Bauplatz „um 85(MI Thaler gekauft" ist und berichtet von der Hoffnung, daß die Vorarbeiten zum Bau der Synagoge bald fertig sein werden. Lr fuhrt darüber Klage, daß seine Erwartungen hinsichtlich der Geldspenden an manchen Stellen, bei denen er Gehcfreudigkeil vorausgesetzt hatte, enttäuscht winden. Interessant ist, was er in dem zweiten Briete (1.2.1855) über seine rednerischen Lrfolge schreibt: „Meine Reden hei der Totenfeier des Königs von Sachsen und bei der (Jruiidsteinlegung haben einen Eindruck gemacht, den ich Ihnen kaum schildern kann. Ich habe dadurch meine Gemeinde um fünfzig Jahre weiter gebracht. Die Andersgläubigen wären ganz, hin und sie haben auf meine (iemeinde zurückgewirkt. Von diesen Reden sprach man in ganz Sachsen, selbst in der Freimaurerloge bezog sich ein Regierungsrath darauf. Es Standen Berichte in deutschen, französischen, englischen und amerikanischen Blattern. Ich habe also die Synagoge durchgesetzt und das kleine Konversationslexikon hat auch, ohne dali ich es wußte, unter meinem Artikel meine Bemühungen um die Synagoge anerkannt. Das Blatt, das ich Ihnen schickte, war die Gartenlaube; heute schickte ich Ihnen die Leipziger Illustrierte Zeitung." (In den genannten Zeitungen waren Berichte über die Feier enthalten.) Schon zu dieser Zeit schwebten Erörterungen über eine Berufung Jellineks nach Wien. Er lehnt es ab, sich um den Posten zu bewerben, uns inslicherlich nicht im Interesse eines Sangers, wenn er mit Carus>> auf eine Stufe gestellt wird: man merkt ja schließlich doch, daii der Vergleich eine ieichte Übertreibung ist. Darum muß bei solchen Veranstaltungen auch einmal ein kritisches Wort ertragen werden, das dem daneben erteilten Lobe einen weit größeren Wert verleih;, und den Künstler weniger verstimmen als anspornen sollte. Die Schriftleitung wird darauf bedacht sein, daß ihre Mitarbeiter sich hei solcher Kritik vornehmlich von wohlwollender Prüfung leiten lassen. P 1 a t z v e r t e i 1 u n g: Es ist verständlich, daß jeder seine Veröffentlichung als besonders wichtig, besonders interessant erachtet, und deshalb wünscht, daß sie „in Fettdruck", „an auffallende Stelle", in der Rubrik „Aus unserer Gemeinde" o. dgl. veröffentlicht werden möchte. Würde die Schriftleitung alle diese Wünsche erfüllen, dann müßte nicht selten alles in Fettdruck, alles auf der ersten Seite, alles an auffallender Stelle stehen: wir leben ja auch mitten in den Dingen und suchen die berechtigten Interessen aller in Einklang miteinander zu bringen. Wir haben keinerlei Veranlassung, zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Gratisanzeigen: Der Anzeigenteil ist verpachtet. Die Einnahmen aus den Anzeigen sichern den Bestand des Gcmcindcblattcs In keinem Falle ist die Schriftleitung in der Lage, Anzeigen unentgeltlich aufzunehmen. Zustellung: Die Zustellung des Gcmcindcblattcs erfolgt durch die Post. Wer das Gemeindeblatt nicht erhält, teile dies dem Gemeindeamt mit, das das Erforderliche veranlaßt. Wer verzieht, muß bei dem Postamte, bei dem er bis dahin zuständig war, sein: neue Wohnung bekanntgeben. Verzieht er in den Bereich eines anderen Postamts, so ist sofort dem Gemeindeamt Mitteilung zu machen, wenn keine Unterbrechung in der Zustellung des Blattes eintreten soll. „Unser" Gemeindeblatt: Die Schriftleitung möchte mit den hier ausgesprochenen Wünschen Verständnis für die Art ihre Arbeit erwecken, damit die Kennzeichnung „unser" üemcindcblait sich nicht darauf beschränkt, Ansprüche zu stellen. C besondere äußert er sich dahin, daß er keine Probepredigten Mit. „Am Ende ist Leipzig auch kein Nest, und in Österreich müßte ich einen Teil meiner literarischen Tätigkeit opfern." Den dritten Brief schrieb Jellinek (13.3. 1857) nach seiner Wal I in Wien: „Ich bin nun Prediger der Gemeinde in Wien, wie Sie es wollten und wünschten. Ich hoffe, zum Wohle der österreichischi a Juden manches wirken zu können. Viele Hoffnungen — ich weill es -- werden auf mich gesetzt; ich werde trachten, sie nai i Kräften zu erfüllen. ... Meine hiesige Gemeinde ist rathlos. Sie möchte gern Dr. Sachs aus Berlin zu meinem Nachfolger haben, was aber kaum möglich ist. Die christliche Bevölkerung Leipzigs nimmt an mir großen Antheil und bedauert allgemein meinen Abgang. Ich habe allerdings G. L. die Juden in Sachsen gehoben." Auch aus diesen knappen Hinweisen geht hervor, welche grol e Bedeutung Adolf Jellinek für unsere Gemeinde gerade in den erst<:i Jahren ihrer Entwicklung gehabt hat. Spanien feiert offiziell das Andenken Maimonides Die spanische Regierung hat ein Dekret betreffend die Veranstaltung öffentlicher Feierlichkeiten von Staatswegen anläßlich der 800. Wiederkehr des Geburtstag«1« von Mose ben Maimon, des allgemein als Maimonides bekannten großen jüdischen Religioosphilosophen und Gcsetzlehrers des Mittelalters, erlassen. Maiinonidis, der am 30. März 1135 in Cordova geboren wurde, starb am 13. Dezember 1204 in Kairo. Durch die Veranstaltung staatlicher Feiern zur Erinnerung M Maimonides wird zum Ausdruck gebracht, welche große Bedeutuni; für die allgemeine geistig-kulturelle Entwicklung des Landes seinem Wirken in Spanien beigemessen wird. Vorbereitungen zur Veranstaltung von Maimonidesfeiern i. J. 1035 sind gegenwärtig bei dea jüdischen Gemeinschaften aller Länder im Gange. Die erste grollzügige Veranstaltung, die für das Maimonidcsjahr angekündigt wurde, ist die, die in Kairo, der Stadt, in der er sich während seiner letzten Lebensjahre aufhielt, im dortigen Königlichen Opernhaus abgehalten werden soll. Für diese Feier wurde ein Komite' von prominenten Persönlichkeiten gebildet, das an die Juden aller Länder den Appell gerichtet hat, den 800. Geburtstag Maimonides auch ihrerseits würdig zu begehen. Maimonides, der den Juden als „zweiter Moses" gilt, wird im christlichen Spanien als „der

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