Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-12-21 · 51 (21.12.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
51 (21.12.1934)
Date
1934-12-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968799-5969473--5323-4881106
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 21. Dezember 1934 ihnen gewährt. — Friedrich Ii. zog die Juden zu Städtegründungen heran. Ihre Bedeutung lag nun mehr auf dem Gebiete des Gcldhandels, da den Christen von der Kirche der Geldverleih gegen Zins verboten war. Unter Friedrich IL, der die Juden unter der Bezeichnung „Kaiserliche Kammerknechte" zu einem grölten, nur ihm unterstehenden Reichsverband zusammenfaßte, stand ihnen das ganze Reich zur freien Niederlassung offen. — Der Vortragende hob sodann die kulturellen Leistungen der Juden hervor, um abichlieBend auf ihre charakterliche I laltung, insbesondere im Hinblick auf ihr Verhältnis zu den Christen, einzugehen. Während ursprünglich dieses Verhältnis ein völlig ungetrübtes war, zeigte sich zu Beginn der Krcuzzüge erstmalig der Gegensatz zwischen Juden und Christen, der sich in der Folgezeit immer mehr verstärkte, um zeitweise zu den schrecklichsten Kämpfen und Metzeleien gegen die Juden zu führen, die aber, vor die Wahl gestellt, lieber den Tod als die Taufe wählten. Den Vorwürfen des Ritualniords, der Brunnenvergiftung, der Hostieusehändung hielten sie stand und nahmen Schwerstes auf sich. So wurden im Lauf der Geschichte die Juden in Deutschland zum Vorbild für die Juden der ganzen Welt. Der Vortrag war von musikalischen Darbietungen würdig umrahmt. Dr. G. L. Im Verb. jüd. Frauen für Palästinaarbeit Wizo sprach am Montag, den 10. ds., Trau Dr. Margarete Moses über: Die Frau in der jüdisch e n G e in e in S C h a f t. Die Familie, führte die Rednerin aus, ist die kleinste Zelle der Gemeinschaft. Mittelpunkt dieser Zelle ist die Mutter, die die heilige Aufgabe der Kindererziehung hat. Das alte Erziehungsprinzip war — unbedingte elterliche Autorität, blinder Gehorsam der Kinder. Das Gehorchenmüssen aus Furcht verdirbt den Charakter. Verschüchterte, verprügelte Kinder werden keine bewußten, energischen, offenen Menschen ... In den letzten dreißig Jahren verfiel man in das entgegengesetzte Extrem: Mittelpunkt der Familie wurde das Kind, dessen Willen, dessen Launen sich die Eltern unterordneten. Auch das hat sich nicht bewährt. Jetzt seit dem Umbruch ist Rückkehr ins Judentum g e m e i n s a m e s Ziel für Eltern und Kinder. Lernen, Beschäftigung mit der Lehre, Aufbau einer Heimstätte für das jüdische Volk und die Bildung eines gesunden, selbstbewußten, arbeitenden Volkskerns dort im Lande der historischen Tradition g e m eins a m e Richtung für jung und alt. Jetzt kann die jüdische Mutter die führende Kameradin ihrer Kinder werden. Ihr Verständnis für die Schwierigkeiten und ihre Bereitschaft sie zu besiegen, ihre Hingabe an das gemeinsame Ideal werden ihr die Hochachtung und Liebe der Kinder und deren freiwillige Unterordnung verschaffen. Aus der Passivität des Frauendaseins Früherer Jahrhunderte muß die Jüdin jetzt hinausgehen um heroische, schöpferische Mütterlichkeil zu entfalten zum Wohle der Gemeinschaft, des Volksganzen. Neben den klugen und tiefen (iedanken war es der künstlerische Aufbau des Vortrags und die gewählte Sprache, die die Zuhörer entzückten und zu starken Beifallskundgebungen hinrissen. Verein selbständiger jüdischer Handwerker. Geschäftsstelle des Handwerkervereins befindet sich bei Max Singer, Uhrmacher, Plauemche Straße 2, Tel. 27127. Unter Vorsitz von Bäckermeister Schmeidler hielt der Verein selbständiger jüdischer Handwerker, Leipzig, eine Mitgliederversammlung ab, in der Syndikus Kurt S a bat Z k y einen Vortrag über wirtschaftliche und Rechtsfragen des jüdischen Handwerkers hielt. Für das Handwerk gelte, so führte der Vortragende aus, in erster Linie die Bestimmung, daß es einen Arierparagraphen in der Wirtschaft nicht gebe. Die maßgebenden Behörden versuchten, dieser Bestimmung Geltung zu verschaffen. Leider gebe es aber eine Reihe von Stellen, die dies nicht beachteten. Der Redner gab auf Grund einer Fülle von Beispielen einen l her blick über die Rechts- und Wirtschaftssituation des jüdischen Handwerkers. Ls gelte auch auf diesem Gebiet zu einer Verständigung mit den übrigen Handwerkern zu kommen. Notwendig sei es, einen handwerklichen und wirtschaftlich gut vorgebildeten Nachwuchs zu bilden. An die Ausführungen schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Bevorstehende Veranstaltungen ■>d IWt-mher: Else Markise und Walter Leweiis: Lieder- und Duette-Abend. 2o. Dezember: Lastmann: Gesellscliaftstauzabend. iL Dezember: Verein polnischer Kaufleute und Gewerbetreibender: Winterfest. 31. Dezember: Konzer'.direktion Arthur Ehrlich: Bunter Abend. 7. Januar: Jüdischer Frauenbund: Naclimittagsvortrag. Amtliche Bekanntmachungen. Aufsicht zu Pessach. Kolonialwarcngeschäfte, die zu Pessach 1934 nicht unter Aufsicht des Gemeinderabbinals gestanden haben, aber zu Pessach 1936 Aufsicht wünschen, werden aufgefordert, sich bis zum I. Februar 1935 beim israelitischen Gemeindeamt zu melden. Spätere Anmeldungen werden keinesfalls mehr berücksichtigt. Ob und unter welchen Bedingungen die Aufsicht erteilt wird, wird dem Antragsteller bekanntgegeben. Nur diejenigen Firmen werden in das Verzeichnis dei zu Pessach unter Aufsicht stehenden Geschäfte, das am 23. Februar 1935 in unserem Gemeindeblatt bekanntgegeben wird, neu aufgenommen, die bis zum 2. Februar 1935 einen entsprechenden Antrag gestellt haben und demii unser Rabbinat die Aufsicht erteilt. Der Vorstand Leipzig, den 12. Dez.. 1934. der israel. Religionsgemeiude zu Leipzi», Steuerordnung. Die vom Ministerium für Volksbildung für die Zeit vom l.Annl 1934 bis 31. März 1935 genehmigte Steuerordnung liegt vom 24. De. zember 1934 bis mit 4. Januar 1935 zur Einsichtnahme werktäglich von 9 1 Uhr an unserer Kasse, Leipzig C 1, Walter-Blünu I- Straße 10,1 aus. Leipzig, 18. Dezember 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeiude zu Leipzig. Neufassung des Gemeindestatuts. Das Gemeindestatut für die israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig ist neu gefaßt worden. Ein Stück des neu gefaßten G<- meindestatuts liegt in der Zeit vom 24. Dezember 1934 bis mit 4. Januar 1935 zur Einsichtnahme werktäglich von 9 1 Uhr an unserer Kasse, Leipzig C 1, Waltcr-Blümel-Straße 10,1 aus. Leipzig, den 13. Dezember 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Barmi/wa-Vorbereltung. Zur Barmizwa-Vorbereitung werden seitens der Gemeinde unentgeltlich besondere Lehrgänge abgehalten. Für die in der Zeit vom 1. Juli 1922 bis 30. September 1922 geborenen Knaben beginnt der Lehrgang am I. Januar 1935. Nur wer daran teilgenommen hat, wird als Barmizwa in der Gemeindesynagoge zugelassen. Anmeldungen bis 31. Dezembei 1934 im Gemeindeamt, Walter-Blümcl- Straße 101. Von der Teilnahme können auf Antrag der Eltern solche Ku ben befreit werden, welche bereits ihren Religionsunterricht privat durch einen von der Gemeinde angestellten Lehrer erhalten. Auch diese Kinder sind zur angegebenen Zeit zu melden. Leipzig, den 12. Dezember 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabh'atgottesdienst: Freitag, 2t. Dezember, Abendgebet 16,15 Uhr. Sonnabend, 22. Dezember, Morgengebe: 9 (ihr, Nachmittagsgehet 16,25 Uhr, anschließend Lchrvortrag; Abendgebet 10,50 Uhr. Gottesdienst au Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 28. Dezember, Abendgebet 10,30 Uhr mit Predigt; Sonnabend, 2**. Dezember. Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgehet 10,30 Uhr, anschließen i Lehrvortrag; Abendgebet 17,01 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Sehill-Str.). Freitag, den 21. Dezember: Abendgebet 10,15 Uhr. Sabbat, den 22. Dezember: Morgengebet 8,30 Uhr, Mineha 10 Uhr, Ausgang 10,50 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7,30 Uhr, Abendgebet 16,30 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schill-Str.). Freitag, den 28. Dez.: Abendgehet 10,15 Uhr. Sabbat, den 29. Dez.: Morgengebt 8,30 Uhr, Mineha 16 Uhr, Ausgang 17,01 Uhr. Wochentag: Morgengebet 8,30 Uhr, Abendgebet 16,30 Uhr. Talmud-Tnora-Synagoge, Keilstr. 4. Freitag abend 16,15Ulr. Sonnabend früh 8,30 Uhr; Mineha 16 Uhr; Ausgang 16,56 Ulr Sonntag früh 7,30 Uhr. — Wochentags früh 7,15 Uhr, ahen l> 16,15 Uhr. Personenstandsnachrichten Barmiz was: Sonnabend, 29. Dezember, Josef Kern, Sohn des Herrn Felix Ke n und Frau Hedwig geb. Schade, Reudnitzer Straße 2, in der Gemeindesynagoge. Trauungen: Dienstag, 25. Dezember 1934, IP/4 Uhr vorm., Fräulein Eva Conti Markkleeberg, Hauptstr. 68, mit Herrn Joachim Saalfeld am Berlin, in Leipzig, im Hotel Fürstenhof. Dienstag, 25. Dezember 1934, ',,4 Uhr nachm., Fräulein Suse Sa* sower, Springerstraße 5, mit Herrn Edgar Saclismaun, Köni.;- Johann-Straße 14. in der Wohnung König-Johann-Str. 14. Aus dem Gemeindeamt. Bildungskursc: Veranstaltungen in dieser Woche. In der Woche vom 23.-29. Dezember findet lediglich statt: Donnerstag, 27. 12., Lcrngemeinschaft Dr. Woskin, Mabaonidd (Hebräische Sprachschule, Pfaffendorfer Str. 4). Donnerstag, den 27. 12. Vortragsreihe Oetneinderabbiner Cohn. (Sozialamt). Jüdische Schulen. Die Aufnahmeprüfung für die Sexta dei Höh. isr. Schule findet am 15. und 16. Januar 1935 statt. Anmeldungen für die höhere Schule und für das 1. Schuljahr der Volksschule werden noch entgegengenommen. Der Direktor. Verloren: ein linker Lederhandschuh beim Gemeindeabend ain Donnerstag, den 13. 12. Abzugeben im Gemeindeamt, Walter- Blümelstraße 10. Die Rechtsberatungs-Abteilung des Sozialamtes weist aus gegebener Veranlassung darauf hin, daß sie, wie alle gemeinnützigen Rechtsauskunftsstellen, für die Bearbeitung der Rechtssachen nicht haftet. Sozialamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.