Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 47 (23.11.1934)
- Date
- 1934-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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2ir 'i H. Auflag« 4250 Stück (Beraemfabktt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEIN DE ZU I J-l D71CL AMTLICHES NACHRICHTENBLATT LL I ■ Mm I \7 DER GEMEINDEVERWALTUNG! Schrlftleltungi Oemeinderabbiner OutUv Cohn Leipzig Wilter BlümelStr. 10. - Nachdruck nur mit Quellentngabe und mit Genehmigung dei Verfassers gestattet Nummer 4? ■ Jahrgang 10 23. November 1934 Anzeigenannahmei E. Ooldlreund, Leipzig O 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Der Hilfsverein der Deutschen Juden und die Auswandererhilfe. Von Spectator. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der bis zum Jahre UJ'33 für die Juden im Auslande Großes geleistet hat, widmet sich heute der Arbeit zugunsten der deutschen Juden. Er hat sein Statut entsprechend abgeändert und entwickelt seit nunmehr 18 Monaten eine sehr intensive Arbeit auf dem Gebiete der Auswandererbi ratung und Auswandererbetreuung. Die deutsch-jüdische Auswanderung unserer Tage stellt ein völlig Bella und überaus kompliziertes Problem dar. Ein neues, weil die Auswanderung von Juden aus Deutschland in der Zeit vor dem Weltkriege sich zahlenmäßig auch nicht im entferntesten mit der hi'iitigen messen kann. Die Intensität der Auswanderung kommt sehr anschaulich in der Zahl der beim Hilfsvercin der Deutschen Juden Rat suchenden Menschen zum Ausdruck. Die Zahl der Fälle betrug in Berlin und im Reich in den Moniten Januar bis Oktober 1934 rund 12 500, mit den Angehörigen, in deren Interesse die Ratsuchenden auftreten, mindestens 30 (XX) Personen. Die Beratung derjenigen, die sich aus dem Reiche an den Hilfsverein wenden, geschieht im engen Einvernehmen mit den W irtschaftsstcllcn bei den Svnagogengemeinden. Seit April 1933 steht der Hilfsverein mit über 100 Stellen im ganzen Reiche in A.swanderungsfragen in Verbindung. Insgesamt sind von ihm, gcrechnet von April 1933 bis zur Gegenwart, mindestens 90 (XX) Menst.ien beraten und mit Informationen aller Art versehen worden. Denn die informatorische Tätigkeit des Hilfsvereins umfaßt nicht ■U mündliche, sondern auch schriftliche Beratung — in Beantwortung der tausendfach bei ihm eingehenden Anfragen. 10300 Menschen sind vom Hilfsverein bei der Auswanderung auch finanziell Unterstützt worden. Wir sagten, daß das Problem der deutschjüilischen Auswanderung in der Gegenwart ein überaus kompliziertes ist Dies hängt mit der Weltwirtschaftskrise zusammen. Durch diese Krise ist schon die Möglichkeit der Einwanderung in fremde Länder dann aber auch nach erfolgter Einwanderung die Einrichtung, das Skh-Einleben und der Erwerb in der Fremde außerordentlich er- Khwert worden. Dies alles zwingt zu einer Fürsorgetätigkeit größten Maßstabes. Der Hilfsverein sammelt systematisch umfassendes l'il'irmationsmatcrial über Einreisebestimmungen, Klima, Land und Leute, Wirtschaftsverhältnisse, Arbeitsbedingungen, Lebenshaltungskosten, Erwerb der Staatsangehörigkeit usw. und veröffentlicht das Material in seinen „Korrespondenzblättern über Auswanderungsunil Siedlungswesen". Wie w ertvoll diese Arbeit ist, ergibt sich u. a. aus der Anerkennung, die die „Korrespondenzblätter" bei Konsulaten, Behörden und Organisationen gefunden haben. Man gewinnt einen Begriff von der deutsch-jüdischen Auswanderung und von der geschilderten Arbeit des Hilfsvereins, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Strom der Auswanderer sich immer stärket nach Obersee richtet. Diese Tatsache ist vom Hilfsverein bereits in seinem Bericht für das Jahr 1933 gebührend betont worden. Sie gilt auch heute im gleichen, vielleicht sogar verstärktem Maße. Durchschnittlich 120 Menschen im Monat wird die finanzielle Unterstützung des Hilfsvereins für Auswanderung nach Ubersee zuteil. Die vorliegenden Anträge gehen weit darüber hinaus; aber es fehlen leider noch vielfach die notwendigen Voraussetzungen für die Auswanderer. Rechnet man die Zahl derer hin/u, die um den Rat b/w. die Informationen und Empfehlungen des Hilfsvereins bei der Auswanderung bitten, ferner diejenigen, die auf eigene Initiative nach Obersee auswandern können, so gelangt man zu einer Schätzung von annähernd 400 Menschen im Monat. Nach den Vereinigten Staaten gehen vor allem Menschen, die dort Halt an ihren Verwandten finden. Das gleiche gilt zum Teil für Brasilien. Dorthin und nach anderen Ländern Südamerikas (Argentinien, Chile u. a.) gehen neben jüngeren Menschen auch ältere, zwischen 10 und 50, oft mit Familie. Nach Südafrika gehen vorwiegend junge Menschen im Alter von 20—30 Jahren. Die Zahl derer, die dank dem Hilfsverein sich im Auslande, darunter in fast 10 überseeischen Ländern eine Existenz gegründet haben, ist sehr groß. Dieser starken Tendenz der Auswanderer nach Ubersee hat der Hilfsverein in großzügiger Weise Rechnung getragen, sowohl in seiner persönlichen Informations- und Fürsorgetätigkeit als in seinen Veröffentlichungen. Mau werfe doch nur einen Blick in sein letztes, iin August 1934 erschienenes „Korrespondenzblatt über Auswatulcrungs- und Siedlungsweseu" *). Neben 2S europäischen Ländern linden wir hier 13 asiatische und II afrikanische Länder behandelt (Australien ist leider für Auswanderer immer noch verschlossen). Dabei wird in überaus vorsichtiger und genauer Weise zu Werke gegangen, um unüberlegte Auswanderungen oder spätere Enttäuschungen nach Möglichkeit zu verhüten. „Die europäischen Handwerker, heißt es, die nach China kommen, können ihre Position nur durch sehr hohe Qualifikation behaupten" (S. 19). Bei der Betrachtung von Buenos *) Das Blatt ist im Büro des I lilfsvereins der Deutschen Juden, Berlin W 35, Steglitzer Straße 9, Postscheckkonto Berlin 33120, zum Preise von M. 1,30 einschl. Porto erhältlich, ferner bei der Ortsgruppe des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Leipzig. Es sei hierbei auch auf das Korrespondenzblatt vom Oktober 1933 hingewiesen, weil dies grundlegende Bestimmungen über die Einwanderung enthält, die noch immer für die Auswanderung von großem Wert sein können. Beide Hefte sind zusammen zu dem reduzierten Preise von RM. 1.S0 erhältlich.