Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 46 (16.11.1934)
- Date
- 1934-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 16. November 1934 sei die ein/ige Schuld, die man der früheren Generation vorwerfen könne, die, dali die Jugend ZU wenig jüdische Werte gekannt habe. Jedoch sei alles, was die frühere Generation auf dem Gebiet der jüdischen Wissenschaft geleistet habe, nur durch die Emanzipierung möglich gewesen. Der Referent sprach dann von der praktischen Arbeit des C. V., der sich für alle Bcrufsstniidc der deutschen Juden eingesetzt habe. Er rief /um Schiuli zur Mitarbeit zum Wohle des deutschen Judentums auf. An den allgemeinen Vortragsabend schloß sich eine Sonderbe s p r e c h u n g der jüdischen Ä r /t e an, in der der Vortragende auf die wichtigen Probleme des Ärzterechtes für die jüdischen Ar/te sowie auf die Ncuzulassimgsordnung einging. Danach sprach Syndikus S a b a t z k v über die Tätigkeit des Landesverbandes Mitteldeutschland auf dem Gebiet des Rechtsschutzes für die jüdischen Är/tc. Bevorstehende Veranstaltungen 19. November: Jüd. Frauenbund: Edith Herrnstadt-öttingen. 20. November: Gcmeindcabend. 20. November: Handarbeits-Ausstellung: Heiterer Nachmittag. 21. November: Handarheits-Ausstellung: Kon/ert Leo Schwarz, Hella Chitrik. 22. November: Beatrice Waghalter: Chansons aller Völker, jüdische Lieder. 24. November: Gottlieb-Streichquartett, Kammermusikahend. 25. November: JFB. Gruppe der Berufstätigen: Frau Dora Ury, Die arbeitende t rau in Palästina. 26. November: Frauengruppe des C. V. Vortrag Julius Bah. 28. November: Trianon-Künstlcrspiclc: Heiterer Kimstierabend und Modenschau. 29. November: Kon/ert auf zwei Flügeln: Haiina Schulsinger und Anna Suwalsky-Burstein. 1. Dezember: Alexander Kipnis. 2. Dezember: Gemeinde - Aufklärungsabend: Dr. Soloweetschik: „Richtige Ernährung — das Fundament unserer Gesundheit". 6. Dezember: Jüd. Frauenbund: Abendvortrag Prof. Cora Berliner. 8. Dezember: Chanukkafest des R. j. F. 9. Dezember: Jüdischer Frauenbund Schwesternbund: Chanukka- Kinderfest. 14. Dezember: Qemeindeabend: Prof. Elbogen. Amtliche Bekanntmachungen Mädchenkonfirmation. Die Vorbereitungskurse für die Mldchenkonfirmation beginnen im Oktober. Vorbereitung und Konfirmation sind unentgeltlich. Zur Teilnahme berechtigt sind alle Mädchen, die am 1. April 1935 das 15. Lebensjahr vollendet haben werden, jüngere nur, wenn sie die Schule verlassen, um ins Leben ZU treten. Schriftliche oder mündliche Anmeldung bei (iemeinderabbiner Cohn, Waltcr-Blumcl-Str. 10 (Sprechstunde: Montag, Dienstag, Donnerstag 11—12 Uhr, Fernsprecher 296 41). Leipzig, den 14. November 1914. Der Vorstand der israelitischen Rcligionsgemeinde zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst. Freitag, 16. November, Abendgebet 16,30 Uhr. Sonnabend, 17. November, Morgen gebet 9 Uhr, Nachmittagsgehet 16,15 Uhr, anschließend Lehrvortrag; Abendgebet 17,06 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 23. November, Abendgebet 1(),15 Uhr mit Predigt. Sonnabend, 24. November, .Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgehet 16,25 Uhr, anschließend Lehrvortrag; Abendgebet 16,59 Uhr. < iottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaiin-Synagogc. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schill-Str.). Freitag den 16. November: Abendgebet 16,30 Uhr. Sabbat, den 17. November: Morgengebet 8,30 Uhr; Mincha 16 Uhr; Ausgang 17,06 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet 16,45 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schill-Str.). Freitag, den 23. November: Abendgebet 16,15 Uhr; Morgengebet 8,30 Uhr; Mincha 16 Uhr; Ausgang 16,59 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet 16,30 Uhr. Talmud-Thora-Synagoge, Keilstr. 1. Freitag abend 16,30 Uhr. Sonnabend früh 8,30 Uhr, Mincha 16 Uhr. Ausgang 17,06 Uhr. Wochentags früh 7 Uhr, abends 16,30 Uhr. Aus dem Gemeindeamt. Aufklärungsvortrag der Gemeinde. Wie angekündigt, wird Herr l)r. Soloweetschik im Rahmen der Aufklärungsahcndc sprechen über „Richtige Ernährung das Fundament unserer (iesundheit". Der Vortrag findet am 28.. November, 20 Uhr, im Felix- Goldmann-Heim, Elsterstrarie, statt. Nachrichten des Sozialamtes. Aus Palästina erhalten wir die Nachricht, dali dort folgende Stellen ZU besetzen sind: I. Gute Akzidenz-Setzer; 2. gute Maschinenmeister, die in einer Verlagsdruckerei Zweitourenpressen mit Dux-Anlegeapparat bedienen und von Stereos drucken sollen. Anstellungsmöglichkcit mit Zertifikat Ist gegeben. Bewerbungen sind zur Weitcrleitung an das Sozialamt, Humboldtstr. 13, zu richten. Zusammenschluß der jüdischen Schwerhörigen. Das Wohlfahrtsamt unserer Gemeinde plant gemeinsam mit dem Reichsbund jüti scher Frontsoldaten die Gründung einer Ortsgruppe des Reichsve - bandes israelitischer Schwerhöriger in Leipzig. Alle jüdischen Schweihörigen in Leipzig werden daher gebeten, ihre Namen sehriftlü i heim Wohlfahrtsamt der israelitischen Rcligionsgemeinde, Walte:- Blümel-Straße 10, anzugeben. Die Meldung ist mit einer Beitrag'- leistung nicht verbunden. Personenstandsnachrichten Geburten: 20. Oktober 1934 Alfred Kosiner und Lea geb. Beer, Norderney! r Weg 9a, eine Tochter „Ruth Ciaire". 20. Oktober 1934 Boris Schiermann und Sophie geb. Holzworn , König-|ohann-Str. 10, einen Sohn „Jack". 24. Oktober 1934 Dr. Simon Goldrei und Hanna geb. Carlebach, Liviastraße 8, einen Sohn. 23. Oktober 1934 Simche Weber und Regina geb. Friedmann, Huniboldtstralic 16, einen Sohn „Norbert" B a r m i z sv a : Sonnabend, 17. November, Karl Heinz Rafe, Sohn des Fierrn Morit/ Rafe und Frau Helene geh. Heinic, Eberhardstraße 11, in der Ohel-Jacob-Synagoge, Pfaffendorfer Straße 4. Trauungen: Am Sonntag, 25. November, 3 Uhr nachm., Fräulein Marie Maigosches, Jakobstralie 15, mit Herrn Simon Donath aus Prag, in der Wohnung von Herrn Rabbiner Dr. Carlebach, Leibnizstr. 2 t. Todesfälle: 7. November 1934 Arnold Sternlicht, Naundörfchen 11. 7. November 1934 Golda Sicgelberg, Humholdtstralie 12a. Neue Bücher Zur Cbanukkazeit, wo das Märchen Triumphe feiert, dürfte i - angebracht sein, auf Märchenerzählerinnen hinzuweisen. Zu den bekanntesten zählt die unserer Gemeinde angehörige Leipziger Schriftstellerin C I a r a Schott, deren Märchenbücher in die Hunderttausende verbreitet sind. Ihr erstes Buch „Die Märchentante" kam in einem Verlag heraus, der für gute Jugendschriften vom Preußischen Kultusministerium prämiiert wurde. Li:, folgten eine Reihe weiterer Märchenbücher, die im In- und Ausland grolle Anerkennung und Verbreitung fanden. Die zuletzt erschienenen Maichen „Im Zauberstübchen", „Die Sehmiede am See", „Das verzauberte Schloß", schön ausgestattet, kamen im Verlag von Fluio Wille (Berlin) heraus und sind sehr preiswert. Die Dichter n verfaßte auch Romane, von denen u. a. „Die Ausgewiesenen", die Auszeichnung zuteil wurde, dali ihr Name im „Goldenen Ehrcnbuili des Hindenburg-Muscum" zu Posen eingezeichnet wurde. Clara Schott war Mitarbeiterin verschiedener Tageszeitungen und Redakteurin einer namhaften Wochenschrift. E. (i Dr. Hans Joachim Schoeps: Wir deutschen Juden (Deutsch-jiü ischer Weg (Eine Schriftenreihe] Nr. 1). Berlin 1934 (Vortrup >- Verlag). Unsere Jugend ringt um eine neue jüdische Zukunft. Materiell und ideell ist das Dasein der Juden in Deutschland problematis< Ii geworden. Beide Kategorien erfordern eine grundsätzliche neue Orienteirung. Die geistige Haltung der Juden hat immer einen wesentlichen Einfluß auch auf die I )aseinsform geübt, mit der er sich in die jeweilige Lage eingeordnet hat. Unter den Versuchen, der geistigen Neueinstellung die Richtung zu zeichnen, darf die vorliegende Schrift ernste Beachtung beanspruchen; nicht als eine I <">• sung, die man unterschreiben müßte, sondern als eine von jugendlicher Begeisterung getragene Äußerung eines scharf pointiert n Standpunktes. Dem kämpferischen Nationalismus, den Joachim Prinz in seinem Buche „Wir Juden" vertritt, stellt Schoeps, ni> ht weniger zugespitzt, eine diametral entgegenstehende deutsch-jüdisc hf Anschauung gegenüber. Bestrebungen, „den Anschluß an die vermeintliche jüdische Nationalkultur möglich zu machen", bekämpft er und fordert „die Pflege der gcfühlsmäßipren und die Bewußtmachung der geschichtlichen Bindungen an Deutschland". IW Fehler der ersten Fmanzipationszeit, „daß die Hineinbeziehung in den deutschen Volkskörper und die deutschen Traditionen unzureichend" war, muß erkannt und auf solcher Einsicht die nett* Haltung begründet werden. Er verknüpft mit einem auf solcher Zielsetzung beruhenden jüdsichen Wollen die Hoffnung, „daß uiwre Menschen an ihrem Teil das Judentum so repräsentieren, daß 'las durch Affekte des Abscheus und des Hasses so sehr entstellte und verzerrte Bild des deutschen Juden einstmals neue Farbe und neuen Glanz erhält". Fordert also Schoeps, daß die deutschen Juden den Glauben an spätere Wiedereingliederung in das deutsche Sein unentwegt pflegen, mit allen Mitteln seiner Verkümmerung entgegenarbeiten, so lehnt er andererseits mit schärfster Entschiedenheit dif früher falsche Assimilation durch Selhstpreisgahe ab. Die Sinnbedeutung unserer Abstammung und der an sie gebundenen Religion muß erkannt und darin der Sinn unseres Judenschicksals und unserer heutigen Existenz verwirklicht werden. Das Deutschsein