Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 44 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Auflage 4250 Stück ßemeitiöebktt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEME/INDE ZU I t| D7|fL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT IUI« I V ÄmtlV7 DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schrlftlcltungi Oemeinderabbiner Gustav Colin Leipzig | NlMMIBF 44 ■ IfllafMM 10 Amelgenannahmei E. Qoldfreund, Walter Bliimel-Str. 10. - Nachdruck nur mit Quellen- «o«ai Leipaig O 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 angäbe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet *• M0VBIH06I' 1934 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Die Bildungskurse der Gemeinde im Winter 1934/35. Der Grad des jüdischen Wissens ist in den vergangenen Epohen der jüdischen Geschichte stets ausschlaggebend dafür gewesen, ob unter den Juden jemand als gebildeter Mensch schlechthin angesehen wurde. In dein Malte, in dem sich die Juden von den Schöpfungen ihrer eigenen Kultur entfernt haben, schwächt sich dieser Anspruch ab, den die (iemeinschaft an ihre geistige Führer- Schicht, die Gebildeten, stellt. Man erkennt hieran das Mall der geistigen Assimilation, und es ist überaus bezeichnend für die kulturelle Lage der Juden in Deutschland, dalt zumindest noch bis vor |.Hi/ kurzer Zeit ohne jedes Bedenken jemandem der Ehrentitel eines gebildeten oder gar gelehrten Juden von den meisten eingeräumt wurde, auch wenn er dem jüdischen Wissen und der jüdischen Kultur vollkommen fremd gegenüberstand. Die jüngste Zeit hat uns Juden in Deutschland hier nur Besinnung und Umkehr gebracht. Man empfindet heute, in der Kegel wenigstens, ein gev. -ses Mißbehagen, wenn Menschen sich als zur Führungsschicht des Judentums gehörend betätigen, die nicht zumindest sich bemühen, * ieder einzudringen in das seit Jahrtausenden gewachsene Kulturgi t ihrer eigenen Gemeinschaft, in das Wissen um jüdische Lehre ii I jüdisches Leben. Lin Baustein zu dem Neuaufbau wirklichen jüdischen Lebens in 1 Im bland sollen die Bildungskurse unserer Gemeinde sein. Die vt i unserem verewigten Dr. Goldmann immer wieder und wieder gesprochene Forderung, man möge weniger über die Dinge f den und etwas mehr v o n den Dingen wissen, ist oberster I iisat/ dieser in unserer Gemeinde und über sie hinaus in ganz! it.-chland rege gewordenen Bildungsarbeit. Derselbe Gedanke * r auch die Grundlage des großzügigen Bildungsplanes, den Frnst Si im im letzten üemeindeahend entwickelt und erläutert hat. S m\cistündlich besteht im Augenblick nicht die Möglichkeit, nun il en großen, weiträumigen Bau eines alt-neuen jüdischen Bildungs- Programmes, wie es Simon entworfen hat, in unserer Gemeinde li vhzuführen; wohl aber wird die nunmehr fortzusetzende Arbeit '■' Bildungskurse in dieser Richtung gehen. Hatte sich schon im v'rk'angenen Winter ein nicht kleiner Kreis von Menschen zusammengefunden, um Vorträge über ins einzelne gehende Themen anzuhören, so wird erwartet, daß in diesem Winter eine sehr große Anzahl von Gemcindemitgliedern sich die Einrichtung der Bildungs- KUrse zunutze machen wird. Denn dieses Mal sollen vor allem f>r«'ße Zusammenhänge aufgewiesen, größere Wissensgebiete erschlossen werden. Kenntnisse, die durch den Besuch dieser Veranstaltungen erworben werden, können dann leichter dazu be- Khigenj sich in mehr spezielle Gebiete unseres großen jüdischen Jüdische Schule Das Schulgeld für den Monat November 1934 ist am 5. d. M. zu entrichten. Ebenso ist am gleichen Tage der Heizungsbeitrag, auch von den Freischülern, zu bezahlen. Leipzig, den 1. November 1934. Der Vorstand des israelitischen Schulvereins e.V. Kulturgutes einzuarbeiten. Neu ist in diesem Jahr, daß man sich nicht darauf beschränkt, Vortragsreihen wie bisher abhalten /u lassen; es werden vielmehr auch einige Lerngemeinschaften veranstaltet werden, bei denen durch Zusammenwirken des Leiters des Kurses mit den Teilnehmern Wissensgebiete des jüdischen Lebens in besonders eindringlicher Weise erschlossen werden Es ist folgender Arbeitsplan für die Bildungskurse vorgesehen: Vortragsreihen: 1. Einführung in die jüdische Lehre: 2. Der Schabbath; i. Die Liturgie; 4. Jüdische und synagogale Musik. L e r n ge in einschalten: 1. Einführung in die jüdische Lehre; 2. Der Schabbath; i. Die Liturgie; 4. Jüdische und synagogale Musik. Im nächsten Gemeindeblatt werden die Referenten bzw. die Leiter der Lerngemeinschafteii diese Themen erläutern und den Plan ihrer Vorträge und ihrer Arbeitsgemeinschaften umreißen. Ebenso werden der genaue Stundenplan und die Vortragsräume bekanntgegeben werden. Die Teilnahme an sämtlichen Bildungskursen ist unentgeltlich. Eingeleitet werden die Kurse durch einen großen gemeinsamen Abend, der sämtlichen für die Bildungskurse Interessierten die Möglichkeit gibt, sich durch Aussprache mit den ververschiedenen Referenten über die Ausgestaltung der Kurse im einzelnen zu unterrichten und Wünsche und Anregungen anzubringen. M. B.ü.