Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 42 (19.10.1934)
- Date
- 1934-10-19
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REUGIONSÜEMEINDE ZU LEIPZIG 19. Oktober 193daß die jüdische Geschichte gelernt werden müsse als unsere Geschichte, als das. was uns angeht. Die Schwierigkeit sei hier, das lebendige Erleben der Geschichte im Kreislauf des jüdischen Jahres mit der Tatsache in Einklang zu bringen, dal! Geschichte etwas vergangenes sei. Oerade heute in einer jüdisch-politisch bewegten Zeit müsse die Geschichte uns Wegweiser sein für das. was wir tun und was wir nicht tun können. Auch hier diente ein geschichtliches Beispiel aus der Reformationszeit dem Redner als Beleg. Hieran anknüpfend legte Dr. Simon schließlich die Notwendigkeit der Kenntnis jüdischer Gegenwartskunde dar, die bisher nur in jüdischer Sprache niedergelegt und eine Schöpfung des Ostjudentums sei. Der deutsche Jude habe hingegen erst jetzt erkannt, wie wichtig die Verbindung zu den Juden der anderen Länder, insbesondere Palästinas sei, und gelernt, dall das Geben für Erez Israel nur dann Sinn habe, wenn man auch selbst mit der Möglichkeit des Nehmenmüssens rechnet. — Abschließend stellte der Redner die Krage nach dem heutigen jüdischen Bildungsidcal, das /war nicht mehr dem alten Typ entspreche, der im Lernen eine religiöse Pflicht erblickte, dessen Konkurrent andererseits der Chalu/ sei in seiner Verbindung mit Natur, Boden und dem Lande Israel, beide verbunden aber, so meinte der Redner, müßten den heutigen Idealtyp jüdischer Bildung ergeben. Dr. G. L. Arbeitsgemeinschaften für jüdisch-kulturelle Arbeit in diesem Winter. Mit Rücksicht auf den Eintritt in das Jahr 80!) seit dem Tode des Maimonides bildet Herr Dr. M. Woskin-Nahartabi eine Arbeitsgemeinschaft, in der aus dem Standardwerk Maimunis „Jad ha-cliasaka" das Buch „Madda" (Erkenntnis) durchgearbeitet wird. (Vortragssprache hebräisch oder deutsch). Ferner leitet Herr Dr. M. Woskin-Nahartabi auf Wunsch vieler in deutscher Sprache eine Arbeitsgemeinschaft, in der die jüdische Gebetsordnung (Siddur) historisch, literarisch, inhaltlich und sprachlich durchgenommen wird. Interessenten werden ersucht, sich zur Vorbesprechung am Donnerstag, den 25. ds. M., um 7 Uhr, in den Räumen der „Techijja"- Schule, Pfaffendorfer Str. 4 11, einzufinden. Tel. 170 69. Jüdische Sprach- und Geschichtskurse. Der Vorstand des J. S. V. Bar Kochba richtet, beginnend im Monat November, folgende drei Kurse ein: 1. Hebräischen Intensivkurs unter Leitung des Herrn Dr. Woskin-Nahartabi, 2. Jüdischen Geschichtskurs unter Leitung des Herrn Dr. Ludwig Lehrfreund und 3. Palästinakunde unter Leitung des Herrn Richard Pell. Zur Teilnahme an allen drei Kursen oder /um Nachweis der in ihnen erlangbaren Kenntnisse ist ohne Ausnahme jedes Mitglied des Bar Kochba Leipzig verpflichtet, das als aktiver Sportler an der Makkabiah oder auch nur als Gast an der verbilligten Fahrt nach Ere/ Israel teilnehmen will .Darüber hinaus steht die Teilnahme an den Kursen jedem Interessenten trei. Lehrvorträge in der Gemeindesynagoge. Die Lehrvorträge, die /wischen dem Mincha- und Maarifgebet am Ausgang des Sabbath in der Gcmeiudcsynagogc gehalten werden, sollen in nächster Zeit in die Kenntnis der biblischen Bücher einführen. Behandelt wird /ur/eit das Buch Josua anhand des hebräischen Textes. Die Teilnehmer werden gebeten, zu den Vorträgen Textausgaben mitzubringen. Termin-Kollision — muß das sein? Als vor Jahresfrist ein Gemeindemitglied den Vorstand unserer Religionsgemeinde und die Spitzen aller maßgebenden jüdischen Vereinigungen aller Art zu einer Besprechung bat. war man sich nach ausführlicher Aussprache vollkommen darüber einig, dali es in einer Gemeinde, wie der unseren nicht vorkommen darf, daß an einem Abend 2 ja 3 Veranstaltungen angesetzt werden. Ist es ein Unding im Laufe einer Woche womöglich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Veranstaltungen gleicher Art anzusetzen, so können wir uns das erstere schon gar nicht leisten Es wurde daher beschlossen, daß ein Tennin-Kalender angelegt wird, in dem jede beabsichtigte Veranstaltung einzutragen ist. Ist ein Termin bereits besetzt, so sollte bei einer zweiten Veranstaltung der gewünschte Termin versagt werden. Da sich nun herausgestellt ha:, daß trotz der damaligen Zusage gerade von beteiligten Vereinen nicht nach L'ebereinkommen gehandelt wird, ergreift nun das Gememdehlatt von sich aus die Initiative, um diesem Zustand ein für allemal ein Ende zu machen. Von der nächstfolgenden Nummer unseres Gemeindeblattes ab wird ein Terminkalender jeweils für die 60 folgenden I age erscheinen, in welchen! vorgesehene Veranstaltungen eingezeichnet w erden. Im Einvernehmen mit der Anzeigen-Verwaltung werden Anzeigen von Veranstaltungen, die gegen die Interessen bereits lange vorher festgelegter Veranstaltungen durch gleichen oder zu nahen Termin verstoßen, nicht mehr aufgenommen. Ks handelt sich bei dieser Regelung nicht nur um Termine von Veranstaltungen von Vereinigungen, sondern ebenso um anzusetzende Gemeinde- Abende, Konzerte und andere Veranstaltungen kultureller Art. Der Terminkalender liegt bei Herrn Rabbiner Cohn. Waltcr-Blümelstr. 10 aus. Esjo». Amtliche Bekanntmachungen Neuanmeldungen. für die Höhere Israelitische Schule und für die Volksschule werden von Dienstag, den 23. bis Donnerstag, den 25. Oktober 1934, von II bis 1 Uhr im Direktorzimmer, Gustav-Adolfstraße, entgegengenommen. Die Schulleitung. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst. Freitag, 19. Oktu her, Abendgebet 17,15 Uhr. Sonnabend, 20. Oktober, Morgengebc 9 (ihr, Nachmittagsgebet 17,20 Uhr, anschließend Lehrvortrag Abendgebet 17,51 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagogc. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 26. Ok tober, Abendgebet 17 Uhr mit Predigt. Sonnabend, 27. Oktober, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 17,05 Uhr, anschließend Lehrvortrag, Abendgebet 17,37 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Ez-Chaim-Synagoge, Otto-Schill-Str. Freitag, den 19. Oktober Abendgebet 17,15 Uhr. Sabbat, den 20. Oktober: Morgengebet 8,30 Uhr; Mincha 17 Uhr; Ausgang 17,51 Uhr. — Wochentags Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet 17,15 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge. Otto-Schill-Str. Freitag, den 26. Oktober Abendgebet 17 Uhr. Sabbat, den 27. Oktober: Morgengebet 8,30 Uhr; Mincha 16,30 Uhr; Ausgang 17,37 Uhr. — Wochentags: Mor gengebet 7 Uhr, Abendgebet 17 Uhr. Talmud-Thora-Synagoge, Keilstr. 4. Freitag abend 17,15 Uhr Sonnabend früh 8,30 Uhr, Mincha 17 Uhr, Ausgang 17,51 Uhr. - Wochentags: Früh 7 Uhr, abends 17,15 Uhr. Personenstandsnachrichten B a r m i z w a : Am Sonnabend, 27. Oktober, Peter Kölner, Sohn des Herrn Aladai Kölner und Frau Erna geb. Pollak, Geibelstr. 42. in der Gemfi nd es v n a goge. Trauungen: Am Sonntag, 14. Oktober, Fräulein Sulamith Neumann, Leipzig, Ranstädter Stciuweg 28 32, mit Herrn Hans Österreicher, Hauptmannstr. 4. Am Sonntag, 21. Oktober, 4 Uhr nachm., Fräulein Frieda Roiterstein, Frankfurter Straße 6, mit Herrn David Heller, Elsterstr. 5*). in der Wohnung von Herrn Rabbiner Dr. Carlebach, Leibnizstraße 23. Todesfälle: 23. September 1914 Herschel Stern, Reudnitzer Str. 4. 1. Oktober 1934 Kind Harry Diamant, Nordstr. 14. 3. Oktober 1934 Nathan Seinfeld, Nordstraße 15. 5. Oktober 1934 Elka Gaidelmann, Humboldtstraße 20. 7. Oktober 1934 Rabbiner Dr. Felix Goldmann, König-Johann-Str. 17. Veranstaltungen. Operettenabend Leipziger jüdischer Künstler. Die unter dieser Überschrift in Nr. 39 des (remeindeblattes veröffentlichte Kritik hat uns mehrere Zuschriften eingetragen, die das Urteil unseres Berichterstatters zum Gegenstand haben. Es ist nicht der erste Fall, dal) über die Leistungen eines Künstlers die Meinungen auseinander gehen. Es war selbstverständlich, daß wir die Kritik des von un> beauftragten, durchaus sachverständigen und sachlichen Bericht erstatters veröffentlicht haben. Wir wollen jedoch gern davor Kenntnis geben, daß uns von anderer Seite eine Beurteilung vor gelegen hat, die sich über Mus ja Gottliebs Qualitäten als Dirigent im Gegensatz zu unserem Berichterstatter überaus anerkennend äußert. Jüdischer Sport Sportverein „Schild". Am Sonntag, den 14. Oktober 1934, gol es von früh bis abends in Strömen. Bis auf das Damen-Handball und das Herren-Fußballspiel, die uns beide mit unserem Dresdener Bruderverein zusammenführten, ließen wir alle anderen angesetzter Spiele ausfallen. Unsere Damen gaben ein ansprechendes Debüt, besonders, wenn man den schweren Boden in Betracht zieht, und hielten sich sehr tapfer gegen ihre Dresdener Kameradinnen, du bereits einige Spiele absolviert haben. Anschließend ein Fußball kämpf, wie er sein soll. Vom ersten Augenblick an, fesselnd, fai: und voiier schöu&tei Kampfmomente. Beide Mannschaften mit den; unbedingten Willen zum Sieg, Dresden wollte Revanche nehmen Leipzig seine Vormachtstellung erhärten. In der ersten Halbzei! Leipzig technisch besser, Dresden etwas schneller und körper licher. Zuerst offenes Feldspiel, dann leichte Überlegenheit Leip zigs, doch konnte diese zahlenmäßig nicht dokumentiert werden, da ein Teil des Sturmes zu viel kombinierte. Ein Kardinalfehler bei diesem schweren Boden. Im zweiten Teil des Spieles drängt zuerst Dresden und hat Erfolg. Dr. schießt das erste Tor. Die bisher ungeschlagene Leipziger „Schild"-Mannsehaft wird jetzt munter. Aiigiff auf Angriff rollt ans Dresdener Tor. Kaufer gleicht aus und Reifenberg schießt den Siegestreffer. Leipzig gewinnt 2:1. Beiden Mannschaften ein Lob für ihr Durchhalten trotz der Ungunst de^ Wettergottes. Unstreitbar das schönste Spiel, das bisher vom Leipziger „Schild" veranstaltet wurde. Im Gasthof Thekla begrüßte Dr. A. Jacoby die Dresdener Gäste, der l.andessportführer Dr Wienskowitz und Kamerad Treitcl sprachen im Namen der Dresde ner. Es folgte ein gemütliches Beisammensein, .das sogar sehr gemütlich gewesen sein soll. —er.