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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-10-19 · 42 (19.10.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
42 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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0 34 Auflage 4250 Stück emeuiö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGEMEINDE ZU I JELI AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT •Ulm I 1 Am I ^7 OER GEMEINDEVERWALTUNG« Schrlftleltung i Oemeinderabbiner OustavCohn Leipzig Walter BlOmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Oenebmigung des Verfassers gestattet Nummer 42 ■ Juhrtjang 10 19. Oktober 1934 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipzig OS, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Zum Gedenken Ansprache des Uemeinderabbinerft Gustav Cohn bei der Bestattungsfeier auf dem Neuen israelitischen Friedhof. Verehrte Leidtragende, trauernde üemeinde! Schwere Aufgabe hat das Schicksal mir auferhgt, daß ich an dieser Bahre sprechen muß, schwerere Aufgabe noch ist es, daß ich allein Dolmetscher der Eiupfindungcn werden soll, die diese ansehnliche und so zahlreiche Traucrversammlung erregen. Die tausendfältigen Beziehungen, die die gemeinsame Arbeit in fast : l Jahren /.wischen dem heimgegangenen Amtsbruder und mir <jechaffen haben, brachten mich dieser bedeutenden Persönlichkeit menschlich nahe; die 1'iidcn ineinandergreifender oder gleichlaufender Aufgaben des Amtes haben uns eng miteinander verkettet; D habe ich wie wenig andere Einblick in das Wesen und das Schaffen dieses so großen Mannes ^gewinnen dürfen, kann wie wenig andere den unaussprechlichen Verlust ermessen, den mit der so schwer beiroffenen Familie unsere ganze Gemeinde und darüber hinaus das gesamte deutsche Judentum erlitten hat. Denn, wie groß auch der Schmerz der Familie ist, daß sie, und umal, daß die Kinder dieses so geliebte Oberhaupt hingeben aussen: mit ihr ist die gesamte Gemeinde in echte und erschütterte 1 rauer versetzt. Hier darf das Wort des Propheten angewandt 'Verden: b'chol r'chauwauß mißped, uw'chol cnaull jaumru hau hau. Auf allen Plätzen ist Klage, und auf allen Straßen ruft man: Hebe, Wehe! (Arnos 5, 16.) Die Trauer pflanzte sich aus dem von bitterer Klage erfüllten Hause fort auf die Straßen und Plätze bis hinein in jedes Haus und jedes Herz. Und nicht nur in der Qeueinjde unserer Stadt, von einem Ende des Reiches bis zum anderen, wo immer Juden Anteil nehmen an dem Bestände unserer Lehre und am Qedeihen unserer Gemeinschaft verehrte man unseren verewigten Rabbiner Dr. Felix Goldmann wegen seiner rastlosen Tätigkeit für die Ehre und die Zukunft des Judentums und vernahm mit tiefster Erschütterung die Trauerkunde, daß das Judentum diesen führenden Geist und seine richtungweisende Tatkraft nun entbehren muß. Mit den Hunderten und Hunderten, die au «lieser Stätte ihrem geliebten Rabbiner, Freund und Helfer auf seinem letzten Wege auf Erden das Geleite geben wollen, vereinigen lieh Tausendc, die ihr Herz nicht minder dazu drängen würde, denen es aber die Begrenzung des Raumes oder die Weite der Entfernung versagt: sie alle bedrückt der Schmerz um den verödeten Phni Jeder von ihnen möchte dem Heimgegangenen noch ein Wort der Liebe und der Dankbarkeit nachrufen, und zumal die ganze Reihe der Organisationen und Einrichtungen, denen Dr. Goldmann mit seinem Rate, seiner Kraft, mit seinein reichen Wissen, seiner Umsicht, seiner klaren Erfassung des Notwendigen und seinem entschlossenen Zugreifen ein wahrhaft mitstrebender und herzlich erfüllter Förderer gewesen ist, sie alle würden so gerne ihrem Herzen folgen, hier davon zu sprechen, wie nahe ihnen Dr. Goldmann gestanden hat, was sie ihm zu danken haben, weil er innerlich zu ihnen gehört hat. Es ist schwer, zu schweigen, wenn das Herz übervoll ist. Und doch haben wir uns zu dem Entschluß durchgerungen, dem immer wieder kundgegebenen Wunsche des Entschlafenen Rechnung zu tragen, daß diese Stunde des Abschiedes eine schlichte Ausgestaltung erfahre. Dr. Goldinaiin, der Hunderten verdienstvoller Männer und Frauen in beredten, aus anerkennendem Herzen strömenden Worten die Ehrung zuteil werden ließ, die ihnen für hingebende Leistung im engeren oder im weiteren Kreise gebührte, er selber wollte nichts wissen von äußeren Zeichen der Würdigung, er war Ehrungen abhold, wies sie bescheiden von sich, und es war ausdrücklicher Wunsch, daß sie unterbleiben sollen, wenn die Stunde kommen würde, die nun so unerwartet schnell hereingebrochen ist und uns alle bis ins tiefste erschüttert. Und wahrlich, er bedurfte ja auch nicht der Worte der Würdigung: ihm war beglückenderer Erfolg, er durfte die Liebe und Verehrung fühlen, die ihm in so ungewöhnlich reichem Maß bewiesen wurde. So ehren wir den heimgegangenen Dr. Goldmann, indem wir seinen Wunsch achten. Nur eine Körperschaft darf das Recht in Anspruch nehmen, aus der Reihe der Organisationen herausgehoben zu werden: der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, der es sich nicht versagen möchte, dem heimgegangenen Gciueinderabbineidurch meinen Mund den Dank für alles, was er in siebzehn Jahren hiesiger Tätigkeit allen Ellrichtungen der Gemeinde und ihren Mitgliedern an Förderung hat an* gedeihen lassen, was er an heiliger Begeisterung als Lehrer und geistiger Führer, in Gottesdienst und Schule, an hingehender Hilfe in den Wohlfahrtshestrebungen, an wertvollem Rat auch in den Verwaltungsaufgaben gegeben hat. Und damit verleiht der Vorstand zugleich auch dem Danke Ausdruck, den die iuuerhaib der Gemeinde bestehenden Organisationen und Einrichtungen aller Richtungen und Gruppen und Aufgabengebiete Dr. (ioidmann zollen: denn in der Gemeindekörperschaft haben sie ja alle ihre Zusammenfassung, ihre Einheit; das Wort, das der Vorstand spricht, Lst Ausdruck der Dankesempfindung für sie alle. Dem Satze des letztwöchentlichen Thoraabschnittes: „Abend ward und Morgen ward — ein Tag" gibt ein Weiser die Deutung, daß in ihm der Dienst des Menschen auf Erden gekennzeichnet sein soll. Wie Gott sprach: es werde Licht, und damit sein Schöpfungswerk begann, so soll auch der Mensch seine Erdenaufgabe darin erkennen, Licht in die Finsternis dringen zu lassen. Erst das ist ein Tag, an dem der Mensch seiner Bestimmung bewußt gewirkt hat, an dem er sich im Kampf gegen die Finsternis bewährt hat. Von diesem Gedanken war das Schaffen Dr. Goldmanns getragen. Als ein Lichtträger hat er sich in das Getriebe des Geschehens gestellt und den ganzen Reichtum seines Könnens und Willens dafür stellt und den ganzen Reichtum seines Könnens und Wollens dafür

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