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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-10-12 · 41 (12.10.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
41 (12.10.1934)
Date
1934-10-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4250 Stück (memöettatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I fm\ D7|rfL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL I TMm\ \& DER GEMEINDEVERWALTUNGH Schriftleitung i Oemelnderabbiner OusUv Cohn Leipzig Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung dei Verlassers gestattet Nummer 41 ■ lahrgang 10 12. Oktober 1934 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig 0 5, Cichoriusstraße 2a, Fei nsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. OemeinderabMuer Dr. Felix Göhl mann s. A. Als „Vater der Gemeinde" ist in diesen Tagen, da die Trauer um seinen allzu frühen Heimgang sich wie ein Alb auf die Seelen gelegt hat, unser Rabbiner Dr. Felix Qoldmann bezeichnet worden. Kein treffenderes Wort konnte den unsagbaren Verlust ausdrücken, den mit seiner Familie, besonders den drei unmündigen Kindern, unsere Leipziger Gemeinde, den das deutsche Judentiuii erlitten hat. In ihm ist die hingchungsvolle Fürsorge, das opferfrohe, iü 'volle Eintreten für die Gemeinde als liesamtheit und jedes einzelne ihrer Glieder ausgesprochen, die Dr. Goldmanns Vi esen ausmachten, seine Fähigkeit, entsagungsbereit in jedem Augenblick den Noten aller Art umsichtige, weitblickende Hilfstat entgegenzustellen, an dem Bestände und der Zukunft der einzelnen Menschen und des Oemeindeganzen tatkräftig und nie versagend zu wirken;die Kraft, sich mit seiner ganzen Person einnuetzca, um Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, wenn es galt, den seelisch Gebeugten, den im Leben Gestrauchelten und den von Hoffnungslosigkeit Bedrohten den Glauben und das Vertrauen in ihre Zukunft wiederzugeben. In >iebzehn Jahren unermüdlichen Wirkens hat der Heimgegangene sich die Her/en aller und ihre unvergängliche Dankbarkeit gewonnen. In tiefem Schmerzt haben alle, die ihm nahestanden, in den letzten Jahren die Beeinträchtigung seiner Gesundheit gesehen. Aber niemand wollte glauben, daß diesem an gutem Werke und richtunggehender Tat so reichen Leben so schnell eine Grenze gesetzt sein sollte, Mali dieser so lebendige Geist, dieser strömende Tatenquell so früh j versiegen mußte. Im 53. Lebensjahre stand Rabbiner Dr. üoldmann. Am 16. April | '882 in London geboren, kam er schon als Kind nach Berlin, wo I w den größten Teil seiner Schulausbildung erfuhr. Oft hat er und jmit Uenugtuung erzählt, daß ihm schon von der Schulzeit her kein . » % . * 1 r f / anderer Beruf vorschwebte als der des Rabbiners: für ihn fühlte und bewies er die innere Berufung. Es gab für ihn kein Schwanken und kein Zögern, als er vor der Berufswahl stand: er trat in die „Hochschule für die Wissensehaft des Judentums" ein, in der er die Vorbereitung für seine so segensreiche rabbinischc Wirksamkeit fand. Nie hat er diesen Entschluß bereut: bei seinem 1932 gefeierten Berufsjubiläum hat er immer wieder ausgesprochen, daß er, wenn er sich nochmals für einen Beruf zu entscheiden hätte, keine andere Wahl treffen würde. Seine akademischen Studien an der Berliner Universität wurden ihm zum Mittel für die Vertiefung in den Geist der Sprache unseres alten Schrifttums: er befaßte sich vornehmlich mit den orientalischen Sprachen, die bei ihrer engen Verwandtschaft mit der Sprache der Bibel und des Talmuds zur Stütze für die Kenntnis der Feinheiten des Hebräischen dienen. So kam es, daß ihn immer eine echte Liebe für unsere heilige Sprache erfüllte, daß er freudigen Anteil auch an den Bestrebungen zur Belebung des Hebräischen genommen hat. Die wissenschaftlichen Anregungen der Studienzeit formten in ihm einen allseitig interessierten Geist. Die vielen Hundertc von Vorträgen, die Dr. Goldmann in einer 27jährigen Wirksamkeit als geistiger Führer der Jungen und der Arten in den Gemeinden, die das Glück hatten, ihn als ihren Rabbiner zu besitzen (von 1907 bis 1917 war er Rabbiner in Oppeln), wie in allen Teilen der deutschen Judenheit gehalten hat, bewiesen eine ungewöhnliche Fülle an Wissen auf den verschiedensten Gebieten menschlicher Geistestätigkeit. An keinem Problem der Vergangenheit und Gegenwart ging er vorüber. Und immer erregte die Beherrschung des Stoffes Bewunderung, ob er zu dem engeren Kreis der Fragen über jüdische Lehre und jüdische Geschichte sprach, oder ob er sie hineinstellte in die allgemeinen Fragen der Wirtschaft, der Politik, der

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