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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-09-07 · 36 (7.9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
36 (7.9.1934)
Date
1934-09-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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. September 1034 CiEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSQEMEINDE ZU LEIPZKi Seile 3 nien — „singet dem Herrn ein neues Lied!" Das I.eid war groß — rößer als Ootles Groll ist sein Erbarmen". Die Qegenwart braucht diesen Glauben mehr als vergangene Zeiten. I ler Kampf ums Dasein ist unerbittlich hart geworden. Die Unzuläng- . Iikcit der Erwerbsmöglichkeiten, die nervöse Zuspitzung der Wirtschaft- I chen Verhältnisse, der Zusammenbruch vieler scheinbar gut gesicherter Existenzen sprechen überaus ernst von der Unsicherheit aller Lebensbe- . iehungen. Das Schlimmste aber ist, daß die Gegenwart in sich haltlos geworden ist. Ihr fehlt inmitten der allgemeinen Unsicherheit, der Halt d - Glaubens an die Zukunft, die innere Festigkeit, die Verbundenheit mit Gott. Nur so ist es zu verstehen, das haltlos gewordene Menschen auf den furchtbarsten Gedanken kommen, ihr Leben ZU vernichten, weil sie an der Zukunft verzweifeln. Dein Leben gehört nicht dir allein — es gehört auch deinem Vater, deiner .Mutter, deinem Weibe, deinem I nde! Iis gehört deinem Vaterlande, deiner religiösen Gemeinschaft wie der Gemeinde der Menschen. Es gehört deinem Gotte, der dich zu seinem Dienste berufen, der ein Recht hat, von dir als einem Ehrenmenschen Treue und Festigkeit zu verlangen. Hast du alles verloren, verliere nur nicht das Beste, den Glauben an dich, an deine Zukunft, an deinen Gott \ ielleicht bringt dir der Morgen schon die heute vergebens erhoffte Hilfevielleicht zeigt dir die Sonne des nächsten Tages schon den Weg zu neuem Glücke. Denke an Hagar, die in der Wüste an ihrer und ihres Kindes Rettung verzweifelt und der ein Engel die Augen An die Leser des Ciieiiieiiideblattes. Wir bitten diejenigen Mitglieder unserer Gemeinde, die noch nicht das Bezugsgeld für das Gemeindeblatt für die Zeit vom 1. April bis 31. Juli ds. Js. in Höhe von RM. - ,40 an uns gezahlt haben, dies umgehend nachzuholen. Postscheckkonto der Gemeinde Nr. 50533. Leipzig, den 23. August 1034. Der Vorstand der israelit. Religionsgemeinde zu Leipzig. öffnet, die rettende Quelle zu schauen. Vielleicht ist es wahr, daß dich das alte Jahr bitter enttäuscht hat, daß heiliges Holten, ehrliches Ringen, treue Arbeit erfolglos geblieben glaube an das neue Jahr! Siehe, er schwebt dir entgegen mit dem Füllhorn der Gnade. Tausend mal tausend Augenblicke hat das Jahr, und jeder ist ein Engel, der dir den Weg zu neuer Seligkeit weist. Jede Stunde kann dir das ersehnte Glück schenken . . . Neues Jahr bringt neues Hoffen, Deinem Leben steht die Pforte Einer neuen Zukunft offen. Neues Jahr ist neuer Segen, Will ZU neuen Paradiesen Führen dich auf neuen Wegen. „Ausbildung im Handwerk". Die blaue Beitragskarte für „Hilfe und Aufbau". Die jüdische Jahreswende läßt uns zurückblicken auf das Vergangene und Vorschau haften auf künftige Ziele. Auf allen Lebensgebieten haben sich grundlegende Wandlungen vollzogen. Eine der bedeutsamsten und stärksten Umwertungen erfolgte im IVitifsleben. Es wurde offenbar, wie ungünstig die Ueberbetonuug der 0 igen Berufe sich auswirkte. Die Einsicht, daß eine Umstellung auf Körperliches Schaffen zur Herstellung eines gesunden Ausgleichs notwendig h ■ i dringt immer mehr in das Bewußtsein der jüdischen Gemeinschaft eii, Diese Erkenntnis gibt uns die Gewahr dafür, daß die Werbung _ di r Beitragskarte Hilfe und Aufbau im Monat September, die unter ■ dem Motto „Ausbildung im Handwerk" Igt, gebefreudige Hände finden wird. Im Laufe der lezten Zeit hat sich ein großer Teil der jüdischen Jugend, d leinen früheren Beruf aufgeben mußte, dein Handwerk zugewendet, ll auch viele schulentlassene Jugendliche haben erstmalig diesen Bcrufs- 1 ig erwählt Soweit es möglich war, wurden ordentliche Lehrstellen jv halft, doch reichten die Ausbildungsmöglichkeiten nicht aus, um alle, il sondere die älteren Jahrgänge, zu erfassen. Die Einrichtung hand- \\< licher Lehr-Werkstätten wurde dringendes Erfordernis. In fast allen großen n Gemeinden finden wir heute Lehrbetriebe für die verschiedensten Zweige des I landwerks. Neben Schlossereien und «■T ilercien gibt es Kurse in Feinmechanik, im Malerhandwerk, in der ler 11'' terei, im Bauhandwerk .Mauern, Zimmern, Fliesenlegen). Die Einirh Iril lUg dieser Betriebe war nur möglich unter großen finanziellen ■ f'i 'Tu. — Die Anschaffung der Werkzeuge verursachte zunächst erhebtr" I Ii' Kosten neben den laufenden Spesen für das Lehrmaterial und die cslHßi ricbskoftra (Licht, Heizung usw.). Gute Lehrkräfte müssen zur Leitung Igelbi igezogen werden; sie sollen unserer Jugend, die ohne Tradition in ,vcB1'' " Her,|b-'n ist, nicht nur die technischen Fertigkeiten auts beste beii~4|bi en, sondern sie auch geistig aufschließen für den neuen Beruf, vlaniit 1D*Hec Freude am selbstgeschattenen Werk jeden einzelnen erfüllen kann. ,ue: ■ Leider können viele Familien ihre Kinder bei Beginn der Berufsausr ii ing nicht mehr mit den erforderlichen Sachen ausstatten. Immer wieder en B'1'1 es an der notwendigen Berufskleidung, an gutem Schuhwerk, ausli Bn' ender Wäsche; daneben sind die Kosten für die sozialen Aufgaben 1;KBai; .bringen. Dal begonnene Werk muß erhalten und, wo erforderlich, weiter ausn^ist altet werden. Es ist lebenswichtig für die jüdische Gemeinschaft, denn lüdtHjfa Jugend, die sich mit allen guten, aber auch harten Konsequenzen Wni e-tellt hat, ist der Wegbereiter der jüdischen Zukunft. Wo aufgebaut wird, müssen wir helfen! Die neue Jugend soll uns alle bereit finden! |Ein Jahr Hilfe und Aufbau. Ein Jahr Hilfe und Aufbau. Der Zentralatisschuß für Hilfe und lAufhau veröffentlicht eine durch reiches Bildmaterial belebte Broschüre, in der über die geleistete Aufbauarbeit Bericht erstattet nv.'ri' In übersichtlicher Weise wird die Gliederung der vielen tiii/elarbcitsgebiete veranschaulicht und daran anknüpfend das Bild aller dieser Fülle von Tätigkeit dargestellt. Dem zusammenfassenden Bericht entnehmen wir folgende abschließenden Absätze: „So ist der Zentralausschuß die Leitung des gesamten H i I f s - und A u f b a u w e r k e s der deutschen J u d e n geworden, die die Oesamtaufgaben, die diese Zeit dem deutschen Judentum auf sozialem Gebiet stellt, in einheitlicher Planung und Durchführung ZU lösen versucht und der sich alle Organisationen und Institutionen, die auf diesem Gebiet arbeiten, eingefugt haben. Wenn es möglich war, für unser Hilfswerk Mittel des ausländischen Judentums zu erhalten, so Lst dies nur der Tatsache ZU danken, daß in relativ kurzer Zeit im Zentralausschuß eine Stelle geschaffen war, die den Anspruch erheben durfte, das gesamte deutsche Judentum in seinen sozialen Nöten und Sorgen zu vertreten und zu betreuen. Es muß mit besonderem Dank hervorgehoben werden, daß die Hilfsbereitschaft des ausländischen J u d e n t U m s außerordentlich groß war und ist. Das American Joint Distribution Co m m ittee und der Central British Fund haben vom Beginn der schweren Lage des deutschen Judentums an in opferfreudigster Weise uns Mittel zur Verfügung gestellt, ohne die der Aufbau und Ausbau unseres Werkes unmöglich gewesen wäre. In den letzten Monaten hat sich auch die Verwaltung der I c a in Paris an den Aufgaben der Berufsumschichtung beteiligt. Der Zentral-Ausschuß war sich von vornherein darüber klar, daß den gewaltigen Aufgaben, die er zu lösen hatte, nur mit modernsten Mitteln begegnet werden konnte. Es mußte versucht werden, die Menschen, die ihren bisherigen W irkungskreis verloren hatten, auf irgendeine Weise neu in den Wirls.eiiaftspro/eß einzuordnen. Wer durch Alter, Krankheit oder andere wichtige Gründe für den Einbau in eine neue wirtschaftliche Struktur des deutschen Judentums nicht in Frage kam, mußte von der Wohlfahrtspflege betreut werden. Alle Wege und Möglichkeiten, einen Menschen in neue Berufsarbeit als nützliches Glied der Gesamtheit einzufügen, müssen jedoch erst versucht werden. Denn charitative Arbeit zu leisten bedeutet heute nicht mehr allein, Notleidende mit einem Beitrag zu unterstützen; konstruktive Hilfe ist der Grundsat/ moderner Hilfsarbeit. Deshalb mußte das Arbeitsgebiet des Zentralausschusses außerordentlich weit ausgedehnt werden. Neben vorhandenen Institutionen und Organisationen, die in das Hilfswerk eingebaut wurden, mußten neue Stellen geschaffen werden, die sich der Bearbeitung der neu entstandenen Fragen und Arbeitsgebiete zu widmen hatten. Das Obers IchtsbiTd zeigt deutlicher, als es lange Darlegungen vermöchten, den Aufbau und die Organisation der Arbei des Zentralausschusses.'' Aufbau durch Sport Erstes Jugendsportfest des Kcichsausschusses der jüdischen Jugendverbände. Der Reichsaussehuß der jüdischen Jugendverbinde, die Spitzenorganisation der gesamten jüdischen Jugend in Deutschland, veranstaltete auf dem Sportplatz der Berliner Jüdischen Gemeinde sein erstes Sportfest, das die organisierte jüdische Jugend Berlins, soweit sie dem Keichsaussehuß angehört, vereinigte. Hilfe und Aufbau Ist das Ctebot des neuen «Jahres! Erwirb die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau.

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