Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 36 (7.9.1934)
- Date
- 1934-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Auflage 4250 Stück (Bemcitiö etoatt DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGEMErlN Dt ZU I III AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL I VMm I ^7 DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schrlftleltungi Oemeinderabbiner OusUvCobn Leipzig Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfaaaert gestattet Nummer 36 ■ Jahrgang 10 7. September 1934 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipzig 05, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Aufbau 5695. i Josef Budko li.it für den Künstlcrkalender, den die jüdische Künstlerhilfe Berlin herausgegeben hat (siehe „Neue Bücher"), einen Holzschnitt Aufbau" beigetragen. Der Künstler gestaltet in ihm das Erlebnis des! .indes, das er als seine neue Heimat erwählt hat. Er zeichnet es in einem noch jugendlichen Manne, der aufrecht, stahlhart, mit festem Auge wrwärts blickt; die gespannten Muskeln des Qeiichts verraten unbeugsame Willensstärke. Man sieht ihm an, dal! ihm die satte Zufriedenheit errichten Ziels noch nicht zuteil geworden ist; ber ihn erfüllt die mutige Gewißheit, daß er d:e Aufgabe meistern wird. So wird er zu einer Inen Gestalt, die das Bild der Landschait be- Krrscht, der Landschaft, in der er als Arbeiter der Hand am Werke ist, am Boden und in der Werkstatt. Er steht im Vordergrund. Neben ihm, KT im Schatten, zeigt das Bild die von der Last unfruchtbarer Sorgen gebeugte Gestalt eines Alten; Züge matt, müde das Auge im durchfurchten; Sicht Der Greis lehnt sich an den Jungen: I ine neue Haltung des jüdischen Menschen ist im Aufbau; dieser junge Mensch wird auch einmal die Züge des Alters tragen, aber nicht als Zeugen I <'ffnungsloser Sorgen und Qualen, sondern froh •leisteter Lebensarbeit, die das Brot des Tages d ii Stoff abgerungen hat, vielleicht bescheiden, . er doch eigener schaffender Kraft zu verdanken. Wir sehen in dem Bilde ein Symbol für das Ja r, das scheidet, wie für das, das seine Tore (■•inet. Im Zeichen des Aufbaus mußte dieses letzte |ahr verstanden werden, und mancher Stein ist in das Fundament einer neuen Form jüdischen l>.iseins vermauert worden. Selbst wer grundsätzlich der zionistischen Ideologie fernsteht, muß als den bedeutsamsten Josef Budko, Jerusalem-Rehawia Aktivposten in dieser Neugestaltung die Fortschritte (1934) anerkennen, die der Aufbau in Palästina aufweist. Hier geschah der wundervolle Vorgang, den Budko so schlicht und doch so eindringlich "K-linet; eine Wandlung der jüdischen Lebensform hat sich vollzogen. Snline zermürbter Väter haben sich vor dem Schicksal bewahrt, einst ein gleiches trauriges Los auszukosten, haben sich zu lebensstarken, zuversichtlichen Juden entwickelt Und haben in entsagungsvollem Mühen dem d«rch Jahrhunderte als Steinw üste brachliegenden Boden Ertrag abgerungen, haben Siedlungen, Dörfer und Städte wachsen lassen, haben ein schlum- "itrndes Land zum Leben erweckt. Was das bedeutet, hat sich gerade im letzten Jahre erwiesen. Die Krise, die alle Linder der Welt in Sorge erhält, hat die Einwanderung in andere Linder in einer Weise beschränkt, die fast einer Sperrung gleichkommt. Konnten in den ersten Monaten nach dem Umbrüche noch Tausende der aus ihrer Bahn Gerissenen eine Zuflucht in westlichen Ländern finden, so wurde der Strom der Flüchtenden mehr und mehr eingedämmt: grundsätzlich stand nur Palästina offen. Allerdings auch nicht in dem Maße, um dein stürmischen Verlangen der Hunderte und Tausende zu genügen, die dort eine Zukunft für sich erwarteten, aber Immerhin doch für viele, viele Tausende, die, wenn sie einmal den Boden des Lindes der Väter betraten, mit offenem Herzen empfangen, anknüpfend an die Leistungen der Pioniere fortbauen und darin mitwirken konnten, ein wichtiges Stück jüdischen Daseins für die Zukunft sicherzustellen. Nicht alle konnten, nicht alle wollten diesen Weg gehen. Auch für sie war Aufbauarbeit erforderlich. Die Organisationen, in denen jüdische Belange gepflegt worden waren, hätten sie in Ihren alten Formen nicht durchführen können; sie erfuhren eine Verjüngung, die sich nicht nur in der Heranziehung frischer Kräfte, sondern mehr noch in der inneren Umstellung zu neuen Grundsätzen kundtat. Die neue Lage verlangte mutiges Zufassen. Menschen, denen der Boden, auf dem sie gestanden hatten, ins Wanken geraten war, brauchten eine starke Hand, die sie stützte; eine Jugend, der der Weg in einen Lebensberuf verschlossen schien, mußte durch kraftvolle Maßnahmen davor bewahrt werden, daß sie dauernder Lebensuntüchtigkcit zum Opfer fiel; Kindern mußte durch zielbewußte Führung eine Schulzeit «esirhert «erden, in der ihr Selbstgefühl ungeschwächt sich entfalten, in der Stolz auf das Judentum wachsen kann. Solche Sicherungen zu schaffen, wurde die Aufgabe eines Zusammenschlusses, der alle Kräfte erfaßte und auf das Ziel hinlenkte: in der „Reichsvertretung der deutschen Juden" fand dieser Aufbauwille Spitze und richtungweisenden Mittelpunkt. Seine praktische Auswirkung herbeizuführen, war der „Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" bestimmt. Von ihm gingen wie Strahlen die Anregungen und Hilfsmaßnahmen in alle Richtungen jüdischer Sorgen und Hoffnungen. Er wurde Mittelpunkt für allen Austausch von Erfahrungen und Plänen; die bei ihm zusammenfließenden geistigen und materiellen Hilfsmittel wurden dann weiter in die Kanäle geleitet, die zu den einzelnen Not- Aufbau