Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-08-17 · 33 (17.8.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
33 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4876568-5968799-5969443--5163-4880963
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEM&IN DE ZU I AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LLIl^lW DER GEMEINDEVERWALTUNG* Schriftleitung: Oemeinderabbiner Ouslav Cohn Leipzig Walter Blüm cl-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfasser« gestattet Nummer 33 ■ Jahrgang 10 17. August 1934 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipzig OS, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. VII. Gemetndeabend. Zum Gedächtnis des in die Ewigkeit abberufenen Dichters Chajim Nachman Bialik findet am Dienstag, 28. August 1934, pünktlich 8.30 Uhr abends in der Gemeindesynagoge, Gottschedstraße, ein Oeinelndeabend statt. Es spricht Herr Rabbiner Dr. Emil Bernhard Colin-Berlin. Musikalische Darbietungen und Vorträge aus den Werken des Dichters umrahmen die Gedenkrede. Wiederum erwartet die jüdische Gemeinde, daß alle Gemeindemitglieder sich an diesem Abend beteiligen. Ein Teil der Plätze ist reserviert. Karten für diese Plätze sind zum Preise von RM 1.— im Gemeindeamt und in der Buchhandlung von M. W. Kaufmann vom 22. August an erhältlich. .Zu allen anderen Plätzen ist der Eintritt unentgeltlich. Leipzig, den 13. August 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Altbiblische und deutsche Namen der Juden. Dr. Max Golde. Zu allen Zeiten haben die Juden die Familien- und Ahnentreue . pflegt. In diesem Bestreben beflügelte sie vielfach auch die Botschaft ihrer Ahnen, die ihnen ihre Namen künden*). Durch ihre Namen leben die ältesten Geschlechter der bibli- 5 Den Menschheit noch jetzt in unserer Mitte fort; von Adam und Eva, Abel und Noah bis Askenas. Das strenge Festhalten am V ortlaut der Gotteslehre hat nicht allein die Namen der Erzväter Und Stammeshäupter in Israel, sondern auch die cognomüta oder »bildlichen Beinamen der Söhne Jakobs fortgepflanzt. Ihre Namen in Jakob Segen sind als bürgerliche Namen neben die syna- S' galen getreten, der Löwe als Attribut Judas, Hirsch, Hirschel zu Naphtali, Fisch, Fischel zu Ephraim, Wolf zu Benjamin, statt des Es eis der gleich starkknochige Bär zu Isachar. Auch die Namen der biolischcn Richter, Richte rinnen und Könige, von Debora bis Simson, von Saul und David bis Gedaljah leben weiter. Aber die Namen derjenigen Fürsten, die sich auf die Priester, die Großen und die nur das zeitliche Wohl verheißenden falschen Propheten stützten, blieben nicht in Gebrauch. Andere jüdische Namen weisen auf die Vu künder der Ideen des Völkerfriedens und der gemeinnützigen *) Die Erforschung der jüd. Familiennamen geschieht durch die Gesellschaft für jüd. Familienforschung (Berlin W9, Tirpitzufer 12), <He am 26. Mai auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken konnte. Förderung der menschlichen Wohlfahrt zurück. Durch sie jjemahnt uns der unvergängliche Genius des jüdischen Stammes zu Ausgleich und Verständigung. Es ist die lange Reihe von Moses und Elias bis Zacharias. Im gleichen Sinne wirken auch die ostischen Namen, die unseren Festzeiten entlehnt sind, wie Sabbatai, Pessach, Jomtow. Durch ihre sprachliehe Form rufen andere uns auf, unentwegt standzuhalten in der schlicht-treuen Nachfolge des sichtbaren göttlichen Waltens auf Erden. Mit ihrem Hinweis auf die früheren Geschlechter stählen sie und bewahren uns die Kräfte rein, daß wir uns zum Eintreten für den Fortschritt des Guten rüsten, wann immer sich uns Gelegenheit dazu bietet. Eines der zahllosen Sprichwörter der Sephardim sagt: Wenn wir auch keine ricwiim sind, so kommen wir doch von newiim her. In diesem Sinne fordern die Patronymika von uns, die traditionelle Familientreue zu wahren. Seit dem Ende der biblischen Zeit überliefern sie die Namen der Voreltern, seit der nachexilischen die des Großvaters den Söhnen und weiterhin den späteren Geschlechtern. So entstanden die Abraham-, Moses-, Levy-, Rubensohn usw.- Jakobsen und andere. Oft gehen die Familiennamen nicht auf Personensondern auf Ortsnamen zurück, \iclfach auf beide zugleich. Sie sind nicht immer durch Wortstämme, sondern auch durch bloße Endungen gekennzeichnet. Diese treten zu den Namen der Erzväter in Abramowicz usw. hinzu, zur Verkürzung des Prophetennamens in Jolowicz neben Joelsohn, in Lewkowicz, von Lcwek, dem wackern, ursprünglich kleinen Levi (Romanische Forschungen, Bd. 41, H. 1: Max Uolde, Diminutiva im Altfranzösischen), also gleich Lcwisohn. Die Mystik des Mittelalters fügte die gleichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.