Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 31 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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\ Auflage 4250 Stück taeitii) Matt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEIN DE ZU I {^|D7|fL AMTLICHES MACH RICHTEN BLATT Imlm I YEm I ^7 DER GEMEINDEVERWALTUNOB Schrlftieltung i Oemelnderabbiner Oustav Cohn Leipzig Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 31 - lahrgang 10 3. August 1934 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipzig 05, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Jüdische Schule. Das Schulgeld für den Monat August muß bis spätetens 10. August bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist werden Rückstände kostenpflichtig eingezogen. Zahlungsversaumnigge werden nicht mehr geduldet, da sonst das Schul werk nicht aufrecht erhalten werden kann. Kinder, für die das Schulgeld nicht bezahlt ist, werden nach den Ferien nicht zum Unterricht zugelassen. Leipzig, den 1. August 1934. Der Vorstand des israelitischen Schulvereins e. V. Jakob Wassermanns Vermächtnis. „Die Juden von Zirndorf" waren sein Anfang. Als Fränkisches hatte Jakob Wassermanns Deutschtum in seinem Ronian- Krstling ihren reinen und unverkennbaren Ausdruck gefunden: das Ugcnlcbcn der deutschen Landschaften war starker als die nationalen Lebensformen eines verhältnismäliig jungen Staatswesens. Aber dieser Roman hat ein Vorspiel: die Messiassehnsucht des Jhettos, die durch das Auftreten Sabbatai Zewis entfacht war und enttäuscht wurde. Über seinen letzten Roman schrieb er an eine Übersetzerin: .Gestern abend habe ich mein Buch beendet. Sie können sich schwerlich vorstellen, wie mir zumute ist. Das Manuskript geht Mun, wenn meine Sekretärin es abgeschrieben hat, zur Vervielaltigung nach Wien. Dann bekommen Sie den Schluß. Und dann uli man eben sehen, wie, wo und wann die deutsche Ausgabe irscheint (eine absurde Situation für einen sogenannten berühmten Autor). Danach richtet sich auch die tschechische. Dali Ihnen die Übersetzung Freude macht, freut mich sehr. Es ist ja auch kein (.•wohnliches Buch. Der Schiuli geht in Regionen, die ich bisher licht erreicht habe." Der Roman „Joseph Kerkhovens ritte Existenz" wird von der „Jüdischen Buch-Vereinigung"*) rausgebracht und nur an deren Mitglieder abgegeben. Als Fünfzigjähriger hatte Wassermann in der berühmten Schrift ch und der Welt Rechenschaft über seinen „Weg als Deutseher und Jude" abgelegt. Als er zehn Jahre später neue „Selbsthetrachtungen" veröffentlichte, erfuhr eine ganze Gemeinschaft von Menchen an sich die gleichen Spannungen ihres geistig-seelischen I 'aseins, die er als dichterischer Mensch vorgelebt hatte. Er starb an dieser Schicksalsfrage, konnte es nicht verwinden, dal! die 1 mwett sie zu einer Schicksalsfrage gemacht hatte. In der Arlv.it am Kerkhoven-Roinan, den er — wie seine Witwe mitteilt von den Einflüssen der Umwelt freigehalten hatte, war ihm „noch ') Leipziger Alleinauslieferung: (Tel. 36214). Ii. Kahn, Mahlmannstralie 6 Ausgabe der Synagogenkarten. Die Erneuerung der Synagogenkarten findet vom 6. bis 24. August d. J. im Gemeindeamt, Walter-Blümel- Straße 10, I statt. Karten, die nicht rechtzeitig abgeholt sind, werden anderweit vergeben. Kine schriftliche Erinnerung erfolgt in diesem Jahre nicht. Leipzig, den 30. Juli 1934. Der Vorstand der israelit. Religionsgemeinde zu Leipzig. etwas wie bergender Schutz zuteil geworden". Als diese schützende Hülle fiel, empfand er die Notwendigkeit, sich mit der Umwelt, die ihn „unmittelbar und prinvoll" antrat, „nicht nur leidend, sondern auch kämpfend auseinanderzusetzen", und plante ein Nachwort. Was hätte dieses Nachwort, das nicht mehr geschrieben wurde, enthalten? Der Roman selbst gibt Antwort: das Judenleid, das ihn bedrängte, fand keinen Einlali in das Geschehen, doch die Zeit, die es gebar, war in das Werk als Mitspielerin eingegangen. Jüdische Gestalten kommen darin nur am Rande vor: der kleine Chaim Papier, den Frau Kerkhoven wahrend ihrer I ürsorgetätigkeit betreute und Schloime der Schweigende, den Kerkhoven während des Krieges in Polen kennenlernte. Kerkhovens Stieftochter Aleid trägt einen „Judenbankert", aber über dessen Vater schien sich der Verfasser nicht recht schlüssig geworden zu sein: das eine Mal nennt er den von Kommunisten gemeuchelten Korvettenkapitän und Kriegshelden Melchior Bernheimer, das andere Hildenbrand. Diese Unstimmigkeit wurde vielleicht bei der Drucklcjrung stillschweigend berichtigt. Doch darf man sich einen Augenblick laug bei solcher \\ asscrmann-Philoloj>kaufhalten: diese Unsicherheit kennzeichnet des I Hebten Bemühen, in sein Schaffen nichts von einem Erlebnis eindringen zu lassen, was sich nicht unterdrücken lieli. Das jüdische Moment übergeht er bei der Gestalt des Martin