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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-07-13 · 28 (13.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
28 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4250 Stück (taeinö cbktt DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGETAErlN DE- ZU I JE1I \)7\Clm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LLIl ^IW DER GEMEINDEVERWALTUNG» Schriftlei tung i Qemeindcr abbin er Oustav Cohn Leipzig Walter Blfimel - Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 28 - lahrgang 10 13. lull 1934 Anzeigenannahmei E. Qoldfreund, Leipzig 05, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. An die I^eser des ftemeindeblatte* Unter Bezugnahme auf die in Nummer 24 erschienene Bekanntmachung geben wir zur allgemeinen Kenntnis, daß die Einziehung des Bezugsgeldes durch die Post z. Zt. infolge technischer Schwierigkeiten nicht möglich ist. Wir legen deshalb dieser Nummer unseres Gemeindeblattes eine Zahlkarte bei und bitten unsere Gemeindemitgiieder,. das Bezugsgeld für die Zeit vom 1. April bis 30. Juli d. J. in Höhe von RM. —.40 an uns zu überweisen. Wer das Porto von 10 Pfg. für die Zahlkarte sparen will, hat die Möglichkeit, den Betrag an unsere Gemeindekasse während der üblichen Kassenstunden werktags von 9—1 Uhr zu entrichten. Im Interesse des Fortbestandes unseres Gemeindeblattes sprechen wir die bestimmte Erwartung aus, daß jeder das Bezugsgeld umgehend bezahlt. Leipzig, den 19. Juni 1934 l>er Vorstand der israelitischen KHigionMgenieinde xu Leipzig. Neuhebräisch? Von Prof. Dr. I. Elbogen-Bcrlin. Nach einer Periode weitgehender Vernachlässigung zeigt sieh heilte deutlich ein starkes Anwachsen der Bemühungen um die Erlernung des Hebräischen. Dabei wird unverkennbar der lebendigen Sprache der Vorzug vor der Sprache der Bibel und des Gottesdienstes gegeben. Man lernt „Neuhebräisch". In einem überaus lehrreichen Aufsat/ weist der Berliner jüdische Gelehrte l'rof. Dr. Elbogen darauf hin, wie wenige Genaueres über den Kegriff des N'cuhcbräisehen wissen. Wir geben deshalb die nachstehenden Teile seiner Darlegung wieder. Die Schriftleitung. „Neuhebraisch" ist keineswegs ein feststehender Begriff, /u verschiedenen Zeiten hat man mit dem Worte einen verschiedenen Inhalt verbunden. Schon das biblische Hebräisch ist keineswegs i inheitlich, es gibt auch in der Bibel genug Worte, die der Köllig ' »avid wahrscheinlich nicht verstanden und als „neuhebraisch" ZUlückgewiesen hätte. Aber wir haben uns einmal daran gewöhnt, las biblische Hebräisch als Einheit und als ein natürlich gegebenes zu betrachten. Die Wissenschaft hat im vorigen Jahrhundert das auf die Bibel folgende hebräische Sprachgut als ueuhebräisch bezeichnet. Jakob Lcvy nannte 1875 sein großes, noch heute unentbehrliches Werk „Neuhebräisches und Chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim" und verstand unter Neuhebräisch <iie Sprache von Mischna, Talmud und Midrasch. Auch Professor I). Dr. Gustav H. Dalniau, der langjährige Leiter des Deutsch- I vangelischen Instituts für Altertumskunde des heiligen Landes, nannte sein Werk ähnlichen Inhalts in der /weiten Auflage „Aramäisch-Neuhebräisches Handwörterbuch zu Targum, Talmud und Midrasch" (1921). Als um 1880 neue hebräische Schriftsteller wie Mapu, Gordon u. a., in Aufschwung kamen und man auch anfing, mehr Hebräisch /u schreiben und zu sprechen, nannte man diesen Stil Neuhebräisch. Nach weiteren zehn oder zwanzig Jahren wird mau über den heutigen Sprachgebrauch hinaus sein und den dann geltenden als Neuhebräisch bezeichnen, und so wird es wahrscheinlich dauernd weitergehen. Wenn das Hebräische auch seit langer, langer Zeit nicht als allgemeine Umgangssprache diente, war es doch niemals eine tote Sprache. Als Sprache des Gottesdienstes, des Rechtslebens, der wissenschaftlichen und schönen Literatur, der gelehrten Korrespondenz hat es zu allen Zeiten fortgelebt und wie jede existierende Sprache eine Entwicklung gehabt, Höhen und Tiefen geselle:;. Wenn wir unser Gebetbuch Siddur und Machsor nennen, so ist das nicht biblisches Hebräisch, sondern „Neuhebräisch", und die Namen unserer Gebetszeiten sind auller „Miucha" der Bibel unbekannt. Die bekanntesten und ältesten Gebete, z. B. die Sch'mone Lssre, sind voll von neuhebräLschen Wendungen, von jüngeren Dichtungen wie etwa Jehuda HaJevi's Job Schinicho (aus dem 12. Jahrhundert) oder gar Salomo Alkabez' L'choh Daudie (aus dem 10. Jahrhundert) ganz zu schweigen. Die Verfasser der Gebete und Gesänge waren eben darauf angewiesen, die Sprache der Bibel zu erweitern und zu bereichern. Nicht anders ging es in der Literatur. Der grolle Lrklärcr Kaschi (gest. 1105), einer der klarsten Köpfe im Judentum, hatte das Bestreben, Bibel und Talmud plastisch und anschaulich zu erläutern und muBtC sich dazu die Sprache schaffen. Er war einer der genialsten Spraehbildner und Sprachschöpf er in der hebräischen Literatur, und der gefeiertste hebräische Dichter unserer Tage, Ck. N. Bialik, hat oft bekannt, wie viele und wertvolle Anregungen er der Sprache Kaschis verdankt. Ebenso hat der berühmte. Moses Maimonides (geb. 1135) für das einzige grolle Werk, das er in hebräischer Sprache verfallt bat, sein Kompendium des Judentums, MLschne Tora, sich seine eigene Terminologie gebildet, weil

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