Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 24 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4876568-5968799-5969425--5096-4880905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 3 Komertdlrektion Arthur Ehrlich Joseph und seine 'Brüder Aktuelle Revue mit Musik in 4 Bildern von Dr. Sally Rabinowitz. Musikalische Einrichtung von Alfred Simon. 1. Bild: Die Sendung 2. Bild: Der Empfang. 3. Bild: Das Konzert. 4. Bild: Die lugend. Pause nach dem 2. Bild. Es wirken mit Damen: Bienenstock, Landsberg, Loewenberg-Peiser, Markise, Pollak, Stark, Willamowska. Herren: Dr. Alexander, Erlbaum, Jaffe, Prof. Kinkulkin, Lewens, Niederland, Dr. Perls, Schnittmann, Sonnini, Waiden. jüdische Jugend. Das jüd. Orchester. Musikal. Leitung: Alfred Simon. Regie: Dr. Rabinowitz. Uraufführung Donnerstag, 21.6., piinktl. 830 im Xrystall-Mast Theater Saal Preise der Plätze: RN. 2.SO, 2. , l.SO, 1.-, -.SO. Während der einzelnen Bilder bleiben die Saaltüren geschlossen. Karten bei: M. W. Kaulmann, Brühl. - Kaulhaus Brühl - Wletepshy, Brühl 52. - Wlllner Nordstr. 29. - Rest. Manells, Nikolaistr. Zellner's Restaurant und an der Abendhasse Jüdischer Sportverein BAR KOCHBA E. V. Leipzig, Delitzscher Landstraße, Linie 14 und 16. Haltet Euch Sonntag, den 24. Juni 1934 nachmittags türdie Mitteldeutschen fflakkabi-Box-Meisterschaften tmi Zionisten selbst hätten zwar Entscheidendes versäumt, die Hindernisse könnten aber überwunden werden. Es würde eines Tages Lugland nicht gleichgültig sein können, was 16 Millionen Juden über cnglische Haltung und Politik denken. Der jüdische Anspruch IUI Palästina beruhe letzten Endes nicht auf irgendwelchen neuzeitigen Dokumenten, sondern auf dem ewigen Buch des jüdischen Volkes, der Bibel. Es gäbe deshalb keine sog. „illegale" Einwanderung, sondern nur eine Rückkehr von Juden in ihre Heimat. Das jüdisch«' Volk werde nur etwas erreichen, wenn es einig sei, das alte Partciwesen überwinde und volksfreinde Ideologien über Boril werfe. Der Judenstaat, als die ZU erstrebende normale Lebensform, werde nur erreicht werden, wenn wir die von den linken und liheralitistischen zionistischen Gruppierungen heraufbeschworene Bürgerkriegsatmosphäre in Erez Israel und der Galuth durch den einheitlichen Kampf unter einer einzigen, der blau w e i II e n Fahne zu ersetzen verstehen. Der Staats/ionismus habe es auf sieh genommen, in dieser Richtung bahnbrechende und erfolgreiche Arbeit zu leisten. S. R. Gemeinsame Kundgebung der Leipzig-Loge und des Jüdischen Jagendbundes „Franz Rosenzweig" Die Veranstaltung, mit der der Jüdische Jugendbund „Franz Rosenzweig" am 2. Juni im Künstlerhaus zum ersten Male in größerem Rahmen vor die Öffentlichkeit trat, wies einen außerordentlich starken Besuch auf und wurde zu einem vollen Erfolg für die veranstaltenden Organisationen. Nach einigen einleitenden Gesangsvorträgen des Psalterionchors unter Barnet Licht begrüßten Rechtsanwalt Dr. Löwen heim namens der Loge und Erich Low namens des „Franz Rosenzweig" die Gäste. Beide betonten, daß sich ihre Organisationen zur Sammlung aller aufbauwilligen jüdischen Kräfte bekennen. Der Gemeindevorsteher Carl Qoldscnmidt überbrachte mit herzlichen Worten die Orüße und Wünsche der israelitischen Religionsgemeinde und des Qemeindevorstandes. Als Vorsitzender des Landesausschusses Sachsen der Jüdischen Jugendverbände wies Dr. Leo Goldhaber nachdrücklich auf die wertvolle Erziehungsarbeit hin, die der „Franz Rosenzweig" gerade im letzten Jahre in aller Stille, aber nichtsdestoweniger mit anerkennenswertester Intensität geleistet habe und die ihm einen wichtigen Absatz innerhalb der jüdischen Jugendorganisationen Leipzigs auch in der Zukunft sichere. Nachdem noch Dr. Richard Cohn-Halle für den Bezirk Mitteldeutschland im Verband jüdischer Jugendvereine kurz gesprochen hatte, ergriff der erste Vorsitzende dieser Organisation, Privatdozent Dr. Paul Eppstein-Berlin das Wort zu seinem Vortrag „Zwei jüdische Generationen". Unter Generation versteht der Redner nicht allein eine etwa gleichaltrige Gruppe von Menschen, sondern eine solche, die bei annähernd gleichem Alter ein entscheidendes gemeinsames Erlebnis hatte, das ihr den Stempel einer besonderen Gruppe aufdrückte; dies gelte zum Beispiel für die Frontgeneration oder für die sog. Nachkriegsgeneration. Im deutschen Judentum ständen sich heute nicht mehr Alter und Jugend als alte und neue Generation gegenüber, sondern das Erlebnis des Jahres 1933, das Oalutherlebnis, sei das ausschlaggebende Kriterium für die Scheidung der Generationen. Zur neuen Generation zähle jeder ohne Unterschied des physischen Alters, der willens sei, ein neues jüdisches Leben zu beginnen; zur alten Generation, ebenfalls alle Jahrgänge umfassend, gehöre jeder, der auch jetzt noch sein altes Leben gedankenlos weiterführt. Die Erziehung des neuen jüdischen Menschen, soweit er zwar nicht mehr im Kindesalter, jedoch noch im jugendlichen Alter steht, habe sich der Verband jüdischer Jugendvereine Deutschlands zur Aufgabe gemacht. Er will seine Menschen zu bewußten, selbstbewußten Juden erziehen, sie mit jüdischen Weiten durchdringen und in ihnen das Gefühl der Verantwortlichkeit gegenüber der großen jüdischen Gemeinschaft entwickeln, wobei er dem einzelnen die Entscheidung freistelle, ob er später in Erez- Es ist beabsichtigt für die Leser des Gemeindeblattes Wochenendfahrten mit Bahn oder Auf obus zu veranstalten, falls sich genügend Teilnehmer melden. Unverbindliche Adressenangabe mit Angabe von Fahrtzielen, die gern gewünscht werden, erbeten unter „Wochenendfahrt" an die Anzeigenverwalt. d. Gemeinden!., Leipzig O 5, Cichoriusstr. 2a. Israel, in Deutschland oder in einem anderen Land der Galuth leben werde. Diese Haltung, undenkbar ohne eine starke Wechselwirkung von Palästina und Gallith, nenne der Verband „gesamtjüdisch", weil sie die Interessen des gesamten Judentums in den Vordergrund stelle. Die Ausführungen des Redners zeichneten sich durch ihr geistiges Niveau und durch eine Vornehmheit aus, die die besondere Note der ganzen Veranstaltung bildete. Den Abend beschloß ein packender, von Dr. Josef Freudenthal-Leipzig verfaßter und dirigierter Sprechchor, ausgeführt von etwa 70 Mitgliedern des „Franz Rosenzweig". Es war verblüffend und verfehlte seinen tiefen Eindruck auf die Zuhörer nicht, wie hier mit reinen Laienhaften unter einer zielsicheren und mühelosen Führung eine künstlerisch vollendete Leistung vollbracht wurde. Die Worte des Sprechchors, bald episch gehalten, bald zu dramatischer Wucht gesteigert, gaben, wie der Verfasser in seinem Schlußwort bemerkte, dem Denken und Fühlen Ausdruck, das die Menschen des Bundes beseelt. Der gut organisierte Abend — die den Saal flankierenden Jungen und Mädchen boten in ihren blauen Hemden und Blusen ein äußerst diszipliniertes Bild — dürfte, nicht zuletzt infolge des versöhnlichen und friedlichen Geistes, der über ihm lag, den Veranstaltern eine Reihe tätiger Interessenten ihrer Arbeit zugeführt haben. S. Bar-Kochbas großer Tag. Das Sportfest, das der jüdische Sportverein Bar-Kochba, Leipzig für den mitteldeutschen Makkabi-Bezirk veranstaltete, nahm einen ausgezeichneten Verlauf. Aber nicht nur vom sportlichen Standpunkt aus kann der Bar-Kochba mit seiner Veranstaltung zufrieden sein. Er vollbrachte auch eine große organisatorische Leistung. Es will schon etwas heißen, wenn eine Unmenge Wettbewerbe mit zusammen über 500 Teilnehmern aus Berlin, Stettin, Dresden, Chemnitz, Bremen und Leipzig ohne nennenswerte Verzögerung reibungslos abgewickelt werden. Die Kämpfe, die sich sämtliche Beteiligten lieferten, waren auch dazu angetan, eine Meisterschaftsstimmung bei den ca. 1500 Zuschauern hervorzurufen. Den Großteil der Siege holte sich Berlin. Bei den alten Herren befand sich Förster-Leipzig in großer Form, er holte sich den Sieg im Weitsprung und konnte außerdem im 100 m Lauf seinen letzten Berliner Bezwinger weit hinter sich lassen. Eine beachtenswerte Leistung vollbrachte die Handballelf des Bar-Kochba Leipzig, die im Blitzturnier die ausgezeichnete Berliner Mannschaft nach flottem Spiel besiegen konnte. Den Höhepunkt bildete der Aufmarsch sämtlicher Teilnehmer, an den sich Massenfreiübungen des Leipziger Bar-Kochba anschlössen. Öffentlicher Vortrag des Agudas Jisroel Leipzig. Sonntag, 17. Juni, 20,30 Uhr, spricht in der Aula der Höheren lsr. Schule Herr Rabbiner Dr. Ansbacher, Wiesbaden, über das Thema: „Unsere Zeitwende und Erez-Jisroel". Mit aller Bestimmtheit ist damit zu rechnen, daß Redner zn dieser Frage Grundlegendes zu sagen haben wird. Es dürfte von allgemeinem Interesse sein, zu erfahren, in welcher Form hier zu den Fragen, die die Oesamtjudenheit im höchsten Maße beschäftigen, Stellung genommen wird. Ein Besuch der Veranstaltung, zu der alle Gemeindemitglieder herzlichst eingeladen sind, wäre in Anbetracht dessen ■ehr zu empfehlen.