Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 24 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ia e st t<) Ar L Auflage 4500 Stück ßemeinöeblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEIN DE ZU I f-|D7|/^L AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL I Y Am I ^7 DER GEMEINDEVERWALTUNG« Schriftleitung i Oemeindtrabbiner Gustav Cohn Leipzig Waller Blumel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Oenebmignng des Verfassers gestattet Nummer 24 ■ Jahrgang 10 15. Juni 1934 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig 0 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. An die Leser des Auf Grund der Anordnung des Herrn Präsidenten der Reichspressekammer vom 13. Dezember 1933 dürfen Zeitschriften nicht mehr unentgeltlich geliefert werden. Wir haben deshalb beschlossen, um den gesetzlichen Bestimmungen zu entsprechen, den Bezugspreis des Gemeindeblattes mit Wirkung vom 1. April 1934 an vierteljährlich auf RM —.30 zuzüglich Posterhebungsgebühren festzusetzen. Eine Reihe von Jahren ist unser Gemeindeblatt den Mitgliedern unserer Gemeinde unentgeltlich zugestellt worden. Neben den amtlichen Mitteilungen der Gemeindeverwaltung bringt es in jeder Nummer religiöse und belehrende Beiträge sowie die wichtigsten Mitteilungen über Dinge, die außerhalb unserer Gemeinde sich abspielen und für alle Schichten des Judentums von Interesse sind. Wir sprechen die sichere Erwartung aus, daß in richtiger Beurteilung der Wichtigkeit des Fortbestandes unseres Blattes für das Gemeindeleben und in Würdigung der großen Bemühungen unserer Schriftleitung, unseren Gemeindemitgliedern Wissenwertes und Belehrendes zu vermitteln, kein Gemeindemitglied an diesem kleinen Geldopfer Anstoß nimmt und auch künftig Bezieher unseres Gemeindeblattes bleibt. Leipzig, den 8. Juni 1934 Dep Vorsfand der israellfisdien Religionsgemeinde zu Leipzig. Das Jüdische Jugendhaus Die meisten Mitglieder unserer Gemeinde kennen das Jüdische Jugendheim in der Elsterstraße, das seit mehr als drei Jahren zum Mittelpunkt des Lebens der jüdischen Jugend in Leipzig geworden ist. Fast 2000 Jugendliche finden hier die jüdische üemeinschaft Gleichaltriger und Gleichgesinnter, deren besonders jeder junge Jude heute neben Elternhaus, Schule und Arbeitsplatz mehr denn je bedarf. Seit seinem Bestehen ist unser Jugendhaus erfüllt von lebensfroher Kameradschaft. Da wohnen sie nebeneinander, die verschiedenen jüdischen Jugcndbiinde, jeder Bund leistet auf seine Weise und nach seiner Art seine Gemeinschaftsarbeit. Da wird gelernt und gebastelt, gespielt und einander geholfen. Die Zeitumstände, die den jüdischen Jugendsünden das Wandern und Kampieren in der freien Natur erschweren, lassen das Hauptarbeitszentrum und Hauptlebenszcntrum der bündischen Jugend — und das sind zwei Drittel der gesamten Leipziger Jugend! — das Jugendheim sein. Und keinen der Zweitausend gibt es, der sich da nicht ganz wohl fühlte, dem das Leben im Jugendheim nicht vieles erleichterte, dem die Üemeinschaft im Heim das Schicksal, das der Alltag auch fühlbar auf die Schultern unserer Jüngsten bürdet, nicht erträglicher machte. Bedarf es eines Wortes über die Notwendigkeit dieses Jugendhauses in unserer Zeit? Sicherlich nicht! Es wäre eine Herabsetzung für einen jüdischen Menschen, wollte man ihm heute des langen und breiten über die Wichtigkeit des Jugendheims, über seine einzigartige Bedeutung für die Erhaltung des Selbstbewußtseins und der Zuversicht unserer jüdischen Jugend sprechen. Um so weniger darf verschwiegen werden, daß das Jugendhaus schwer um seine Erhaltung ringt, daß es in seinem Bestände gefährdet ist, weil notwendige Geldmittel fehlen. Unsere Gemeinde tut ihr Möglichstes. Sie leistet alljährlich einen namhaften Beitrag zur Miete. Die Jugendbünde selbst bringen pfennigweise verhältnismäßig große Beträge auf. Sic steuern alles bei, was in ihren Kräften steht. Der Verein „Jüdisches Jugendhaus", dem nur leider noch viel zu wenige als Mitglieder angehören, leitet jeden eingehenden Betrag dem Jugendhause zu. Und doch: das Jugendheim muß geschlossen werden, wenn nicht neue Geldmittel aufgebracht werden können. Es ist fürwahr keine große Aktion nötig, um das Jiigendhaus zu erhalten. Wenn nur jeder sich seiner großen Pflicht gegenüber der Zukunft des Judentums, gegenüber der jüdischen Jugend einigermaßen bewußt wird, so genügen kleinste Beiträge, um der Jugend ihr Heiin zu retten, diesen einzigen Ort, an dem sie in freier Gemeinschaft unter ihresgleichen leben kann. Wir wollen uns heute an alle diejenigen wenden, die noch nicht Mitglieder des Vereins „Jüdisches Jugeudhaus'' geworden sind und darüber hinaus an sämtliche Mitglieder unserer Gemeinde. Es gilt der Jugend dadurch zu helfen, daß sie alle noch in dieser Woche dem Verein „Jüdisches Jiigendhaus", Elsterstr. 7, mitteilen, wieviel sie monatlich oder jährlich für das Jugendheim opfern wollen. Auch kleinste Beiträge sind willkommen. Und wer beim Lesen den guten Vorsatz, faßt, der vergesse nicht seine Ausführung im Getriebe des Alltags! Daneben wird die jüdische Jugend in Leipzig in dieser Woche seihst eine Sammlung für ihr Heim durchführen. Sie wird für die