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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-06-08 · 23 (8.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
23 (8.6.1934)
Date
1934-06-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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8. Juni 1934 GEMEIN DEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Konzertdirektion Arthur Ehrlich Sonntag, den 10. Juni pünktl. 8.10 Uhr abends im Krysfallpalast (Oberer Theatersaal) Großer Künstlerabend erster jUd. Künstler verbunden mit großer Strand-, Bade- und Reise - Modenschau U. a.: Rita Atlasz, Berlin; die 2. Oitta Alpar. - Inez, weither. Kunstpfeiferin v. Wintergarten, Berlin. - Erik Elben, der 2. Morgan. Enny Dotza, Tanz u. Qesangsw., Wien, u. die weit. Prominent. Die SENSATION: OLGO Der größte Rechenkünstler der Welt Nachstehende Firmen sind beteiligt: E. Saxl, Spitzen und Besätze. — S. Kodes, Badeanzüge und Mäntel. — Wäschehaus Blum, Sirandanzüge, Wä?che, Schürzen. — Modesalon Unltas, entzückende Sommerkleider. — TE-WE-HA- Hüte. — R. [Kinzig, Pelze. -- Kunstgewerbehaus O. Freymann, Schmuck- und Lederwaren. — H. Nordhelmer, Schuhe — Dauerwellen-Salon „Elite'* — Numlta, Strandanzüge, Schlafanzüge, Wäsche. — Michael Basdils, Lampen, elektr. Artikel. P.Meth, Nähmasch., Fahrr. - A. Sdianzer, Damenwäsche, Gardinen, Stores. „Zita" Zigarren, Zigarett. d. Gebr. Glaser M. W. Kaulmann, jüd. Literatur u. Bücher. - Sonder G Co., - Kauth. Brühl. Gebr. Ury A.G. Simon!, Drucksachen. — Regie A. Lastmann Karten sind zu hab. zu 1.—, fern, zu 1.50 (num.) u- 2.— (num.) bei: M.W. Kaufmann, Brühl. - Wletepsbl, Brühl 52. -Wlllner, Nordst. 29. - Rest. Mandls, Nikolaistr. - tob, Ranstädtersteinw. 7. Zellner's Gastwirtsch. u. b. bet. Firmen, sowie a. d. abendhasse E, SAXL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel Fragen gestellt ist, denn er hat im nächsten Verwandten- oder Bekanntenkreise Menschen, die mit seelischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ZU ringen haben. Gewiii, auch in unserer Mitte sind Elemente, die ihr eigenes Wohl vor das Wohl der Allgemeinheit stellen, und die ihr eigenes Verhalten nur nach ihrem eigenem Interesse und nicht an den Notwendigkeiten der Gemeinschaft messen. Wir wissen aber auch, dal! das Gros der jüdischen Gemeinschaft mit diesen jüdischen oder „jüdisch" wirkenden Elementen nichts zu tun hat. I s ist vielfach im jüdischen Lager die Anregung gegeben worden, jeder solle in einer Art Selbstjustiz gegen diejenigen vorgehen, die sich durch ihr Benehmen au der Ehre der jüdischen Gemeinschaft vergehen. Wir glauben, dall ein derartiges Vorgehen weder möglich noch notwendig ist. Es ist nicht möglich, weil, ganz abgesehen von der Schwierigkeit, die Schädlinge nach ihrem Aussehen stets eindeutig als Juden zu erkennen, der Begriff des schlechten Benehmens kein absolut feststehender ist. Was für den einen Beweis eines Temperaments ist, empfindet der andere als Lärm, was der eine vornehme Zurückhaltung nennt, bezeichnet der andere als hochmütige Überheblichkeit, was dem einen Rücksichtnahme ist, gilt dem anderen als Leisetreterei. Aber wir wollen ihn nicht totschweigen, den unbekannten jüdischen Parasiten. Wir wollen ihn nur nicht ins Unwirkliche vergrößern; denn er hat mit dem Gros der jüdischen Gemeinschaft ebensowenig gemein, wie der nichtjüdischc Asoziale mit dem Gros seiner Gruppe. Dennoch: schon die primitivste Rücksichtnahme auf die zahlreichen verarmten und verbitterten jüdischen Glaubensgenossen muH es verbieten, einen noch vorhandenen Wohlstand in einer Weise zu zeigen, die provozierend wirken muH. Die innere Würde verbietet es, dall Juden sich an Stätten sehen lassen, an denen sie unerwünscht sind. - Müssen laute Unterhaltungen in Verkehrsunteriiehiuungen, Cafes usw. geführt werden? — Ist es nicht richtiger, dall Frauen, welche ein ausgesprochen jüdisches Aussehen haben, in ihrer Kleidung, Gesichtspflege usw. sich zurückhalten? Ein Kodex, wie der jüdische Mensch sich verhalten soll, lallt sich nicht aufstellen, für Taktfragen lassen sich keine allgemeinen Formeln prägen. Aber dall die überwiegende Mehrzahl der deutschen Judcnhcit dieses selbstverständliche Taktgefühl besitzt, mag als Gesundheitsmesser der jüdischen Gegenwart angesehen werden. Welche Folgerungen sich hieraus für das Verhalten des einzelnen ergehen, wird jeder erkennen, der vor seiner Gemeinschalt und vor de*r Verpflichtung, die ihm die jüdische Geschichte auferlegt, bestehen will." Jüdische Zeitschau. Erholungshilfe für Minderbemittelte. Viele jüdische Familien, die sich oder ihren Kindern bisher noch allsommerlich einen wenn auch nur kurzen Erholungsaufenthalt gönnen konnten, haben heute so schwer nur für den notwendigsten Lebensunterhalt zu kämpfen, dall sie aus eigenen Mitteln nichts mehr für die Gesundheit ihrer Angehörigen tun können. Die stark verminderten Einnahmen der jüdischen Gemeinschaft reichen kaum zur Linderung der bittersten Not, so daß die gesundheitliche Fürsorge für Erkrankte sehr stark eingeschränkt werden, die Beihilfen für Erholungsbedürftige ganz fortfallen mußten. — Die seelische Not, der Kampf um die nackte Existenz, den so viele Juden zu bestehen haben, das plötzliche Abfallen des Lebensstandards unter das einer menschlichen Konstitution noch erträgliche Maß gefährden ernstlich den Gesundheitszustand der jüdischen Bevölkerung und haben in vielen Fällen Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig Gruppe der Berufstätigen Nächste Zusammenkunft Sonntag, den 10. Juni, nachmittags 4.30 Uhr in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtstiaße 1 Programm: Bunte Vorträge von Anneliese Jacoby, Dr. Grete Luß u. a. Gäste herzlich willkommen. schon schwere, zum Siechtum führende Krankheiten /um Ausbruch gebracht. Vorbeugen ist besser und auch wirtschaftlich sinnvoller als Erkrankte und Sieche zu pflegen. Die Erhaltung der seelischen und körperlichen Kräfte müßte daher die Grundlage aller Hilfsmaßnahmen sein. Insbesondere der jüdischen Jugend, die doch die Zukunft des deutschen Judentums bedeutet, den jüdischen Frauen und und Mädchen, die sie pflegen und erziehen, sollte die vorbeugende Fürsorge der jüdischen Gemeinschaft gelten. Daher wird der Jüdische Frauenbund E.V. im Einverständnis mit dem Zentialaussehuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufhau in den nächsten Wochen au diejenigen Juden herantreten, denen auch noch heute das Glück zuteil wird, aus eigenen Mitteln in Bade- und Kurorten die heilenden Kräfte der Natur auf sich wirken zu lassen. Örtliche Vertraueiispersonen, die sich freiwillig für diese Arbeit zur Verfügung stellen, werden von den Badegästen Beihilfen für die Kräftigung ihrer bedürftigen Brüder und Schwestern erbitten, die ohne diese Hilfe körperlich und seelisch zu erliegen drohen. Alle jüdischen Grganisationen, alle für die Gemeinschaft fühlenden Juden müssen an diesem Werk mithelfen, soweit es ihre Kräfte irgend erlauben. Wer nicht an die örtlichen Vertrauenspersonen geben kann, sende seinen Beitrag unmittelbar an den Jüdischen Frauenbund E. V., Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158, üth. I, Postscheckkonto Berlin Nr. 968 02! Auch die kleinste Gabe ist wollkommen. Die Teilnahme jüdischer Sportler an der nächsten Olympiade. — Erklärungen auf dem Olympischen Kongreß in Athen. Auf dem Olympischen Kongreß, der in den letzten Tagen in Athen abgehalten wurde, brachte der englische Delegierte Lord Aberdair und der amerikanische Delegierte Garland die Frage der Beteiligung jüdischer Sportler auf der Berliner ülypiade i. J. 1936 zur Sprache. Die Vertreter Deutschlands Dr. Lewald und Ritter von Halt erklärten, daß jüdische Sportler bei den Berliner Spielen ebenso gerngesehene Gäste sein werden wie alle anderen. Auch ins deutsche olympische Team würden jüdische Athleten, falls sie die erforderlichen Limite erreichen, eingereiht werden. Der Hamburger Oberrabbiner gestorben. Am 29. Mai verstarb in Hamburg der langjährige Oberrahbiner des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes Dr. Samuel Spitzer im 63. Lebensjahre. Oberrabbiner Spitzer, der aus Ungarn stammte, hatte in Deutschland studiert und war ein Schüler des Frankfurter Rabbiners Dr. Breuer. Vor etwa 25 Jahren trat er sein Amt in Hamburg als Nachfolger des Oberrabbiners Hirsch an. Dr. Spitzer erfreute sich in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Hamburgs besonderer Beliebtheit. Professor Gulkowitsch' Einführung in Dorpat. In Anwesenheit des Rektors und des gesamten Professorenkollegiums fand die feierliche Einweisung des Professors L. Gulkowitsch, der bekanntlich eine Reihe von Jahren hindurch als Nachfolger von Professor Kahane an der hiesigen Universität das Lektorat für nachbiblische jüdische Wissenschaft bekleidet und auch als außerordentlicher Professor in der philosophischen Fakultät gelehrt hat, in seine neue Lehrtätigkeit in Dorpat statt. Professor G. nimmt die dort neu geschaffene Lehrkanzel für judaistische Wissenschaften ein. Seine Antrittsvorlesung behandelte das Thema „Die Entwicklung des Wortes .Chassid' im T'nach".

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