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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-05-18 · 20 (18.5.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
20 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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18. Mai 1934 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Dir. Georg Kareski Berlin spricht am Mittwoch, den 23. Mai abends 20.15 Uhr im Großen Saal des Städtischen Kaufhauses, Neuinarkt 9, über das Thema: „Judenstaat ~ die einzige Lösung der Judenfrage" Eintritt 50 Pfg. Erwerbslose und Jugendliche die Hälfte Reserv. Plätze I.— bei M. W. Kaufmann, Brühl 8, Tel. 23009 Staatszionistische Organisation von jeher die zerstörende Assimilation bekampt, die an das Eigenste dieser Gemeinschaft rührte: an das Judentum. Ihr haben sich unsre Ahnen durch Aufgabe von Wohnsitz, Freiheit und Leben entzogen — das Mittelalter ist ein fortgesetztes Zeugnis dafür — und nicht nur Mathatias von Modein, sondern Tausende nach ihm haben gegen sie mit dem Schwert gekämpft. In Haut- und Haarfarbe, in Kleidung, Lebensform und Sprache haben Juden sich ihrer Umwelt assimiliert, rührte man an ihr Judentum, das ihnen Glauben und Wissen, Hoffen und Handeln bedeutete — denn alles dies umschließt jede wahre, erstrebt daher die jüdische „Religion" —, so blieb der Kern des Stammes fest, mochten auch manche welke Blätter fallen. So bedeutete auch unsern Großvätern die Reform keine Auflösung, sondern einen Neuaufbau des Judentums, es ist nicht wahr, daß die religiöse Reform diktiert war nur oder auch nur wesentlich von der Rücksicht auf die staatliche Emanzipation, sie und noch vielmehr der Rationalismus des 19. Jahrhunderts mögen manche einzelnen Änderungen der religiösen Formen gezeitigt haben, die uns heut schon nicht mehr nötig oder richtig erscheinen — aber der Grundgedanke — Erhaltung des religiösen Kerns durch Fortbildung der Form war diktiert von der innigen Sorge, der Gemeinschaft ihr Eigenes zu erhalten — zu „dissimilieren" durch (oder trotz) Assimilation. Darum muH man dem Wort von Lutz Lenders widersprechen, die Juden des 19. Jahrhunderts hätten versucht, „den Trick, sich als reine Glaubensgemeinschaft in die neue Welt einzuführen". Soll Glaubensgleich bloßer Kulturgemeinschaft gesetzt sein, so ist der Satz unrichtig. Von Zunz und Geiger bis zu Montefiore und Pia eck haben alle führenden religiös-liberalen Juden die Grundlagen und Ziele des Judentums weiter gespannt, unsere Gemeinschaft als eine solche des ganzen inneren Lebens und Denkens erkannt und gelehrt. ... in einem Wesentlichen hat Lenders den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Juden „jüdisch zu mache n", ist unsere eigene Aufgabe, ist oberstes Gebot der Zeit. Dazu braucht hier nicht viel gesagt zu werden. Der Kulturbund allein, mit dem sich Lenders kritisch befaßt, wird's nicht schaffen, ob er nun mehr oder weniger Jüdisches bringt. — Auch die jüdische Schule allein kann hierzu nur eine erste Grundlage bedeuten. Erst wenn nicht nur jene Juden, die von Berufs oder Neigung wegen für unsere Gemeinschaft arbeiten, wenn nicht nur die ■ Organisierten", sondern wenn alle Juden dies Judentum als ein l ebendiges erkennen, das sie nicht nur in einigen Feierstunden mehr oder weniger nah vor (iott stellt, sondern ihnen auch im Alltag unentbehrlich wird als innere Richtschnur ihrer Beziehungen \ <>ii Mensch zu Mensch, dann haben sie, ob auf dem Boden alten "der neuen Landes, ihr Eigenstes wieder erungen, dann sind sie cht und erfüllt vom Sinn ihres Lebens, ihrer Gemeinschaft. Dann ist ihnen auch ihr Schicksal nicht drückendes Joch, sondern beteuernder Sporn. Sie leben, weil ihr Judentum lebt". Der C.-V.-Zeitung (Nr. 18 vom 3. Mai), die dem Problem eine besonders eingehende Betrachtung widmet, seien folgende (iedankengänge entnommen: „Das große Mißverständnis um die deutsche Judenassimilation liegt darin, daß man sie als gewollte Auflösung der jüdischen Gemeinschaft im Deutschtum ansieht. Das widerspräche dem Beharrungswillen, der in jeder Gemeinschaft, vor allem einer geschichtlich Überkommenen, ruht. Es gibt einzelne Fahnenflüchtige, es gibt auch Gruppen von so verdünnter Eigenwertempfindung, daß als Ergebnis ihres Assimilationswillens nicht Anähnclung, sondern Auflösung und Aufgehen folgt. . . . Jedenfalls zeigt unsere jüdische Geschichte als Beweis jüdischer Lehenskraft nach fast zwei Jahrtausenden Entfernung von der prägenden eigenen Volkslandschaft noch heute deutlicher und /ahlreicher denn je Menschen, die sich als Juden empfinden und die Juden bleiben wollen. Hier liegt eben als Ergebnis von Assimilation und unbewußter Dissimilation die Erhaltung des Judentums bis in die Gegenwart vor. Das wurde vor allem dadurch möglich, daß die Juden sich nicht nur an ihren Umkreis und dessen Menschen jeweils assimilierten, sondern zunächst an die großen Zeitströmungen und dann erst an die engere Umgebung. Die großen Zeitideen zwangen also gleichzeitig Juden wie Umwelt ihr Gepräge auf. Beide wurden, mathematisch ausgedrückt, derselben dritten Größe ähnlich und deshalb auch untereinander. Die Epoche des Liberalismus beispielsweise machte Juden wie Nichtjuden liberal. Und erst in zweiter Reihe, teils gewollt, teils wieder nach dem Gesetz der Anziehung durch größere Körper unbewußt, assimilierten sich die liberalen deutschen Juden an diese liberale deutsche Umwelt. . . . Dissimilation kann niemals rückwärts wirken. Man kann willensmäßig den Assiniilationsvorgang verlangsamen, man kann feststellen, wo er unmöglich ist, weil eine jüdische Assimilation an Ideen und Vorgänge, die in jüdischer Geschichte und Lehre ohne Bestätigung sind, sich nicht vollziehen kann. Insofern liegt gegenwärtig eine immanente Dissimilation des jüdischbewußten deutschen Judentums von der Zeitidec des Rassenstaates vor. . . . Wenn hierbei das, wie Lenders es nennt, jüdisch Eigenständige stärker zum Ausdruck kommen wird, so zeigt sich ja gerade die Lebensfähigkeit des deutschen Judentums daraus, daß es innerhalb des deutschen Raumes diejenige Assimilation an Zeitgedanken vornimmt, die es in ihm nicht Zionistische Vereinigung Leipzig und Habonim noar chaluzi. Montag, den 21. Mal 1934, abends 21 Uhr, im Auguste Schmidt Haus, Dresd.Str.7, groBe Kundgebung über das Thema: „Die ]0d. Jujenfl als Trajer Jüd. Zukunft!" Es sprechen: Dr. Enzo Sereni, Elieser Lieben stein und Chawerim der Bundesieitung. Der leiertage wegen ersdielnl die nädiste Hümmer erst am Sonnabend, den 26. Jtlai. Jtedaklions- und MietgensdiluB: (tlittwodi.

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