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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-05-04 · 18 (4.5.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
18 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGION SO EMEINDE ZU LEIPZIG 4. Mai 1934 Der Preis des Bodens wird sich, einschließlich der Parzellierung-.- und Obertragungskosten auf ca. LP. 20 pro metrischen I lunam brutto stellen. Für diese Siedlung kommt in Betracht: eine gemischte Wirtschafl mit Milchwirtschaft, Geflügelhaltung, Futterbau und Qemüsebau, und ein Meiner Pardess, der je nach dem Kapital des Siedlers 5 1i> Dunam groß sein kann. Für Siedler mit geringerem Kapital kommt auch eine Wirtschaft ohne Pardess in Betracht oder auch Anlage eines l'ardess nach einigen Jahren, nachdem die andere Wirtschaft bereits konsolidiert ist. Den Siedlern werden die landwirtschaftlichen Instruktoren der ewish Agency und deren Technische Abteilung für den Hau der läuser und Stalle zur Verfügung stehen. □ A n s I ed I u n s s m 6 g liehi 1 bei Rec h o bot h. IHe Pflanzungskooperative lachin, Tel-Aviv, ist in der Lage, noch Hoden zwecks Ansiedlung in N a a n e h in der Nahe der bekannten Kolonie Rechoboth zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich hier tun Boden, der für Orangenpflanzungen und Gemischtwirtschaft sehr geeignet ist. Der Preis stellt sich fiir den Dunam bepflanzter und angebauter Haufläche inkl. des Anteils am gemeinsamen Hrunnen auf LP. #<) und die Oesellschaft Jachin übernimmt die Amelioriennigs- und Pflanzungsarbcitcn. Der Preis für den unbearbeiteten Hoden, der der gemischten W irtschaft dient, stellt sich auf LP. 16 pro Dunam. Nähere Auskünfte über diese Ansiedlungsmöglichkciten, insbesondere die Zahlungsbedingungen usw., erteilt die Landwirtschaftliche Abteilung des Palästina-Amtes, Herlin W 15, Mcinekestraße 10. Juden 600 Jahre vor der ungarischen Landnahme im Gebiet des heutigen Ungarn. Dr. A. Fürst, Budapest, teilt der Presse mit: Das vor Jahresfrist neueröffnete Ungarisch-Jüdische Landesmuseuni in Budapest hatte es sich zur Aufgabe gemacht, alle bedeutenden Denkmäler jüdischer Geschichte auf ungarischem Hoden im Original oder Kopie der grollen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In den jüngsten W ochen ist es nun der Leitung des Museums gelungen, die älteste Reliquie dieser Art von dem Kardinal Seredi, Erzbischof von Gran und Furstprimas von Ungarn, als Tauschobjekt zu erwerben. Es ist dies ein römischer Grabstein aus dem dritten Jahrhundert, der im Jahre 1S90 auf primatialem Boden in Gran aufgefunden wurde. Der monumentale, in zwei Stücke gesprungene harte Kalkstein zeigt als einzigen, mächtig in die Augen springenden Schmuck die tiefgegrabene Zeichnung des siebenarm igen Leuchters, jenes ältesten judischen Symbols, das zum Heispiel in den römischen Katakomben 7(1 von den SO jüdischen Gräbern ziert. Die Inschrift selbst, knapp in die obere Zierleiste des Steins geschnitten, besagt, daß der Stein zur Erinnerung an einen Vater JudatUS (Judas) und seine Frau Cassiale oder Casete errichtet wurde. Sprache und Duktus der Schrift, die mehrere griechische Lettern aufweist, sowie die letzten drei Huchstahen, die als Col(Ogia) gelesen werden, beweisen, daß wir es mit Juden zu tun haben, die im (iefolge der römischen Legionen nach Pannonien gekommen waren, und von Haus aus sich einen gewissen Wohlstand und eine latein-griechische Bildung mitgebracht hatten. Ähnliche lehren bietet der zweite Grabstein aus demselben Jahrhundert römischer Herrschaft, der sich noch vorläufig auf dem Gute Alberti- Isra der Grafen Szapary befindet, aber voraussichtlich ebenfalls in den Besitz des jüdischen Museums gelangen dürfte. Er war ursprünglich als heidnischer Grabstein verwendet und zeigt die Reliefs eines Mannes, einer Frau und eines Kindes. Später hat ihn dann eine jüdische Familie, Vater, Mutter und Sohn für sich in Anspruch genommen, ihre Namen, die von dem Wiener Forseher Professor Samuel Krausz zuerst gelesen wurden, sind in griechischer Sprache oberhalb der anderen Inschrift flach eingraviert, mit derselben Technik zwei Menoras (Leuchter) eingezeichnet und zum Schluß noch das jüdische Glaubensbekenntnis: „Heis Theos!" (Gott ist einzig). Der dritte Römerstein, dessen wohlgelungene Kopie der Zuvorkommenheit des ungarischen Nationalmuseums zu verdanken ist, wo das Original aufbewahrt wird, ist ein Votivstein, ebenfalls aus dem dritten Jahrhundert. Lr wurde in dem an der Donau gelegenen Städtchen Düna Pentele gefunden, wo in der einstigen Kolonie Intersisa seinerzeit syrische Soldaten stationierten, unter denen sich sicherlich auch Juden befanden. Das Zeugnis der drei Steine, die alle auch in Mommsens „Gorpils inscriptionunt" aufgenommen sind, erweist klar, daß auf dem Gebiet des heutigen Ungarn schon biH) Jahre vor der ungarischen Landnahme einzelne luden seßhaft geworden waren. Ein ungarischer Bischof über die Gestaltung des Menschenideals durch jüdischen Geist. Vor einem zahlreichen Publikum, unter dein sich hervorragende Persönlichkeiten des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der ungarischen Hauptstadt befanden, sprach der Bischof der reformierten Kirche in Ungarn Dr. Desider Halt ha/ar über ..Das M e n s c h e n id e a I des Alten Testaments". Bischof Batthazar erklarte u. a., das Menschenideal sei der wundervollen Tiefe des jüdischen Geistes zu verdanken, der das Ideal nicht von unten her, sondern von oben her, von der Unendlichkeit absteigend, deduktiv konstruiert habe. Daher stamme die wunderbare Dualität von menschlicher Würde und menschlicher Demut. Das von oben gewonnene Menschen ideal komme in den Worten der Genesis, Gott habe den Menschen „nach seinem Bilde" erschaffen, zum Ausdruck. Göttlichen Attributen entsprächen daher die einzelnen Züge des Menschenideals, wie das Wissen, das ein Gleichnis der gottlichen Allwissenheit sei. Das aus dem Wissen in seiner Ausschlicßlichkeit, dem „Wissen um Gutes und Böses" sich ergebende Problem der Sünde werde durch die Idee der Freiheit gelost. Das Handeln des Menschen, den Gott frei erschaffen habe, damit er zwischen Gutem und Bösem wählen könne, gewinne seinen sittlichen W ert erst dadurch, daß es der Freiheit entspringt. Diese, das zweite Attribut des Menschellideals, gehe also ebenfalls auf göttlichen Ursprung zurück. Das dritte Attribut tles alttestamentarischen Ideals sei die Wahrheit, von der die Freiheit ihr Maß und ihre Grenze erhalte. Die einzelnen Züge des Wahrheitsideals, so führte Bischof Balthazar aus, werden im Alten Testament besonders oft und nachdrücklich behandelt. Auf dem Wahren ruht der Segen Gottes. Der Mund Seiner Propheten ist voll mit Wahrheit. Die W ahrheit jedoch ist in ihrer Unerbittlichkeit noch immer nicht die letzte Krönung des Ideals. Diese ist vielmehr die Liebe, ein menschliches Gleichnis der unendlichen Liebe Gottes, die das strenge Maß der Wahrheit mildert. Das jüdisch-alttestamentarische Menschendieal hat in der Liebe die glänzende Krone aller idealen Eigenschaften erblickt. Der jüdische Geist, fuhr Dr. Balthazar fort, hat durch die Erschaffung dieses Menschenideals eine Tat von universeller Tragweite vollzogen. Es mutet wie ein Wunder an, daß der (ieist eines primitiven Volkes in der Dämmerstunde der menschlichen Kultur diesen aus Wissen, Freiheit, Wahrheit und Liebe zusammengesetzten, von der göttlichen Vollkommenheit abgeleiteten Idealbegriff realisieren konnte. Der jüdische Geist hat sich durch diese Tat in schwindelnde Höhe erhoben. So schreitet das Judentum mit den Schätzen seiner Bundeslade durch alle Epochen weiter. Es trägt mit sich die Hotschaft des Friedens, deren Licht durch nichts ausgelöscht werden kann; es trägt sein Ideal, dieses „minimale Maximum" sittlichen Wertens, von dem es nichts preisgibt. In der Finsternis der Sünde tönt ewig das von Israel erhörte göttliche Gebot, daß der Mensch vor Gott schreiten und ihm dienen solle. Die heutige Welt bleibt weit hinter dem im Alten Testament niedergelegten menschlichen Ideal zurück. Und selbst wenn das Judentum nichts als der Träger einer historischen Erinnerung wäre, würde es einen Wert darstellen, dessen Untergang ein unwiderbringlicher Verlust für die Gesamtmensc hheit wäre. So sehe ich, schloß der Bischof seine mit langanhaltcndem Beifall aufgenommenen Ausführungen, das Judentum, der ich mich mit Recht für einen Priester der Weltreligion der Liebe halte. Im Namen der Religionsgemeinde sagte der Vorsitzende, Hofrat Stern, dem Vortragenden innigen Dank. Er kündigte an, daß der Vortrag, dem man eine weit über den Tag hinausgehende Bedeutung beimessen müsse, im Archiv der Gemeinde zu ewigem Andenken aufbewahrt werden würde. Aus sächsischen Gemeinden. Plauen. Kulturelle Veranstaltungen. In der Zeit von Ende März bis Ende April bot der Kulturausschuß unserer Gemeinde seinen Mitgliedern wiederum ein Programm mannigfaltiger Art. Am 25. j. brachten die einheimischen Künstler: Frau Edith Russak, Pianistin, Herr Kantor Wormser, Tenor, und das Quartett des Herrn Dr. Löwenthal einen bunten musikalischen A b e n d. Neben dem brillant vorgetragenen Impromptu Opus 90 von Schubert und der Pathetique von Beethoven bot das Programm Arien und jüdische Lieder, die Herr Kantor Wormser mit seinem warmen Tenor zu Gehör brachte, sowie deutsche Volkslieder des Quartettes. Dieses verstand es durch den natürlichen Vortrag das Publikum zu erfreuen. — Am 7. April sprach Herr Dr. med. Fr 1 etil i nd er aus Bad Brambach über „M enschliches und Jüdisches in den Dichtungen jüdischer Schriftstelle r" und fügte in den Vortrag gutgewählte Rezitationen aus den Werken von Zuckermaiin, Salus, Attenberg usf. ein. Reichel Beifall lohnte seine Mühe. — Die Aufgaben eines Kulturausschusses erschöpfen sich aber nicht darin, daß den Mitgliedern nur Kunst in ihren verschiedenen Außerungsformen vermittelt wird, sondern es sollen auch im Rahmen der Tätigkeit des Kulturausschusses jüdische Wissenschaftler gehört werden. Diesem Grundsatz entsprach die 7. Veranstaltung am 21. ds. dadurch, daß Herr Dozent Dr. Frankenstein aus Berlin das Thema „Moral und Wirtschaft" abhandelte. Die auf beachtliche, Höhe stehenden Ausführungen fanden bei dem Interessierten Zuiiörerkreis starken Widerhall und lebhaften Beifall. — Außerhalb dieser Darbietungen gab die Breslauer Kleinkunstbühne „Der Schminkkasten" ein Gastspiel, das bei den Anwesenden fröhliche Zustimmung zeitigte Die aus der Feder ihres Leiters Lutz—Martin Schein stammenden Darbietungen wurden durch die Damen Golz und Arno und die Herren Eisner und Simmenauer ansprechend vorgetragen. Plauen. Ehrung für Frau Hermine Löwenthal. Seit mehr als zehn Jahren hat Frau Hermine Löwenthal in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Frauenvereins alle Wohlfahrtsangelegenheiten der Gemeinde erledigt. Besonders im letzten Jahr hat diese Tätigkeit sie derart in Anspruch genommen, daß ihr nicht genug Dank für ihre aufopfernde Arbeit gezollt werden kann. Da in-

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