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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-04-06 · 14 (6.4.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
14 (6.4.1934)
Date
1934-04-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Auflage 4250 Stück DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU eiPziG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG* Schriftleitung i Oemelnderabbiner OustavCohn Leipzig Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 14 ■ Jahrgang 10 6. April 1934 Anzeigenannahme: E. Ooldfreund, Leipzig 0 5, Cichoriusstraße 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Forderung der Zeit. Von Dr. Jakob Braude. Ein Volk bezieht (eine ganze Bedeutung — wenn man von der stets wechselvollen und vergänglichen äußeren Macht absieht — aus der Art, wie es seine ureigene kulturelle Mission erfüllt. Vern.i< hlässigt es diese Aufgabe oder handelt es gar durch Einzelne oder die Gesamtheit dieser Aufgabe zuwider, so nützt ihm das Bcwußtsein, eine Nation zu sein, nicht mehr viel. Es geht unaufhaltsam seiner Auflösung entggeen. Es scheint weiterhin festzustehen, dali ein Volk sich seine kulturelle Aufgabe innerhalb des Weltganzen nicht nach Belieben setzen kann. Halt vielmehr die große Linie seiner kulturellen Entwicklung in seinem Wesen begründet liegt, eine Linie, der es bewußt oder Unbewußt nachleben muß, wenn es nicht aufhören will, ein lebendiges Volk zu sein. Man darf ferner annehmen, daß es für die Bewahrung und Tradi - ung kultureller Werte und die Weiterarbeit daran von eminenter Bedeutung ist, ob ein Volk in geschlossener Einheit und auf eigene; Boden wohnen kann oder nicht. Die Erhaltung eigenen Volkstum-, eigener kultureller Werte in der Zerstreuung erfordert ein Mild es Obermaß von Energien, daß selbst das jüdische Volk die Jahrtausende des Gallith kaum überstanden hätte, wenn nicht zwei (" henheiten zur Erhaltung oder Wiedererweckung alten Kulturgutes beigetragen hätten: im Laufe vieler Jahrhunderte das Ghetto, i:i einzelnen entscheidenden Zeitabschnitten durch feindschaftliches Vorgehen von Wirtsvölkern veranlaßte Katastrophen. Diese 1 iden Erscheinungen waren für die Betroffenen oft furchtbar. Aber l ■ sehr der Einzelne unter der entwürdigenden Abtrennung im <:'ictto oder unter den Schlägen feindlich gesinnter Wirtsvölker zu l< len hatte, für die Gesamtheit, für die Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft ais Trägerin wertvollsten Kulturgutes — nur als solche h;u ihr Bestehen einen Sinn! waren die beiden Erscheinungen von größter Wichtigkeit. Das Ghetto rettete das Judentum über Jalu hunderte ärgster äußerer Bedrängnis hinweg, über Jahrhunderte, denen nur eine geschlossene jüdische Gemeinschaft Trotz bieten konnte. Die Katastrophen aber führten zu einet V er innerlich ung in Zehen, in denen das jüdische Volk an einer inneren Loslösung seiner Menschen zugrundezugehen drohte. Wer den Sinn der über uns gekommenen Katastrophe in dieser Weise deutet, wird sie, trotz aller Schwere, leichter zu tragen vermögen. Doch mit dem Tragen allein ist es nicht getan. Es u die notwendige Verinnerlichung folgen, es muß im einzelnen in der Gesamtheit etwas Neues aufkeimen, das für spätere Zeiten Früchte tragen kann. Oder waren wir schon so sehr ent- Wurzett, und unserem Kulturgut und Volkstum entfremdet, daß ■en, den Sinn für das Tiefste jüdischen Kulturgutes, für das ■Mit einmal das, was über uns kam, uns aufzurütteln vermag? Jüdische Schule zu Leipzig. Wegen baulicher Veränderungen muß der Schulbeginn für die Real- und Volksschule um etwa eine Woche verschoben werden. Nähere Mitteilung erfolgt nächste Woche an dieser Stelle. Die Schulleitung. Für diese neue Geistigkeit, die in uns einziehen muß, genügt die Hinneigung zum jüdischen Land, die opfervolle Tat für dieses Land keineswegs. Gewiii, das Land fördert in hohem Maße die Erhaltung des jüdischen Volkstums und es ist heute daneben eine Zuflucht für Tausende und eine Hoffnung für Millionen in materieller und seelischer Bedrängnis. Die unbedingte Notwendigkeit, für den Aufbau unseres Landes zu arbeiten, wird deshalb gerade heute in immer weiteren jüdischen Kreisen erkannt und verwirklicht. Aber dieses Land bleibt nichts als leere Schale, wenn wir uns und es nicht erfüllen mit dem alten jüdischen Kulturgut, dessen Erhaltung durch die Jahrtausende allein die Erhaltung unseres Volkes erforderte und gewährleisten kann. Der Kern unserer kulturellen Aufgabe wurzelt im Religiösen. Auf diesem Gebiete haben wir der Welt mehr gegeben, als irgendein anderes Volk, dies war und bleibt unsere zentrale Berufung, der wir uns nur entziehen können, wenn wir uns selbst aulgeben wollen. Es ist ganz falsch, wenn oft behauptet wird, das Nationale habe das Religiöse also bei unserem Volke das Wesentliche des Kulturellen ersetzt. Wer das glaubt und danach handelt, der fördert unser Volk vielleicht für den Moment, aber er vernichtet es für die Ewigkeit. Welchen Sinn aber hätte es, unter unsäglichen Opfern ein Volk als solches für nur einige Generationen zu retten? Und es ist gleichfalls falsch, zu glauben, jet/t müßten alle alle Kräfte auf die Erringuug des Landes vereinigt werden, das Kulturelle würde sich dann finden. Nein! Wenn jetzt, unter dem Drucke dieser über uns gekommenen Katastrophe, nicht, neben der erwachenden Hinneigung zum Lande der Väter, eine Verinnerlichung des jüdischen Menschen erfolgt, wann sollte sie dann erfolgen? Jetzt ist die Zeit der geistigen und seelischen Rückkehr und wenn wir versagen, so bedeutet das nichts anderes, als daß die Schläge, die uns getroffen, nicht ausreichten, bei unserer Verhärtung. Es ist nicht leicht, in Menschen, die dem völlig ferne stau* Religiöse, zu wecken. Es ist doppelt schwer bei Menschen, denen

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