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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-03-30 · 13 (30.3.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
13 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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30. März 1934 Seite 3 E, SAXL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel I Die Jugendlichen, deren Alter zwischen 15 und 17 Jahren liegen muH, werden in Gruppen in die einzelnen Siedlungen Palästinas geschickt und dort in der Landwirtschaft, Gärtnerei, Baumschule, Handwerken, Hauswirtschaft, Milchwirtschaft, Geflügelzucht, Bienenzucht und Kinderpflege ausgebildet. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Am Ende dieses Zeitraumes verschafft die Siedlung den Jugendlichen einen Arbeitsplatz. Die Kosten für Unterhalt und Ausbildung betragen monatlich ca. RM. 50.—. In Einzelfällen können sie etwas herabgesetzt werden. Die Summe muH für ein Jahr vorausgezahlt werden, für das zweite Jahr muH ein Bürge gestellt werden. Da die Vorbereitung der Gruppe etwa in 10 Tagen Beginnt, können Meldungen noch berücksichtigt werden, wenn sie sofort erfolgen. Das Sozialamt bleibt in der Pessach-Woche geschlossen! Ab 9. April 1034 finden die Sprechstunden wieder wie üblich statt, und /war Montag, Mittwoch und Freitag von 11 — 13 Uhr (Allgemeine, Rechts- und Arbeitsfragen), Mittwoch von 15> 2 bis 17'/2 Uhr (Auswanderer- und Umschichtungsfragen), Montag und Donnerstag vop IV , bis 171/. Uhr (Berufsberatung). Wir bitten die Ratsuchenden dringend, sich an die angegebenen Sprechstunden zu halten. Eine Abfertigung außerhalb der angegebenen Zeiten kann in Ausnahmefällen nur nach vorheriger telephonischcr Anmeldung stattfinden. „Die Sprache der Zeit". Wer am letzten Sonntag das Glück hatte, in der überfüllten Synagoge Kcilstraße einen Platz zu finden, wurde Zeuge einer großen Stunde. Im festlich erleuchteten Raum erklang zuerst ein herrliches „Ma-Tauwu", von Herrn Oberkantor Schneider meisterhaft vorgetragen. Nach dem Minchah- und Maariw-Gebet betrat Herr Wolf. S. Jacobson, Rabbiner in Kopenhagen, die Kanzel, um auf Einladung des Hilfs Vereins israelitischer Gewerbetreibender zu Leipzig der „Sprache der Zeit" die jüdische Deutung zu geben. Andächtig folgten alle dem in der ganzen jüdischen Welt von Jung und alt so geschätzten und verehrten Redner, der aus der Trilogie „Tschuwon, Zcdokoh U'Tfiloh" die besondere Wichtigkeit der Zedokoh hervorhob. Zedokoh, dieses magische W ort, das mit „Wohltun" so unzulänglich übersetzt ist, wurde uns zum Erlebnis. Wir sahen, wie von Urbcginn unseres Volkes an bis zur heutigen Zeit die Zedokoh immer das Palladium war, das uns \ur dem materiellen und seelischen Verfall schützte, die Armen vor der bittersten Not, die Wohlhabenden vor Verhärtung und Oberhebung. Seit Jahrtausenden ist es uns Juden immer eine freudig befolgte Pflicht gewesen, das Brot zu brechen für den Mitmenschen in der Not. Heute aber, da die Not besonders groß und so viel altbewährte Hilfsquellen versiegt sind, ist jeder doppelt verantwortlich für seine Mitmenschen. Mehr denn je muß heute jeder helfen und immer wieder helfen, um an der Milderung der unsäglichen Not, die uns umgibt, im größtmöglichen Umfang mitzuwirken. Die Thora, die Propheten, das ganze jüdische Schrifttum, die ganze jüdische Geschichte sind ein einziger, langgedehnter und eindringlicher Ruf nach Zedokoh. Sie ist es, die uns bis heute erhalten hat, sie allein ist es, die uns gegen die Not der Gegenwart helfen kann, sie ist es, die den Tod überwindet: Zedokoh tazil miinowcs . . . In der Stille, die den heiligen Raum nach Beendigung des Vortrags umfing, spürte jeder Anwesende deutlich den heißen Flügelschlag der Malachei rachamim. Die Zeit hatte deutlich zu uns gesprochen. Möge ein jeder von uns zeigen, daß er die Sprache der Zeit verstanden hat. Setzt die erhabene Stimmung dieser Feierstunde in Liebestaten um! Helft! —fego— C.-V.-Frauengruppe. In einer von Frau Herta Sabatzky geleiteten Versammlung der Frauengruppe des C. V. sprach Rabbiner Dr. Felix Gold mann über „Die Frau im Judentum, eine geschichtliche und dennoch moderne Betrachtung". Der Redner gab zunächst einen tiefgründigen kulturhistorischen Überblick über die I ntwicklung der Stellung der Frau im Judentum, die zunächst orientalischen Sitten entsprechend entrechtet gewesen sei, dann aber durchaus gleichberechtigt neben den Mann gestellt sei. Im Judentum gäbe es keine Entrechtung der Frau. Die C.-V.-Frauengrupp*' »ei weit mehr als bloße Vereinsgruppc, sie solle zum Gemeinschaftsgeist erziehen und in diese Gemeinschaft müßten die deutsch-jüdischen Frauen hineingehen. Fajarowicz jfld. Schachmeister von Leipzig. Die erste Schachmeisterschaft der Juden Leipzigs, an der sich 40 Spieler beteiligt hatten, ist nach fünfmonatiger Dauer beendet. Den ersten Preis und den Meistertitel holte sich erwartungsgemäß Samuel Fajarowicz. Jüdischer Ausschuß für Kunstpflege. Sonntag, den 8. April 1934 20 Uhr, im Städtischen Kaufhaus Rahel Ermolnikoff singt Ostjüdische Volkslieder Von vielen nur eine Pressestimme: Frankfurter Nachrichten; Der Abend im Großen Saalbau war dem jüdischen Volkslied eingeräumt, das durch die Interpretation von Rahel Ermolnikoff stärkste Zugkraft ausübte, sodaß viele Begeisterte, die keinen Platz mehr fanden, am liebsten gewaltsam in den Saal eingedrungen wären, und dabei war schon das Orchesterpodium für die Zuhörer freigegeben. Karten zu RM. 1,50; 1,—; —,50 ab Dienstag, den 3. April bei Kaufhaus Brühl, Buchhandlung M. W. Kaufmann, Leihbibliothek Rose Neumann, Galerie Königshaus und an der Abendkasse. Der hervorragende Spieler, der seit Jahren zu den stärksten Schachspielern Mitteldeutschlands zählt, hat mit gewohnter Sicherheit gespielt und brauchte sich während des ganzen Turniers nur einmal mit einem Unentschieden zu begnügen. Personalnachricht. Am Donnerstag, den 29. März, begeht Herr Julius Lustig seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar hat sich durch sein vornehmes Wesen und seine lautere Gesinnung in weitesten Kreisen der Gemeinde die größte Wertschätzung erworben. Ohne viel Geräusch hat er in vielseitiger Tätigkeit einen edlen Gemeinsinn bewährt und in der Gemeinde sehr verdienstvoll gewirkt. Seit nahezu 20 Jahren gehört der Jubilar der Gemeindevertretung an. Seit mehr als 20 Jahren übt er in der Gemeindesynagoge die Funktion eines Synagogenkommissars aus. Auch im Israelitischen Wohltätigkeitsverein und in vielen anderen gemeinnützigen Organisationen hat man stets seinen klugen, bedächtigen, wertvollen Rat geschätzt und durfte stets auf seine tatkräftige Mitarbeit rechnen. Auch an dieser Stelle seien Herrn Lustig herzlichste Glückwünsche ausgesprochen. Mögen ihm im Kreise der Seinen noch viele glückliche und segensreiche Jahre heschieden sein. M£

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