Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 12 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Auflage 4250 Stück t BIBLIS fvruvEftS; v^LiPsy DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« Schriftleitungi Oemeinderabbiner Oustav Cohn Leipzig Walter Blilmel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangäbe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 12 ■ lahrgang 10 23. März 1934 Anzeigenannahme! E. Ooldfrcund, Leipzig 0 5, Cichoriusstralie 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig C 1. Plötzlich und unerwartet verstarb Herr Enoch Siwowicz. Der Entschlafene bekleidete früher in unserer Gemeinde das Amt eines Schächters und eines Vorbeters in der Ez-Chaim-Synagogc Otto-Schill-Straßc und hat diesen heiligen Dienst stets gewissenhaft verrichtet. Wir rufen dem Entschlafenen unseren Dank in die Ewigkeit nach und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Leipzig, den 20. März 1934. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Zur Eröffnung der Palästina-Ausstellung im König-Albert- Haus (Markt 9). Siehst du, das ist PalästinaI Das sind seine Dörfer, seine Städte, das sind seine Bauern und seine Bürger. Hier an dieser Stelle, wo noch vor 25 Jahren * Uftes Land war, steht heute eine blühende, moderne Stadt. Wo noch so kurze Zeit vorher Dürre und ödnis dem Menschen das! eben verwehrte, liegt jetzt fruchtbarer Boden, Grundlage einer W irtschaft, die heute schon einen kleinen Faktor des Welthandels Erstellt. Das ist die Frucht eines jahrelangen, ruhelosen Säens; das Ergebnis einer beispiellosen Aufopferung von Zeit, Kraft und Mitteln. Hoffenden zur Erbauung, Wankelmütigen zur Erstarkung, Irrenlen zur Belehrung wurde diese erste Palästinaschati geschaffen, nd ganz, gleich, ob man palästinagesinnt oder deutsch landgesinnt t, - niemand wird sich des Eindrucks erwehren können, dal! hier in erstaunliches Werk erstanden ist, geführt von einem Obermaß in Idealismus und getragen von heroischer Opferwilligkeit, (irund •nd Boden sind völlig verändert worden, Körper und Geist des Renschen sind gewandelt, Sitte und Lebensgewohnheiten sind neu, aufgefrischt! Ein neuer Typ des Menschen lebt dort unten, der chaluzisehe Mensch", erfüllt mit Fleiß, Opfermut, Tatkraft und Hauben. Sie alle, die dort arbeiten, setzen ihr Leben ein für eine Zukunft, die wahrscheinlich nicht mehr ihre eigene sein wird; für Menschen, die sie vielleicht nie kennen werden. Aber gerade -US diesem Opfer, aus diesem selbstlosen Verzieht entsteht iln ewig hoffender, zukunftsgerichteter Blick, der sie die harten der 1 'egenwart freudig ertragen läßt, vertrauend auf die Stärke und Güte ihres Glaubens. Diese Männer und Frauen führen ein Leben mr andere, für den Staat, der einst kommen soll. Ein Leben für 'Iii- Gesellschaft, ein soziales Leben. Es ist das Schönste, das höchste Ideal, dem sie huldigen; das gleiche Ideal, in dessen Zeichen der größte Dichter der Deutschen seine größte Gestalt Erlösung und Befriedigung finden läßt nach einem Leben des Suchens und des Strebens. Deshalb ist es mehr als schönes Gleichnis, wenn den Hauptsaal der Ausstellung als deren Motto die Worte des sterbenden Faust schmücken: „Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn, auf freiem Grund mit freiem Volke Stenn." So verleihen die unsterblichen Worte Goethes den Gleiches sagenden, gegenwartsnäheren Theodor Herzls und Weizmanns höheren Wert. Es ist bei weitem nicht das Ideal einer Ausstellung, die uns fleißige Hände da geschaffen haben. Der rasche Flug der Zeit läßt vieles schon wieder veraltet erseheinen, was vor einigen Monaten aufgesehrieben wurde. Und der Wille, so manches mehr zu zeigen, scheiterte oft an mangelnden Mitteln. Doch ist ein recht beträchtlicher Ausschnitt aus dein Tun und Tieiben des gelobten Landes geblieben: Im Kleinen sehen wir, was (iroßes dort erstand. Bescheiden, aber wirksam. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Abteilungen: Arbeit in Palästina und Arbeit für Palästina. Gleichsam als ob man hier ein neues Dorf bauen wollte, überragt den Hauptsaal das Modell eines Wasserturms, in dem öden Lande heute Kennzeichen einer jeden neuen Siedlung. Und gerade als Gegenstück zu diesem primitiven, aber notwendigen Bauwerk leuchtet von der anderen Seite ein Mouumentalbild von Palästinas größter und modernster technischer Errungenschaft, dem Jordankraftwerk von Tel Or, das Zentrum für die Elektrifizierung des Landes werden soll. Oberhaupt ist dies ein Hauptkennzeichen der Bauwerke: Es wird alles modern, mit neuesten Errungenschaften errichtet, soweit es die Mittel eben zulassen. So berührt geradezu eigenartig inmitten der Bilder und Modelle primitivster Landbauten der amerikanische Luxus eines neuen Hotels in Tel Aviv. Reklamen für kosmetische Mittel auf einer original-hebräischen Litfassäule beweisen, daß