Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-03-02 · 9 (2.3.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
9 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968799-5969405--4961-4880783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

a;i Auflage 4250 Stück (taeittö ebktt DtR ISRAELITISCHEN RELIGIONSG&M&IN DE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« Schriftleitung: Oemciiulerahhini-r Gustav Culin Leipzig Walter Bliinicl-Str. 10. — Nachdruck nur mit QuelleninKsbe und mit Oenchmigmg des Verlassers gestattet Nummer 9 ■ lahrgang 10 2. März 1934 Anzeigenannahmei I - Goldfreutul, Leipzig O 5, Cichoriusstralic 2t, Kernsprecher Nr. 607 71 Druck: Druckerei der Werkgenieinschaft, Leipzig C!■ IV. Gemeindeabend. Der IV. Gemeindeabend findet Montag, den 12. März 1934, abends 8.30 Uhr, pünktlich in der Gemeinde- Synagoge, Oottschedstraße, statt. Es spricht: Herr Gemeinderabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin, über das Thema: „Die jüdische Geschichtsauffassung". Gesangsvorträge des Chores der Gemeinde-Synagoge umrahmen den Vortrag. Der Eintritt ist nur mit Karten gestattet. Diese sind zu RM. 3,—; 2,-; 1,— und —,50 im Gemeindeamt und in der Buchhandlung von M. W. Kaufmann, Brühl 8, vom 6. März 1Q33 an erhältlich. Karten zur II. Empore werden unentgeltlich nur im Gemeindeamt ausgegeben. Der Reinertrag fließt dem allgemeinen Winterhilfswerk zu. Damit entsprechen wir einer berechtigten Bitte der N.S.-Wohlfahrt, uns durch eine öffentliche Veranstaltung an der Aufbringung der Mittel zu beteiligen, die auch unseren bedürftigen Glaubensgenossen zugute kommen. Der Vorstand Leipzig, den 26. Febr. 1934. der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Fragen der Berufsumschichtung. Ei dürfte heute kaum noch von einer „Frage" der Beruft um- Schichtung der Juden in Deutschland zu sprechen sein. Ls hat /war lange, ichr, sehr lange gedauert, bis die Erkenntnis ihrer Notwendigkeit sich Dahngebrochen hat. Aber jetzt ist sie doch wohl ganz allgemein geworden. In allen Kreisen tler Juilen hat man einsehen gelernt, dafi äußere wie innere Momente eine grundlegende Änderung in iler Beruftverteilung bedingen. Und es regt sich allerorten das heiße Muhen, damit Ernst ZU machen. Nicht aliein unter den Jugendlichen, sondern bis in recht vorgerückte Altersstufen hinein herrscht eine starke Bereitschaft, aus den Tatsachen des letzten Jahres die I olgerungen /u ziehen. Um die Tragweite dieser \\ sndlung ZU ermessen, muß man sich vergegenwärtigen, daß weitschauende Juden nicht erst seit heute und gestern die unglückselige Einseitigkeit in den Kenifen der Juden gerügt haben. Schon seit 1812 machte es sich die „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaus unter den Juden" zur Aufgabe, die Bevorzugung des Handels Seitender Juden zu überwinden. IS 15 winde in Herlin eine „Oesellschaft zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler" gegründet. Diese Bestrebungen, die auf eine gesundere Verteilung der Berufe unter den Juden hinzielten, fanden uberall verständnisvolle I Srderung. So errichteten in Leipzig 1SSI Saul Linkclsteiu und Frau die ..Handwerker- und Dienstbotenstiftung", um Kinder „bei der Erlernung eines ihren Anlagen entsprechenden Handwerks bzw. bei der Heranbildung zu tüchtigen Köchinnen oder Hausmädchen" bei Bedürftigkeit der Litern zu unterstützen. Ähnlich lauteten die Bestimmungen der „Händler-Stiftung", die ISST in Wirksamkeit getreten ist Die Stiftungsurkunde sagt u. a.: „Hierbei geht meine Absicht dahin, daß eine möglichst große Zahl junger Israeliten nicht etwa nur einzelne Bevorzugte zu vorzüglichen Leistungen, ein jeder in dem von ihm erw.ihlten l ache, herangebildet, und daß die Würdigen dann auch bei ihrer Selbständigmachung von leiten der Verwaltung der Stiftung mit Rat und Tat unterstützt werden. Wein Wunsch ist, dazu beizutragen, daß das Handwerk, welches zu alten Zeiten unter unseren (ilaubcnsbrüderu in hohem Ansehen gestanden, unter diesen wieder gefordert und in Ansehen gebracht werde". Stiftungen dieser Art trugen den < iedankeu in w eitere jüdische Kreise und regten dazu an. ihn in die Tat umzusetzen. Aber man schritt auch zur systematischen Portführung: 1893 gründete Konsul Moritz Simon in Ahlem bei Hannover eine Israelitische Erziehungsanstalt mit dem Ziele der Ausbildung schulpflichtiger und älterer Knaben und Mädchen für Handwerk, Bodenkultur, Hauswirtschaft und Gartenbau. Allerdings waren die Erfolge dieser Bemühungen, aufs Ganze der Juden in Deutschland berechnet, nicht nennenswert. Und auch weder die durch den Zionismus geschaffene Chaluzbewegung noch die schon w ahrend des Krieges durch den C V. und nach dein Kriege durch den RJK. bzw. den h'JS. eingeleiteten Arbeiten konnten im großen Ausmaße eine Hinwendung zum Handwerk und zur Landwirtschaft bew irken. Es mußte erst die Weltwirtschaftskrise und die Krise im Leben der deutschen Juden die Saat reifen lassen, die seit 125 Jahren immer wieder ausgestreut worden war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.