Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 7 (16.2.1934)
- Date
- 1934-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968799-5969403--4947-4880771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 3 Jüdischer Ausschuss für Kunstpflege KONZERT Ausführende: Sonnabend, den 24. Januar 1934, 20 Uhr, Städtisches Kaufhaus Das jüdische Orchester unter Leitung von Alfred Simon / Psalterion-Chor unter Leitung von Barnet-Licht Opern- und Konzertsänger Fritz Lechner, 1. Bariton der Oper des Berliner Kulturbundes Karten zu RM. 2,50, 2,—, 1 — und —,50 ab Montag Mittag Kaufhaus Brühl, Buchhandlung M. W. Kaufmann, „Bücherkreis" Rose Netimanu (Passage Königshaus) und an der Abendkasse E. SAXL Petersstraße 5, Eckhaus Markt spitzen, Mode - Neuheiten Kleidergarnituren, Bänder, Blumen, Knöpfe u. Gürtel Und deshalb ist den Menschen zu danken, die heute Leasings Drama neu gestalten, nachdem die Emanzipatioitszeit, deren glänzende Ankündigung „Nathan der Weise" ist, wenigstens in der bisherigen Form abgeschlossen ist, wenn sie den Nathan, bewußt gegen alle Tradition der deutschen Bühne und auf die Qefahr hin, sich in Gegensatz /um Willen des Dichters ZU stellen, auch wirklich als Juden darstellen und nicht bloli als einen Sohn jüdischer Eltern. Oh zur Durchführung dieser die Nathan-Aufführung tragenden Idee es unbedingt notwendig war, den „Nathan" durch hebräische Segens- und (iehetsprüche zu ergänzen, bleibt dahingestellt. In der Art, wie Kurt Katsch seinen Nathan mehr gelebt als gespielt hat, zeigte sich für jeden, der sehen und fühlen wollte, diese vom literarischen Standpunkt aus revolutionäre Idee. Wahrend hei der bisher üblichen Auffassung des Lessing-Draiuas das Mittelstück und der Höhepunkt, die Erzählung von den drei Ringen, von Nathan in ruhiger abgeklärter, über den Dingen stehender Weise gebracht wurde, gestaltete Katsch die Ringparabel zum aufwühlenden Erlebnis und zum kämpferischen Bekenntnis des Juden Nathan, der im tiefsten erschüttert ist durch die ihm gewordene Vision vom Weltgericht und der ganz zwangsläufig und selbstverständlich die Verheißung des Richters, der über tausend tausend Jahr entscheiden wird, spricht, indem er die Hände zum uralten jüdischen Priestersegen erhebt. Kurt Katsch hat uns Nathan als den Menschen und den Juden und bewußt nicht nur als den abgeklärten Weltweiseu gezeigt. Mit ihm als Nathan stellt das ganze Judentum in der jüdischen Mischung von Trauer und Freude abseits vom ungetrübten (ilück anderer Menschen, als am Ende des Dramas die übrigen in der Freude des Wiederfindens und Erkennens erstrahlen und zum ersten Male im Laufe des ganzen Dramas Nathan nicht zu sich rufen. Durch diese Akzentuierung ist es auch gelungen, rein dramatisch das sonst sehr peinliche und für Schauspieler und Zuschauer gleich schwierige Abklingen des Dramas in die Banalität einer FimiUeoszene zu überwinden. Um die alles beherrschende Hauptfigur des Nathan schloli sich in harmonischer Weise der Kreis der übrigen Darsteller. Es gelang Martin Brandt, Lessings mehr edeln als Willensstärken Schöngeist Saladin neben dem vom Dichter so bevorzugten Nathan in schöner Weise zu behaupten, während Leo Huth das ganze Ungestüm des jugendlichen, herzlich unerfahrenen Tempelherrn in vielleicht manchmal etwas überbetonter Weise gestaltete. Die unbekümmerte Kümmernis des Derwisch von Fritz Wisten und die bekümmerte Unbekümmertheit von Martin Wolfgangs Klosterbruder, dessen erstes Zwiegespräch mit dem Tempelherrn ein Kabinettstückchen war, belebten das Drama in dankenswerter Weise. Käthe Foerders Recha ließ durch die Ausgeglichenheit und Ruhe ihres Mädchencharakters deutlich erkennen, wie sehr Nathan bei aller seiner Weisheit vom Feuer seines Glaubens bewegt und getragen wurde, und war ein stiller Abglanz der feurigen Hoheit ihres väterlichen Erziehers. LilH Kanns Daja und F'ritz Lions Patriarch brachten in der .nötigen Präzision und Diskretion das Bild von der dem Dichter zutiefst verhaßten Bigotterie, wobei Li Iii Kann in ihrer weiblichen Sucht, den Menschen, den sie liebt, und der Konfession, der sie angehört, zugleich gerecht zu werden, eine nicht ganz so boshafte und nicht ganz so verschlagene Frau auf die Bühne stellt, wie (ioethes Marthe Schwertlein. Jenny Schaff er gestaltete ihre Sittah als überaus wirksam« Folie weiblicher Klugheit und Anmut zu der QestaH des Sultans. Es war wohlverdienter Erfolg der Schauspieler, dall sie zu ungezählten Malen vor den Vorhang gerufen wurden, um dem Applaus zu danken, der sich schon zu Ovationen steigerte. Dr. ür. Amtliche Bekanntmachung. Änderung des Gemeindestatuts. In der Oemeindesitzung vom 29. Januar 1934 sind verschiedene Änderungen zu dem Gemeindestatut für die israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig beschlossen worden. Die Abänderungen sind in einem Nachtrag gefallt, der in der Zeit vom 12. Februar bis mit 23. Februar werktäglich von S I Uhr zur Einsichtnahme in unserem Gemeindeamt, Walter-Blümel-Str. 10,1, ausliegt Leipzig, den iü. Januar 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu l.eip/ig. Betriebe unter Aufsicht des orthodoxen Gcmcindcrabhinats. I. Ganzjährige Aufsicht: a) Fleischereien: Moses Frischer, Packhofstr. 11 13. Osias Kohn, Lohmühlgasse 17. - SaHy Löh, Ranstädter Steinweg 7. Jacob Schußheim, Plauensche Straße 3 5. Das Fleisch soll an demselben Tage, au dem es gekauft ist, koscher gemacht werden. Wer das Fleisch durch nichtjüdisches Personal bringen läßt, muH fordern, dall das Paket durch den Schorn er gesiegelt wird. b) Geflügelverkauf: Die vorgenannten Fleischereien. c) Milch und Butter: J. Bartfeld, Eutritzscher Straße5. Chaim Zipser, Nordstr. ib, Hof (Wohnung: Berliner Str. 18). Rittergut Oundorf, Bestellungen durch II. Kreutner, Färberstr. 16. Die Aufsicht erstreckt sich nur auf die ausdrücklich als „koscher" gekennzeichneten Waren. d) Backwaren: Salomon l.otrowski, Berliner Str. 13.— Selig ScheinowKz. Qerberstr. 40 und KeUstraße 9, Schmeidler, Nord- ALTER Obetkantor Hannover, singt heitere jiddische Lieder Am Flügel: Dr. Rabinowitz Populäre Preise: 1.50, 1.20, -.90, .50 RM. Kartenverkauf: M. W. Kaufmann, Brühl 8, Zellners Restaurant, Manelis Restaurant, Abendkasse. Keine Freikarten. Konzrrtriirektion: Ehrlich. Sonntag, den 25. Februai, 20 h Städt. Kaufhaus Eingang Kupfergasse