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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-01-26 · 4 (26.1.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
4 (26.1.1934)
Date
1934-01-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 26. Januar 1934 [ ~IEb Butler Billiger! Feinste Tee-Butter Stck. nur 78 Pfg. "UPD sowie sämtliche Molkereiprodiikle zu billigsten [»reisen Unterstützen Sie auch das jüJ. GeschäftI |. BARTFELD, Eufrifzscher Sir. 5 - Telefon 23591 - Lieferung trei Haus 1 und edler Tongebung wurde das Mendelssohn-Trio op. 49 d-moll, das Trio in Es-dur op. 1 No. 1 von Beethoven und der schwerblütige Brahms, Trio op. 8, H-dur vollendet gemeistert, und so erlebten die Hörer durch die weltliche Musik in der Synagoge eine religiöse Weihestunde. Die Wirkung des Abends war so begeistert, daß einmütig der Wunsch laut wurde, die Künstler an einem der nächsten Qemeindeabende nochmals anhören zu dürfen Q- H. S. Unsere Gemeinde. Das Gastspiel des Kulturbundes, Nathan der Weise mußte mit Röcksicht auf die Besuche aus den kleineren Ortschaften auf Sonntag, den 4. Februar, vormittags 10 Uhr angesetzt werden. Bildungskurse der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Nachdem am IS. d. M. die Vorbesprechung für die Bildungskurse stattgefunden hat, haben die meisten Kurse schon während dieser Woche zu laufen begonnen. Der Stundenplan ist folgender: Bibel. 1. Dr. Lipschütz: Die Themen im Propheten Jeschaja: wöchentlich Mittwoch abend von 1 >° bis 10 Uhr im Jüdischen Jugendheim, Elsterstr. 7, etwa 8 Abende, Beginn 24. 1. 34. 2. Frau Anna Neumann: Midrasch-Erklärungen zum Pentateuch; wöchentlich Dienstag abend von 9 bis 10 Uhr im Oemeindeamt, Walter Blümel-Str. 10, etwa o Abende, Beginn: 23. 1. 34. 3. Dr. Werczberger: Gesetzgebung der Bibel; wöchentlich Donnerstag abend von 1 :■'> bis 10 Uhr im Jüdischen Jugendheim, Elsterstr. 7, etwa 5 Abende, Beginn: 25. 1. 34. Talmud: 4. Rabbiner Dr. Gold mann: Was ist der Talmud und was bedeutet er für unsere Zeit? wöchentlich Montag abend von bis >2l0 Uhr im Jüdischen Jugendheim, Elsterstr. 7, etwa 5 Abende, Beginn: 22. l. 34. Geschichte und Literaturgeschichte: 5 Rabbiner Cohn: Nachbiblische jüdische Literatur; wöchentlich Dienstag abend von 8 bis Q Uhr im Gemeindeamt Walter Blümel¬ Str. 10, etwa 6 Abende, Beginn: 23. 1. 34. 6. Dr. P. J. Kohn: Kulturgeschichtliche Bilder aus dem Mittelalter und späterer Zeit nach der Responsen-Literatur; vierzehntägig, Montag abend van '29 bis 1210 Uhr im Jüdischen Jugendheim, Elsterstr. 7, etwa 5 Abende, Beginn: 29. 1. 34. 7. Dr. Markowicz: Die Gemeindeautonomie der Juden im alten Königreich Polen; wöchentlich Donnerstagabend von ' 29 bis V2IO Uhr im Oemeindeamt, Walter Blümel-Str. 10, etwa 6 Abende, Beginn: 25. 1. 34. Die Kurse der Herren Rabbiner Dr. Carlebach und Dr. Schererchewski fallen aus. Eine Teilnehmergebühr wird nicht erhoben. Sämtliche Zeitangaben sind genau zu nehmen. Es wird dringend um äußerste Pünktlichkeit ersucht. Noch nicht gemeldete Teilnehmer wollen sich am nächsten Kursabend, den sie zu besuchen wünschen, schriftlich beim Dozenten anmelden. Da die Kurse als einheitliche Folge gedacht sind, ist sehr erwünscht, daß sie auch tatsächlich regelmäßig besucht werden. Mitteilung des C. V.-Syndikats. Der Landesverband des Centraivereins war in einer ganzen Reihe von Fällen auf dem Gebiete des Wirtschaftsschutzes tätig und konnte infolgedessen durch ein Eingreifen der Treuhänder der Arbeit Erfolge erzielen In Stadt und Kreis Schmalkalden waren auf Plakaten die Käuter angeprangert, die in jüdischen Geschäften ihre Einkäufe mit Bedarfsdeckungsscheinen getätigt haben. Auf unsere Vorstellung hin griffen die Behörden sofort ein und veranlaßten die Entfernung der Plakate. Ebenso wurde auf das Eingreifen des Treuhänders der Arbeit hin eine im .Suhler Beobachter" veröffentlichte Notiz, derzufolge diejenigen, die jüdische Oeschäfte betreten, photographiert werden sollten, von der parteiamtlichen Stelle als ungesetzlich erklärt. Ein heiterer Abend (Vortragsabend Josef Plaut, 5. Veranstaltung des Jüdischen Ausschusses für Kunstpflege vom 21. Januar 1934). War vor einigen Wochen dem Jüdischen Ausschuß für Kunstpflege zu danken, daß er seiner Anhängerschaft durch die edle Kunst einer großen Sprecherin ernste jüdische Inhalte nahebrachte, so kann heute die reine Freude festgestellt werden, mit der durchaus zu Recht ein großes Publikum die behagliche Breite und den leicht ironisierenden Witz der kultivierten Sprech- und Mimenkunst Josef Plauts wieder begrüßte. Wieder wie in verklungener sorgloserer Zeit entrollte dieser fahrende Sänger in klarer gepflegter Sprache, sei sie nun reines Hochdeutsch oder sei sie meisterhaft erfaßter und ohne naheliegende Übertreibung wiedergegebener Dialekt, ein beschaulich — heiteres Bild von seinem von ihm so heiß geliebten Vaterland, von Deutschland und seinem Menschen zwischen Meer und Alpen. Und jeder seiner Zuhörer fühlte vor allem aus dem ersten Teil seiner Vortragsfolge, in der der große Märchcnpoet Andersen, der märkische Hugenottensohn Fontane, der weise zutiefst volkstümliche Fritz Reuter und der kluge Tierdichter Manfred Kyber zu Worte kamen, durch all die weltweise Qüte, Iionie und Vergnüglichkeit hindurch den schweren Schatten des Judenschicksals, das wohl auch den Künstler Plaut gewaltig ergriffen hat. Nicht ohne Absicht wird Plaut das Märchen von der guten Laune des Sohnes des Leichenwagenkutschers an die Spitze des Abends gesetzt haben; denn jeder, der es wollte, konnte fühlen, wie nah verwandt der Künstler mit Andersens Märchenfigur ist, als er mit weinerlicher Miene und Stimme das Schlußbekenntnis zur steten guten Laune ablegte. Die a'tbekannte Meisterschaft Plauts, mit wahrhaft sämtlichen Zungen der deutschen Stämme zu sprechen und zugleich die Menschen selbst darzustellen, kam zum wirklichen Vergnügen aller Zuhörer voll zur Geltung. Das in delikatem Knaatsch vorgetragene Liebesgeflüster zwischen Rosenthal und Albertpark oder das prachtvolle Regenschirmgcsprach des Kärntner Bauernpaars waren in ihrer sprachlichen und mimischen Darstellung Kabinettstückchen der lächelnden Menschenkenntnis und Menschenschilderung. Diese Heraushebung soll aber keinesfalls irgendein absprechendes Urteil über z. B. die Detmolder Kleinstadtidyllen oder die anderen mehr oder weniger dialektgefärbten Schnurren enthalten, aber schließlich hindert der enge Raum die behagliche Breite, in der am liebsten der Kritikus den schönen Abend vor seinem geistigen Auge wiedererstehen lassen möchte. Im letzten Teil des Abends steigerte sich Plaut in sein prachtvolles Parodistengenie hinein, und zum größten Vergnügen seiner Zuhörerschaft erstand unter Ernst Simons trefflich angepaßter Klavierbegleitung das heiter schauerliche „Nachtleben" der Weltstadt aus der gründlich versunkenen Zeit der Jahrhundertwende, um schließlich mit der,.ernsten' Kunst, dem berühmten Plautschen Ein-Mann-Oiatorium, abzuschließen. Das Wertvolle an dieser Kunstgattung Plauts, er beherrscht tatsächlich ein ganzes Register von Kunstgattungen, ist, daß er bei aller Fröhlichkeit und Freude an der Karikatur und Parodie nie das Maß übersteigert und daß seine Lustigkeit nie in bloßen sog. „Klamauk" ausartet. Wieder einmal hat der Ausschuß für Kunstpflege seiner nun schon recht stattlichen Qemeinde einen Abend von hohem Kunstniveau bereitet, ist es doch Josef Plaut gelungen, für kurze Stunden eine schwere düstere Wolkenwand zu zerreißen und den Blick freizugeben auf eint heitere, beschaulich-zufriedene Landschaft, die jemals gesehen zu habet die jüngere Oeneration der Zuhörer sich kaum oder gar nicht mehr aus eigener Erfahrung erinnern kann. Dr. Qr. Berichtigung. Zu unserer Mitteilung über die Verleihung des silbernen Sportabzeichens an einen Leipziger jüdischen Sportler erfahren wir, daß dieses dem Chirurgen Dr. Hans Ooldmann (nicht, wie uns mitgeteilt worden war, Dr. Ernst Ooldmann) erteilt worden ist. Amtliche Bekanntmachung. Sprechzeit des Herrn Rabbiner Dr. Ooldmann. Gemeinderabbiner Dr. Goldmann kann bis zum 1. März allgemeine Sprechstunde nur Mittwochs (9 V2 11 Uhr) abhalten. In allen dringenden Fällen, insbesondere solchen, die die liberalreligiöse Seelsorge betreffen, müssen die Sprechzeiten vorher telefonisch verabredet werden, und zwar möglichst vormittags zwischen 9 und 10 Uhr. Leipzig, den 23. Januar 1934 Der Vorstand der israelitischen Rellgionsgemeinde zu Leipzig

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