Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 2 (12.1.1934)
- Date
- 1934-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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». I. 34. \ Auflage 4250 Stück c$cmcinö eblatt DfcR ISRAELITISCHEN RELIGIONSGE-MErlNDE ZU I XII D7|^L AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LL Ii Xs>IV7 der gemein deverwaltunob Schriftleitung i Ocmcinderabhiuer OusUv Colin Leipzig 'Walter BlUmel-Str. 10. — Naclulriick nur mit Quellenlangabr und mit Oenehmigung des Verfassers gestattet Nummer 2 ■ Jahrgang 10 12. Januar 1934 Anzeigenannahme: E. Ooldfrcund, Leipzig 0 5, Cichoriusstralie '2a, Fernsprecher Nr. 6(1771 Druck: Druckerei der Werkgenicin-chaft, Leipzig C 1. Bildungskurse der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Vorbesprechung für die Teilnehmer sämtlicher Kurse findet in Anwesenheit der Dozenten Donnerstag, 18. Jan. 1934, 8V2Ühr abends im Saale des Jugendheims, Elsterstr. 7 statt. Alle Teilnehmer, die sich in die Listen eingeschrieben haben, werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Soweit Anmeldungen zu den Kursen noch nicht erfolgt sind, können sie bei der Vorbesprechung abgegeben werden. Leipzig, den Q. Januar 1934. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Zurück zur Bibel. IVon Gemcindcrabbincr Gustav Cohn. Die Predigten, in denen der München er Erzbischof von Faulhaber im Rahmen des Themas „Christentum und Judentum" die Stellung der Kirche zu unserer Bibel, dort als das Ahe Testament bezeichnet, einer Prüfung unterzog, hat in weiten Kreisen grollte Beachtung gefunden. Sie verdienen in noch höherem Malle die Aufmerksamkeit der Juden. Nicht als ob wir den Versuch unternehmen wollten, den neuerdings in der christlichen Thcologcnwclt entbrannten Streit über das Alte Testament in irgendeiner Weise l/u beeinflussen: unser biblisches Schrifttum ist schon lange nicht Jmehr unser Sonder besitz; es ist in die Menschheit eingegangen und untersteht deshalb der Unabhängigen Würdigung aller derer, Jie es angeht. Aber um unserer selbst willen sollen wir nicht achtlos vorübergehen, wenn Äußerungen über das, worauf unsere religiöse Haltung beruht, sich vernehmen lassen. Wer unter uns mit dem Judentum innerlich verwachsen ist, wird von zustimmendem oder ablehnendem Urteile von Nichtiiiden in der Tiefe seiner Oberzeugun- Igen nicht berührt werden; ihm ist unsere Bibel so oder so das Iheilige Zeugnis, zu dem er sich freudig bekennt, ganz gleichgültig, ob andere religiöse Anschauungen ihr hohe Wertung /ollen pdei sie gering einschat/en. Und dennoch wird die Stellungtiahme kirchlicher Persönlichkeiten sein Interesse beanspruchen; wir Menschen wünschen ja immer, dall auch andere das, was uns schätzenswert erscheint, freundlich betrachten, um wieviel mehr, Rvenn es sich um etwas so Heiliges, für unser ganzes Sein so grundlegend Wesentliches handelt wie unsere Bibel. Auch wenn <vvir uns nicht durch Zustimmung oder Kritik beirren lassen: das hart« Wort der Schmähung tut weh, der Ausdruck der Achtung *vird wohltuend empfunden. Besonderen Wert gew innt die Behandlung der I rage durch feinen OeistUchen von so hohem Rang für die leider Allzuvielen iunter uns, deren innerliche Hindling aus Judentum gelockert ist Bind die sich deshalb nur wenig mit unserem Schrifttum vertraut Jgcmacht haben. Sie stehen begreiflicherweise herabset/enden Ur- Steilen waffenlos gegenüber, und ihr Blick wird durch solche allzu Beicht getrübt. Auf sie muU es tiefen Eindruck machen, wenn in einer Zeit, in der immer wieder der Versuch unternommen wird, das Alte Testament aus der christlichen l ehre aiis/usclultcu, au weithin wirkender Stelle die unendlich hohen sittlichen Vi erte gerühmt werden, die unsere Bibel der Menschheit aufgewiesen hat. Die Prüfung, der der Kardinal diese jüdische ReligionsqueHe unterzogen hat, kommt nach dem Bericht des „Berliner Tageblatts" vom 20. 12. ZU einem Ergebnis, das die Schrift in hohem Malie rechtfertigt: jede Rechts- und Gesellschaftsordnung könne nur dann Bestand haben, wenn sie auf den Qrundgcboten vom Sinai fülle. Darum sieht der Kardinal in dieser mosaischen Gesetzgebung auch nicht (ieist vom (leiste des Volkes Israel, gondern eine Eingebung des (ieistes Gottes: die Inspiration de- Heiligen (ieistes. Es gebe hier keine Wahl: entweder müßte man an diese Inspiration glauben oder aber in den mosaischen Büchern ein Werk der vorchristlichen Juden sehen, und damit diese für ein Obervolk, für das genialste Volk der Weltgeschichte erklären. Diese Äußerung, die in der Mahnung au das deutsche Y ilk gipfelt, „das Alte Testament mit seinen großen sozialen Gedanken nicht verdrängen, vor allem nicht aus den Schulen" verdrängen ZU lassen, muH eine grolle Stärkung auch für Juden mit sieh bringen, denen mangels eigener eindringender Kenntnis die Meinung, die in kirchlichen Kreisen begegnet, wesentlich erscheint. Sie sollte ihnen /um mindesten einen Anstoß geben, sich in unsere Bibel ZU verliefen, um aus eigenem Kennen Sicherung gegen irrige AufassiUlgen und daraus entstehende kühlere Stellung zu ihr /u schaffen. Dall dies nottut, ergibt sich aus Äußerungen auch von Juden, die Zweifel an der sittlichen Unantastbarkeil der biblischen Anschauungen erkennen lassen. Vor einigen Monaten stand im Mittelpunkt der Erörterungen über die Verwendung des Alten Testaments im Schulunterrichte die Erzählung von dci „Opferung Isaaks". Noch ehe die Frage grundsätzlich entschieden war, ob man das gesamte Alte Testament aus dem christlichen Unterricht ausschalten solle, gingen Bestrebungen dahin, diese Erzählung wegen Unvereinbarkeit mit dem Denken deutscher Christen aus dem Lehrplan ZU streichen. Diese Bestrebungen es w urde s. Zt. berichtet, daß ihnen nicht stattgegeben werden dürfe beschäftigten lebhaft auch jüdische Kreise. Und auch hier begegnete man der Meinung, es sei uiibegreifich, dali die judische Tradition einem solchen Stücke der Thora eine so überragend« Bedeutung gegeben