Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 1 (5.1.1934)
- Date
- 1934-01-05
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5. Januar 1934 Seite.3 daß für alle Verhandlungen In Angelegenheiten der organisierten jüdischen Jugend ausschließlich der Reichsaussehuß der jüdischen Jugendverbände und seine Landesausschüsse zuständig sind. Damit ist die Vertretung der jüdischen Jugend auch in den ein/einen Gebieten des Reiches einheitlich geregelt (JI A.) Aus sächsischen Gemeinden. Gärtnerischer Lehrgang und Lehrgang für Hauswirtschaft. Es ist beabsichtigt, im Erholungsheim Oberroehwit/ eine beschrankte Anzahl junger jüdischer Menschen im Alter bis zu 30 Jahren auf praktische Berufe vorzubereiten. Da/u soll ein einjähriger Lehrgang dienen, der unter fachmännischer Leitung in die gärtnerische Arbeit einführen, zugleich auch einfache handwerkliche Fertigkeiten vermitteln soll. Es soll damit ein Lehrgang für einige Mädchen verbunden werden, der in Hauswirtschaft, Gärtnerei und Kleintierzucht einführt. Die Kosten für die Ausbildung, Unterkunft und Verpflegung werden voraussichtlich monatlich 55 KM. für den gärtnerischen und 45 KM. für den hauswirtschaftlichen Lehrgang betragen. Diejenigen, die an den Lehrgängen teilnehmen wollen, werden gebeten, dies der Jüdischen Wirtschaftshilfe, Dresden, Zeughausstr. 3, mitzuteilen. Da nur eine beschränkte Zahl von Plätzen zur Verfügung steht, wird umgehende Meldung dringend empfohlen. Unsere Gemeinde. Veranstaltungen der nächsten Zeit: (). Januar: Jüdischer Ausschult für Kunstpflege:Offenbach-Abend.; 20. Januar: Zionist. Vereinigung: Rabbiner Dr. Joachim Prinz- Kerlin. 21. Januar: Jüdischer Ausschuh für Kunst pflege: Joseph Plaut. 21. Januar: Deutsch-Jüdischer Jugendkreis: Weihestunde. Feier des 70. Geburtstages des Herrn Gemeindevorstehers Carl Goldschmidt. Aus Anlaß des 70. (ieburtstages des Herrn Gemeindevorstehers Carl QoMschmidt und seiner 25 jährigen Zugehörigkeit zur Gemeindekörperschaft versammelten sich am 1. Jauua.' die Mitglieder der Gemeindevertretung und eine stattliche Zahl von (iemeindeniitgliedern und Freunden des Jubilars, um ihm ihre OIQckwflnsche darzubringen. Als Stellvertreter des Gemeinde Vorstandes überbrachte Herr S. Hodcs dessen Glückwünsche, denen er im Hinblick auf die enge Zusammenarbeit einen ganz persönlichen Ausdruck verlieh. Ihren Niederschlag haben diese Wünsche in einer Adresse gefunden, die auf die unter der Vorsteherschaft des Herrn üoldschmidt neugeschaffenen Einrichtungen der (iemeinde hinweist, und die die herzliche Verbundenheit /wischen den (iemeindevertretern und ihrem Vorsitzenden, wie mit der gesamten (iemeinde betont. Die Adresse wurde durch Herrn Willi. Breslauer verlesen und überreicht. Als Zeichen der Ehrung wurde dem Vorsteher sein von Eduard Einschlag gemaltes Bild geschenkt. Namens der liberalen Rabbiner, Kantoren und Lehrer sprach Herr Ciemeinderabbiner Cohn die Hoffnung aus, dalt es dem Gefeierten vergönnt sei, die geistige Festigung der (iemeinde, für deren Wachsen sich gerade jetzt Au/eichen bemerkbar machen, führend mit zu erleben, und dadurch für die Lulle der Lasten, die das Amt mit sich bringt, die' innere Befriedigung /u erfahren. Eür den orthodoxen Teil der Gemeinde sprach danach Herr Gemeinderabbiner Dr. Carlebach und überbrachte den Dank für die unter dem gegenwärtigen Gemeindevorsteher eingetretene Wandlung in der Stellungnahme gegenüber den orthodoxen Belangen: Es werde in den orthodoxen Kreisen mit besonderer Genugtuung empfunden, dall an die Stelle der früher herrschenden einseitigen Berücksichtigung liberaler Einrichtungen uunmehr auch den orthodoxen Ansprüchen Gerechtigkeit /uteil werde. Als Vertreter der Gesellschaft der Ereundc überbrachte Herr Hugo Kaufmann deren Glückwünsche und die Ernennung zum Ehrenmitglied. Durch Herrn Eugen Maas ließ der israelitische Wohltätigkeitsverein dem Jubilar in Eorm einer Adresse tiefen und aufrichtigen Dank für seine langjährige treue Mitarbeit im Interesse der Einrichtungen des Vereins übermitteln. Herr Max Ario witsch dankte namens der Ariowitsch - Stiftung dem Vorsitzenden des Kuratoriums für die Förderung des Werkes. Besonders herzlich waren Worte, die Frau Erna üonipertz. tur den israelitischen liauenvcrein sprach, dem Herr (ioldschmidt schon in jungen Jahren als Sohn der verewigten Obervorsteherin seine Mitarbeit gewidmet hat. — In gewohnter Frische erwiderte Herr Vorsteher (ioldschmidt auf die einzelneu Ansprachen; in großer Erschütterung dankte er für die ihm bereiteten Ehrungen, gab die ihm dargebrachten Wünsche den verschiedenen Organisationen für deren Gedeihen wieder und drückte die Versicherung aus, daß er auch weiterhin an seinem Teil daran mitwirken wolle. Kinderchor und -Orchester. Jüdische Kinder empfinden oft schwer den Mangel an Freude, Abwechslung, Zusammenschluß mit gleichaltrigen Kameraden; sie empfinden es so besonders schwer, weil alles dieses den Kindern unserer nichtjüdischen Umwelt in so reichem Maß zuteil wird. Um jüdischen Kindern auch ein Gemeinschaftserlebnis zu geben, ist vor kurzer Zeit inner- ]ttdlsdier Ausschuß für Kunsipflege Ottenbach-Abend Max Kuttner......Berlin Anny Pomeranz . . . Leipzig im Städt. Kaufhaus smgen Ueder Arien und Duette Sonnabend, den 6. Januar 1934 aus offenbachschen Opperetten 20 Uhr Dr. Anneliese Landau spricht über: Offenbach und die Operette Karten zu RM. 2.50, 2.-, 1 50, 1.—, -,50 bei M. W. Kaufmann, Brühl 8, D. Rosen Nachf., Peterssteinweg 10 u. a d. Abendkasse Voranzeige: Sonntag, den 21. Januar: ]oseI Plaut halb der Leipziger jüdischen (iemeinde ein Kinderchor und und -orchester gegründet worden. Musik trägt Freude in das Leben der Kinder und vereint sie auf völlig neutraler Grundlage. Aufgenommen werden im Kinderchor stimmlich veranlagte Kinder im Alter von 8 -10 Jahren, im Orchester alle Kinder, die ein Streich- oder Blasinstrument spielen. Auch gute Klavierspieler sind willkommen. Gepflegt wird Volkslied und klassische Musik. Auch auf synagogalc Gesänge soll Wert gelegt werden, damit die Kinder lernen, sich am Gottesdienst ZU beteiligen. Die Kinder des Chors und des Orchesters sollen aber nicht nur seihst Freude an ihrem musikalischen Können haben, sondern auch anderen damit Freude bereiten. Sie können das Programm an Kinderfesten, besonders Chanukka- und Purimfesten, die vielfach so sehr entbehrt werden, bereichern. Sie können in Altersheimen oder geselligen Veranstaltungen von Erwachsenen mit ihrer jungen Kunst Abwechslung und Frohsinn verbreiten. Nichts wird so dankbar aufgenommen wie Darbietungen von Kindern. Die Kinder lernen so auch frühzeitig, sich in den Dienst ihrer jüdischen Gemeinschaft ZU stellen. Bei dem öffentlichen Auftreten der Kinder soll besonderen Begabungen Gelegenheit gegeben werden, mit Soloteistungen aufzutreten, /. B. Klavierspiel, (ieigenspiel usw. Damit die Kinder nicht nur zusammen arbeiten, sondern sich auch persönlich näherkommen, soll die Geselligkeit nicht zu kurz kommen, in Abständen von 4 -6 Wochen sollen Zusammenkünfte für die Kinder veranstaltet werden. Pflicht der Eltern ist es, dafür zu sorgen, daß die Kinder pünktlich und regelmäßig die Proben besuchen. Zur Unkostendeckung wäre ein wöchentlicher Beitrag von 10 Pfg. sehr erwünscht. Minderbemittelte 1 amilien sollen davon befreit werden. Das Protektorat des Kinderchores und des Kinderorchesters hat der „Jüdische Ausschuß für Kunstpflege" übernommen. Die musikalische Leitung liegt in den Händen unseres Chorleiters, Herrn Barnet Lieht. Anmeldungen von Kindern sind au diesen, Hardenbergstraße 22, zu richten. Ort und Zeit der Zusammenkünfte wird noch besonders bekanntgegeben. Hauspflcge. Der Jüdische Frauenbund empfiehlt bewährte Frauen als Hauspflcgcrinncii. Die Frauen können in all den Fällen, in denen geprüfte Krankenpflegerinnen nicht nötig sind, Pflege von Kranken und selbständige Betreuung des Haushaltes übernehmen. Meldungen sind zu richten an Frau Erna Stein, Menkestr. 51 a (Tel. 52894) oder an das Gemeindeamt, Walter- Blümel-Str. 10 (Tel. 21382) zu richten. Deutsch-Jüdischer Jugend-Kreis. Die zahlreichen Zustimmungserklärungen, die der Leip/iger Leitung des „Kreises" zugegangen sind, beweisen die lebhafte Anteilnahme, die unsere Bewegung bei allen Eltern findet, die ihre Kinder nach dem bewährten Ideal deutsch-jüdischer Lebensziele erziehen. So erklart sich auch der große Anfangserfolg des Kreises in Leipzig, der mit 00 Jungens und Mädels seine Daseinsberechtigung auf das schlagendste erhärtet hat. Im wohlverstandenen Interesse der jüdischen Eltern liegt es daher, wenn sie ihre Kinder möglichst bald der Arbeit des „Kreises" zuführen. Von den leidigen Streitfragen innerhalb der jüdischen Fronten bleibt die Bundesarbeit des Kreises frei. Der jüdische Nachwuchs hat angesichts der schwierigen Aufgabe der Selbstbehauptung im deutschen Lcbciisraum Wichtigeres zu tun, als fruchtlose Debatten über derartige Fragen zu fördern. Alle Eltern, die sich durch persönliche Fühlungnahme darüber vergewissern wollen, welche Menschen die Arbeit im Kreis leisten, werden gebeten, am Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 4 Uhr im Heim des Kreises, Karolinenstr. II, sich einzufinden. In mehreren Referaten wird der Elternschaft darüber Rechenschaft gegeben werden, was der Nachwuchs im Spiel und Lernen treibt. Ständige enge Fühlungnahme ist einer der Grundpfeiler unserer in Leipzig neuen, aber doch so bitter notwendigen Arbeit. Personalbericht. Herr Walter Lewens, der Kabarettenor, hat mit großem Erfolg im hiesigen Kabarett Barberina auf Engagement gesungen und dort solche Erfolge erzielt, daß der jeweils halbmonatliche Vertrag jetzt Anfang Januar zum 3. Male bis Mitte Januar verlängert worden ist.