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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-11-04 · 44 (4.11.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
44 (4.11.1938)
Date
1938-11-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES üE MEIN DEBLATT LEIPZIG 4. November 1938 Nr. 44 Unsere Gemeinde Pfundsammlung der Jüd. Winterhilfe am 13. November Da die für den 30. Oktober vorgesehene Sammlung verlegt werden mußte, soll die Novembersammlung am 13 November den Ertrag für die beiden Monate ergeben. Eine weitere Pfundsammlung wird im November niebt stattfinden. Es wird schon heute darauf hingewiesen und ebenso herzlich wie nachdrücklich darum gebeten, daß die Gemeindemitglieder wenigstens das Doppelte ilea sonst gesteuerten Quantums für den 13 November bereitstellen. Rechtsberatung von Juden. Auf eirund der 5. VX). zum Rcichsbürgergesetz endet die Zulassung der jüdischen Rechtsanwälte mit dem 30. November 1038. Vom I. Dezember 1938 ab wird die rechtliche Beratung und Vertretung von Juden durch jüdische Konsulenten ausgeübt, die insbesondere ihre Auftraggeber vor allen Oerichten und Verwaltungsbehörden ihres Bezirks vertreten dürfen. Es ist in Aussicht genommen worden, in Leipzig 5 jüdische Konsulcnten zuzulassen; während einer Obergangszeit vom 1. bis 31, Dezember 1038 soll die Zahl mindestens 8 betragen Die jüdischen Kousulenten sollen aus der Zahl der am 3(1. November 1033 aus der Rechtsanwaltschaft ausscheidenden luden entnommen werden. Jüdische Rechtsanwälte können bis zum 3u. November 1938 wie bisher Mandate ohne j.de Beschränkung entgegennehmen; scheidet der beauftragte Rechtsanwall aus, ohne die Zulassung als jüdischer Konsulcnt zu erlangen, so Int er für Oberleitung der Sachen auf einen jüdischen Konsulenten zu sorgen, ohne dali dem Auftraggeber hierdurch Mehrkosten erwachsen. Gottesdienste Gemeindesynagoße. Freitag, II. 11. 1938, Abendgeb t 16.30 Uhr. Sonnabend, 12. II.. Morgengebet •) Uhr, Nachmittagsgebet 16.411 Uhr, anseht Lehrvortrag, Abendgebet 17.12 Uhr. — Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Svnagoge. Synagoge Ez Claim, O.to-Sehil-Straße. Freitag, 11. II. A1 endgebet 16.30 Uhr, anschließend Schrift-Erklärung von Herrn Rabbiner Dr. Ochs. Sonnabend, 12. 11., Morgengebet8.30 Uhr, Minchoh 16Uhr, anschließend Schukhan-Aruch-Erkl&rung von Herrn Rabbiner Dr. Ochs, Ausgang 17.12 Uhr. — Wochentags: morgens 7 Uhr, abds. 16.45 Uhr. Aus dem Gemeindeamt Verloren. Am Sonnabend, dem 29. Oktober, ist im Garten des Polnischen Konsulats ein kleines schwarzes Portuuoiiiuie mit Druckkuopf, enthaltend ca. 30 Mk., verloren worden. Der Finder wird gebeten, es bei Oemdnderabbiner Cohn, Walter-Blümel-Str. 10 III, abzugeben. Judisches Lehrhaus Englische Sprachkurse. Die in der letzten Nummer des Gcmeindebl.ittes angekündigten Lehrgänge beginnen eine Woche später, also ab 14. November. Die Meldefrist wird bis zum II. November verlängert. Sprechstunde des Herrn Dr. Neuniann am Dienstag, den 8. November, 12—1 und 3—4 Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Str. 10 II. Fortsetzung des praktischen Schulungskursus in Spanisch mit einer Gcsaintdauer von 21 Stunden — wöchentlich 2 Abende — I1/, stündig — hauptsächlich Gesprächs ü b u n g e n — Honorar RM. 6,—. Anfänger: a) Montags und Donnerstags l&L—HP 4 Uhr — Beginn: Donnerstag, 10. Nov. 1938, und Montag, 7. Nov. 1038; für Fortgeschrittene: h) Montags und Donnerstags 20'/2 bs 22 Uhr — Beginn: Montag, 7. Nov. 1038. und Donnerstag. Kl. Nov. 1038. Neue Bucher Eli L. Berkovits. Was ist der Talmud? [Bacher der Klärung und des Wissens Band II| Berlin 1038. Judischer Buchverlag Erwin Löwe. Zahlreiche Versuche sind in den letzten Jahrzehnten unternommen worden, um dem Verlangen von Menschen, die den Talmud nicht BUS eigenem Lernen kennen, nach einer lebendigen Vorstellung über dieses Werk entgegenzukommen. Mit Recht betont der Vert. dieser neuen ,.KIärungs"-Schrift, dali der Talmud kein Buch ist wie die vielen Tausende anderer Bücher; daß man ihn deshalb nicht „lesen" kann, sondern ihn ,,lernen" muß; er ist imgrunde überhaupt kein Stück des Schrifttums, obwohl er niedergeschrieben ist: nicht treffender kann seine Art charakterisiert werden, als Berkovits es tut, wenn er den Talmud als das „niedergeschriebene gesprochene Wort" bezeichnet. Damit sind in prägnantester Kürze tlie Schwierigkeiten begründet, die sich dem einfachen Lesen des Talmud entgegenstellen: man muß ihn sprechen und dabei bemüht sein, alles zu rekonstruieren, was bei der Niederschrift Verl ireu gehen mußte. Tonfall. Geste. Stimmung. Um dies alles zu können, ist eine liebevolle Beschäftigung mit dem Talmud voiinötcn. Eist bedauerlich, daß sie bei den Juden in Deutschland bis auf einen bescheidenen Rest geschwunden ist. Aber es ist so. Und das hat alle die Schriften hervorgerufen, die dazu verhellen sollen, wenigstens mit dem Wort einen Inhalt verknüpfen zu können. Der Verf. ist sieh durchaus dessen bewußt, daß mehr zu geben eine solche Arbeit nicht imstande ist. Aber was er gibt, ist doch ein tiefer Einblick in den gedanklichen und geschichtlichen Aufbau, in Methode, Thema und Inhalt des Talmud. Ausgang und Kern ist die Darlegung der Beziehung zwischen Talmud und Bibel, als der „mündlichen" zur „schriftlichen" Thora. Hierin zeigt er allerdings eine Betrachtungsweise, die sicherlich auf lebhaften Widerspruch stoßen wird. Berkovits erweitert nämlich den Namen „Talmud", womit landläufig die Niederschrift der mündlichen Kommentierung der Bibel bezeichnet wird, zu einem allgemeinen Begriff „Talmud". Nur dadurch kann er zu der Behauptung kommen, daß auch schon Mosche ein Talmudist gewesen sei, als er die von ihm übermittelte Lehre, ihre Anwendung auf Einzelfälle erläutern mußte. Dadurch soll die untrennbare Einheit zwischen dem gesamten Inhalt des Talmud mit der Urlehre des Judentums begründet, soll die von der nichtorthodoxen Richtung vertretene Auffassung widerlegt werden, daß im Talmud diel Entwicklung jüdischer Lehre ihren Niederschlag gefunden habe. Das Problematische seiner Anschauung glaubt er zu Überwinden, indem er der „Swara", der aut den Menschenverstand gegründeten Meinung „die gleiche verpflichtende Kraft, wie die am Sinai geoffenbarte Lehre" zuspricht. Auch seine Darlegung über das Verhältnis der Aggada zur Halacha, so geistreich sie auch ist, wird kein ungeteiltes Echo finden: nicht wenige werden es als gewagt erachten, Erzählungen der Bibel, wie die Bewirtung der Engel durch Abraham unter den Begriff der Aggada zu stellen. Wie aber auch immer man zu dem Grundsätzlichen stehen mag, die Schrift zeichnet sieh durch die unbedingte Klarbeil des Standpunkts und die geschickte Behandlung des Stoffes aus. Sie belegt die einzelnen Teiie durch gut gewählte] Beispiele, macht mit den Deutungsgrundsätzen bekannt, die die talmudischen Erörterungen bestimmen, gibt eine Obersicht über die Einteilung und die in den Traktaten behandelten Gebiete; es fehlt auch nicht eine Zeittafel, die die Entwicklung erkennen läßt. Durch all dies ist das kleine Buch so reichhaltig gestaltet, daß es seinen Zweck, zur Klärung beizutragen, nicht verfehlen wird. C. Haboneh. Sammelschrift des Habonim. Anläßlieh seines fünfjährigen Bestehens. Dem Andenken von Seew Orbach. Berlin 1038. Hechaluz-Verlag. Jüdischer Buchverlag und Buchvertrieb. Nicht nur für die Augehörigen des Bundes „Habonim", auch für jeden Juden, der sich mit den Problemen unserer Tage befaßt, ist es wichtig, die Entwicklungen der letzten Jahre nochmals zusammengefaßt in einem Überblick betrachten zu können, die dieser Zweig der Hechaluz-Bcwcgung erlebt hat. Mit lebhaftem Interesse erinnern wir uns beim Lesen dieser Sammelschrift der Vorgänger des Habonim, .seiner Anfänge und seiner Beiträge zum Aufbau von Erez Israel. Neben den verschiedenen Aufsätzen, die diesen geschichtlichen Weg beleuchten, stehen sehr lebendige Tagebuehaufzeichnungen „Aus dem Lande" aus der Zeit zwischen November 1036 und April 1937, die das Leben in Erez mit allen Sorgen und Hoffnungen festhalten. Die Lektüre der Sammclschrift kann aufs wärmste empfohlen werden. i lll'l I II — „Dapim", Heft 3, Hebräische Lese- und Lcrnhefte, herausgegeben von Dr. S. Kaleko. Das dritte Heft der „Dapim" ist soeben erschienen (Verlag der Jüdischen Rundschau, Buchverlag und Buchvertrieb). Es enthält neben einem Chronik-Teil und aktuellen Notizen aus dem jüdischen Leben eine Reihe von Aufsätzen, Erzählungen, Gedichten usw., wie „Zwei Helden" von Dawid Frischmaun, „Seefahrts-Haehscharah in Gdingen", „Hafenarbeiter" von J. Harari, „Im neuen Park" von Rabbi Jaakow, „Die Sage vom Chule-Tal" von Elkaua, „Die arbeitende Mutter" von Riwka, -Der Wächtcr-Scheik", „Auf dem Hole von Tel-Chai" von Asusclikin, Gedichte von Sch. Schalom, Jakob Cohn, Chananja Reichmann, Anekdoten über die hebräische Sprache sowie Aussprüche von Herzl, Ussischkin und Ben-Gurion. Bestellungen nimmt das Tarhuth-Dczcrnat der ZVfD., Berlin W15, Meinekestr. 10, entgegen. Zusendung, erfolgt gegen Voreinsendung des Betrages von RM. —,30 pro Heft, zuzüglich Porto. Bevorstehende Veranstaltungen 28. November 1038: Jüd. Kulturbund: Gastspiel der Berliner Kleinkunstbühne Max Ehrlich „Gemischfes Kompott". Konzert und Theater Kulturbund-Theater-Veranstaltung. Diesmal hat man im Kulturbund ein Lustspiel von gesundem Humor gehört, das beim Publikum begeisterte Aufnahme fand. Dafür, daß eine erstklassige Aufführung zu erwarten war, garantierten die Namen der mitwirkenden Schauspieler. Das Hamburger SchanspieV Ensemble brachte unter der tadellosen Regie von Arthur Hei Im er das Lustspiel „Arm wie eine Kirchenmaus" von Ladislaus F»>d >r in einem flotten Tempo heraus. Steffi Rosen bäum, die als Susi Sachs die Titelrolle spielte, war mit Leib und Seele dabei, sie gestaltete das Mädel überzeugend, das ein Dinner des dreigeteilten Hörnchens bitter durchkostet hatte, in ihrer Armut. Ihre temperamentvolle Spielart riß jeden mit in ihr Glücksempfinden und in ihre Traurigkeit. Fritz Melchior als Präsident Baron Ullrich gab glänzend den Businessinen, der seine persönlichen Gefühle dein Geschäft hintan stellt und erst in allerletzter Stunde sein Herz sprechen läßt. Julius Kobler als Schünzl verkörperte das echte Geschäfts¬ und Familienfaktotum. Graf Thalheim wurde von Leo Raphael!

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