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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-11-04 · 44 (4.11.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
44 (4.11.1938)
Date
1938-11-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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UND NACH RICHT EN BlATT DER 6EM El N DEVERWAL^ TÜNG DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG M6EMEUHT BDM SONDERBEAUFTRAGTEN DES REICHSMINISTERS 4. NOVEMBER 1938 10. CHESCHWAN 5699 14. JAHRGANG NUMMER 44 DANK! Es ist uns ein tief empfundenes Bedürfnis, allen denen, die in den letzten Tagen die Gemeinde bei der Erfüllung jüdischer Hilfspflicht in so aufopfernder Weise unterstützt haben, den einzelnen Gemeindemitgliedern wie den Organisationen, den* Bekannten wie den Unbekannten, unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Leipzig, den 1. 11. 1938. DER VORSTAND der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Die Bestände der Gemeindebücherei Von Dr. Sally Rabinowitz. Betritt nun das helle, freundliche Lesezimmer der Oenieindehücherei in dem ruhigen Gartengebäude des Synagogcngrundstücks Otto-Schill-Straße, wird man nicht vermuten, daß die bescheidenen Räume einen Bücherbestand bergen, hinreichend gehaltvoll, um den vielseitigsten Interessen lesebeflissener Mitglieder einer grölten jüdischen Gemeinde mit einschlägiger Literatur zu dienen, (iewift, eine Bibliothek von ca. 1000 Bänden ist für eine Gemeinde wie Leipzig nicht gerade überwältigend imposant, und tler Wissenschaftler, der zu seineu Studien entlegener Spez.iallitcratur oder geschlossener Zeit- Schriftenreihen bedarf, wird die Hilfe der großen Gemeinde- und Institut shibliothckcn im Reiche in Anspruch nehmen müssen. Wer aber in freiwilliger oder unfreiwilliger Muße lesen will, sei es Belehrendes oder Unterhaltendes, wird finden, daß die Reichhaltigkeit der Kartothek ihm die Wahl schwer macht, auch dann, wenn er den einen oder andern gesuchten Titel nicht darin findet. Übersichtlich nach Sachgebieten geordnet, gewährt die Kartothek Hinblick in das Vorhandeue, und die Aufteilung in drei Abteilungen: Jüdische Literatur in deutscher Sprache, Hebräische und jiddische Literatur, Deutsche Literatur, ermöglicht ein leichtes Zurechtfinden. Die wichtigste Abteilung ist die erste; sie bildete den Grundstock der Gemeindebücherei, wie sie Gemeinderabbiner Gustav Cohn in langen Jahren systematischen Sammeins mit bescheidensten Mitteln aufbaute. Sie ist nach folgenden Sachgebieten aufgeteilt: Nachschlagewerke und Lexica (darin: Jüd. Encyclopldk 1—in, jikl. Lexicon, Wininger, Natioualbiographie, die Lexica und Concordanzen von Gcscnius, Mandelkern, Lcvy, Fürst, Ben Jehttda, Kohut, u. a., Sammelwerke, Puhlikationsreihen der Jüd.-Litcrar.- Gesellschaft, des Vereins für Jüd. Geschichte und Literatur etc.) Geschichte und Biographie (eine umfangreiche Abteilung, die neben Gractz, Dubuow, Schürcr etc. eine ganze Zahl von Einzcluntersuchitngen enthält) Bibel (mit einer ebenfalls beträchtlichen Zahl von Textausgaben und jüdischen wie theologischen Kommentaren) Literaturgeschichte (Winter-Wünsche, Karpcles etc.) Gesamtausgaben und Festschriften (Mendelssohn, Lazarus, Riesscr etc.) Talmud (u. a. Goldschtnidt in 21 Bdn., Dikduke ssofrim) Mischna Midrasch Schulchan Aruch Zionismus Pädagogik Rechtsverhältnisse Palästina-Reisewerke Rasse I lebräische Philologie Semitische Archäologie Theologie, Philosophie, Mystik Musik Bildende Kunst Zeitschriften. Diese Abteilung wird abgeschlossen durch einen ansehnlichen, übersichtlich nach Autorcnalphabct geordneten Bestand an Jüdischer Belletristik in deutscher Sprache, welcher neben zahlreichen Romauen und Novellen auch Lyrik, Dramen und Jugendschriften enthält. Durch die Zusammenlegung der gemeindeeigenen Bestände mit der Zionistischen Bibliothek gelangten wir in den Besitz zweier wertvoller Gruppen an Literatur, die heute kaum mehr beschafft werden könnte, nämlich von Büchern in hebräischer und jiddischer Sprache. Auch diese ansehnlichen Abteilungen sind, ebenfalls im Autorenalphabet, separat aufgestellt und bieten eine vielseitige Fidle von Origiualwerken und Obersetzungen. Der hebräischen Gruppe, die auch geschlossene Zeitschriftenreihen enthält, wurde unter dem Stichwort ,,Bibel'' auch der Bestand an kommentierten (Hier Text- Drucken des Kanons in Gesamt- oder Einzelausgaben eingegliedert. Midlich haben wir, um dein verständlichen Bedürfnis nach Entspannung genügen zu können, auch einen großen Teil der Bestände in allgemeiner deutscher Literatur dem Lesepublikum zugänglich gemacht. Es sind Bücher aus den verschiedensten Gebieten der s.hünen und wissenschaftlichen Literatur, und die Einteilung in die (iruppen: Klassiker, Dramatisches, Lyrisches, Kunst, Uteraturgeschichte, Reisebeschreibungen, Wissenschaft, Jugcndsehriften, Untcrhaltungsliteiatur gewährt die Befriedigung jeder Geschmacksrichtung. In dieser Gruppe steht auch eine Abteilung englischer Belletristik, die den zahlreichen Engttschlernenden zur Vervollkommnung ihrer Sprachstudien willkommen sein dürfte. Den größten Teil dieser mehr als 1100 Titel umfassenden Gruppe verdanken wir den zahlreichen Zuwendungen Auswandernder, und fast täglich erhalten wir auf diesem Gebiete Zuwachs, den wir raschestens in den Ausleihebetrieb eingliedern. In der kurzen Zeit der öffentlichen Ausleihe konnten wir feststellen, wie wertvoll gerade in dieser Zeit ein reichlicher Bestand au sogenannter „leichter Literatur*' ist; auch mit der Menge der uns überlasscnen Noten konnten wir manchem Musikliebhaber Freude machen. Wir bitten darum Gcmcindenntglicder, die vor der Auswanderung oder dem Umzug stehen, ihre Bücher (welcher Art auch immer) und Noten, von denen sie sich trennen wollen oder müssen, der Gcmcindchüchcrci zu überlassen. Es ist nichts so unscheinbar und wertlos, daß es nicht noeii einen Interessenten fände. Und da wir nun schon einmal beim Bitten sind, zum Schluß noch folgendes: Es ist uns bekannt, daß aus den Beständen der Zionistischen Bibliothek sich in den Familien noch zahlt eiche Bände befinden, die aus irgend einem Grunde nicht zurückgegeben oder gar an Dritte weiterverliehcn wurden. I")iese Bücher, größtenteils jiddische und hebräische, fehlen uns schmerzlich und sind heute nicht wieder zu beschaffen. Es möge darum jeder seine Bücher daraufhin durchsehen, ob Werke mit dem Stempel der „Zionistischen Lesehalle und Bibliothek" darunter sind und die verlorenen Schäfchen uns wieder zustellen. Wir wollen keine moralisierende Betrachbing darüber anstellen, wie leicht gerade bei Büchern Nachlässigkeit und Schlamperei sich zu einfachem Diebstahl auswachsen; wir glauben vielmehr, daß dieser Appell geniigen wird, verstreutes jüdisches Gemeingut wieder an seinen Platz zurückzuführen. Pfundsammlung Oktober und Nowmberz Sonntag, 13. November

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