Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 41 (14.10.1938)
- Date
- 1938-10-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492399-5968792-5990732--449-4880701- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14. Oktober 1938 / Nr. 41 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG Seite 3 Die glückliche Geburt eines gebunden Jungen /eigen hocherfreut an Leipzig, d. 8 10.1938 Dr. Rudolf Neumann u. Frau V Stannehcinplatz 6 Eleonore ireb. Halle Unser Peter hat ein Brüderchen bekommen MICHAEL In dankbarer Freude Dr med Jacfc Heüczer und Frau Sabine Heliczer geb. Neuniann. Rom, Piazza-Barberini 47, den 5 Oktober 38. j f Statt Karten. Zu der am Schabbos, ttWOS rav den 22. Okt. 38 in der Ez Chaim Synagoge (Otto Schill-Str. stattfindenden mx?3 13 unseres Sohnes Joachim laden wir nur hierdurch Verwandte, Freunde und Bekannte herzlichst ein. B. Landesberg u. Frau Anna. geb. Kalfus. V KiddusJ; in der Wohnung, Pfaffcndorferstr. 18 III.__/ Statt Karten ' Zu der s.G.w. am Sonnabend, mtwoa nnt den 22. Okt. 1938 in der Synagoge Beth-Jehuda, Färberstraße stattfindenden mxn 13 unseres Sohnes Qerson, laden wir hierdurch Verwandte und Bekannte herzlichst ein. Jacob Hepner und Frau Elfriede geb. Lange J ==S v^Kiddusch: König-Joh.-Str. 30,11 r t^Kronprinzstr. Sl CLÄRE BADEN HEINRICH WYDRA Verlobte 15. 10. 38 Frankfurters« 1J Jüdische Sozialarbeiter-Tagung Die Reichsvcrtretung der Juden in Deutschland hat unter Leitung von Dr. Paul Eppstein und Dr. Georg Lubinski eine Sozialarbeiter-Tagung veranstaltet, an der mehr als 100 Mitarbeiter der jüdischen Körperschaften und Organisationen teilnahmen. Die Tagung galt dem Versuch, Richtlinien für die jüdische Sozialarbeit der nächsten Zukunft zu gewinnen. Den Rahmen dafür zeichnete Dr. Otto Hirsch in einem Vortrag über den Einsatz der organisatorischen und finanziellen Kräfte. Er wies nach, daß nur mit stärkster Konzentration der Kräfte eine ständig wachsende Aufgabe von einer dauernd sich vermindernden und an Leistungsfähigkeit verlierenden Gemeinschaft geleistet werden könne. In der Organisation, die, auf den Gemeinden aufbauend, Schritt für Schritt zentral ausgebaut worden und nun durch die Schaffung des Reichsvcrbandcs zu einem gewissen Abschluß gekommen sei, müßten auch die noch gebliebenen Lücken durch interne! Zusammenfassung von Verwaltungsstellen und durch engere Verbindung mit den jüdischen Organisationen ausgefüllt werden. Die finanzielle Grundlage müssen wie bisher die Gemeindebeiträge und freiwillige Abgaben, insbesondere auch von Auswanderern bilden, neben den Zuschußleistungen der ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen. Um die erforderliche Leistungssteigerung zu ermöglichen, wird daher zu einem Notopfer aufgerufen werden müssen. Das zweite Verhandlungsthema galt der Auswanderung in der Planung der jüdischen Sozialarbeit. Dr. Paul Eppstein berichtete über die trotz aller Schwierigkeiten noch erzielte Steigerung der Auswanderung in diesem Jahre, die hauptsächlich auf den Altreu- Transfer und die durch den Altreufonds bewilligten Darlehen au Minderbemittelte zurückzuführen ist. Die Konferenz von Evita scheine sich als eine Zäsur zwischen zwei Auswanderungsphasen darzustellen, deren zweite auf noch stärkerer Lenkung der Auswanderung beruhen dürfte. Es wurden dann die Voraussetzungen gekennzeichnet, unter denen durch eine Einwirkung auf die Einwanderungsländer die Auswanderung der Juden aus Deutschland im nächsten Jahre noch weiter gesteigert werden könne. In der Aussprache wurde insbesondere die Amerikawanderung, die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, die Frage der Gruppeuwanderung sowie die Zusammenarbeit der Fürsorgestellen mit den Wanderungsorganisationen erörtert. Dann behandelte Dr. Georg Lubinski die Einbeziehung der berufslos werdenden Personengruppen in die jüdische Sozialarbcit Er gab einen Überblick über die zum 1. Oktober zu erwartenden Auswirkungen des GewerlKverbots und des Berufsverbots für die Ärzte. Er erläuterte die Möglichkeiten einer Berufsumschieutting in kurzfristig erlernbare Berufe, um auch die Älteren auswanderungsfähig zu machen, legte aber dar, daß für eine erhebliche Anzahl der berufslos werdenden Personen und ihre Familien die soziale Fürsorge werde eintreten müssen. Für Jugendliche muß versucht werden, Ausbildungsplätze im Ausland zu gewinnen. In Deutschland selbst muß jede Gelegenheit praktischer Arbeitshilfe ausgenutzt werden. Verein Polnischer Kanfleute u. Gewerbetreibender e V., Leipzig, Ritterstraße 44 48 Achtung! Polnische Staatsbürger! Berichtigung! 1. Es haben sich zu registrieren alle Polnischen Staatsbürger im Alter von 17 bis 57 Jahren, unabhängig davon ob sie schon registriert sind oder nicht. 2. die Registrierung findet in unserem Sekretariat Ritterstr. 44/48 statt. l etzter Registrieniiißstertniii 31. Oktober 1938. Der Vorstand. Au diesen Vortrag schloß sich eine ausgedehnte Aussprache, in der ein Erfahrungsaustausch der Fürsorger stattfand. Dabei wurden ii. a. Fragen der Binnenwanderung und des Zuzugs, der Liquidation von Kleingemeinden, der Errichtung von Altershelmen erörtert. Am Freitagabend fand ein Zusammensein der Teilnehmer statt, bei dem Rabbiner Dr. Baeck in einer Ansprache eine Würdigung der Sozialarbeit und der Aufgaben der Sozialarbeiter gab. Die Teilnehmer der Tagung waren von dem Bewußtsein der Einsatznotwendigkeit tief durchdrungen und legten ein einmütiges Bekenntnis ihrer Bereitschaft dazu ab. In die Tagung fiel der Abschied voll Dr. Georg Lubinski, der nach Palästina auswandert. Alle Mitarbeiter brachten /um Ausdruck, was die jüdische Sozialarbeit in Deutschland, zumal in den letzten Jahren, Georg Lubinski verdankt. Seine Leistungen, vor allein auf den Gebieten der Berufsausbildung und der Wohlfahrtspflege, fanden ebenso dankbare Anerkennung wie seine Verdienste um die Gestaltung der gesamten jüdischen Sozialarbeit und dir inneren Beziehungen des Sozialarbeiters zu seinen besonderen Aufgaben in dieser Zeit. An die Sozialarbeiter-Tagung schloß sich eine Besprechung von Sonderfragen der Jüdischen Kredithilfe, an der unter Leitung von Dr. Paul Eppstein Sozialarbeiter und Leiter jüdischer Darlehnskassen teilnahmen. Auf Grund eines einleitenden Referates von Dr. Bruno Mendel söhn, Berlin, wurde insbesondere über die Aufgaben gesprochen, die sich auf dem Gebiete der Liquidationskredithilfe, der Wirtschaftshilfe und -fürsorge ergeben. Zum Tode von Prof. Emanuel Kirschner, München, s. A. Am 28. September d. J. schloß Prof. Emanuel Kirschner, der im Ruhestande lebende Oberkantor der Münchener Israelitischen KultUSgemeinde, seine gütigen Augen für immer. Welch unsagbar schmerzliche Lücke durch seinen Heimgang entstanden ist, haben die fühlenden jüdischen Zeitungen in ihren warmen Nachrufen zum Ausdruck gebracht. — Welch unersetzlichen Verlust sein Scheiden für seine Gemeinde München bedeutet, geht aus den innigen Worten hervor, mit denen sie Kirschuers Heimgang anzeigt. „Der Verblichene war ein begnadeter Vorbeter, der die Gemeinde mehr als 50 Jahre zu weihevoller Andacht geführt und als Vorsänger und Tondichter München zu einem Mittelpunkt jüdischen musikalischen Schaffens gemacht hat. Er war ein hervorragender, allverehrter Lehrer. Er war eine hochgebildete, vornehme, gütige Persönlichkeit, in der Herz und Geist, tiefe Frömmigkeit und künstlerische Gestaltungskraft zu einer wunderbaren Einheit verschmolzen waren. Er war die volkstümlichste und beliebteste Erscheinung in miserer Gemeinde. So wird sein Andenken bei uns fortleben." Vor zirka eineinhalb Jahren brachte unser Gcmcindchlalt (vgl. 13. Jahrg. Nr. 8) einen Artikel über Emanuel Kirschner anläßlich seines 80. (ieburtstages und gedachte darin seiner I lerzensgüte und Bescheidenheit, seiner tiefen Religiosität, seiner innersten Musikalität und seines seelenvollen Vortrages, der ihn hervorragend zu seinem heiligen Amte befähigte. In unserer üemeindesv nagogc ist Emanuel Kirschtier seit vielen Jahren kein Unbekannter; denn aus den vier Bänden seines svnagogalmusikalischen Lebenswerkes „Tehiilolh leel eljon" werden au Sabbaten und Feiertagen verschiedene seiner eminent jüdischen Kompositionen gesungen; es sei erinnert an PS.92 (aus Bd. 1 und 3), Keilttscha (aus Bd. 2 und 3), Ps. 93 (aus Bd. 3) um! „kapper chatoenu" (aus Bd. 4). So hat unsere Synagoge Emaituel Kirschiier in Einen gehalten und wird seiner nie vergessen, JBVit pnx -ot Das Andenken an diesen etilen Frommen wird zum Segen sein! Obcrkantor S. Lampe). Unsere Gemeinde IDer Jüdische Kulturbund Leipzig e.V. teilt uns mit: Jedes bis zum 1". Oktober 1038 neu eintretende Mitglied hat freien Eintritt zu unserer Theaterveranstaltung „Ann wie eine Kirchenmaus" am 20. Oktober 1938. Nähkursus des Jüdischen Frauenbundes. Der NihkurSUI des Jüdischen Frauenbundes läuft wieder ab Mittwoch, den 19. Oktober, jeweils von Montag bis IXmnerstag abends ab 20 Uhr im Sozialamt, Humboldtstr. 13. Meldungen werden daselbst entgegengenommen.