Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 38 (23.9.1938)
- Date
- 1938-09-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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23. September 1938 / Nr. 38 so mächtiger Widerstand erwachsen, der Weg ins I and der Väter für viele ein Opfergang werden würde! Wird das neue Jahr dort eine Pforte der Hoffnung öffnen, nachdem das alte so viele andre geschlossen hat? Die Antwort stellt bei dem, der die Herzen der .Wächtigen lenkt, Und eine stille, tiefe Freude muß es uns sein, daß die Pforten seines Reiches nur auf unser Pochen warten, die Tore lies Oebcts weit geöffnet sind, und wir droben mit UMeiH gerechten Anliegen nicht abgewiesen werden. Selten haben wir es so deutlich empfunden, was es heißt, sich nicht auf Menschen, nicht auf Fürsten *u verlassen, bei denen Keine Hilfe ist. Wir haben den großen Segen des Gebets, der Zwiesprache mit Oott. Wir können ihm darin alles anvertrauen, was unser Herz bedrückt, und auch) was wir nicht in Worte kleiden, kennt er. Wenn wir aber glauben, wir wären die ersten in unserii Nöten, dann brauchen wir nur in unser Machsor und unsere Sclichot zu blicken, um das grolle Gesetz unseres ganzen Weges zu begreifen: durch Prüfung zur Bewährung. Anstelle des Hauet sollen wir Owinu Malkenu beten: unsei Vater! unser König! Es verdankt seine eiste Einfuhrung jenein R. Akiba, der in seinem Leben soviel Freude in Gott gefunden hatte daß er zur Heiligung seines Namens sogar in seelischer Heiterkeit den Bekennertod auf sich nahm. Von solcher siegreichen Freude wollen wir alle uns anstrahlen lassen, und Kraft und Wärme in unsere Herzen aufnehmen. „Weinet nicht, trauert nicht; dieser Tag ist beilig dem Ewigen.'4 Leachono tauwo tikkossewu! Judische Gemeinde einst<?und jetzt Der Keren kejemeth lejisrael ruft zu einem Werke auf, das ein bleibendes Denkmal für die heute in der Auflösung begriffenen jüdischen Gemeinden Deutschlands werden soll. Fin großangelegter Plan will für jede einzelne Gemeinde ein Büd ihres gegenwärtigen Zustandet festhalten, ihrer Einrichtungen und ihrer Mitglieder; wi'I in großen Zügen ihre Entwicklung schildern, ihr Werden, ihre Blüte, die bedeutsamsten Etappen und Ereignisse ihrer Geschichte; will die Namen der heute noch in ihnen lebenden und wirkenden Personen verzeichnen und durch diese die Mittel schaffen, um m Erez Israel eine Siedlung erstehen zu lassen, die in al'e Zukunft Zeugnis für den Geist hinüberrcttcii sollen, der die jüdischen Gr-neinden Deutschlands kennzeichnet. In seiner literarisch-wissenschaftlichen wie in s-iner produktiven Zielsetzung verdient der Plan als eine systematische Fortführung vorhandener Ansätze jegliche Förderung. Zahlreiche Gemeinden haben schon bisher mehr oder weniger eingehende Darstellungen ihrer Geschichte in Schriften niedergelegt. Aneinandergereiht bilden die Arbeiten eine stattliche Bibliothek, in denen die gesamte Geschichte von Gemeinden oder die ein/einer Einrichtungen und Vorgänge behandelt werden. Erst in jüngster Zeit wiederum sind mehrere solcher Schriften veröffentlicht worden. In markanten Strichen zeichnet Jacob Peiscr die ..Geschichte der Synagogenge m e i n d e zu S t e 11 i n" (1935). Die Arbeit unternimmt wohl zum ersten Male den Versuch einer umfassenderen Behandlung der Entstehung und des Werdern dieser ISlft konstituierten Gemeinde und ihrer Einrichtungen. Hilter Verzicht auf eine geschlossene Dtrstellung verfolgt sie auf Grund eindringenden Studiums der Akten die Entwicklung auf all den mannigfaltigen einzelnen Aufgabengebieten und würdigt die führenden Persönlichkeiten, Vorsteher. Rabbiner unter ihnen Heinemann Vogelstein, einen der führenden Männer In der religiös-libei den Bewegung, und den jetzt in Berlin wirkenden Ma\ Wiener, der einen weithin sichtbaren Platz im religionswissenschaftlichen Schrifttum einnimmt und die anderen Beamten, wie die Tätigkeit der Wohlfahrtsanstalten und Vereine — Etwa zur gleichen Zeit entstand die heutige Gemeinde in s p c v e r. die allerdings an die vor mehr als 8(io Jahren beginnende Geschichte jüdischen Lebens in dieser Stadt anknüpfen kann: 1689 An die Juden in Deutschland? Zehntausende von luden verlassen das L'nd Viele jüdische Gemeinden in Deutschland sind in der Auflösung, Aber sie sollen nicht vergessen werden. Wir wofl n für kommende Geschlechter das Gedächtnis an diese lange und ereignisschwere Epoche ifidischer Entw icklung und auch an die I etzten. die sie abschlössen, b-wahren! An der Schwelle eines neuen jüdischen lahres ruft der Keren Kajemeth lejisrael zu einem schönen und großen Werk: Die luden Deutschlands und ihre Gcm-ind'H s 'Pen sich in ein „BUCH DER ERINNERUNG" SEEFR SIKARON eintragen und gleichzeitig damit die Mittel für dl«" Erlösung des Bodens schaffen, auf dem eine neue S'edhipg von Juden aus Deutschland in Ercz lisrael stehen s-,l| Sie wird den Namen ,.TEI SIKARON" SIEDII'N'G DES GEDENKENS tragen. Tel Sikaron — Siedlung des Gedenkens soll der Ausdruck einer gemeinsamen Kraftanstrengung sein, durch d'e Vergangenes bewahrt und Zugleich ein in die Zukunft weisendes Werk geschaffen wird Wir treten diesem Plan, der würdig in seiner Absicht und kraftvoll in seinem Ziel ist. fre>idig bei und machen iins die Forderung, d'e der Keren Kajemeth I ejisrad ans diesem Anlaß an die Juden Deutschlands richtet, zu eigen. REtCHSVFRBAND DI R JUDEN IV DEUTSCH'.AND I c o Bacrk Ott , Hirsch ZIONISTISCH! VEREINIGUNG F'R I H l 'TSCI |i \ND Benno Cohn Hans Friedcnth*! DER VORSTAND DIR Ii DISCIH N GEMEINDE ZH BERI IN Heinrich Stahl DER VORSTAND DER ISRAFI.fTISOHENRELIGIONSGEM1 INDE ZI I LEIPZIO Carl Goklscfimidt beim Brande von Speyer ereilte die alte Gemeinde das Verderben; um die Wende des 18 Jahrb. erstand sie wieder. Die bis jetzt noch nicht dargestellte Epoche der hcuEgcn Gemeinde ist Gegenstand einet von Reinhold Herz verfaßten ..Gedenk schrift", die sich gleichfalls, wenn auch in Zusammenhängender Behandlung, auf einen lebendigen Umriß beschränkt. Man spürt allerdings an dieser Schilderung, wie wenig noch an Resten der altchrwiirdigcn Vergangenheit geblieben ist: lediglieh die, auch in mehreren Handzeiclinungen skizzierte alte Mikweh und ein Stückchen Mauerrest der alten Synagoge des II. Jahrb. können noch gezeigt werden. Das Oemeindeleben der behandelten Periode steht durchaus im Zeichen des 10. Jahrb. Heben diese beiden Arbeiten insbesondere die Gemeinde persönlichkeiten heraus, so ist es den Herausgebern einer 1037 erschienenen MQnchener „Festga be" (Dr. Leo Bärwald und Dr. Ludwig Feucht w a n g c r) mehr um die innere Entwicklung der Gemeinde zu tun. Sie geht in ihren Anfängen in die Mitte des 18. lahrh. zurück und hat eine Entwicklung erlebt, ..die in mancherlei Beziehung typisch für die Judenheit in deutschen l anden genannt werden kann" Ihr soziologischer Werdegang, die Formen religiösen I ebens. die von sachkundiger Seite verfolgt werden, vermitteln äußerst interessante Einblicke, die auch Für das Verständnis der Geschichte anderer Gemeinden bedeutungsvoll sind - Eine spezialisierte Aufgabe stellt sich schließlich eine von Dr. Bruno Italiener (1037) herausgegebene „Festschrift": sie will die vor 20 Jahren erschienene Geschichte des Hamburger Teinpelverbandes fortsetzen. Sie gehl in wertvollen Beiträgen auf die gesamte 120jährige Geschichte des ..Tempels" ein, der .,Muttergemeinde der neuzeitlichen liidenheit", ist in wesentlichen Beiträgen dem Neubau des Gotteshauses und der liturgischen Weiterentwicklung gewidmet, fügt aber auch die Veröffentlichung wissenschaftlich bedeutender Dokumente bei (vor allem Briefe von Leopold Zunz an Immanuel Wohlwill). Gerade in ihrer Vielfalt werden diese Schriften zu zeitgeschichtlichen Zeugnissen von hohem Range. Sie sind alle von Abbildungen beHeitel. d;e die Kulturhge verlebendigen Die Synagogen in ihrer äußeren und inneren Gestaltung, die Ausschnitte ans den älteren und neueren Friedhöfen der einzelnen Gemeinden, das Kultgerät, die Porträts von Rabbinern und Vorstehern: das alles;sl so ungemein rharakteristUch in der Nebeneinanderstellung, kennzeichnend für <las eigene Gepräge der Gemeinden und »Eich immer wieder das Verbindende des Indischen vcrd"llt|iehcnd. Und in noch höherem Maße sind lie fesselnde Beiträge zur Zeichnung d -r inneren Kultur dieser Zeit, der religiösen Kämpfe in d -r ersten Hälfte <|,-s 10 Jahrb. der Indisch-politischen um den Zionismus seit vier Wende des 10. lahrh., «lieser Kämpfe, die wohl überall stattgefunden haben, aber in immer wechselnden Formen sich abspielten. Dadurch weidet! Schriften dieser Art zu Dokumenten von dauernder Bedeutung. Wie wertvoll s;e einer Nachw elt s'in werden, beleuchtet der Band der Scboekenbücherei von Kurt Wilhelm: Von jüdischer Gemeinde und Gemeinschaft (1038). Aiis OemeindebOchern, Satzungen und Verordnungen süul bezeichnende Stücke suspewähM und übersetzt, die uns über d:e inneren Zustände und die Funktionen der Gemeinden in früh Ten Jahrhunderten interessante Aufschlüsse vermitteln. Wir erleben beute einen Hefeinschneidenden Wandel in der Struktur unserer Gemeinden Den letzten Generationen zeigten sie sich vornehmlich als Organe zur Durchführung religiöser Finriehhingen: gegenwärtig jedoch sind in den Kreis ihrer Aufgaben auch die sozialen Belange in allen ihren Verzweigungen, Umschichtung. Wanderung usw. und das Schulwesen einbezogen Der Nkhhinterrichtete liest in der Sammlung von Wilhelm mit Verwunderung, «laß in früheren Jahrhunderten eine noch weit 'fößere Vielfalt jüdischer I ebensinteressen in den Bereich der Gemeinden bestellt war. KleHerordnungen. die bis in Finzeili-iten vorschrieben, wie die Frauen und wie die Männer gekleidet sein durften und weiche Kleidung zu tragen verboten war; Anordnungen Uber das Verhalten der jungen Mädchen auf den Straßen, über «Fe Berufstätigkeit der Frauen waren in die Machtvollk imm'enheit der Vorsteher gelegt Sie durften B«'schpi n klingen «ler Ehescheidungen bestimmen, verhängten Strafen über Streitsüchtige, gingen gegen diejenigen vor, die ihre Brüder öffentlich verspotteten; ihnen oblag «'s alles zu unternehmen, um das friedliehe Zusammenwirken und das würdevolle Verhalten der Angehörigen ihrer Gemeinde sicherzustellen. Nicht zu erwähnen braucht mau, daß s'c ihr Augenmerk auch auf die sorgfältigste Belehrung der lugend und auf die Treue gegenüber der jüdischen Lehre gerichtet hielten.