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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-08-19 · 33 (19.8.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
33 (19.8.1938)
Date
1938-08-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG 19. August 1038 / Nr. 3 Gemeindeanlage 1938 Die Qemeindesitzung hat am o. August 1038 die Qemeindeanlageordnung für das Rechnungsjahr 1(>S8 39 (1. April 1038 bis 31.März P>30) beschlossen. Wie schon mehrfach mitgeteilt, bleibt trotz der Wandlung der Rechtsform der Gemeinde die Pflicht aller Gemeindemitglieder /ur Bezahlung der Gemeindeanlage bestehen. — Es Ist>zu hoffen, daß in der heutigen Notzeit alle Gemeindemitglieder dieser Pflicht pünktlich nachkommen, so daß es der Genieiiulevorstand nicht nötig hat, von seinem Recht, auf gesetzlichem Wege rückständige Gemeindeanlagen beizutreiben, tiebrauch zu machen. Die Lage ist jedoch s/> ernst, dall schon heute darauf hingewiesen werden muß, daß der Gemeindevorstand von diesem Recht nach Maßgabe seine« Verantwortungsbewußtseins gegen die Gemeinschaft Gebrauch machen wird. — Die Gemeindeanlage 1938 beträgt 33" y° der Einkommen- bzw. Maßstabsteuer 1937, jedoch unter Berücksichtigung von Kinderermäßigungen. Sie ist am 15. September 1038 zur Zahlung fällig. — Gemäß § 5 der Gemeiiideanlagenordnung werden alle Gemeindemitglieder aufgefordert, in der Zeit vom 15. bis 31.; August 1038 ihre Einkommensteuerbescheide für das Jahr 1037 oder Lohnsteuerbescheinigungen ihrer Arbeitgeber für das Jahr 1037 dem Gemeindevorstand — Veranlagungsstelle — in Urschrift zur Kenntnisnahme einzusenden. Die Einkommenstcuerbescbeide werden sobald wie möglich den Qemeindemitgliedern durch die Post wieder zugestellt. — Soweit Genieindemitglieder ihre minderjährigen Kinder (Name, Geburtstag und Geburtsort) der Veranlagungsstelle noch nicht gemeldet haben, werden sie im eigenen Interesse ersucht, dieses schleunigst nachzuholen, da nur Kinderermäßigungen für gemeldete Kinder berücksichtigt werden können. — Die Gemeindcanlage 103S derjenigen Gemeindemitglieder, die innerhalb der Einreichungsfrist ihren Einkommensteuerbescheid 1037 nicht vorgelegt haben, wird in Höhe des Durchschnitts der Gemeindeanlagen 1036 und 1037 — ohne Berücksichtigung etwaiger Billigkeitsermäßigungeil gemäß § 15 der Steuerordnung vom 23. Dezember 1036 — festgesetzt. Dies gilt auch dann, wenn die Einreichungsfrist ohne Verschulden des Gemeindeanlagepflichtigen versäumt wurde, insbesondere wenn dieser vor Ablauf der Frist noch nicht im Besitz des Einkommensteuerbescheides 1037 war. — Die Genieindemitglieder haben jedoch jederzeit das Recht, gegen Einsendung des Einkommensteuerbescheides 1037 die Berichtigung des Gcmeindcanlagenbcschcidcs entsprechend der Einkommensteuer 1037 zu verlangen, ohne daß die Fälligkeit der Gemeindcanlage dadurch berührt wird. Wegen der zu erwartenden sehr starken Arbeitsbelastung für Gcmeindeanlagcn werden die Gemeindemitglieder gebeten, ihre Gemeindeanlagensachen, soweit nur irgend möglich, durch schriftliche Eingaben und nicht durch mündliche Rücksprachen zu erledigen. Leipzig, den 10. August 1038. Kenya In Verbindung mit den Beratungen in Evian hat bekanntlich der englische Lord Winterton auf die Erwägungen der englischen Stellen über Einwanderungsmöglichkeitcn in der britischen Kronkolonie Kenya hingewiesen. Seine Erklärung lautete: „DieRegierung Seiner britischen Majestät ermächtigt mich, der Konferenz von Evian mitzuteilen, daß Großbritannien bereit ist, den jüdischen Flüchtlingen aus Deutsehland und Osterreich Siedlungsraum größeren Umfangs in der Kronkolonie Kenya zur Verfügung zu stellen." Angesichts dieser Mitteilungen ist das Interesse für dieses Gebiet erneut wachgerufen uoiden. Kenya liegt an der Ostküste Afrikas, zum größten Teile im (iebiet des Äquators. Es grenzt an Uganda, jenes Gebiet, das schon vor 35 Jahren von der britischen Regierung zur Besiedlung mit Juden vorgeschlagen worden ist. Beide Kolonien Zusammen haben eine Fläche von 010000 qkm und eine Einwohnerzahl von nur rund 7 300000. Kenya allein hat eine Fliehe von 583 000 qkm, liegt zwischen 4Grad nördlicher und 4 Grad südlicher Breiie. (Wir entnehmen die nachstehenden Ausführungen dem KorretpondenzbL des Hilfsvereins „Jüd. Auswanderung" vom Herbst 1037.) „Trotz seiner Lage am Äquator ist Kenya infolge seiner geographischen und klimatischen Verhältnisse für Siedlungszwecke wohl geeignet. Das Hochland, das für Ansicdlung nur in ("rage kommt, liegt 1500 bis 3000 in über dem Meeresspiegel. Das tropische Küstenland und das trockene an die Somali grenze stoßende (iebiet kommt für Siedlung nicht in Betracht. Einige große Gebirgsketten, die Hohen zwischen 4—5000 in erreichen, übe)lagen das Hochland, unter ihnen auch der 5200 m hohe Kenya, nach dem die Kolonie ihren Namen hat. Dieser Berg ist auf seinem Gipfel ständig mit Eis und Schnee bedeckt und hat für die Umgebung, ebenso wie die anderen Berge des Landes, die Funktion eines Regenbrinjger». Das Klima im Hochland von Kenya ist gut und hat Regen Wind und Sonnenschein, abweichend von dein anderer tropischei Länder. Im allgemeinen ist die Luft gesund und trocken. Die heißeste Jahreszeit herrscht von Dezember bis März. Der Februar ist der heißeste Monat im Jahr. Er hat eine durchschnittliche maximale Temperatur von ca. 28 °C und durchschnittliche minimale Temperatur von 8"C. Eine Besonderheit bilden im Februar und März, den heißesten Monaten im Jahre, um die Mittagszeit 1—2 Stunden andauernde leichte Winde. Die Regenzeit dauert in den meisten Gebieten des Hochlandes von März bis Mai, in welcher Zeit Regenfälle von 30" ( — 760 mm) bis 70" (= 1700 mm) zu verzeichnen sind. Im Hochland herrscht bis August die kalte Jahreszeit, mit ausgesprochenen kalten Nächten. Der September stellt ungefähr den l'rühlingsbegiun dar, während von Oktober bis Januar wilde tropische Regen herrschen. Auch in der heißesten Jahreszeit kommen Regenfälle vor. — Das Land, hat somit große Niederschläge, die sich auf das ganze Jahr verteilen. Infolge der guten klimatischen Verhältnisse ist das Hochland von Kenya ganz besonders als Siedlungsgebiet für Europäer geeignet. Die sonst in Afrika häufigen gesundheitlichen Schwierigkeiten treten hier nicht auf, was besonders das gute Gedeihen der heranwachsenden Jugend fördert. Tropciikrankhciten, wie Dysenterie und Typhus kommen kaum vor, Malaria nur vereinzelt und in ganz, leichter Form. Das Land ist frei von Tuberkulose. Auch für ältere Leute ist das Klima günstig. Kenya hat etwa 3 Millionen Eingeborene und etwa 170WMEuropäcr. Erwähnenswert Ist aber noch das indische und arabische Element mit 33000 und 12 000 Köpfen, die besonders im Küstengebiet ansässig sind. Die Eingeborenen leben größtenteils in Eingeborenen-Reservaten und beschäftigen sich in der Hauptsache mit Viehzucht und neuerdings auch mit Ackerbau. Sie nehmen zwar Dienst bei den Farmern an, doch tritt zuweilen während der Erntezeit Arbeitermangel auf. Es sind gute brauchbare Arbeiter. Die eingeborene Bevölkerung ist größtenteils heidnisch; in den Küstengebieten ist der mohammedanische Glaube vorherrschend. Die Hauptsprache der Eingeborenen ist Suaheli. Die Gesamtzahl der Juden in Kenya dürfte 250 nicht übersteigen. Die Gemeinde in Nairobi, 1904 gegründet, zählt etwa 200 Seelen. Einzelne Juden leben in Mombassa, Eldorct und Nakurt:, ferner auf dem Lande verstreut als Farmer. Die Entwicklung der Kolonie Kenya datiert erst 30 Jahre zurück. Sie begann mit dem Bau der Ugandabahn, und zwar in solchem Umfange, daß gesagt werden könnte, Kenya sei durch den Bau der Bahn nicht nur erschlossen, sondern überhaupt erst geschaffen worden. Heute ist das Eisenbahnnetz. Kenyas sehr gut ausgebaut. Sämtliche Eisenbahnlinien Kenyas und Ugandas werden ausschließlich von der Verwaltung der Kenya and Uganda Railways and Harbours betrieben, die außerdem die Dampferlinien auf dem Victoria-See und dem Kioga-See aufrecht erhält, sowie auf dem Albert-See. Das ganze Land ist von zahlreichen Autostraßen durchzogen, die in der trockenen Jahreszeit überallhin befahrbar sind. In der Regenzeit kommen freilich nur die Kunststraßen für den Autoverkehr in Betracht, deren Zahl im Augenblick noch gering ist, die aber im Aufbau begriffen sind. Mombassa mit Kilindini ist der Haimthafcn und hat einen beachtlichen Schiffsverkehr. Die Schiffe fast aller seefahrenden Nationen legen dort an. Die wirtschaftliche Entwicklung während der letzten Jahre wird dadurch gekennzeichnet, daß 1031 noch ein Defizit von JL 150000 vorhanden war, das 1032 auf £110000 gesenkt werden konnte, während im darauffolgenden Etatsjahr nicht nur ein Ausgleich erfolgen, sondern sogar ein Überschuß von U U 000 erreicht werden konnte Auch der Etat der Eisenbahn, der 1032 ein IX-fizit von '£ 551 000 aufwies, konnte im Jahre 1035 bereits eine Reserve von ±,346000 aufweisen. | : Die Zahlen über die Ausfuhr der beiden letzten Jahre weisen eine ungewöhnlich hohe Steigerung auf, aber auch die Einfuhr ist gewachsen. IX-r Warenumschlag ist bereits im Jahre 1036, für das noch keine abschließenden Zahlen vorliegen, wiederum um ungefähr 20"/o gegen das Vorjahr gestiegen." Ausgabe der Synagogenkarten Die Erneuerung der Synagogenkarten findet vom 15. August bis 9. September 1938 in der Zeit von 9,30—12,30 Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straße 10' statt. Karten, die nicht rechtzeitig abgeholt sind, werden anderweit vergeben. Eine schriftliche Erinnerung erfolgt nicht- Leipzig, den 5. August 1938. Der Vorstand der israelititischen Religionsgemeinde zu Leipzig

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