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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-08-05 · 31 (5.8.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
31 (5.8.1938)
Date
1938-08-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG 5. August 1038 I Nr. II Unverkennbar bestand das Verlangen nach einer solchen; immer neue Anlaufe wurden genommen. Aber die ein/einen Gruppen konnten sich nicht zu der Erkenntnis durchringen, daß eine Kette nicht hergestellt werden kann, ohne daß die einzelnen Glieder zu gegenseitigen Zugeständnissen bereit sind. Wer das Ganze will, muß auch die Entschlußkraft zu gewissen Opfern aufbringen; Opfern gewiß nicht an eigenen Grundsätzen, aber an dem Verlangen, daß sie alleingültig im Ganzen herrschen müssen. Nur die Angst vor der Schwäche der eigenen Parteiprinzipien verhindert es, daJI man sich in gemeinsamen Belangen mit denen zu gemeinsamem Wirken verbindet, die abweichende Gedanken vertreten; wer sich stark fühlt in seiner grundsätzlichen Auffassung, braucht sich nicht zu scheuen, sich mit Andersdenkenden zusammenzusetzen, um das ZU ermöglichen, was nur mit vereinten Kräften verwirklicht wenden kann. Es ist ein schwieriger Weggewesen, der nun endlich zum Reichs - verband der Juden in Deutschland geführt hat. Gewaltige Aufgaben wird er zu lösen haben. Es obliegt ihm einerseits die Durchführung der planmäßigen Auswanderung mit all der Fülle von einzelnen Maßnahmen, die sie bedingt: die geistige, seelische tuui materielle Ausrüstung, die Schaffung und Ausnutzung von Einwanderungsmöglichkeften, die Bereitstellung der Mittel. Und in gleicher Weise wird er auf die Erhaltung der für die Gemeinden unerläßlichen Einrichtungen bedacht sein müssen, um die religiösen und sozialen Belange der Juden sicherzustellen, deren Auswanderung noch nicht vollzogen werden konnte. Das sind Aufgaben von einem ungeheuren Ausmaß. Sie werden nur dann bewältigt werden können, wenn der neue Verband von einem wahrhaften Einhcitswillen aller Gruppen und — aller einzelnen Juden getragen sein wird. Wenn wir Juden uns an traurige Begebenheiten unserer Geschichte erinnern, dann immer nicht lediglich, um sie der Vergessenheit zu entreißen, sondern in dem Willen, zu erkennen, was sie unf heutige Juden lehren: die Zwietracht in der belagerten Stadt hat zum Untergang des Tempels und des jüdischen: Gemeinwesens geführt. Nur Einigkeit kann zum Ziele einer Sicherung unserer Zukunft führen. Vielzuviel ist gesündigt worden; durch kleinliche Selbstsucht, durch untätiges Beiseitestehen, und mehr noch: durch Verhinderung des so dringenden Ausgleiches. Wollten wenigstens alle, alle sich dazu aufschwingen, mit allen ihren Kräften, den geistigen und den materiellen, dem Zusammenschluß zu dienen. Es darf keinen Juden geben, der nur an sich denkt und nicht auch an alle die anderen: Jeder, aber auch jeder hat die Pflicht, von dem Seinigen nach seinem Vermögen beizusteuern, um zur Erhaltung des Ganzen beizutragen. Es darf keine jüdische Gruppe geben, die im Rahmen des Reichsverbandes nur auf Sonderinteressen bedacht ist Es geht um die Zukunft aller Juden, die heute noch in Deutschland leben. Rabb. Gustav Cohn Dr. P. J. Kobn 60 Jahre. Am 5. August d. J. vollendet Dr. Pinchas Jakob Kolin das 60. Lebensjahr. Weite Kreise unserer Gemeinde, die in ihm ihren Lehrer und Freund verehren, oder ihn aus seiner Tätigkeit als Mitglied des orthodoxen RabbiBats kennen, werden diesen Tag zum Anlaß nehmen, ihm ihre herzlichsten Wünsche entgegen zu bringen; ist doch in ihm vor allem durch seine Wirksamkeit an der jüdischen Schule seit deren Begründung, — also durch eine Arbeit von mehr als einem Vierteljahrhundert — ein Stück jüdischen Gcmeindclcbens in Leipzig verkörpert. Jetzt sind es schon Generationen von Schülern und Schülerinnen, die bei ihm ihr jüdisches Wissen erworben und vertieft haben. Er vermag wie wenig Lehrer aus einem überreichet eigenen Wissen zu schöpfen, erworl>cu in der Jugend und ohne Unterlaß bereichert durch nie unterbrochene eigene wissenschaftliche Arbeit. Zeuge dessen — seine Herausgabc des halachischen Riesenwerkes ,,Chasaka Rahba" nach dem Manuskript des Verfaß sers |a L. Kroch, S.A., eine Arbeit, die ohne seine umfassende Kenntnis der gesamten halachischen Literatur einfach unmöglich wäre. Dieses Werk, ebenso wie seine anderen literarischen Arbeiten, vor allem auch seine Mitarbeit an jüdischen Sammelwerken, haben ihn weit über unsere Gemeinde hinaus bekannt gemacht. Um aber seine Persönlichkeit würdigen zu können, muß man ihn bei seinen Bücherschätzen gesehen haben, über diese seine Lieblinge sich mit ihm unterhalten haben, muß die immer optimistische Lebensauffassung und nicht zu vergessen den übersprudelnden geistreichen Humor dieses Mannes auf sich haben wirken lassen. Auen an dieser Stelle, wo er auch des öfteren zu Worte gekommen ist, seien ihm die herzlichsten Glückwunsche ausgesprochen. Mögen ihm noch viele Jahre des Glücks im Kreise seiner Familie vergönnt sein. O. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Freitag. 12. 8. 1018, Abendgebet 19 Uhr mit Predigt. Sonnabend, 13. 8., Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 10.50 Uhr, anschließend Lehrvortrag, Abendgebet 20.23 Uhr.— Gottesdienst an Werktagen in der Fz-Cliaim-Synagoge. Synagoge „Ohcl Jakob", Pfaffendorfer Str. 4. Freitag. 12.8., Abendg. 10.15 Uhr. Sabbat, 13. 8„ Morgeng. 8.30 Uhr, Minchag. 17 Uhr, AlK-mlg. 20.23 Uhr. Wochentags: Morgeng. 7 Uhr, Abendg. 10.15 Uhr. Synugngc Ez Chaim, Otfo-Schill-Straße. Freitag, 12. 8, Abendg. 19 Uhr. Sonnabend, 13.8., Morgtng. 8.30 Uhr, Minchoh 17 Uhr, anschließend Schulchan-Aruch-Erklärung von Herrn Rabb Dr. Ochs. Ausgang 20.28 Uhr. Wochentags: Morgeng. 7 Uhr, Abend gehet 19 Uhr. Talmud-Thora-Synagoge, Keilstr. 4. Sonnabend, 6. 8., Aus gang 20.39 Uhr. Sonntag, 7.8. (Tisch'oh b'aw), Morgevgebel 7Uhr, MUMM 19.30 Uhr. Freitag, 12. 8., abends» 19 Uhr. Sonnabend früh 8.30 Uhr, Mindia 17 Uhr, anschließend Mischnajit. Ausgang 20.2t Uhr. Wochentags, früh 7 Uhr, anschließend Mischnajit, abends IQ Uhr, anschließend Chajc-odom. Personenstandsnachrichten O e bu rt e n: 27. Juni 1938 Rudolf Naumann und Frau Charlotte geb. Heina Eberhardstr. 11, einen Sohn „Heinz". 17. Juli 1938 Jakob Lepski und Frau Debora geb. Stisson, Springer straße 16, einen Sohn. B a r in i z w a: Sonnabend, 13. August 1938, Martin Rolf Kralovitz, Sohn des Herrn Max Kralovitz und Frau Martha geb. Burgheim, Frcgestr. 22, in der Gemeindesynagoge. Sonnabend, 13. August 1933, Adolf Hacker, Sohn des Herrn Abi Hick^i und IJraU Mali geb. Rosenberg, Frankfurter Str. 19, in der Qemeindesynagoge. Trauung: Sonntag, 14. August 1938, 4 Uhr nachmittags, Fräulein Leonorv Holzsäger, Oststr. 28, mit Herrn Erich Sobelmann, Dresdnci Straße 32 III, in der Wohnung, Dresdner Str. 32. Todesfälle: 22. Juli 1938 Rafael Mohr, Leibnizstr. 11. 23. Juli 1938 Moszko Danckier, Blücherstr. 47. 24. Juli 1938 Chaje Mecheze Dubiner, Schönhausenstr. 11. 28. Juli 1938: Fradel Fcigel Fanny Rosdeutscher, Frankfurter Str. 6. 29. Juli 1938: Beila Scharf, Berliner Str. 60. Bevorstehende Veranstaltungen S.August: Zion. Ortsverband: Vortrag Dr. Hans Capcll-Berliu übet Weizmann und Jabotinsky. 11. August: Jüdischer Kulturbund: „Die bunten Drei". H.August: Großes Leichtathlctiksportfest auf dem B.K.-Platz. 21.August: Jugcndfußballturnicr des Bar Kochba-Leip/ig. 25. August: Jüd. Kulturbund: Konzert. Mitwirkende: Paula Salomou Lindberg, am Flügel: Erna Klein, Halina Schulsinger. 29. August: K.A.E.: Messeabend. Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) Dem großen Leichtathletik-Sportfest des Schild war nicht nu. strahlende Sonne, sondern sogar eine neue Sportbund-Bcstleistunj; im Sechskampf beschieden, die der Fürther Rafael von 3295 au' 3397,20 Punkte verbesserte und womit er sich damit aim besten Ath letcn des Tages qualifizierte, denn in den1 6 notwendigen Kämpfen wurde er allein fünffacher Sieger. Lediglich im Kugelstoßen mußte er sich den hiesigen Wasserlauf und Wulff beugen, die ihn mit ihren 10,88 bzw. 10,65 m auf dert 3. Platz verwiesen. Die 100 DI durchlief er in der ganz hervorragenden einwandfreien Zeit voa 11,1 Sek., wodurch auch für Kauber und Nathan 11,4 und 11,9Sei gestoppt werden konnten, und im 800 in-Lauf siegte er mit einen ganz fabelhaften Endspurt in 2,16 Min. vor Bartfeld in 2,22. De i Hochsprung riß er mit 1,58 in von Sternhcim mit 1,53 m an siel, und im Weitsprung wurde er mit 5,95 in Erster, wobei Wasscrlai f und Nathan auf 5,64 und 5,48 in kamen. Im Diskuswurf setzte > r sich mit 28,90 vor Farber und Wulff mit 28 und 27,25 in; letzter-r gewann außerdem den Weitsprung der Alten Herren mit 4,41 11 und das bereits erwähnte Kugelstoßen. Beim Speerwerfen machusich ein sehr heftiger Gegenwind bemerkbar, wodurch Wasscrla f und Sternheini nur auf 39,10 und 38,60 in kamen. Bei den Fraui i landeten Pcssel und Krakauer im 100 m-Lauf mit 14 Sek. im tob B Rennen; ersterc holte sich dafür den Weitsprung) mit 4,31 m, Und Inge Cohn wurde dreifache Siegerin im Diskuswurf (26,93 m), i B Kugelstoßen (9,30 in) und im Speerwurf (25,90 in). Verliältnismäß .,' bessere Resultate erzielte wiederum die Jugend, so sprang Ru-ii Ehrlich 5,67 m weit, Salo Holzer warf den Speer 37,80 in; Schlesinge r und Ullrich Cohn wurden mit 1,49 und 1,41 m Hochsprungsieg'r ihrer Klasse; Max Frankel gewann, diesmal allerdingsi sehr knap;>, seinen 100 m-Lauf in 12,2 Sek. vor Kalter. Anneliese Sachs sctv'e sich im Weitsprung mit 4,17 in gerade noch I cm vor Ruth Roseiibaum, Gideon Neinann (Jgd. C) schaffte hierbei 4,95i in; der kleine Bartfcid gewann seinen 50 m-Lauf in 8,1 Sek. und den Schlagba Iweitwurf, in welchem F'ritz Cohn in der höh. Gruppe die ganz respektable Weite von 61,30 m erzielte. Die 4 mal 100 m-Staffeln d« Herren und der Jugend fielen mit 49 bzw. 51 Sek. au den hiesigen B.K.; Schild mußte seines falschen Wechsels wegen bereits back dem Vorlauf ausgeschlossen werden; für die Meisterschaft in Köln also noch tüchtig üben, meine Herren!! I lans Weißenstein verteilte die IXplome und Preise, und es war seiner unermüdlichen Vorarbeit zu verdanken, daß dieses Sportfest mit seinen fast 200 Teilnehmern und annähernd 500 Meldungen wiederum eine solch glatte und harmonische Abwicklung erfuhr.

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