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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-06-24 · 25 (24.6.1938) · p. [Seite]

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MODKHBG UND NACHWCHTENELAIT DER GEMEIN DEVERWAL^ 1UNG DE R ISRAELIT) SCH EN RELIGIONS6 EM El N DE ZU LEIPZIG ABGEMELDET BEIM SONDERBEAUFTRAGTEN OES REICHSMINISTERS 24. JUNI 1938 25. SIWAN 5698 14. JAHRGANG NUMMER 25 R. Samuel Mohilewer Vor vierzig Jahren, am 10. Siwan 5658, starb in Bialystok R, Samuel M o Ii i I c w e r, einer der ersten unter den tatkräftigen Förderern der Palästinabcsiedlung. 1824 in Glubokoje bei Wilna geboren, entwickelte er sich zu einem bedeutenden Talniudisten, darin die Tradition einer durch rabbinischc Gelehrsamkeit ausgezeichneten Familie fortsetzend, die 22 Geschlechter von Rabbinern und Thoragrößen aufzuweisen hatte. Er selbst versah das Rabbineramt in seiner Heimatstadt, später in Suwalki, Radom und seit 1883 in Bialvstok und zählte, besonders seit seiner Tätigkeit in dieser Stadt, weithin zu den bedeutendsten rahbinischen Autoritäten seiner Zeit. IXis durch die Vorgänge des Jahres 1881 in Rußland nach einer Lösung drängende Judcnproblem führte ihn in das Lager der Palästinafrc inde. Der Gedanke einer neuen Besiedlung Palästinas durch Juden hatte schon seit 1810 immer wieder die um die Zukunft der Juden besorgten Geister bewegt. Wenig bekannt ist, daß Männer wie Moritz Steinschneider — später berühmt geworden als der Vater der jüdischen Bibliographie — schon 183b als Student in Prag einen Verein begründet hat, der die Wiederherstellung der jüdischen Unabhängigkeit als sein Programm formulierte. Zwei Angehörige dieses Kreises interessierten Ende 1840 Adolphe Cremieux für das von ihnen ausgearbeitete Projekt der Gründung einer jiulischen Kolonie in Palästina. Durch ihn gelangte der Plan zu Moses Montefiore. Etwa zur gleichen Zeit hatte sich auch die von Dr. Fürst in Leipzig begründete und geleitete Zeitschrift „Der Orient", damals weit verbreitet und sehr geachtet, wiederholt mit der Erörterung der Wiederaufrichtung eines jüdischen Palästina befallt. Steinschneider, der sich 1841 nach Berlin begeben hatte, hatte auch dort einen Verein von Studierenden mit den gleichen Bestrebungen begründet, unter dessen rührigen Mitgliedern auch Samuel Krifteller — 1882 bis ISO« Präsident des IXutsch-lsraelitischcn Gemeindebundes — besonders hervortrat. Alle diese Bestrebungen hatten wohl keinerlei praktische Ergebnisse, waren aber Ausdruck einer Gesinnungsrichtung. die unter dem Aspekt der allgemeinpolitischen Entwicklung im Orient die jahrhundertelang bewahrte rein-religiöse Zionsschnsucht in ein jüdisch-politisches Fahrwasser zu steuern begann. Die Diskussion der Frage, einmal eingeleitet, kam auch in den nächsten Jahrzehnten nicht zur Ruhe. In Konferenzen, Büchern und Zeitschriftenaufsätzen wurden immer wieder Pläne vorgelegt und untersucht: zur Aufnahme praktischer Arbeit kam es erst in den achtziger Jahren üurcli die Chibat-Zion-Bcwcgung in Rußland. Die Flucht Tausender von Juden aus Rullland, die alle den Wiek auf Amerika gerichtet hielten, ließ eine Reihe bedeutender Schriftsteller — wie David Gordon, Smolcnskin, Lilienblum, Rabinowitz u. a. — ihre Stimme zugunsten einer Kolonisation Palästinas erheben. In den größeren Gemeinden Rußlands, in Suwalki, Petersburg, Wilna, Charkow, Minsk u. a., entstanden Vereinigungen, die die Verwirklichung dieses Rufes erstrebten. Es ist ein Beweis für die Selbständigkeit des Denkens und den persönlichen Mut, daß Samuel Mohilewer mit wenigen anderen orthodoxen Rabbinern sich dieser Bewegung anschloß, obwohl die Orthodoxie im allgemeinen sich von ihr fernhielt. Aber er begnügte sich nicht mit Zustimmung*« äußerungen, sondern setzte sich mit seiner ganzen Persönlichkeit für sie ein. Er gründete die erste Chowewe-Zion-Vereinigung in Warschau; er reiste 1882 im Auftrage der Organisation in die westlichen Länder, um für sie zu werben und besonders auch in Paris den Baron Edmund von Rothschild für die Palästina-Kolonisation zu gewinnen. Diesem warmen Einsatz war Erfolg beschieden. Es kam zur Gründung dtT Kolonien „Ekron" und „Rischon le Zinn-'. Die 1878 von Juden aus Jaffa und Jerusalem begründete, aber ständig mit größten Schwierigkeiten kämpfende Kolonie „Petach tikwah" konnte erst jetzt zu gesunden Verhältnissen gelangen. Durch solche sichtbaren Ergebnisse seiner Arbeit hatte sich Mohilewer in die erste Reihe der Palästinafreunde gestellt und übte dadurch weitreichenden Einfluß auf die Entwicklung der Bewegung: er gehörte mit Dr. Pinsker zu den Einberufern der „Kattowitzer Konferenz" (1884) und war eine ihrer markantesten Erscheinungen. Auch an der Gründung des „Odessaer Komitees" (1800), der leitenden Körperschaft der Chowewc Zion, war er maßgeblich beteiligt. 1800 gründete er auch eine weitere Kolonie in Palästina: „Rechowolh". Als die zionistische Bewegung sich entfaltete, gehörte Mohilewer zu den ersten, die sich ihr anschlössen: auch er sah in Flerzl den Führer, der berufen war, den Gedanken, für den sich die ChoWewe Zion seh:>n lange einsetzten, auf breitester Grundlage weiterzuführen: „Der greise Führer sah voller Freude, daß die heilige Arbeit, der er sich hingegeben hatte, in andere treue Hände gi'legt war, und mit ehrfürchtiger Genugtuung begrüßte er den ersten Zionistenkongreß." Mit Theodor Herzl verband ihn aufrichtige Freundschaft. Anfänglich tat die Ausbreitung der zionistischen Bewegung der Chibat-Zion-Bewegung Abbruch; dann aber wurde ihre praktische- Siedlungslcistung vom Zionismus erkannt und anerkannt, so daß sie noch längere Zeit für die Kolonisation wirksam tätig sein konnte. R. Samuel Mohilewers letzte Förderung der zionistischen Bestrebungen war seine Unterzeichnung des Rundschreibens zugunsten der „Jewish Colonial Bank". — Seinen Namen trägt die Kwu/.ah ,.(ian Schmuet". e. Dr. Sally Rabinowitz: Die jüdischen Schildburger. Menschliche Einfalt und Dummheit dem Gelächter preiszugeben, isl eine behagliche, lohnende und gern geübte Tätigkeit, und 13 mag es wenige Sprachen und Literaturen geben, welche nicht jene lächerlichen Geschichten und Stichclschwänke kenneu, die wir als „Schildbürgereien" bezeichnen. Mit dem Anschein glaubhaftesten Ernstes verden diese Geschichten auf irgendeine Stadt lokalisiert, und weder das Alxlera des klassischen Altertums, noch die zahlreichen Schauplätze des deutschen Motivkreises, ebensowenig wie etwa die Madt Tarascon in Südfrankreich wissen, woher ihnen der zweifelhafte Ruhm erblüht ist, von Narren bewohnt zu sein. Auch der ostjudische Kulturkreis bat seine Schildbürger, und es ist besonders interessant zu betrichten, wie in diesen Geschichten von den „C hel-;ner Naronini" ein uraltes, allgemein menschliches Motiv im indischen Milieu eine Färbung von ausgesprochener Eigenart gewinnt. „Chehner Naronini" — auch hier läßt sieh nicht feststellen, weiche Kräfte gerade die Stadt Chehn ins Scheinwerferlicht des Spottes gerückt haben. Chefan, eine Stadt in der Woiwodschaft Lublin, ist eine durchaus achtbare ehrwürdige K tri IIa, eine der ältesten in Polen. Sie führt ihre Qeschlchte zurück auf das Jahr 1492 und große Gelehrte und Rabbiner, wie der berühmte TalmilMSt P. Samuel Elieser Edels, den man unter dem Namen „Maharscha" kennt, haben in ihr gewirkt. Das alles hat nichts geholfen, >dic Chehner vor dem Ehrentitel „Naronini" (d. i. das deutsche W ort „Narr" mit hebräischer Pluralendung) zu bewahren, und ein richtiger Chcltner wird auf die Frage eines Fremden, woher er stamme, nie uals antworten: „Aus Chelm", sondern in weiser Voraussicht allen Schlußfolgerungen die Spitze abbrechen, indem er auf sotane Frage, nicht ohne Resignation, erwidert: „Gut, gut, seid I Ii r ein Chochoml?" Die Geschichten von den „Chehner Naronim" lassen sich in zwei Gruppen teilen, in diejenigen, die aus dem Motivkreis der deutschen Schildbürgergeschichten stammen, und diejenigen, die im indischen Osten aus eigenem Volkstum neu entstanden Sind. I rstere an-

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