Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 20 (20.5.1938)
- Date
- 1938-05-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite -4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT LE1PZIO 20. Mai 1938 / Nr. 20 [Pcrscnenstandsnachrichten Todesfälle: 7. Mai Laura Stückgold, Berlin W. in Mai 1938 Adolf Strauß, Norderneyer Weg 22b. Bevorstehende Veranstaltungen 22. Mai: Rundenspiele im Fußu. Handball BK.-Berlin - BK.-Leipzig. 25. Mai: Unterhaltungsabend von Leipziger jüd. Künstlern mit Tanz. 28. Mai: 21.15 Uhr: „Idl niit'n I idl" (Erster jüd Spielfilm). 10. Mai: 19 und 21.15 Uhr: „Idl mifn I idl-. »I.Mai: 19 und 21.15 Uhr: „Idl init'n I idl". 16. Juni: Jüd. Kulturbund: Gastspiel <.ii- Hamburger Kulturbundtheaters: „Delila", Lustspiel von Molnar. Neue Bücher Roherl Prechtl: Titanenstur/. Roman eines Zeitalters. Wien Leipzig [U'jT] (Saturn-Verlag). Vor etwa 26 Jahren wurde die Welt durch den Untergang der „Titanic", des stolzen Schiffes, das auf seiner Jungfernfahrt mit einem ungeheuren Eisberg zusammengestoßen war, in Erregung gesetzt. Der Dichter sieht die ganze schwere Fülle von Menscnenschicksalen, die durch diesen erschütternden Vorgang eine jähe Wandlung erfahren. Er erlebt, in seiner Vorstellung, was alle die Hunderte, die sieh diesem Schiffe anvertraut halten, an Planen und Wünschen, an Sorgen und Leidenschaften bewegte, während sie in diesen lagen auf dem neuesten und großartigsten Schiffe Amerika zustrebten. Aber ihm bedeutet gerade diese Fahrt noch weit Tieferes: Titanenhaft sollte das Meisterwerk moderner Schiffstechnik für den rriumph des Meusehen über die Natur /engen; und Titanen, Machthaber der amerikanischen Wirtschaft, waren unter seinen Fahrgästen, Meusehen. ilie in ihrem Inn Machterfolge von beispiellosem Ausmaße aufwiesen und unermüdlich daran arbeiteten, weiter /u wachsen, die unermeßliche Größe, die ihnen ihre Unternehmungen verliehen, /u erweitern, Menschen, die den Oedanken, daß ihrer Macht Orenzen gesetzt sein könnten, weit von sieh wiesen. So ist diese Katastrophe symbolisch für ein Zeitalter des Hochmuts, der sieh auf Reichtum Mut/n-, auf die technischen Errungenschaften menschlichen Geistes, der sieh selbst vergottete und verächtlich auf Zeiten und Verhältnisse blickte, in denen Meusehen in Demut vor dem Höheren sieh beugten. Diese künstlerische Schau ließ ein gedanklieh und dichterisch wahrhaft groliartiges W erk entstehen. I.- gibt Gelegenheit, Probleme über Probleme aufzurollen, weltanschauliche, wirtschaftliche, allgemein menschliche und einzelne Menschen oder Menschengruppen berührende (auch mit dem Zionismus befallt sieh eine interessante Auseinandersetzung). Tiefstes, was Meusehen bewegt, kulturelle Entwicklungen und Ausblicke werden von einer hohen Warte aus beleuchtet, immer, auch wo sieh Widerspruch geltend macht, pakkend und /um Nachsinnen anregend. Alles in einer wunderbaren Formulierung, die den ästhetischen Genuß /um geistigen fugt, und in einer steten Steigerung, bis zu einer Höhe, die den Atem anhalten läßt. (ian/ unübertrefflich, in einer schlichten Echtheit, einer treuen Wahrhaftigkeit jene Minuten, da die greisen Eheleute Benjamin und Rebekka Strauli die Frau hatte sieh geweigert, ohne den (iatten das Rettungsboot zu besteigen sieh auf den Tod bereiteten. Wahre menschliche Größe wird offenbar, vorhandene oder erst wachsende; sie zeigt sieh bei Durchgeistigten und bei Einfachen und wirkt um so überzeugender, wo sie erst zur Entfaltung kommt, Wie etwa bei dein „König Astor". l ud wo daneben auch Kleine und Elende in ihrer Schwache und I rbärmlichkeit gezeigt werden. Alles in allem: ein bedeutsames, wertvolles Buch. (i. <-. Vier/ig Jahre „Israelitisches Familienblatt". \\ ei etwa die 41) Hände „Israelitisches Familienblatt", die seit 18 18 erschienen sind, gesammelt nebeneinanderstellen hätte — es durfte, abgesehen von Bibliotheken, kaum eine vollständige Peilte in einer Hand ZU finden sein , der wurde ein wichtiges Dokument für die Geschichte der Juden in bedeutungsvollen Jahrzehnten besitzen: sie enthalten nicht nur ein treue- Abbild der Vorgänge im jüdischen Leben der Gemeinden in Deutschland und in aller W elt, der jüdischen Bewegungen religiöser und politischer Art aller Richtungen, sondern verzeichnen auch die geistige Entwicklung dieses Zeitabschnittes: Was dem „Familienblatt" schnell seinen Wang in der jüdischen Presse verschafft und sein Ansehen all die Jahre hindurch bewahrt hat, ist die ausgezeichnete Organisation des Mitarbeiterstabes, die es ermöglichte, die besten Köpfe aus allen jüdischen lagern für Beiträge ZU allen bedeutsamen jüdischen tragen ZU gewinnen. So darf der Verlag mit berechtigtem stolz das vierzigjährige Bestehen feiern: Die Jubiläumsausgabe legt Zeugnis dafür ab. ■sie vereinigt wiederum neben den das Jubiläum unmittelbar angehenden Aufsätzen eine Reihe gediegener Betrachtungen, die zu jülen Fragen unserer läge zurück und vorwärts schauend Stellung nehmen, (lerne geben auch wir an dieser Melle der Ober- /■ i ung Ausdruck, dal! Verlag und Redaktion des ,,| amilienblatt" in n in Zukunft dieses Organ judischen Lebens mit vollem Erfolge handhaben, seinen großen Leserkreis über die Vorgänge auf allen Gebieten jüdischer Wirklichkeit in Leben und Wissenschalt interessieren werden. Meta Samson: Spatz macht sich. Illustrationen von L Szkolny. Berlin l'u.s. (Philo Jüdischer Buchverlag.) Qebunden WM. Das Buch von Meta Samson „'spat/ macht sich" könnte zum l ntcrtitel haben: „Jüdisches Kind in diese: Zeit". Denn es schildert ini.l das ist sein besonderer Wei/ das Zcitcrlehcil aus der Kinderperspektive. Spat/ ist das jüngste von drei Kindern, ein kleiner Nachkömmling, von dem ständig neckenden Bruder so genannt, weil sie „frech, vorlaut und immer da ist, wenn man sie nicht braucht". Also, Spat/ erlebt, daß die grolle Schwester nach Amerika, der Iiiuder nach Palästina auswandert. In den Trennungsschmerz mischt sich das naive Empfinden, nun „MUtters Große" zu sein. Spatz erlebt das Provisorium im häuslichen Leben vieler jüdischer Meusehen; die Müller gibt die Wohnung auf, drückt sich in einer Pension herum, in der das Kind als Störenfried empfunden wird, versucht es dann mit einem Leerzimmer in einer Teilwohnuug, aber die Beengtheit führt /um "Konflikt /wischen der Berufsarbeit der Mutter und dem Spieltrieb des Kindes. Sie ziehen in eine Klektstwohltung, klein aber mein, das Kind ist zu viel sieh selbst überlassen. Spatz erlebt ilie Trennung von ihrem liebsten Spielgefährten, der auswandert. Die Auswirkungen aller dieser äußeren Geschehnisse auf den inneren Werdegang lies Kindes werden fesselnd und lebendig geschildert. Wirklichkeitsnahe ist der besondere Vorzug dieses Buches, Die Menschen und die Verhältnisse, von denen erzählt wird, sind uns allen wohlbekannt. Man könnte fast glauben, den kleinen Spatz persönlich zu kennen, so wohlvertraiit ist uns dieser Typ, dem wir vor allem im Berliner Westen so häufig begegnen. Spatz hat alle Vorzüge und alle I ehlcr eines bestimmten jüdischen Kindertyps. Sic ist ein anschmiegendes Mutterkindchen, warmherzig, eine zärtliche Puppenmutter, voll Gemeinschaftssinn, intelligent, phantasie- und ideenreich, aber auch voll Geltungsbedürfnis, ehrgeizig, von schwer zu /ugelnder Lebhaftigkeit. Köstlich ist die Schilderung des Kindergeburtstages, au dem die erlebnishungrige Kinderschar kritisch und gleichzeitig aufnahiuebereit allem Gebotenen gegenübersteht. Das Buch ist ein durchaus jüdisches Kinderbuch, nicht nur durch die Charakteristik der Meusehen, sondern auch durch Milieuschilderung. Erfreulich ist, dali das Jüdische dieses Buches als ungezwungene, tendenziöse Selbstverständlichkeit vorhanden ist, nicht, wie es oft geschieht, künstlich aufgepfropft ist. Hin gutes Kinderbuch muß gleichzeitig auch ein „Elternbuch" sein. Meta Samsons Buch ist ein wertvoller Beitrag zur Kinderpsychologie, daher soll es auch den Erwachsenen, die noch eine Erziehungsaufgabe haben, ganz warm empfohlen sein. Nicht jede .Wutler, ilie im Lebenskampf stellt, ist in dieser übernervösen Zeit so geduldig, so verständnisvoll, so lebensweise wie Spatzens Mutter. Meta Samson ist für ihr au vielen Weilen reiches Buch, das auch durch die guten Zeichnungen von Szkolny eine vortreffliche Belebung erfährt, guter Erfolg ZU wünschen. E. C. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, lieft 2, 1938. Ist der Offenbarungsglaube mit dem heutigen Weltbilde vereinbar? Einen Beitrag zur Lösung dieser auch für uns Juden sehr bedeutungsvollen Frage liefert Maus Joachim Schoeps im neuesten Helte der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, indem er die Lehre des Schweizer Philosophen Heinrich Harth eingehend darstellt, der in Weiterführung der Existen/ialplülosophic den Offcnbariiiigsglaubcn rechtfertigt und dadurch uns Juden eine positive Haltung /ur Off dir barungslehre erleichtert, wie sie /ii Beginn der Emanzipationszeit namentlich Steinheim eingenommen hat. Gleichfalls an einen weiten Kreis gebildeter, nicht nur wissenschaftlich interessierter, Leser w endet sich der Aufsatz eines Zagreber Naturwissenschaftlers über die Geschichte der Pharmazie bei den Juden, der /um ersten Mab die Verdienste der Juden um dieses Fach zusammenfassend nachweist. Allgemeine Beachtung verdient auch der Bericht Bernhard Hellers, des zugleich rouiauistisch und judaistisch geschulten Forschen, über die Stellung bedeutender französischer Denker, wie Pascal und Diderot, zum Judentum au der Hand neuerer Arbeiten. Man abonniert ilie „Monatsschrift", indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissensehaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von Kl. Mk. au die Gesellschaft (Postscheckkonto Berlin Nr. 7(11(1) sendet. Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) Der letzte Sonnlag stand im Zeichen der Lciclilathlctik-Eröffnungssportfeste des Deutschen Makkabikrciscs und wurde ein solches natürlich auch hier von selten der Jugend vor allein mit restloser Begeisterung durchgeführt, weil ein großer teil der Senioren durch auswärtige ruß- und Handballspiele verhindert war. t rotz der bisher immerhin noch geringen I rainingsmöglichkeit brachte dieser Tag schon einige recht beachtliche I erstungen. E. Nomis (Jahrg. 20 21) sprang 1,53 m hoch, S. Holzer lief lim in in 12,6 Sek., Krämer benötigte für die 800 m 2,25,1 Miii. und Braun schließlich stieß die Kugil 10,92 m. Verhältnismäßig noch besser schnitt der tiefer rangierende Jahrg. 22 23 ab, denn A. Kalter brauchte für die 100 in nur 0,2 Sek. mehr w ie Hölzer und lief dazu die 8(MI m in 2,27,1 Min. Beim Jahrg. 24 25 ist der Weitsprung von Czudkowitz mit 4,48 m schon recht beachtlich, so wie der Ballw eitw urf des I i jährigen Bartfeld mit 67,70 m. Wuih Goldstein (Jahrg. 22/23) lief ihre 100 m in 14,3 Sek. und B. l uchs bewältigte in der gleichen Gruppe eine Sprunghöhe von 1,23 m. Bei den Senioren stieß Wasserlauf die Kugel immerhin schon Iii, in m und Sternheim, der Verantwortliche dieses Meetings, kam im Weitsprung auf 5,(J() m.