Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 13 (1.4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JODISCHES OEM EIN DEBLATT LE1PZ10 1. April 1938 / Nr. 13 Wir erlösen das Galill Seit den Apriltagen des Jahres 1936 ist Palästina nicht zur Ruhe gekommen. Der arabische Terror und die Ungewißheit hinsichtlich der politischen Entwicklung haben in gleicher Weise störentl auf das normale Leben des jüdischen Jischuw gewirkt. So paradox es angesichts der Tatsache, daß Juden immer noch das Opfer arabischer Überfälle werden, klingen mag, — nicht der arabische Angriff ist die Gefahr, sondern die Ungewißheit über die zukünftige Entwicklung. In dieser Situation sind die nationalen Institutionen die Garanten für den Fortgang der Arbeit. Ihre Tätigkeit ist unabhängig von dem Wechsel der Konjunkturen und einzig und allein bedingt durch die nationale Aufbaunotwendigkeit. Die Tätigkeit des Keren Kajcmeth Lejisrael hat in den letzten Monaten an politischem Gewicht gewonnen. Im Lichte der politischen Ereignisse gewinnt die Bodenfrage immer zentraleren Bedeutung. Die Stellungnahme zum Teilungsplan ist letzthin die Frage, welcher Kaum für die jüdische Kolonisation zur Verfügung steht. Das Hauptbüro des KKL. und die Executive der tewish Agencv waren sich übereinstimmend darüber klar, daß odenerwerb in allen Teilen des Landes eine zwingende politische Notwendigkeit ist. Führen wir ihn jetzt entschlossen durch, so bestimmen wir damit die Grenzen des jüdischen Palästina. Damit wird auch die politische Bedeutung der Aktion klar, zu der wir jetzt wiederum die Juden in Deutschland aufrufen: „Erlösung des Bodens in Galiläa". 2530000 Dunam, davon 1220000 unmittelbar für landwirtschaftliche Kolonisation, der übrige Teil forstwirtschaftlich nutzbar, Wasserreichtum durch natürliche und künstliche Bewässerung, Platz für weitere 300000 Menschen, Frau Margarete Heine gestorben. Zum Tode der Frau Margarete Heine. Mit Erschütterung haben die I reunde, mit aufrichtiger Trauer weite Kreise der Gemeinde die Kunde von dein Heimgänge der Frau Margarete Heine aufgenommen Nur ganz wenigen war bekannt, daß ihre Gesundheit schon seit Jahren schwer angegriffen war. so daß ihr allzu frühes Hinscheiden ganz unerwartet kam. In Frau Margarete Heine ist ein Mensch von starker eigener Prägung und hoher menschlicher Bedeutung dahingegangen, eine mit sicherem Urteil begabte Frau, die das als notwendig und recht Erkannte mit starkem Willen verfolgte. Mit der Familie erleidet auch unsere israelitische Rcligionsgemcmde durch ihren Heimgang einen kaum ersetzbaren Verlust. Als eine großzügige Förderin hat Frau Heine die gemeindlichen Einrichtungen der Wohlfahrt, aber auch eine Fülle von Hilfsorganisationen verständnisvoll und tatkräftig gestützt. Mancher lebensnotwendige Plan «.in ohne diese ihre Hilfe nie zur Verwirklichung gelangt. Aber auch die Hilferufe vieler Einzelner drangen an ihr Herz und fanden Erfüllung. Was diese ihre Stützende Bereitschaft besonders wertvoll machte, war die in ihr sich zeigende Verbindung von warmer Gcbcfreudigkeit mit prüfender Obcrlegtheit. Dadurch wurde sie nicht selten auch richtungweisend fiir die Art der Hilfe. So stand sie, obwohl sie in seltensten Fallen persönlich in Erscheinung trat, doch *tds mit dem Einsatz ihres Herzens und Verstandes hinter ihrer Gabe. Sollten die Einrichtungen aufgezählt werden, die Frau Margarete Heine für solche Hille Dank wissen, so kirne dies wohl einem Aneinanderreihen fast aller in unserer Gemeinde bestehenden I IrganisatJonen gleich. So hat die Heimgegangene durch ihr Wirker und die l ulle von Segen, die es bedeutet hat, ihren Namen in der Gemeinde unvergeßlich gemacht. Unsere Gemeinde. Teilnahme an Scderfeiem. Es ist im jüdischen Hause eine altgeheiligte Sitte, ilie jederzeit geübte Gastfreundschaft ganz besonders hei den Scderfcfern zu bewähren, wie ja auch im Beginne der Haggada der Hausherr zur Teilnahme an der Feier einlädt. Wiederholt haben Gemeindemitglieder dieser ihrer Bereitschaft nicht gern.';; können, weil sie nicht den rechten Gast für ihren Tisch gefunden hatten \\ i< such mehrfach alleinstehende Gemcindcmitglieder vergeblich auf Teilnahme an einer Sederfeier gehofft hatten. Um beidl in Rechnung zu tragen, ergeht au diejenigen, die an den Sederabenden Gaste zu haben wünschen, wie an alleinstehende minnliche oder weibliche Oemeindemttglieder jeden Alters, die zu einem Sederabend geladen werden mochten, die Aufforderung, sich möglichst bald schriftlich bei Herrn Paul Gelberg, Leibnizstraße 4, zu melden. Dil Haushaltungsschulc des Sozialamtes veranstaltete in den letzten zwei Wochen je eine praktische und theoretische Prüfung. Die Schülerinnen hatten selbständig eine Aufgabe im Kochen und in der Hausarbeil /u erledigen. Sie zeigten dabei mit gutein Gelingen, was -i' .m Lauft eines Jahres unter sachverständiger und zielbewußter Leitung gelernt hatten. Auch die theoretische Prüfung verlief zur Zufriedenheit. Am Freitag, den 25. 3., wurden die Schülerinnen entlassen. Der neue Kursus beginnt nach den Osterferieu. Beginn der Kurse des Sozialamtes. Die dem Sozialamt unterstellenden Kurse beginnen zu den nachstehend angegebenen Termini n: Feinmechaniker-Kurs am Montag, den 4. April 1938, inoij.iN 'l Flu; s,, |, | (,s s e r-Kurs am Montag, den I.April 1938, morgens 8 Uhr; Tischler-Kurs am Montag, den I.April 1938, morgens 8 Uhr; Gärtnerische Vorlehre am Montag, den 4. April 1938, rens 8 Uhr; Haushattachule am Montag, den 2. Mai 1938, mordavon für 37000 Familien, die ausschließlich in der Landwirtschaft Platz fassen könnten! Der Boden in Galiläa kann erworben werden. Aus allen Kreisen der arabischen Bevölkerung kommen Verkaufsangebote. Sic haben ihren Grund in der Verarmung der arabischen Bodenbesitzer infolge der Unruhen und in der politischen Ungewißheit, die bei ihnen Sorge um die Zukunft erweckt. Bei den Bemühungen um den Bodenerwerb in diesem Gebiet hat der KKL. als der verantwortliche Träger der Bodenpolitik der Jewish Agency in der ICA. und dem Africa-Palestine Invcstents Co. Bundesgenossen gefunden, die seine Aktionsfähigkeit erheblich stärken. Der Kampf um den Boden von Galiläa ist politisch gesehen ein Kampf um die Grenzen des zukünftigen Judenstaates. Die Mittel für den Bodcnerwerb sind nur durch eine planmäßige Sammelaktion und eine Mithilfe aller Juden aufzubringen! Dunkle Wolken ziehen sich über der Gallith zusammen, und die Welt wird für das jüdische Volk immer enger. In Erez Israel, als dem einzigen Ort der Erde, hat es die Chance, ein ungünstiges Schicksal zum Besseren zu wenden. Das Wissen hierum gibt der zionistischen Bewegung immer wieder die Kraft, sich freudig um die Fahne einer bess.rcn Zukunft zu sammeln und die Fähigkeit, einer an Schwierigkeiten reichen Gegenwart gegenüber zu bestehen. Wir sprechen von nüchternen Dingen - fordern Geld und wollen Boden! Aber dahinter steht unsere große Vision von einem jüdischen Leben in Freiheit im eigenen Staate in Erez Israel. Jeder Dunam ist ein Baustein für das Haus jüdischer Freiheit. Daran werden wir die Juden in Deutschland erinnern, wenn wir zu Pessach, dem Feste der Erinnerung an unsere Befreiung aus Mizrajim, an sie herantreten! (Aus den KK 1 ..-Informationsblättern 5698, Nr. 4.) gens 8 Uhr; K i nd er pf legerinnen-Kurs am Montag, den 2. Mai 1938, morgens 8 Uhr. Nachricht des Sozialamtes. Wir weisen darauf hin, daß der von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland herausgegebene Wegweiser „Vor der Berufswahl" käuflich zum Preise von 10 Pfg. im Sozialamt der israel. Rcligionsgemcindc zu Leipzig zu erwerben ist. Wir empfehlen allen Schulentlassenen und deren Eltern, sich dieses Büchlein anzuschaffen. Nachricht des Sozialamtes. Das Sozialamt beginnt nach den Osterferieu in den Räumen der Haushaltungsschule einen einjährigen Kursus zur Ausbildung von Kinderpflegerinnen. Vorbedingung für die Aufnahme sind genügende hauswirtschaftliche Kenntnisse. Einige Anmeldungen zu diesem Kursus können noch im Sozialamt entgegengenommen werden. Amtliche Bekanntmachungen Betriebe unter Aufsicht des orthodoxen Gemcinderabbinats. I. Ganzjährige Aufsicht: a) Fleischereien: Sally Löh, Ranstädter Steinweg 7 Jacob Schußheim, Plaucnschc Straße 3/5. b) Backwaren: Salomon Lotrowski, Berliner Straße 13, Selig Scheinowitz, Gerberstraße 10 und Kcilstr. 9, Schmeidler, Nordstraße 25 und Frankfurter Straße 11. c) Speisehäuser: Chmelnitzky, Rcichsstraße 22, Manelis, Nikolaistraßc 36. Die von den beiden Vorgenannten ausgeführten Festlichkeiten stehen auch außerhalb ihrer Speisehäuser unter der rituellen Aufsicht unseres Gemcinderabbinats. II. Zu Pessach stehen unter Aufsicht: a) Kolonial Warengeschäfte: Josef Beer, Kcilstr. 2; L. Berggrün, Nordstr. 1; R. Berliner, Nordstr. 21; K. Bienenstock, Wettiner Str. 13; S. Feiher, Nordstr. 41; E. Diamant, Humboldtstraße 26; Moritz Forschirm, Walter-Blümel-Str. 1311; J Gaidelmann, Kaust. Steinweg 911; F. Grünberg, Gcrherstr. 00; S. Jamschon, Jakobstr. 15; (j. Katz, Thomasiusstr. 131; R. Katzmann, Humboldtstr. 12a; Ch. Krämer, Frankfurter Str. 6; Ernestine Marcus, Raiist. Steinweg 33; E. Miodownik, Nordstr. 49; B. Wetzer, Jakobstr. 15; A. Tomarkin, Fregcttr. 23. b) Kaffee und Tee: W.Stern, Lilienstraße 27; E.Marcus, Ranstädter Steinweg 33; nur Wein: G. Katz, Thomasiusstraße 13. c) Selterswasser eigener Fabrikation und Wein in Originalfüllungen der Firma W. Beruhard-Berlin: A. Weigler, Wittcnbergcr Str. 19. d) Das Großhandelsgeschäft von J. Tempel, Blücherstraße 6/8; im Einzelverkauf sind dort Waren nicht erhältlich. Leipzig, den 1. März 1938. Der Vorstand der israelitischen Religiousgemeinde zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Freitag, 8. 4. 38, Abendgebet 19 Uhr mit Predigt. Sonnabend, 9. 4. 38, Morgengebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 1905 Uhr, anschließend Lehrvortrag, Abendgebet 19.35 Uhr. Gottesdienst au Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Synagoge Ez Chaim, Otto-Schill-Str. Freitag, I. April, Abendgebet 18.90 Uhr. Sonnabend, 2. 4., Morgengebet 8 30 Uhr, Minchoh 17 Uhr, Ausgang 19.39 Uhr. Wochentag: Morgens 7 Uhr, abends 19 Uhr. Talmud-Thora-Synagoge, Kcilstr. 4. Freitag, 8. 4., abends 18.45 Uhr. Sonnabend früh 8.30 Uhr, Mincha 17 Uhr, anschließend Misch-