Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 10 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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iJlfflEMlIil TUN6 PER tSRAEUTISCHEN REUGI0NS6EMBNPEZU LEIPZIG ABGEMELDET BEIM SONDERBEAUFTRAGTEN DES REICHSMINISTERS 11. MÄRZ 1938 / 8. AD AR II. 5698 14. JAHRGANG / NUMMER 10 Gustav Cohn; Esther in der jüdischen Legende. Der Legende bedient sich das jüdische Volkshewußtsein, um der Verehrung und der Liehe für eine geschichtliche Gestalt einen verklärenden Ausdruck zu verleihen. Es fehlt gewiß auch nicht an der Sage, die sich, ohne in der erdichteten Erzählung einen religiösen Unterton mitschwingen zu lassen, um Lehen und Taten der jüdischen Heroen rankf. Es liegt aber im Wesen aller jüdischen Lebciisbctr.ichtung, daß die Legende überwiegt, jenes Rankenwerk, das nicht nur die Wirklichkeit der Großen vergangener Zeiten mit einem uchmükkenden < tewand umkleidet, sondern ihr Wesen und ihr Tun zugleich auch ans der Beleuchtung der Alltagsmciischcu heraushebt. Die jüdische Denkweise, die ja in allein Geschehen göttliches Wirken sieht, zeigt solche Persönlichkeiten als Werkzeuge höherer Bestimmung, ais iioten göttlichen Willens. Wenn sie Wege gewiesen, Erkenntnisse gewonnen, wenn sie in die Geschicke des judischen Volkes fördernd eingegriffen haben, - sie taten es, weil ihnen im göttlichen Weisheitsplan die Aufgabe zugewiesen, die Kräfte verliehen, die Eigenschaften eingeprägt worden sind, die sie ihren Platz so ausfüllen UeBen, wie es zum Besten des jüdischen Daseins geschehen mußte. Zu den Gestalten, denen das Herz der Juden gehört, zählt auch Esther. Es tauchten auch schon in alten Zeiten Zweifel in der Bewertung dieser Frau auf, die nicht zögerte, Gattin des heidnischen Ehrsten zu werden. Aber sie vermochten nicht, ihr Bild zu trüben: die Treue, die sie ihrem Volke wahrte, und die Selbstentäußerung, mit der sie sie bewährte, überwog alles, was au Bedenken ihrem Verhalten entgegengestellt werden konnte. Sie war und blieb die Erau, die bereit war, sich mit ihrem Leben für ihr Volk einzusetzen, die ihre persönliche Sonderstellung nicht hinderte, die Not ihres Volkes als eigene zu empfinden, die mit klugem Bedacht über die Wege nachsann, wie sie ihren Brüdern und Schwestern zu Hilfe kommen könne, und die nicht zögerte, den schweren Weg zu gehen, von dem sie eine Wendung zum Guten erhoffen konnte. So Bemächtigte sich ihrer denn begreiflicherweise die Legende, um a^H ß CJe&e^ INTOPF SAMMLUNG ■pif&Qx&scfe~)iir„>/cMefr 5W^,«.9^äV? 793<S Hörgern: Letzte KintoptManimlang Sonn tat;, IS. nUrx An unsere Gemeindemitglieder! Die letzte Eintopfsammlung im diesjährigen Winterhilfsabsclinitt findet am Sonntag, 13. März, statt. Wir wollen allen unseren Gcmeindemitgliedern, die unsere Arbeit durch ihre Spenden unterstützt haben, recht herzlich danken. Der Ertrag der Eintopfsammlung vom 13. März dient dazu, Lebensmittel für die Pessachfeiertage für unsere Hilfsbedürftigen anzuschaffen. Sie wissen selbst, daß für diese Waren mehr Ausgaben notwendig sind. Wir bitten deshalb unsere Spender recht herzlich, die Beiträge für die diesmalige und letzte Eintopfsammlung zu erhöhen. Jüdische Winterhilfe. darzutun, daß sie, so wie sie war und handelte, nach dem göttlichen Plane an ihren Platz gestellt war. Wie hat die jüdische Legende Esther gesehen? Sie verzeichnet, daß ihr schon von Ahnen her besondere Aufgabe zugewiesen war. Zur Zeit des David, als dessen Sohn Absalom sich gegen den Vater empörte, kamen die Priester Zadok und Abiatlur, unentwegte Anhänger Davids, auf der Flucht vor dein jugendlichen Aufruhrer zur Frau des Simei, eines alten Gegners des Konig>, und suchten Schutz bei ihr. Da sie ihn fanden, sprach der Herr der Welt: weil durch ihre Hand zwei Oerechte gerettet worden sind, so sollen ihr zwei Gerechte entsprossen: Mardechai und Esther Damit läßt die Legende sie schon durch ihre Abstammung zu Hohem bestimmt sein. Ihr Vater starb vor, die Mutter bei ihrer Geburt In Mardechai fand sie einen warmherzigen Erzieher, der sie als Tochter in sein Haus nahm und zeitlebens um ihr Wohlergehen besorgt blieb. Nach der Art der Alten, im Namen Hinweise auf die Person zu erkennen, wird „Esther'' als der Name der Göttin Ischtai nicht als ihr wahrer Name anerkannt: sie hieße richtig ,,lladassah",dieMyrthe, Darin sei angedeutet, daß sie wie eine Pflanze grünlich ausgesehen habe und ihre Schönheit keine unbedingte gewesen sei. Gerade darin sehen aber die anderen einen Beweis fiir ihre ungewöhnliche Anmut, da sie trotz dieser Farbe der Haut so anziehend gewirkt habe. Von ihrer überwältigenden Schönheit weiß denn auch die Legende nicht genug zu rühmen; sie wird zu den vier schönsten Erauen gezählt und neben Sara, Abigail und Rahab gestellt. Nur so wird es verständlich gemacht, daß der Perserfürst in den Bann Esthers gezogen wurde. „Tausend Menschen blickten auf sie und alle priesen ihren überwältigenden Reiz. Man stellte Mederiimeii auf die eine Seite und Perserinnen gegenüber. Esthers Schönheit aber übertraf die aller anderen: sie fand Wohlgefallen in den Augen aller, der überirdischen wie der irdischen Wesen, gemäß dem Schriftwort (Spr. 3,4): und finde Gunst und guten Blick in Gottes und der Menschen Augen." (Esther . J Mit solcher strahlenden Schönheit mußte sie ausgestattet sein, um dr.s Herz des Königs zu gewinnen. Hatte er auch seine frühere Gemihlin verstoßen, so hing er doch immer noch in Liebe an ihr. Ein Bild der Vasthi hatte er stets vor seinen Augen. Sooft ihm eine der brauen vorgestellt wurde, unter denen er sich eine neue Gattin wählen wollte, verglich er sie mit diesem Bilde und fand, daß ihre Schönheit nicht an die der Verstoßenen heranreichte. Als er dann aber Esther gesehen und zur Gemahlin erhoben hatte, da entfernte er das Bild der früheren; seine Liebe zu Esther löschte die einstige Liebe für Vasthi aus. Es würde der Tiefe jüdischer Auffassung des Lebens widersprechen, wenn die Legende nur die äußeren Reize als Erklärung für das Wohlwollen anführen wußte, dessen Esther sich erfreute. Schon daß auf die grünliche Hautfarbe hingewiesen wurde, läßt erkennen, daß man die besonderen Vorzüge in ihrem Charakter sah, an ihrem Aussehen gerade den Ausdruck ihres edlen Wesens rühmte. Demgemäß werden denn auch Esthers Eigenschaften als ausgezeichnete hervorgehoben.