Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 8 (25.2.1938)
- Date
- 1938-02-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JODISCHES GE M EIN DEBLATT LEIPZIG 25. Februar 1938 / Nr. 8 Gemeinde-Abend (Zugleich Veranstaltung für das Jüdische Lehrhaus) Am Sonnabend, den 5. März 1938, 20.15 Uhr, wird Herr Gemeinderabbiner Dr. Ochs in der Ez-Chaim-Synagoge, Otto- Schill-Straße, auf Grund seiner vor kurzem beendeten Palästinareise einen Vortrag über „Erziehung und religiöses Leben in Palästina" halten. Wir laden hierzu alle Ciemcindemitglieder aufs herzlichste ein und erwarten zahlreiches Erscheinen! Für die Plätze der ersten 15 Reihen werden numerierte Einlaßkarten ausgegeben. Die Einlallkarte kostet 50 Pfg. und kann werktäglich von 9.30—13 Uhr im Gemeindeamt, Walter- Blümel-Straße 10, I. Stock, gelöst werden. Im übrigen wird kein Eintrittsgeld erhoben. Leipzig, den 22. Februar 1938. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. die fenster ausgeschlogcn" (Wenn Gott auf Erden wohnen würde, würden ihm die .Menschen die Fenster einschlagen) kann man Oedankenreihen über die Problematik des Menschseins in die Unendlichkeit spinnen, ohne eine Antwort zu finden. Da begnügt man sich schon besser mit der weisen Mahnung „Af gott tor men kejn kasches nit (regen, worein er sogt: as du willst wissen dem terez, kumm zu mir", das heißt: Gott kann man keine Fragen stellen, denn er sagt: willst du die Antwort wissen, dann komm EU mir! Ein feistreicher Autor sagt einmal vom Humor der Ostjuden, •laß er die Kmippel, die man ihm /wischen die Heine wirft, aufhebt, um sich aus ihnen eine Leiter EU bauen, auf der er über sein Geschick, über seine Leiden, über seinen freudlosen Alltag hinweg- Steigen kann. Eine solche Leiter sind auch die Sprichwörter, und auf den Sprossen der heiteren oder wehmütig lächelnden Lebensweisheit und der tapferen Selbsterkenntnis hebt sich die unsterbliche jüdische Den nachstehenden Aufruf empfehlen wir herzlich der Beachtung durch alle unsere Gemeindemitglieder. Leipzig, den 20. Februar 1938. Rabbinat der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Rabbiner Cohn, Rabbiner Dr. Ochs, Rabbiner Rogosnitzki. jüdische Winterhilfe Walter Metzner Wohlfahrtsamt der Israel. Religionsgemeinde zu Leipzig Walter Metzner Moaus Chitim Auch in diesem Jahre wendet sich der Moaus-Chitim-Ausschull an unsere Gemeindemitglieder mit der herzlichen Bitte, durch Gewährung reichlicher Spenden dazu beizutragen, daß die bedürftigen Gemeindemitglieder in die Lage versetzt werden können, die Peßachtage in Übereinstimmung mit den alten, fiberlieferten Vorschriften zu begehen. Angesichts der herrschenden Not muß die freiwillige Hilfstätigkeit um so mehr einsetzen, da die Gemeinde nicht mehr über die Mittel verfügt, um in ausreichendem Maße helfend einzugreifen. Die dem genannten Zwecke zugedachten Spenden werden auf das Postscheckkonto des Herrn S.Hodes(Postscheckkonto Nr. 56640 Leipzig) erbeten. Auch jeder der unterzeichneten Herren nimmt Spenden entgegen. Leipzig, den 20. Februar 1938 Der Moaus-Chitim-Ausschuß S. Hodes J. Ader J. Badt Dr. J. Braude Dr. Dzialowski P. Gelberg Max Kallmann G. Nathansen S. Obstler M. Sprung J. Sternheim, Seele in die freien Räume des Geistigen. Diese Weisheit und Selbserkenntnil findet auch für unsere Situation das richtige Wort »md mahnt uns, die wir sehenden Auges den Bankerott der Assimilationsidee erleben und die Unmöglichkeit erkennen, sich äulierlich und innerlich vom Judentum loszulösen, uns klarzumachen, wo unser Ort ist : bind't mich an Hand' und Füß' und werft mich EU den M einigen I Zählung der hilfsbereiten Juden in Deutschland. Am 27. Februar 193t* wird eine ..Zahlung der hilfsbereiten Juden in Deutschland" in Form einer Haussammlung in allen jüdischen lerneinden tliReiches durchgeführt. Diese Zählung knüpft an das Gebot der Zählung des Volke- (2. Buch M:i--i in, S I i) an, da-, in unseren Synagogen am heutigen Schabbath verlesen wird (Parschat schekalimi. Dieses bestimmte in alter Zeit, dall jeder, der gezählt wird, einen Spenderbetras gebe, ohne Unterschied, ob arm, ob reich; als ein SunnegeM für di« Person. Die Obung einer solchen Zahlung hat sich bis heute erhalten alljährlich, wenn der letzte Monat des jüdischen Kalenderjahre! naht, wird au sie erinnert. Die Zählung -;>ll in diesem Jahre vorzugsweise der Aulgabe dienen, den Juden in den besonders notleidenden Klein- und Mittel« gemeinden eine zusätzliche Hille tu bringen. Die Not in vielen Klein- und Mittelgemeinden hat sich in diesem Jahr auBerordentlich verschärft. Der fünfte Teil der von der Judischen Winterhilfe Unterstützten könnte von ihi ohne Hergäbe zentraler Mittel nicht versorgt werden. Eine starke Abwanderung ist in vielen Gemeinden EU ver/eiehnen; wenn auch die absolute Zahl der Hilfsbedürftigen in diesen Gemeinden im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist, so ist doch eine Zunahme d< - Anteils der Hilfsbedürftigen an der jüdischen Gesamtbevölkerung zu beobachten und somit eine Zunahme der Not. I - betrug der Anteil der Hilfsbedürftigen |Uj() M l'HT i8 in S< hl« sw ig-l b)l>tt in!<),(>' .. „ in Pommern 25,1" „ 20,1" in Ostpreußen «>,""„ 15,8" „ in Hessen-Nassau 28,7",, J<>,l"„ im Landkreis I riedberg-Hessen 2'),}" „ 45,6° „ In einzelnen Kleingemeinden sind weit mehr als die Hälfte, in einem Fall fast 90 der Gemeindemitglieder hilfsbedürftig. Hierfür ~i .i .i einige Beispiele angeführt: Alt Landsberg: II" Oemeindemitgiieder, davon 70 Hilfsbedürftige: Johannisburg Opr.: V) Oemeindemitgiieder, davon ">1 Hilfebedürftige; Neidenburg: '>n Oemeindemitgiieder, davon 15 Hilfsbedürftige; Krojanke 'il Oemeindemitgiieder, davon J8 Hilfsbedürftige; Neuruppui: 55 I lemeindemitglieder, davon JO Hilfsbedürftige; Bezirk Trier: 504 OemeindemitgUcder, davon 203 Hilfsbedürftige. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, die neben der Leitung der gesamten Judischen Winterhilfe insbesondere der Versorgung der Juden in den Norstandsgcmciiiden ihre Aufmerksamkeit zuwendet, ist nicht imstande, die Hilfsbedürftigen in diesen Gemeinden ausreichend zu versorgen, wenn sie nicht zusätzliche Mittel erhält. Darum ergeht an alle jüdischen Männer, Frauen und Kinder die Aufforderung, Spendcnschcinc zu erwerben; für sich selbst oder für andere, um unter den „hilfsbereiten" Juden mitgezählt zu werden. Der Gegenwert des Spendenscheins dient zur Betreuung der Hilfsbedürftigen in den N'otstandsgemeimlen. ,,Werkdienst am Zelt der Gegenwart" nennt die Schrift die Hingabe eines Opfers bei der Zählung. Werkdienst am Zelt, das die Judische Winterhilfe schlitzend über die Hilfsbedürftigen Unsere) Gemeinschaft spannt, ist die Einordnung in die Zahl der Helfenden. Die Zählung der hilfsbereiten Juden in Deutschland reibt die Jüdische Winterhilfe ein in die große Tradition des Helfens. Sie gibt jedem Juden in Deutschland die Möglichkeit, Solidarität zu üben mit denjenigen, die vereinsamt in den mittleren und kleineren Gemeinden leben. Wir wissen, dal) diese Hilfe längstens nicht mehr nur materielle Not lindert, sondern daß sie die Einsamkeit aufhellt und dem Linzeinen das Gefühl der Geborgenheit in seiner Gemeinschaft gibt. Jüdische Zeitschau Die Zionistische Vereinigung und der Beirat der Jcwish Agence in Deutschland haben folgende Kundgebung beschlossen: Das Weilibuch zur Palästina-Politik, das die britische Regierung am 23. Dezember 1937 erlassen hat, erfüllt die Judenheit In Deutschland mit ernster Sorge und Befürchtung. Viele Monate soll die Tätigkeit der neuen technischen Dutersuchungskommissiou währen. Lin höchst langwieriges Verfahren für die Behandlung ihrer Ergebnisse steht in Aussicht. So wird die bereits hart auf dem Lande lastende Ungewilihcit seines politischen Schicksals auf unabsehbare Zeit verlängert, die Wirtschaft Palästinas aufs schwerste gelähmt und die ersehnte Befriedung schwieriger gestaltet. Für unsere eigene Geineinschaft und darüber hinaus für die Judenheit Mittel- und Osteuropas ist ein solches Hinauszögern unerträglich. Angesichts der fortschreitenden Einengung ihrer Lxistcnzgrundlagen, einer zunehmenden Verarmung und einer sich von Tag zu Tag verschärfenden Auswanderungsnotwendigkeit blicken Hunderttausende aufbruchsbereiter Juden dieser Gebiete auf Palästina als auf ihre Rettung. Die Fortdauer des